Wer in der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald lebt, der ist den Anblick der vielen Segelboote, die im Sommer im Stadthafen, entlang des Flusses Ryck und im Stadtteil Wieck liegen, wohl vertraut. Ebenso die vielen Yachten, die die Wiecker Zugbrücke im Sommer stündlich durchfahren um den Ryck hinauf, zu den städtischen Liegeplätzen zu fahren oder um in entgegen gesetzter Richtung den Greifswalder Bodden auszulaufen. In kaum einer anderen Stadt ist das Segeln als Freizeitbetätigung und Sport so präsent, wie in Greifswald. In anderen Städten liegen die Sportboothäfen oft abseits des alltäglichen Geschehens und entziehen sich den Blicken der Öffentlichkeit. Nicht so in Greifswald, denn hier gehören große und kleine Segelboote im Sommer zum alltäglichen, gewohnten Anblick.
Doch seit wann wird in Greifswald gesegelt? Dass die Fischer und Kaufleute die Kraft des Windes nutzten, bevor die Dampfmaschine und der Verbrennungsmotor erfunden wurden, steht außer Frage. Doch wirkt es heute schon wunderlich, dass einige Fischer bis nach dem 2. Weltkrieg mit ihren Booten segelten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kaiserzeit 1831 - 1918
2.1 Lustfahrten auf der Dänischen Wieck und dem Greifswalder Bodden – Der Beginn des Segelsports in Greifswald
2.2 Segelnde Korporationen – Die Greifswalder Studentenverbindungen
2.3 Der Akademische Seglerverein zu Greifswald 1908-1914
3. Das Segeln als Breitensport in Greifswald? - Die Weimarer Republik 1919-1933
3.1 Das Groß- und Kleinbürgertum hisst die Segel
3.2 Die segelnden Korporationen in der Weimarer Republik
3.3 Der A.S.V. zu Greifswald in der Weimarer Republik
4. Segeln unter dem Hakenkreuz – Segeln in Greifswald 1933 – 1945
5. Greifswalder Segler in der Nachkriegszeit 1946-1949
6. Segeln in den Küsten und Boddengewässern Greifswalds 1949 – 1989
6.1 Die Organisation des Segelsports in Greifswald
6.2 Segeln als Jugendsport in Greifswald
6.3 Der Seesegelsport - Die Segelsektionen Greifswalds als Hort potentieller Republikflüchtiger?
6.4 Republikflucht
6.5 Die Wendezeit - Aus Sektionen werden Vereine
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Segelsports in Greifswald von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Wendezeit 1989/1990. Sie analysiert, wie sich gesellschaftliche und politische Umbrüche – von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus bis hin zur DDR-Zeit – in diesem speziellen Mikrokosmos widerspiegeln und welche Rolle dabei die Universität sowie studentische Verbindungen spielten.
- Die Institutionalisierung des Segelsports in Vereinen und Korporationen.
- Einfluss politischer Systeme auf die Ausübung und Förderung des Segelsports.
- Die Rolle des Segelsports im DDR-Gesellschaftsmodell und das Spannungsfeld zur staatlichen Überwachung.
- Nachwuchsförderung und Leistungssport unter sich wandelnden Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Lustfahrten auf der Dänischen Wieck und dem Greifswalder Bodden – Der Beginn des Segelsports in Greifswald
Seit Ende des 16. Jahrhunderts gibt es schriftliche Überlieferungen, dass „Lustyachten“ in England für den königlichen Hof oder für Edelleute gebaut wurden. Ab dieser Zeit wurden auch die ersten Wettfahrten unter sportlichem Aspekt abgehalten. Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ sich mit dem Aufbau der preußisch-brandenburgischen Flotte 1652 eine Yacht für den persönlichen Gebrauch bauen und seine Nachfolger taten es ihm in der Regel gleich. Allgemein erfuhr die Anschaffung und Unterhaltung von „Lustyachten“ durch Fürsten- und Königshäuser ab Mitte des 15. Jahrhunderts in Europa Verbreitung. Seit 1720 entstanden in England Yachtclubs, in denen sich Eigner zu Gemeinschaften zusammenschlossen, um gemeinsam so genannte Geschwaderfahrten und sportliche Wettkämpfe zu unternehmen. Es folgten ab 1811 Segelclubs in den USA, in Frankreich um 1849, in Schweden ab 1830, in Dänemark ab 1866, in Norwegen ab 1878, in Belgien und den Niederlanden um 1848 und auch in Russland und Finnland soll es zu dieser Zeit bereits Clubs und Vereine gegeben haben.
Im deutschsprachigen Raum wurden seit 1842 Gesellschaften wie der Berliner Tavernengesellschaft 1842 oder Vereine wie der Segelclub Rhe in Königsberg 1855 gegründet. Hamburger Kaufleute etablierten den Segelsport 1868 mit der Gründung des norddeutschen Regattavereins an den deutschen Küsten.
Wenn es in Zeit vor 1840 Segelschiffe bzw. Segelboote in Greifswald gegeben hat, die ausschließlich für private Zwecke genutzt wurden, dann handelt es sich um ganz wenige Ausnahmen, die nicht zum organisierten oder bewusst sportlichen Segeln gezählt werden können. Deshalb wurde im Rahmen dieser Arbeit auf eine Überprüfung der Zeit vor 1840 verzichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Präsenz des Segelsports in Greifswald und formuliert die Forschungsfragen zur gesellschaftlichen und politischen Entwicklung des Segelns im 20. Jahrhundert.
2. Die Kaiserzeit 1831 - 1918: Dieses Kapitel beschreibt die Anfänge des Segelsports als elitäre Freizeitbeschäftigung und die Gründung der ersten studentischen sowie akademischen Segelvereinigungen unter kaiserlicher Förderung.
3. Das Segeln als Breitensport in Greifswald? - Die Weimarer Republik 1919-1933: Der Fokus liegt auf der Ausweitung des Segelsports auf bürgerliche Schichten und den Herausforderungen durch Inflation und politische Instabilität.
4. Segeln unter dem Hakenkreuz – Segeln in Greifswald 1933 – 1945: Es wird die Gleichschaltung der Vereine und der Sportverbände während der Zeit des Nationalsozialismus sowie der Einfluss der NS-Ideologie auf das Vereinsleben analysiert.
5. Greifswalder Segler in der Nachkriegszeit 1946-1949: Dieses Kapitel behandelt die Auflösung der Vereine durch die Besatzungsmächte und den schwierigen Neuanfang unter veränderten politischen Rahmenbedingungen.
6. Segeln in den Küsten und Boddengewässern Greifswalds 1949 – 1989: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Organisation des Segelsports in der DDR, die politische Überwachung und die Rolle des Segelns im sozialistischen System.
7. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Entwicklung des Segelsports in Greifswald über die verschiedenen politischen Epochen zusammen und hebt die Bedeutung des Segelns als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen hervor.
Schlüsselwörter
Greifswald, Segelsport, Geschichte, Akademischer Seglerverein, Studentenverbindungen, DDR, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Seesegeln, Regatta, Verein, Wassersport, Politische Transformation, Nachwuchsförderung, Segelvereine.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des Segelsports in Greifswald über den gesamten Verlauf des 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der unterschiedlichen politischen Epochen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Institutionalisierung des Segelsports, die Rolle der Universität, der Einfluss der verschiedenen politischen Regime sowie die soziale Struktur der Seglergemeinschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Einblicke in die gesellschaftliche Entwicklung Greifswalds und Deutschlands zu gewinnen, indem der Segelsport als "Mikrokosmos" für die größeren politischen Veränderungen herangezogen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden historischen Quellenanalyse, insbesondere der Auswertung von Archivmaterial der Universität Greifswald, Stadtarchiven, Festschriften und Zeitzeugenberichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist chronologisch gegliedert und behandelt die Ära des Kaiserreichs, die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus, die unmittelbare Nachkriegszeit sowie die gesamte DDR-Ära bis zur Wende 1990.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Greifswald, Segelsport, akademische Tradition, DDR-Gesellschaftspolitik, studentische Korporationen und gesellschaftliche Transformation.
Welche Rolle spielte der Akademische Seglerverein (A.S.V.) bei der Entwicklung des Sports in Greifswald?
Der A.S.V. gilt als Pionier des organisierten sportlichen Segelns in Greifswald, der die Segelausbildung professionalisierte und eng mit der universitären Förderung verbunden war.
Wie beeinflusste der DDR-Staat das Segeln auf der Ostsee?
Der Staat betrachtete das Seesegeln mit Misstrauen, da es Möglichkeiten zur Republikflucht bot. Dennoch wurde es als olympische Sportart gefördert und stark reglementiert (PM-Genehmigungen), um Erfolge für den Sozialismus zu erzielen.
Warum war der Bau des Bootshauses in den 1950er Jahren so bemerkenswert?
Die Errichtung des Bootshauses durch die NVA trotz des DDR-Kontexts zeigt, wie sich lokale Traditionen und informelle Netzwerke von Hochschullehrern gegen politische Widerstände durchsetzen konnten.
Welchen Einfluss hatte der Fall der Segelyacht "Ernst Moritz Arndt" (EMA) 1982?
Der Fall der EMA, deren Besatzung während einer Auslandsreise Asyl beantragte, löste innerhalb der Seglergemeinschaft und der DDR-Behörden erhebliche Unruhe aus und verschärfte die Überwachungsmaßnahmen für den Seesegelsport deutlich.
- Quote paper
- Michael Sauer (Author), 2010, Die Geschichte des Segelsports in Greifswald, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181318