Die Bedeutung Theoderichs des Großen während des laurentianischen Schismas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

13 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

1 Das italienische Ostgotenreich

2 Die katholische Kirche zur Zeit des italienischen Ostgotenreichs
2.1 Die Stellung und das Ansehen Theoderichs
2.2 Das akakianische Schisma
2.2.1 Exkurs: Das Henotikon
2.2.2 Die Auswirkungen des Henotikon

3 Das laurentianische Schisma
3.1 Die Doppelwahl von Symmachus und Laurentius
3.2 Die Rolle Theoderichs im Verlauf des Schismas
3.2.1 Theoderich als Schiedsrichter
3.2.2 Theoderich als ‚Retter‘?

4 Die Bedeutung Theoderichs nach dem Schisma

Literaturverzeichnis

1 Das italienische Ostgotenreich

Die Ostgoten wurden bereits Mitte des fünften Jahrhunderts zum christlichen Glauben bekehrt. Nach dem Ende der Hunnenherrschaft ca. 456 siedelte sich das Volk als Föderaten auf römischen Reichsgebiet in Pannonien an. Dort wurden sie von arianischen Christen missioniert, die ihren Glauben durch den Mönch Wulfila erhalten haben.[1] Der Arianismus wurde allerdings bereits im zweiten ökumenischen Konzil von Konstantinopel 381 als Häresie ver­urteilt. In diesem christologischen Entwurf sind „Gott und Christus [...] in allem gleich (homoios / similis) im Unterschied zum nizänischen Bekenntnis von der Homoousie (Wesens­einheit) von Vater und Sohn.“[2] Durch die Annahme der Wesensgleichheit nennt man diesen Arianismus auch ‚Homöismus‘.

Das Volk der Ostgoten breitete sich schließlich unter der Herrschaft des Amalers Theoderich immer weiter aus. Theoderich der Große bemühte sich zudem um ein eigenständiges Reich ohne den bisherigen Föderatenstatus. Er verhandelte mit Kaiser Zenon, um in seinem Auftrag Westrom zu erobern, wo zuvor Odoaker nach dem Sturz des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus die Vorherrschaft übernommen hatte. Der Lohn für den Sieg gegen Odoaker bestand darin, dass Theoderich die Befehlsgewalt über das italienische Reichsgebiet bis zum Eintreffen Zenons inne haben sollte. Nach einem langen Kampf gelang 493 Theoderich der Triumph über Odoaker und schnell wird deutlich, dass Theoderich nicht nur übergangsweise herrschen wollte: Bereits nach dem Mord an seinem Gegners ersucht er um Zenons Anerkennung als eigenständiger Herrscher. Die Bestätigung erhielt er aber erst 498, als ihm Kaiser Anastatius I. die kaiserlichen Ehrenzeichen, die vestis regia und omnia ornamenta palatii, überreichen ließ.[3]

Das Verhältnis der Ostgoten zu den Bewohnern des weströmischen Reiches blieb trotz der Invasion des Germanenstammes – ohnehin eher eine Völkerwanderung als eine Militär­expedition[4] – und der grausamen Ermordung Odoakers und seiner Familie friedlich. Begünstigt wurde das friedliche Zusammenleben durch die überlegte Politik Theoderichs. Er versuchte, die Kontinuität des römischen Staatssystems zu erhalten und zusätzliche Ämter für seine ostgotische Bevölkerung zu schaffen. Damit beugte er einem Widerstand gegen ein neues aufoktroyiertes System vor und drängte alteingesessene römische Familien keinen wichtigen politischen Ämtern. Dem italienischen Ostgotenreich lag die Idee der civilitas zu Grunde, wobei die Römer relativ unbehelligt leben konnten, während das ostgotische Heer den Frieden sicherte.[5]

Auch in Glaubensfragen herrschte eine große Toleranz zwischen den arianischen Ostgoten und den christlichen Römern, obwohl der Arianismus der katholische Kirche ein großer Dorn im Auge war – so verglich beispielsweise Papst Gelasius den Arianismus mit einer Seuche.[6] Die friedliche Koexistenz beider Konfessionen lag zwar vor allem an Theoderichs Maxime: „religionem imperare non possumus“[7], freilich aber auch an den politischen Vorteilen für beide Seiten, die ein solches Nebeneinander von verschiedenen Konfessionen mit sich brachte. So profi­tierte die katholische Kirche von dem neuen weltlichen Beschützer, und auch Theoderich konnte das gute Verhältnis zur katholischen Kirche für seine antibyzan­tinische Politik nutzen. Selbst Papst Gelasius, der bekannt dafür war, jede Form der Häresie aufs Schärfste zu verurteilen, war dem arianischen Gotenkönig wohlgesonnen.

Die Kirchengeschichte des fünften und sechsten Jahrhunderts war geprägt vom aka­kia­ni­schen und dem laurentianischen Schisma. Vor allem für das innerrömische Schisma spielt Theoderich als Herrscher eine große Rolle. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Folgenden mit dem laurentianischen Schisma und der Frage, welche Rolle Theoderich während der Kirchenspaltung gespielt hat. Es wird sich zeigen, dass der Gotenkönig immer wieder von der katholischen Kirche um Hilfe gebeten wurde, was seine Stellung innerhalb der Kirche und des italienischen Gotenreiches stärken konnte. Um verständlich zu machen, wie es zum laurentianischen Schisma und Theoderichs Bedeutung währenddessen kam, soll zunächst Theode­richs Stellung innerhalb der katholischen Kirche beleuchtet und das akakianische Schisma erläutert werden. Nach der Schilderung der Ereignisse während des laurentianischen Schismas wird die Arbeit mit einer kurzen Darstellung des weiteren Verlaufs der Kirchengeschichte abschließen.

2 Die katholische Kirche zur Zeit des italienischen Ostgotenreichs

2.1 Die Stellung und das Ansehen Theoderichs

Der katholische Klerus Italiens betrachtete Theoderich mit großer Sympathie: Zum einen galt Theoderich als sehr gläubiger Christ, der bereits am Hofe Leos I. in Konstantinopel nicht nur eine umfassende Bildung, sondern auch eine christliche Erziehung genießen durfte.[8] Seine Frömmigkeit zeigte sich zum Beispiel vor Gefechten, auf die sich der Amaler stets durch Gebet und Buße vorbereitete. „Alle seine Erfolge schrieb er daher dem Willen Gottes zu.“[9] Auch die Reise nach Rom im Jahre 500 trug zum positiven Bild Theoderichs bei, denn zu allererst besuchte der Amaler die katholische Petersbasilika, um am Grab des heiligen Apostels zu beten. Erst danach zog er weiter vor den Senat.[10] Dennoch hielt der Glaube den Goten nicht davon ab, gegen andere Christen zu kämpfen. Der blutige Mord an Odoaker erscheint umso kaltblütiger, als Odoaker ebenfalls ein gläubiger Christ war, dem aber ein christliches Begräbnis verwehrt wurde.[11]

Zum anderen rühmte man Theoderich den Großen vor allem dafür, dass er trotz der unterschiedlichen Konfession niemals versuchte, den Römern die eigene Konfession aufzuzwingen. Generell kann man sagen, dass Theoderich ein Verfechter der Glaubens- und Religionsfreiheit zwar, denn auch die Juden standen unter seinem Schutz.[12] Sein Ansehen steigerte sich bei der katholischen Bevölkerung auch dadurch, dass er keine katholischen Kirchen übereignen, sondern statt­dessen neue arianische Kirchen bauen ließ. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Palastkirche in Raven­na.[13] Im Gegensatz zu anderen germanischen Herrschern bemühte sich Theoderich darum, keinerlei Streitigkeiten mit dem katholischen Klerus und dem gläubigen Volk entstehen zu lassen. Die Goten zwangen „niemandem ihren Glauben auf und akzeptierten es ohne weiteres, wenn ihre Landsleute zum katholischen Glauben übertraten.“[14] Das beste Beispiel findet sich direkt in Theoderichs familiärem Umfeld: Die Mutter Theoderichs konvertierte zum katholischen Glauben und ließ sich nach der Taufe Eusebia. Trotz der entstandenen Glaubensdifferenzen blieb das Verhältnis zwischen der Mutter und ihrem Sohn bis zum ihrem Tod unverändert gut.[15]

[...]


[1] vgl. Schäferdiek, 509.

[2] Brennecke, 135.

[3] vgl. Giese, 68 ff. und Todd, 163 f.

[4] vgl. Todd, 164.

[5] vgl. Giese, 83 ff..

[6] S. Gelasius, 415.

[7] Cassiodor, 63.

[8] vgl. Ausbüttel, 18 ff.

[9] ebd., 93.

[10] vgl. Deschner, 320 und Giese, 79 f.

[11] vgl. ebd., 319 und Giese, 71.

[12] vgl. Brennecke, 133 ff.

[13] vgl. Hauschild, 359.

[14] Ausbüttel, 93.

[15] vgl. ebd., 17 und 93.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung Theoderichs des Großen während des laurentianischen Schismas
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V181166
ISBN (eBook)
9783656039389
ISBN (Buch)
9783656039563
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, theoderichs, großen, schismas
Arbeit zitieren
Lisa Brand (Autor), 2009, Die Bedeutung Theoderichs des Großen während des laurentianischen Schismas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181166

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