Möglichkeiten und Grenzen der Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung


Studienarbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Marktwirtschaft und Liberalisierung
2.1 Grundgedanken zu Märkten, Angebot und Nachfrage
2.2 Grundgedanken zur Liberalisierung

3 Rahmenbedingungen für eine Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung
3.1 Technische Aspekte einer Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung
3.2 Marktform der Trinkwasserversorgung
3.3 Möglichkeiten von Wettbewerb in der Trinkwasserversorgung
3.4 Rechtliche Rahmenbedingungen in der Europäischen Union
3.5 Wirtschaftliche Aspekte der Trinkwasserversorgung
3.6 Wasserversorgungsunternehmen in Europa

4 Erfahrungen mit der Liberalisierung öffentlicher Versorgungsnetzwerke
4.1 Bisherige Erfahrungen mit der Liberalisierung der Trinkwasserversorgung
4.2 Bisherige Erfahrungen mit der Liberalisierung anderer Branchen der Versorgung

5 Diskussion über eine Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung
5.1 Argumente pro Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung
5.2 Argumente contra Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung

6 Zusammenfassung der Erkenntnisse

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Marktformen

1 Einleitung

Wasser ist neben Luft das Lebensmittel des Menschen, das nicht ersetzt werden kann. Es wird im menschlichen Organismus als Lösungsmittel benötigt, da eine Vielzahl polarer Verbindungen im Wasser gelöst werden, so z. B. im Blut oder im Zellsaft.[1] Es wird außerdem in großem Umfang als Hygienemittel verwendet. Als Trinkwasser wird solches Wasser bezeichnet, dessen Reinheitsgrad so hoch ist, dass es im menschlichen Körper verwendet werden kann.

Wasser sollte als Trinkwasser für den Menschen jederzeit in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stehen.

Wasser gilt in den meisten Kulturen als öffentliches Gut;die Trinkwasserversorgung befindet sich vielfach in der öffentlichen Hand.[2] Dennoch spielt die politische Diskussion um Privatisierung und Liberalisierung der Trinkwasserversorgung derzeit eine große Rolle; die unterschiedlichen Positionen hierbei können sehr gegensätzlich sein: die einen sehen in Liberalisierungen die Lösung aller Probleme, während die anderen sich um die Erhaltung des Allgemeinwohls sorgen.[3] In Deutschland wurde die Diskussion um die Liberalisierung dieses Marktes bereits im Jahr 1999 begonnen, in der sich anschließenden Zeit haben immer mehr Kommunen ihre Wasserversorgungsunternehmen an private Betreiber verkauft.[4]

Diese Arbeit soll einen Überblick über die Möglichkeiten und Grenzen einer Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung geben. Dabei werden u. a. die Rahmenbedingungen hierfür dargestellt und Betreibermodelle diskutiert.

2 Marktwirtschaft und Liberalisierung

2.1 Grundgedanken zu Märkten, Angebot und Nachfrage

Ein Markt entsteht, wenn der Anbieter und der Nachfrager eines Gutes zusammentreffen. Märkte können in drei verschiedenen Formen eingeteilt werden: Monopol, Oligopol und Polypol. Die Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Entstehung der verschiedenen Marktformen.

Tabelle 1: Marktformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung nach: Ashauer, Günter (1994), S. 91.

In einem polypolistischen Markt richten sich die Marktpreise nach den angebotenen und nachgefragten Mengen. Umgekehrt richtet sich die angebotene und nachgefragte Menge nach den angebotenen Preisen. So kann es in einem Markt zum Gleichgewicht kommen.[5]

In einem monopolistischen Markt richten sich die Marktpreise nach den Vorstellungen des Marktteilnehmers mit Monopolstellung. Bei einem Angebotsmonopol kann der Anbieter höhere Preise verlangen, allerdings nicht zu sehr, denn er muss sonst den Markteintritt von anderen Anbietern fürchten (Theory of the contestable markets).[6]

In einem oligopolistischen Markt richten sich die Marktpreise nicht nur nach den angebotenen und nachgefragten Mengen, sondern auch nach dem Verhalten der anderen Marktteilnehmer. Es kann zum scharfen Wettbewerb wie im Polypol, zu Preisstarrheit, Preisabsprachen und Preisführerschaft eines Teilnehmers kommen.[7]

Die genannten Marktformen gelten alle unter der Annahme, dass sämtliche Güter und Produktionsfaktoren beliebig teilbar seien. Einen Sonderfall stellt das „natürliche Monopol“ dar, bei welchem diese Annahme nicht gilt, es bestehen also Unteilbarkeiten. Dies ist dann der Fall, wenn die Kapazität bestimmter Ressourcen auf Grund technischer Gegebenheiten nur in großen Abständen geteilt werden kann. Natürliche Monopole treten z. B. bei der leistungsgebundenen Versorgung (lokales Stromnetz, lokales Telekommunikationsnetz) oder im Schienenverkehr auf. Natürliche Monopole bergen die Gefahr überhöhter Preise und schlechter Leistung des Anbieters, da er keine Konkurrenz fürchten muss. Weiterhin dürfte der Anbieter wenig Interesse an technischem Fortschritt haben, um seine Stellung als Monopolist zu festigen.[8]

2.2 Grundgedanken zur Liberalisierung

Liberalisierung (auch Deregulierung genannt) ist ein „von der OEEC 1949 eingeführter Begriff für die stufenweise Beseitigung von Einfuhrverboten und -kontingenten im gegenseitigen Außenhandel“.[9] Sie soll der Privatwirtschaft und den Marktkräften Handlungsfreiheit verschaffen und Staatseinflüsse verhindern.

Privateigentum und Wettbewerb sind die wichtigsten Elemente einer Marktwirtschaft, ohne die diese nicht existieren kann. Durch sie entstehen Anreizwirkungen bei richtigem und Sanktionsmöglichkeiten bei falschem Marktverhalten, sodass ein Marktgleichgewicht entstehen kann. Bei mehreren Anbietern im Markt entsteht für diese so die Notwendigkeit, laufend ihre Güter den Bedürfnissen der Nachfrager anzupassen und möglichst effizient zu produzieren.[10] Es sollte in einer Marktwirtschaft also das Ziel sein, dass der Staat sich möglichst wenig am wirtschaftlichen Geschehen beteiligt und möglichst viele Leistungen nach den Gesetzen des Marktes erbracht werden.

Liberalisierungen von Märkten, auf denen der Staat vorher eine Monopolstellung als Anbieter hatte, haben häufig eine Privatisierung der dort aktiven staatlichen Betriebezur Folge.[11] Liberalisierungen werden nicht nur wegen marktwirtschaftlicher Argumente durchgeführt,sondern auch, weil hiervon eine Entlastung der öffentlichen Kassen erhofft wird. Diese Idee ist nicht neu, so war z. B. Österreich aus Finanznot bereits um 1850 gezwungen, das Staatsbahnsystem an Privatgesellschaften zu verkaufen, später wurde es wieder verstaatlicht und anschließend erneut privatisiert.[12] Dieses Beispiel zeigt, dass Liberalisierungen von Aufgaben der öffentlichen Versorgung nicht immer auf der Grundlage von Erkenntnissen über ihre langfristige Auswirkung, sondern auch wegen der Meinungen der entscheidenden Personen und insbesondere der Situationen der öffentlichen Kassen erfolgen.

Wenn durch eine Liberalisierung Marktkräften Handlungsfreiheit verschaffen wird, muss gleichzeitig Wettbewerb entstehen, um die auf Angebot und Nachfrage basierenden Marktmechanismen zu erhalten. Ansonsten besteht die Gefahr eines Oligopols oder Monopols. In einem solchen Fall kann der Staat eingreifen und durch eine Regulierung des Marktes die Oligopol- oder Monopolsituation zu entschärfen. Das kann durch einen eigenen Markteintritt als Anbieter oder Nachfrager oder durch das Außerkraftsetzen von Marktmechanismen wie durch die Festsetzung von Preisen geschehen.

3 Rahmenbedingungen für eine Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung

3.1 Technische Aspekte einer Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung

Trinkwasser ist nicht beliebig mischbar, die Anforderungen an dessen Qualität sind hoch, es ist nur bedingt lagerbar. Anders als bei Strom und Gas wird das Einspeisen von Trinkwasser und der Transport in einem gemeinsamen Versorgungsnetz als kritisch angesehen.[13] Bei einer Liberalisierung mit einem gemeinsamen Verteilungsnetz und Durchleitung des Wassers verschiedener Anbieter würden wahrscheinlich größer zusammenhängende Versorgungseinheiten als heute entstehen; die Bedeutung von Fernleitungssystemen würde steigen. Allerdings steht dem entgegen, dass in Deutschland die ortsnahe Wasserversorgung Vorrang genießt.[14] Die Produktion von Trinkwasser ist im Gegensatz zu der von Strom ortsgebunden, da sie sich an Wasservorkommnissen orientieren muss.

Sollte trotz vorhandener Bedenken ein Durchleitungssystem mit verschiedenen Einspeisern als Anbieter etabliert werden, wird dies nur mit einer Art Einheitswasser möglich sein. Für die Anbieter entfällt allerdings der Anreiz, qualitativ besonders hochwertiges Wasser einzuspeisen, da es sich im System mit dem Wasser der anderen Anbieter durchmischt. Es stellt sich daher die Frage, nach welchem Prinzip die Anbieter bei Verunreinigungen zur Verantwortung gezogen werden können.

Die Infrastruktur der europäischen Trinkwasserversorgung mit Anlagen zur Wasserbeschaffung, Wasseraufbereitung, Wasserspeicherung und Wasserverteilung ist so aufwendig[15], dass ein wirtschaftlicher Betrieb zweier paralleler Versorgungsnetze nicht möglich ist.

Es zeigt sich, dass innerhalb eines Versorgungsnetzes wegen der technischen Schwierigkeiten nur ein Anbieter aktiv sein sollte. Für eine Trinkwasserversorgung können demnach nicht alle Regeln der Marktwirtschaft gelten und Wettbewerb nur eingeschränkt entstehen.

3.2 Marktform der Trinkwasserversorgung

Trinkwasser ist ein Lebensmittel, das nicht ersetzt werden kann und von jedem Menschen benötigt wird[16] ; daher gibt es im Markt der Trinkwasserversorgung viele Nachfrager.

In Kapitel 3.1 wurde festgestellt, dass nur ein Anbieter innerhalb eines Versorgungsnetzes aktiv sein sollte. Wenn ein Anbieter aber über die gesamte Infrastruktur von der Wassergewinnung bis zur Lieferung des Trinkwassers an den Konsumenten und ggf. auch über die Anlagen der Abwasserentsorgung verfügt, muss er keine Konkurrenz durch eine neu zu errichtende parallele Infrastruktur fürchten, da diese nicht wirtschaftlich zu betreiben wäre.[17]

Die Trinkwasserversorgung ist in Europa also ein natürliches Monopol[18] und erfordert das Eingreifen des Staates als außenstehende Instanz, da ein freier Wettbewerb von Anbietern um die Nachfrager nicht stattfinden kann.

3.3 Möglichkeiten von Wettbewerb in der Trinkwasserversorgung

Trotz des natürlichen Monopols ist ein eingeschränkter Wettbewerb in bestimmten Bereichen der Trinkwasserversorgung vorstellbar:

Wettbewerb um den Markt (und nicht innerhalb des Marktes)

Wettbewerb in den Randzonen der Versorgungsgebiete

Wettbewerb auf langfristige Sicht

Bei einem Wettbewerb um den Markt (und nicht innerhalb des Marktes) der Trinkwasserversorgung konkurrieren die Anbieter nicht auf einem Markt um die Gunst der Nachfrager, sondern um die Erlaubnis, auf dem Markt die Trinkwasserversorgung sicherstellen zu dürfen. Hierfür wird diese Lizenz in regelmäßigen Abständen im Wettbewerb ausgeschrieben und an den Anbieter mit dem besten Angebot vergeben. Die Definition des besten Angebots kann die entscheidende Stelle selbst festlegen, i. d. R. dürfte aber das effizienteste Angebot den Zuschlag erhalten. Auf diese Art werden beim Anbieter trotz natürlichen Monopols Anreize zur Effizienzsteigerung gegeben.

[...]


[1] Zusammenfassende Darstellung bei: Campbell, Neil A. / Reece, Jane B. (2003), S. 49-59.

[2] Vgl. Grambow, Martin (2008), S. 62.

[3] Vgl. Grambow, Martin (2008), S. 61.

[4] Vgl. o. V. (2001), S. 3.

[5] Vgl. Ashauer, Günter (1994), S. 92f.

[6] Vgl. Ashauer, Günter (1994), S. 100f.

[7] Vgl. Ashauer, Günter (1994), S. 101.

[8] Vgl. Fritsch, Michael/Wein, Thomas/Ewers, Hans-Jürgen (2005), S. 179f.

[9] O. V. (1955), S. 216.

[10] Vgl. Schulze, Andreas (2003), S. 1f.

[11] Vgl. Sander, Gerald G. (o. J.), S. 6.

[12] Vgl. Franz, Georg (1955), S. 79.

[13] Vgl. Grambow, Martin (2008), S. 65.

[14] Vgl. Heymann, Eric (2001), S. 11.

[15] Zusammenfassende Darstellung bei: Gujer, Willi (1999), S. 111-187.

[16] Vgl. Kapitel 1.

[17] Vgl. Kapitel 3.1.

[18] Vgl. Kapitel 2.1.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen der Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main  (Bau)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V181208
ISBN (eBook)
9783656042600
ISBN (Buch)
9783656042730
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
möglichkeiten, grenzen, liberalisierung, trinkwasserversorgung
Arbeit zitieren
Stefan Altmann (Autor:in), 2011, Möglichkeiten und Grenzen der Liberalisierung der europäischen Trinkwasserversorgung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181208

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