Psychosoziale Diagnostik in der Klinischen Sozialarbeit. Ein Fallbeispiel


Hausarbeit, 2009
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Kurze Vorstellung der Wirkungsstätte / Arbeitsstelle

2. Psycho-soziale Diagnostik
2.1 Verortung der psycho-sozialen Diagnostik
2.2 Begriffsbestimmung
2.3 Instrumente Psycho-sozialer Diagnostik
2.3.1 ICD 10
2.3.2 Biographische Diagnostik/Anamnese
2.3.3 Netzwerkdiagnostik
2.3.3.1 Eco Map
2.3.3.2 Netzwerkkarte
2.3.3.3 Netzwerkkarte und Eco Map im Vergleich
2.4 Koordinaten psycho-sozialer Diagnostik

3. Fallbeispiel „Nele“
3.1 Methodischer Ablauf der Psychosozialen Diagnostik
3.2 Aufnahmegrund/ Situation (Quelle Hilfeplanprotokolle)
3.3 Anamnese
3.4 Diagnostische Klassifizierung nach dem ICD 10
3.5 Netzwerkanalyse

4. Koordinaten psycho- sozialer Diagnostik und Intervention
4.1 Interventionsplanung

5. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit wird ein Fallbeispiel aus der suchtherapeutischen Arbeit mit Jugendlichen mit Hilfe der psycho-sozialen Diagnostik in der Klinischen Sozialarbeit bearbeitet und ausgewertet.

Die Klinische Sozialarbeit ist eine Spezialrichtung der „Sozialen Arbeit“. Sie orientiert sich bei individuellen Problemlagen an Lösungsstrategien, welche eine Person in ihrem sozialen Lebensbedingungen als Ganzes berücksichtigt. (Pauls, 2004, S. 11 ff)

Durch die wirtschaftliche Globalisierung und Öffnung Deutschlands zu einem großen Europa, ist eine zunehmende soziale Ungleichheit mit gesundheitlichen Folgen entstanden, deren Auswirkungen sich in der Sozial Arbeit immer häufiger präsentieren. Unsere Klienten leiden an einem immer breiter werdenden Spektrum multidimensionaler Probleme, die nur durch erweiterte Kompetenz im klinischen Bereich erfolgreich behandelt werden kann. Die Clinical Social Work (CWS) der USA befasst sich schon seit Jahren intensiv mit dem Aspekt der psycho-sozialen Diagnostik. Sie ermöglicht eine detaillierte Sicht auf die möglichen Ursachen der Probleme zu lenken und fokussieren.

Anhand dieses geschärften Blickes und der direkten Interaktion mit den Klienten kann Ressourcenorientiert gehandelt und behandelt werden, um somit die Lebenswelt und den Alltag der Klienten zu verbessern

Im ersten Teil dieser Hausarbeit wird die Wirkungsstätte der Verfasserin kurz vorgestellt.

Der zweite Teil wird den theoretische Hintergrund der klinischen Sozialarbeit und das methodische Vorgehen einer psycho-sozialen Diagnostik anhand von Instrumenten und Herangehensweisen dem Leser erklären. Im dritten Teil dieser Arbeit werden die Methoden an einem aus der eigenen Praxis gewähltem Fallbeispiel erläutert. Im Vierten Teil der Arbeit wird eine Interventionsplanung erarbeitet und vorgestellt, die anhand des Multidimensionalen Koordinaten Systems nach Pauls gegliedert ist.

Der vorgestellte Fall handelt von einem Klienten in der Bezugsbetreuerschaft bei der Verfasserin und stellte sich auf Nachfrage gern für diese Arbeit unterstützend zur Verfügung.

1.1 Kurze Vorstellung der Wirkungsstätte / Arbeitsstelle

Auf Grundlage des Konzeptes der Jugendhilfeeinrichtung „XY e.V.“ wird in diesem Abschnitt ein kurzer Einblick in das Arbeitsgebiet der Verfasserin gegeben.

XY e.V. ist eine suchttherapeutische Wohngemeinschaft für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 13 – 21 Jahren. Der gemeinnützige Verein fühlt sich in den Zielen seiner Arbeit der Wohlfahrtspflege, im speziellen der Jugendhilfe, verpflichtet und ist eine Gesellschaft/Einrichtung nach §34/35 SGB VIII.

Die Einrichtung ist soziotherapeutisch unter folgenden Gesichtspunkten orientiert: Die Jugendlichen leben nicht in einer reinen psychotherapeutischen/klinischen Atmosphäre, sondern gestalten, begleitet durch ihre Betreuer, altersspezifisch ihren Alltag. Besonderheiten, das heißt mögliche individuelle oder gruppenspezifische Probleme/Konflikte, Fehlverhaltensweisen, aber auch positive Entwicklungen werden in Gruppen – und Einzeltherapeutischer Arbeit lösungsorientiert bearbeitet und in ihrer Entwicklung begleitet.

In der Arbeit mit den Jugendlichen werden deshalb Methoden integriert wie:

- des Psychodrama
- der Sozialpädagogik
- der Erlebnispädagogik
- der Arbeitstherapie
- der Naturmedizin
- Tiergestützte Therapie

Ein besonderer Schwerpunkt in der Arbeit mit den Jugendlichen ist die Erlebnispädagogische Arbeit, sowie die Tiergestützte Therapie.

Im Jahr finden bis zu vier Erlebnispädagogische Ausflüge mit einer Dauer von 3 – 14 Tagen statt. Der zweite genannte große Schwerpunkt, ist die Tiergestützte Therapie mit den zurzeit 32 Alaskan Huskies. Der Alltag der Jugendlichen ist grundlegend durch die dreimal täglich stattfindenden Hundeversorgungen strukturiert. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit nach 3 Monaten einen Antrag auf einen Bezugshund zu stellen. Nach Genehmigung des Antrages darf der Jugendliche sich gezielt um diesen Hund kümmern und mit ihm an Schlittenhunderennen starten.

Die Arbeit mit den Hunden ermöglicht den Jugendlichen wieder Mut zu gewinnen Bindungen einzugehen und vermittelt ihnen das Gefühl gebraucht zu werden.

2. Psycho-soziale Diagnostik

2.1 Verortung der psycho-sozialen Diagnostik

Die psychosoziale Diagnose ist eine umstrittene Methode in der Sozialen Arbeit. Viele Praktiker lehnen diese aus Stigmatisierungs- und Etikettierungsängsten ab. Sie möchten ihrem Klientel keinen „Stempel“ geben. Doch wird sie mehr oder weniger unbewusst in der direkten Arbeit mit dem Klienten angewandt.

Schon im 19. Jahrhundert, als die Soziale Arbeit noch nicht als Beruf sondern nur als Ehrenamt anerkannt wurde, praktizierten ehrenamtliche Armenpfleger (Pfarrer, Juristen etc.) - unter anderem im Auftrag einer Stadt - psycho-soziale Diagnose.

Es bestand die Aufgabe, aus Angst vor finanzieller Ausbeutung von Hilfeleistungen, die Unterstützungswürdigkeit der einzelnen Betroffenen zu prüfen.

Im Nationalsozialismus wurde sie als Selektionsinstrument genutzt, welche bei der Einteilung in behindert, nicht behindert, erziehbar oder nicht erziehbar, schreckliche Folgen hervorrief.

Ihren Ursprung fand die Soziale Diagnose 1917 in den USA, entwickelt von Mary Richmond in ihrem ersten Werk „Social Diagnosis“. A. Salomon, die Wegbereiterin der Professionalisierung der Sozialen Arbeit in Deutschland brachte, bezogen auf die Werke von Mary Richmond, 1926 in ihrem Werk „Soziale Diagnose“ das Konzept nach Deutschland. (Geißler-Pilz, S.18, 2005) A. Salomon sah die Notwendigkeit der Sozialen Diagnose schon vor über 80-ig Jahren nicht darin, zu prüfen ob jemand berechtigt ist Hilfeleistungen zu erhalten, sondern eine qualitativ gute und professionelle Hilfe anbieten, entwickeln und sichern zu können. (Kuhlmann,S11,2004)

Aktuell werden von den „Kostenträgern“, insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe immer häufiger vertretbare Einschätzungen und Handlungsvorschläge zur Entwicklung und Reflektion von Hilfeprozessen verlangt.

Auch der Diskurs über die Soziale Arbeit als anerkannte Wissenschaft ist und wird auch weiterhin aufgrund ihrer geringen Nachweisbarkeit im Vergleich zu anderen Professionen - beispielsweise wie der Medizin, der Naturwissenschaften etc. - um eine Anerkennung kämpfen müssen. Aus diesem Grund ist es von großer Bedeutung das die „Soziale Arbeit“ Methoden entwickelt um sich von anderen Professionen abzugrenzen und Handlungserfolge sichtbar macht.

2.2 Begriffsbestimmung

„Wir sind als Ersatzspieler nicht für den Patienten da, sondern für das gesamte System" (Zitat aus Irren ist Menschlich)

Dieses Zitat beinhaltet die Sichtweise der psycho-sozialen Diagnostik, sowie der neuen Fachsozialarbeit der Klinischen Sozialarbeit. Die psychischen (seelischen) Problemlagen stehen mit dem sozialen Umfeld / Umwelt in einem Wechselspiel zu einander und können bei einer Nichtlösung gesundheitliche und körperliche Störungen der Persönlichkeit hervorrufen. Ander formuliert bedeutet dies, dass die sozialen, psychischen und / oder biologischen Gegebenheiten einer Person, beeinflussen die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Handlungsfähigkeit und Problemlösungsstrategien beeinflussen. So werden von jedem Individuum, abhängig von seiner Vulnerabilität[1], psychischer Konstitution und seinem sozialen Umfeld, Problemlagen/Krisen in unterschiedlicher Weise empfunden und gelöst.

Die Aufgabe der psychosozialen Diagnostik ist es, mit Hilfe von spezifischen Instrumenten all diese Bereiche des Individuums[2], seiner Umwelt und deren Veränderung in ihrem Zusammenhang zu verstehen und zuordnen zu können. (Pauls & Mühlum, 2005, Galeithner Artikel) Dadurch wird ermöglicht, versteckte Konflikte als Ursachen der Probleme / Krisen ausfindig zu machen und mit Hilfe des Betroffenen zu verringern oder zu neutralisieren.

Es ist also wichtig eine Systematik zu nutzen der einen gezielten Blick auf all diese drei Phänomene zulässt, welche im folgenden Kapitel beschrieben werden.

2.3 Instrumente Psycho-sozialer Diagnostik

2.3.1 ICD 10

Das international anerkannte und durch die WHO entwickelte ICD 10 ist eines der gebräuchlichsten Klassifizierungssysteme in der Medizin und im psychiatrischen Bereich. ICD steht für „International statistical Classification of Diseases and Related Health problems“[3]. Die Zahl 10 bezeichnet die 10. Revision dieses Werkes. Es dient zur Klassifizierung und Standardisierung von psychischen Störungen und ermöglicht durch seine internationale Anerkennung und der Systematisierung in Form von Codes eine einheitliche Sprache. (P. Pantucek, 2005 S238 ff)

Das ICD ist ein Multiaxiales System und in folgende Achsen/Ebenen aufgestellt. Es ist in III Achsen unterteilt. Achse I diese beinhaltet klinische Diagnosen und ist nochmals unterteilt in I a psychische Störungen und I b somatische Störungen. In Achse II sind psychosoziale Funktionseinschränkungen erfasst. (Baumann & Stieglitz, 1998, S. 84)

In Achse III befindet sich eine Zusammenstellung von Umgebungs- und situationsabhängigen Einflüssen, welche den Gesundheitszustand beeinflussen und das Gesundheitswesens benötigen. (Pauls, 2004, S. 239 ff)

Auf Grund der Lebensweltorientierung ist die Achse III für die „Klinische Soziale Arbeit“ am bedeutungsvollsten.

2.3.2 Biographische Diagnostik/Anamnese

Der Begriff der Anamnese stammt aus der griechischen Antike in der Philosophie Platons (427 - 437 v. Chr.) und bedeutet „Widererinnerung der Seele“. (P. Osten 1995,S. 21) Sie ist eine Sammlung von Daten, Informationen und Eindrücken über das Leben eines Klienten von der Entstehung im Mutterleib bis zur Gegenwart.

Dabei werden die familiären, schulischen und sozialen Umstände des Klienten in den Blick genommen. Es wird versucht dadurch störungsfördernde und aufrechterhaltende Faktoren aber auch Bewältigungsressourcen im Leben des Klienten zu erfassen und bietet somit einen Überblick für weiteres professionelles Handeln. (M. Landolt, T. Hensel, S. 35)

Die Anamneseerhebung kann auf zwei Wegen stattfinden:

Zum einen durch eine Fremdanamnese, auch objektive Anamnese genannt, in welcher sich die oben genannten Angaben durch Akten und/oder Befragungen von Angehörigen oder Bekannten eingeholt werden.

Eine andere Form ist die der Eigenanamnese (subjektive Anamnese), hierbei werden die Informationen durch den Patienten gegeben. (G. Deegener 1995, S.37)

Laut der Verfasserin dieser Arbeit, bietet es sich in der Praxis an, wenn möglich beide der oben genannten Methoden zu wählen, da unter anderem die Eigenwahrnehmung des Klienten und die der sozialen Umwelt nicht immer kompatibel sein müssen und zu dem die Erarbeitung in Form der Eigenanamnese für den Klienten schon der Beginn eines Heilungsprozesses bedeuten kann.

2.3.3 Netzwerkdiagnostik

Die Netzwerkdiagnostik hat die Funktion die Einbindung des Menschen in das soziale System und in der Gesellschaft zu messen und anschließend zu analysieren. (Pantucek, 2009, S. 186) Hierbei werden die persönlichen Beziehungen/Kontakte einer Person erfasst, um Ressourcen oder Defizite im Sozialen Lebensraum des Menschen herauszufiltern. Mit der Zielstellung, diese dann entsprechend der Problemlagen der Person zu verbessern oder zu beheben.

[...]


[1] Verletzlichkeit, Verwundbarkeit (Duden,1991,S441)

[2] Bio-psycho-sozialen Lebenslagen

[3] Internationales statistische Klassifikation und verwandter Gesundheitsprobleme

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Psychosoziale Diagnostik in der Klinischen Sozialarbeit. Ein Fallbeispiel
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V181229
ISBN (eBook)
9783668256057
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
psychosoziale, diagnostik, klinischen, sozialarbeit, fallbeispiel
Arbeit zitieren
Cindy Wagner (Autor), 2009, Psychosoziale Diagnostik in der Klinischen Sozialarbeit. Ein Fallbeispiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181229

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