Im Laufe des Seminar „Devianz und Sozialverhalten“ haben wir uns unter anderem mit
sozialen Normen, abweichendem Verhalten sowie Sexualität beschäftigt. Diese Themen
sollen in dieser Hausarbeit nochmals aufgeführt und in Verbindung gebracht werden –
allerdings unter dem Einbezug des sozialen Wandels. Dieser spielt deshalb eine solch
wichtige Rolle, weil sich durch ihn Menschen, Einstellungen und
Normalitätsvorstellungen ändern. Lebenssituationen, die zu einem bestimmten
Zeitpunkt undenkbar waren, können zu einem anderen Zeitpunkt alltäglich werden.
Bildungswege, die in einem bestimmten Augenblick nur für einige Bevölkerungsschichten
zugänglich waren, können plötzlich für alle Menschen zugänglich gemacht
werden. Rollenverteilungen, die selbstverständlich zu sein schienen, werden
angezweifelt und geändert.
Das Ziel dieser Hausarbeit liegt darin, einige dieser Veränderungen zu beschreiben und
herauszufinden, warum sie stattfinden. Außerdem soll geklärt werden, ob die
Menschheit den sozialen Wandel überhaupt benötigt. Die Arbeit soll den Leser zum
Nachdenken anregen, vor allem darüber, warum sich Dinge verändern und wie die
Menschen die Veränderungen sehen sollen- positiv oder negativ. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition des sozialen Wandels
2.1 Grundtrends sozialen Wandels
2.2 Funktion des sozialen Wandels
3 Devianz im sozialen Wandel
3.1 Geschlechter
3.2 Devianz am Beispiel von Homosexualität
3.3 Antibabypille
3.4 Kindesmissbrauch
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Konzept des sozialen Wandels zu beschreiben, dessen Notwendigkeit zu hinterfragen und die wechselseitige Beeinflussung von gesellschaftlichem Wandel und dem Verständnis von Devianz zu analysieren.
- Grundlagen und Definitionen des sozialen Wandels
- Soziologische Erklärungsansätze für Wandlungsprozesse
- Analyse von Devianz am Beispiel der Geschlechterrollen
- Wandel gesellschaftlicher Normen bei Homosexualität und Familienmodellen
- Die Rolle von Verhütungsmitteln und deren Einfluss auf die Gesellschaft
- Historische und aktuelle Betrachtung von Kindesmissbrauch als Tabuthema
Auszug aus dem Buch
3.1 Rollenverteilung der Geschlechter
Die Rollenverteilung der Geschlechter ist seit vielen Jahren ein großes Thema. Der Umgang mit dieser, wenn man auf die deutsche Geschichte zurückblickt, ist sehr unterschiedlich. In diesem Teil der Hausarbeit wird auf die Rollenverteilung der Geschlechter in West- und Ostdeutschland eingegangen und die Entwicklung dieser bis zum heutigen Tag aufgezeigt.
Als in der DDR die hochqualifizierten Arbeiter zur Rarität wurden und man nicht Hunderttausende von ausländischen Gastarbeitern anwerben wollte, beschloss das SED - Regime auf den ostdeutschen Frauenbestand zurückzugreifen. Kurz vor der deutschen Vereinigung waren in der DDR 91 Prozent der Frauen berufstätig. Um den Mangel an männlichen Arbeitskräften durch Frauen auszugleichen, sah die Regierung sich gezwungen den Frauen nicht nur genügend Freiraum zu schaffen, sondern auch ihre berufliche Qualifikation zu erhöhen. Viele der ostdeutschen Frauen erhielten so einen Facharbeiterinnenbrief oder gar einen Hochschulabschluss. So wurden außerdem flächendeckend Krippen und Kindergärten eingerichtet. Die Frauen bekamen das Gefühl, selbständig und finanziell unabhängig zu sein, was die hohe Scheidungsrate zur Folge hatte. Möglicherweise lag es auch daran, dass trotz der hohen Erwerbsquote unter Frauen, der Mann doppelt so viel für die gleiche Arbeit verdiente und als Ernährer der Familie galt. Abgesehen davon, sah die Arbeitsteilung zu Hause nicht viel anders aus, da erwerbstätige Frauen neben ihrem Beruf die gleiche Hausarbeit erbringen sollten wie zuvor. Dies war um 50 Prozent mehr als in Westdeutschland. Heute ist ein eigenständiges Leben ohne Bevormundung von Männern, Zugang zu allen öffentlichen Lebensbereichen sowie die Wahrnehmung gleicher Rechte eine Selbstverständlichkeit für Frauen geworden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themen soziale Normen und Devianz unter Berücksichtigung des sozialen Wandels ein und formuliert zentrale Forschungsfragen.
2 Definition des sozialen Wandels: Dieses Kapitel erläutert den soziologischen Begriff des sozialen Wandels anhand bedeutender Theorien und benennt wichtige Einflussfaktoren.
2.1 Grundtrends sozialen Wandels: Hier werden 12 spezifische Trends, wie die Entwicklung zur Leistungsgesellschaft oder die demografische Alterung, detailliert aufgelistet.
2.2 Funktion des sozialen Wandels: Dieses Kapitel untersucht die Notwendigkeit des Wandels zur Problemlösung in Gesellschaften anhand von Theorien von Eisenstadt und Smelsers.
3 Devianz im sozialen Wandel: Der Abschnitt definiert den Begriff der Devianz soziologisch und leitet die Analyse an verschiedenen gesellschaftlichen Beispielen ein.
3.1 Geschlechter: Hier wird die Entwicklung der Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen, insbesondere im Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland, aufgezeigt.
3.2 Devianz am Beispiel von Homosexualität: Dieses Kapitel analysiert den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Homosexualität von einer pathologischen Einstufung hin zu einer zunehmenden Akzeptanz.
3.3 Antibabypille: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss der Pille auf die Selbstbestimmung der Frau und wie sich die gesellschaftliche Bewertung dieses Themas wandelte.
3.4 Kindesmissbrauch: Hier wird der Wandel von der Tabuisierung hin zum öffentlichen Diskurs über Kindesmisshandlung thematisiert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Allgegenwärtigkeit des sozialen Wandels zusammen und betont, wie sich dadurch auch das Verständnis von abweichendem Verhalten kontinuierlich verändert.
Schlüsselwörter
Sozialer Wandel, Devianz, Soziologie, Geschlechterrollen, Normen, Homosexualität, Antibabypille, Kindesmissbrauch, Leistungsgesellschaft, Wohlstandsgesellschaft, Familienmodell, Werte, Integration, Transformationsprozess, Gesellschaftsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wechselverhältnis zwischen dem sozialen Wandel und dem gesellschaftlichen Verständnis von Devianz, also abweichendem Verhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Wandel von Geschlechterrollen, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Homosexualität, die Auswirkungen der Antibabypille auf Frauenrollen sowie die Thematisierung von Kindesmissbrauch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Veränderungen in der Gesellschaft zu beschreiben, deren Ursachen zu hinterfragen und zu klären, warum sich die Sichtweise darauf – von deviant zu normal – stetig wandelt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die soziologische Definitionen und Theorien heranzieht und diese durch statistische Daten und Literaturanalysen veranschaulicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des sozialen Wandels sowie eine praxisnahe Untersuchung von vier Fallbeispielen zu den Themen Geschlechter, Homosexualität, Antibabypille und Kindesmissbrauch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind sozialer Wandel, Devianz, Soziologie, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Normen.
Welchen Einfluss hatte der soziale Wandel konkret auf die Rolle der Frau in der DDR?
Durch den Bedarf an Arbeitskräften wurden Frauen stärker in den Beruf integriert, was zu höherer Qualifikation, aber auch zur Doppelbelastung zwischen Beruf und Haushalt führte.
Warum wird Homosexualität in der Arbeit als Beispiel für Devianz angeführt?
Sie dient als Beispiel, weil sich die Bewertung durch die Gesellschaft massiv gewandelt hat: von der Einstufung als psychische Krankheit hin zu einer zunehmenden Forderung nach Akzeptanz.
- Quote paper
- Alla Ujkanovic (Author), 2011, Devianz im sozialen Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181219