Der 10. Mai 1933 stellt einen der schwärzesten Tage der deutschen Geschichte dar. Im Zuge des Prozesses der Machtergreifung Hitlers und des kollektiven Abdriftens des deutschen Volkes in den Nationalsozialismus ereignet sich die Bücherverbrennung1. In duzenden Städten quer durch das gesamte Land kommt es zu geplanten und zelebrierten Verbrennungen von Schriftwerken der verschiedensten Autoren. Unter den Büchern, die den Flammen zum Opfer fallen befinden sich überwiegend kommunistisch, marxistisch und leninistisch geprägte Schriften, sowie solche von Freigeistern, welche die säkulare Macht der Nazis nicht akzeptieren wollen und dagegen „anschreiben“.
Nun überrascht es, dass sich für die Initiierung des besagten Ereignisses nicht etwa – wie man vielleicht vermuten könnte und wie es die verbreitete Meinung ist – allein Goebbels und sein Propagandaapparat verantwortlich zeigen, sondern eine gänzlich andere Gruppierung von Menschen. Initiator der Bücherverbrennung ist seinerzeit die deutsche Studentenschaft. Also eine Vereinigung, die sich aus Akademikern und Intellektuellen zusammensetzt…
Die vorliegende Arbeit stellt die schriftliche Ausarbeitung, des von mir im Sommersemester 2002 gehaltenen, gleichbetitelten Referats dar. Dabei teilt sich diese Ausarbeitung in die beiden Gliederungspunkte I. „Der Begriff der reaktionären Modernität bei Georg Bollenbeck“ und II. „Die Bücherverbrennung als Medienrevolution bei Thomas Lischeid“.
Genau wie bei der Präsentation des Referates, stellt auch diese schriftliche Arbeit das Ergebnis einer themenverbindenden Vorgehensweise dar. Die beiden Teile interdependieren also und münden in einem gemeinsamen Resümee, in dem die vorliegende Ausarbeitung ihren Abschluss findet.
Inhaltsverzeichnis
- TEIL I
- I. Der Begriff der reaktionären Modernität bei Georg Bollenbeck
- Vorbemerkung
- 1. Einordnung des Ausnahmezustandes Bücherverbrennung in den historischen Kontext
- 2. Klärung der „Akademikerfrage“
- 3. Erläuterung des Begriffs der reaktionären Modernität
- I. Der Begriff der reaktionären Modernität bei Georg Bollenbeck
- TEIL II
- II. Die Bücherverbrennung als Medienrevolution bei Thomas Lischeid
- 1. Theatralische Politik: Die NS-Bücherverbrennung 1933
- 2. Bücherverbrennung als Medienrevolution
- II. Die Bücherverbrennung als Medienrevolution bei Thomas Lischeid
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die NS-Bücherverbrennung von 1933 aus der Perspektive der „reaktionären Modernität“ und der „Medienrevolution“. Sie analysiert die Rolle der deutschen Studentenschaft als Initiator der Bücherverbrennung und beleuchtet die Gründe, warum sich die gebildete Schicht für die Nazi-Ideologie einsetzte. Darüber hinaus werden die medialen Aspekte der Bücherverbrennung als inszeniertes Spektakel und als Instrument der Propaganda beleuchtet.
- Die Rolle der deutschen Studentenschaft bei der Bücherverbrennung
- Der Begriff der „reaktionären Modernität“ im Kontext der NS-Ideologie
- Die Bücherverbrennung als medienwirksames Ereignis und als Instrument der Propaganda
- Die Auswirkungen der Bücherverbrennung auf die Kultur und die Gesellschaft
- Die Verbindung von Tradition und Moderne im Nationalsozialismus
Zusammenfassung der Kapitel
TEIL I: Der Begriff der reaktionären Modernität bei Georg Bollenbeck
Kapitel I beschäftigt sich mit dem Begriff der „reaktionären Modernität“ und ordnet die Bücherverbrennung von 1933 in den historischen Kontext ein. Dabei werden die Motive der deutschen Studentenschaft als Initiator der Bücherverbrennung beleuchtet und die Rolle der Professoren und des Bildungsbürgertums in diesem Prozess untersucht. Die „Akademikerfrage“ wird behandelt, indem die scheinbare Diskrepanz zwischen den liberalen Idealen des Bildungsbürgertums und der Unterstützung der Nazi-Ideologie erklärt wird.
TEIL II: Die Bücherverbrennung als Medienrevolution bei Thomas Lischeid
Kapitel II analysiert die Bücherverbrennung als medienwirksames Ereignis und als Instrument der Propaganda. Die theatralischen Aspekte der Bücherverbrennung werden untersucht und die Medienstrategie der Nazis in diesem Zusammenhang beleuchtet. Der Fokus liegt auf der Nutzung der Bücherverbrennung als Mittel zur Mobilisierung der Bevölkerung und zur Durchsetzung der Nazi-Ideologie.
Schlüsselwörter
Reaktionäre Modernität, Medienrevolution, NS-Bücherverbrennung, deutsche Studentenschaft, Bildungsbürgertum, Propaganda, Theatralität, Kulturkampf, Moderne, Antimoderne.
Häufig gestellte Fragen
Wer war der eigentliche Initiator der NS-Bücherverbrennung 1933?
Entgegen der verbreiteten Meinung war nicht Goebbels allein der Initiator, sondern maßgeblich die deutsche Studentenschaft, also eine Gruppe von Akademikern und Intellektuellen.
Was bedeutet der Begriff "reaktionäre Modernität"?
Der Begriff nach Georg Bollenbeck beschreibt die paradoxe Verbindung von modernem technischem Fortschritt und reaktionärer, antimoderrner Ideologie im Nationalsozialismus.
Inwiefern war die Bücherverbrennung eine "Medienrevolution"?
Thomas Lischeid analysiert das Ereignis als inszeniertes Spektakel und "theatralische Politik", das gezielt als medienwirksames Instrument der Propaganda zur Mobilisierung der Massen genutzt wurde.
Welche Schriften wurden vorrangig verbrannt?
Opfer der Flammen wurden vor allem marxistische, kommunistische und leninistische Werke sowie Schriften von "Freigeistern", die sich gegen die Nazi-Ideologie stellten.
Warum unterstützte das Bildungsbürgertum diesen "Kulturkampf"?
Die Arbeit untersucht die "Akademikerfrage" und erklärt die Diskrepanz zwischen liberalen Bildungsidealen und der tatsächlichen Unterstützung der nationalsozialistischen Ideologie durch Professoren und Studenten.
Welche Bedeutung hat der 10. Mai 1933 heute?
Er gilt als einer der schwärzesten Tage der deutschen Geschichte und als Symbol für die systematische Zerstörung von Intellektualität und kultureller Vielfalt durch das NS-Regime.
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- Fabian Kockartz (Author), 2002, Reaktionäre Modernität und Medienrevolution im Zusammenhang mit der NS-Bücherverbrennung 1933, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18124