Initial Public Offering in Deutschland


Hausarbeit, 2009
22 Seiten, Note: 1,70

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Initial Public Offering

3. Grundsatzentscheidung - Abwägung des Börsenganges

4. Herstellung der Börsenreife
4.1 Umwandlung in eine börsenfähige Rechtsform
4.2 Aktiengattungen
4.3 Wahl des Börsensegments
4.4 Transparenz- und Publizitätsstandards
4.5 Timing
4.6 Equity Story

5. Auswahl des geeigneten Konsortialführers

6. Projektphasen und Aufgaben im Zuge der Platzierung

7. Durchführung des Börsenganges
7.1 Bookbuilding-Verfahren
7.2 Festpreisverfahren

8. Mehrzuteilungsoption

9. Phase nach der Erstnotiz - Being Public

10. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vier Transparenzstufen an der FWB

Quelle: General Standard und Prime Standard der Zugang zum europäischen

Kapitalmarkt der Deutschen Börse AG (Nov.2008)[1]

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Generell arbeiten Unternehmen mit zwei Finanzierungsarten: Eigenkapital, das durch die Eigentümer bereitgestellt wird und Fremdkapital, das durch die Gläubiger zur Verfügung gestellt wird.

Das einem Unternehmen unbefristet zur Verfügung gestellte Eigenkapital ist zins- und tilgungsfrei. Es stellt aufgrund seiner ausschließlichen Beteiligung am wirtschaftlichen (Miss-) Erfolg eines Unternehmens - bilanziell gesehen - keinen Kostenfaktor dar. Wirtschaftlich betrachtet machen die Renditeanforderungen der Anteilseigner Eigenkapital gleichwohl zu einem Kostenfaktor.[2] Im Gegensatz zu einer Finanzierung durch Fremdkapital ist ein Unternehmen hier i. d. R. jedoch rechtlich nicht verpflichtet, unabhängig von seinem aktuellen unternehmerischen Erfolg fest vereinbarte Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten. So können Ausschüttungen an die Anteilseigner in Phasen wirtschaftlicher Not reduziert oder gänzlich ausgesetzt werden.[3]

Langfristig führt ein Finanzierungsmix von Eigen- und Fremdkapital zu niedrigen Kapitalkosten bei möglichst hoher unternehmerischer Flexibilität. Die historisch gewachsene kreditorientierte Finanzierungsstrategie hat in Deutschland eine Kapitalstruktur hervorgebracht, in der die Eigenkapitalausstattung von Unternehmen im Durchschnitt bei nur ca. 24 Prozent liegt.[4] Spätestens seit der Einführung der neuen Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute aus dem Jahre 2007 (auch bekannt unter dem Namen Basel II) müssen Unternehmer ihre Finanzierungsstrategie neu überdenken. Eigenkapital wird einem Unternehmen grundsätzlich ohne Sicherheiten gewährt und stellt eine der wichtigsten Haftungsgrundlagen einer Gesellschaft dar. Die Subprime-Krise in den USA Mitte 2007 hat das Risikobewusstsein deutlich steigen lassen. Daher haben deutsche Kreditinstitute in jüngster Zeit ihre Anforderungen bei der Kreditvergabe, unter anderem an die Eigenkapitalbasis, erhöht.[5] Vielen mittelständischen Unternehmern würde die Eigenkapitalbeschaffung über die Börse helfen, eine nachhaltig flexible Finanzierungsstruktur aufzubauen oder das Fortbestehen ihres oft über Jahrzehnte aufgebauten Unternehmens zu sichern.[6]

Diese Arbeit gibt einen Überblick über die Beschaffung des Eigenkapitals durch einen Börsengang eines Unternehmens in Deutschland.

2. Definition des Initial Public Offering

Initial Public Offering (IPO) ist Englisch, bedeutet „erstes öffentliches Angebot“ und bezeichnet speziell die Erstinanspruchnahme des Aktienmarktes im Wege einer Kapitalerhöhung (das bereits bestehende Aktienkapital wird erhöht) oder Umplatzierung (bereits bestehende Aktien der Altaktionäre werden angeboten). Es werden somit erstmalig Aktien eines Unternehmens interessierten Anlegern zum Kauf angeboten. Mit einem IPO sind im Allgemeinen die Börsenzulassung und die Aufnahme der Börsennotierung verbunden. Das sogenannte „Going Public“ ist bedeutungsgleich für diesen erst­maligen Börsengang. Hiermit wird betont, dass eine Aktiengesellschaft, die zuvor nicht an einer Börse notiert war, den Weg in die Finanzöffentlichkeit beschreitet.

Aus Unternehmenssicht bedeutet ein IPO die Beschaffung von Risikokapital von außen, durch Nutzung der Aktie als Finanzierungsinstrument.

3. Grundsatzentscheidung - Abwägung des Börsenganges

Eine Studie aus dem Jahr 2003 des DAI über die Gründe für einen Börsengang spricht eine klare Sprache. Internes und externes Wachstum bilden die wichtigsten Motive, um an die Börse zu gehen.[7] Die geringere Abhängigkeit von Banken erhöht die Flexibilität des Unternehmens. Unternehmerische Entscheidungen können direkt umgesetzt werden, wenn die Finanzierung auf Eigenkapitalbasis statt auf Fremdkapitalbasis durchgeführt wird, da die manchmal zeitaufwändige Entscheidung der Bank über die Kreditvergabe eine Hürde darstellt. Die Gesellschafter sehen in einem Börsengang die Chance, eine geeignete Nachfolgelösung zu finden oder bei Finanzinvestoren einen Teilausstieg zu realisieren. Und die gesteigerte Aufmerksamkeit, durch die höhere Medienpräsenz, ist ein nicht zu unterschätzender Effekt, die dem Unternehmen als börsennotierte Gesellschaft entgegenkommt. Das Interesse der Öffentlichkeit an einem Unternehmen ist normalerweise zu keinem anderen Zeitpunkt so groß, wie zum Zeitpunkt des Börsenganges.[8] Das IPO bietet Unternehmen eine einmalige Chance, um einem großen Personenkreis positive Informationen über die Marken, Produkte und das gesamte Unternehmen zu vermitteln. Wird sie genutzt, so verbessert dies letztlich die operative Performance.[9] Neben dem Imagegewinn und dem direkten Einfluss auf das operative Geschäft gibt es sehr häufig positive Effekte bei der Mitarbeitergewinnung und bei potenziellen Kunden.

Folgende Punkte sprechen demnach für einen Börsengang:

- Breitere Eigenkapitalbasis
- Erhöhung der Unabhängigkeit
- Mehr Aufmerksamkeit - erhöhte Medienpräsenz
- Sichere Nachfolgeregelung
- Aktie als Akquisitionswährung
- Erhöhte Attraktivität als Arbeitgeber

Punkte die gegen einen Börsengang sprechen:

- Kosten des Börsengangs u. a. durch:

Umstrukturierungen im Unternehmen um die Anforderungen des Kapitalmarkts zu erfüllen. Kosten für die verschiedenen beratenden und unterstützenden Agenturen und Partner auf dem Weg an die Börse. Und Kosten für die Börse selbst, die aber den geringsten Teil ausmachen. Am Beispiel der am 30.06.2009 an die Börse (Entry Standard) gegangenen flatex AG betrugen die Emissionskosten laut Wertpapierprospekt insgesamt ca. 175.000 EUR bei einem Bruttoemissionserlös von 3,12 Mio. EUR (800.000 neue Aktien zu EUR 3,90).[10]

- Folgekosten u. a. durch:[11]

Hauptversammlung je nach Größe 50 - 200 TEUR

Geschäftsbericht 30 - 100 TEUR

IR-Agentur bzw. IR-Mitarbeiter 50 - 100 TEUR

Roadshows/Analystenkonferenzen 20 - 50 TEUR

Jahresgebühr Notierung je nach Segment 5 - 10 TEUR

- Gestiegene Publizitätsanforderungen

Die eigene Aktie wird an der Börse zum Produkt, das gepflegt sein will wie andere Produkte auch. Gleichzeitig verlangen z. B. EU-regulierte Märkte bzw. entsprechende Segmente und Teilbereiche (General Standard und Prime Standard) ein hohes Maß an Transparenz. Das kostet Zeit und bindet Ressourcen. Um das Vertrauen der Aktionäre zu gewinnen und dauerhaft zu erhalten, sollten Unternehmen professionell und glaubwürdig kommunizieren - auch wenn es schlechte Nachrichten mitzuteilen gibt. All dies ist die Aufgabe von Investor Relations.[12]

- Erhöhte Transparenz

Mit dem Gang an die Börse beginnt für das Unternehmen ein neues Zeitalter der Kommunikation. Die Wahl des Transparenz- bzw. Kommunikationslevels gegenüber der Öffentlichkeit und den Investoren ist dabei unter zwei Aspekten zu betrachten: Wie häufig bzw. wie ausführlich will ich als Unternehmen meine Zahlen offen legen und evtl. Wettbewerbern in die Hände spielen? Und welche Mittel bin ich bereit, für Kommunikationsmaßnahmen aufzuwenden?[13]

In dieser Phase treten bereits erste externe Spezialisten auf, die entsprechend ihren Disziplinen den notwendigen Input für die Entscheidungsfindung liefern. Der Wirtschaftsprüfer, der Steuerberater für die Gesellschafter, der Rechtsberater für gesellschaftsrechtliche Fragestellungen sowie ein Kapitalmarktspezialist (Emissions-Berater), der die richtigen Fragen formuliert, um die Grundsatzentscheidung zu treffen.[14]

Folgende Fragen sollten nach dem Entscheidungsprozess beantwortet sein:

- Welche Vor- und Nachteile ergeben sich aus dem Börsengang für die Gesellschafter?
- Welche steuerlichen und gesellschaftsrechtlichen Besonderheiten sind bei der Umsetzung des Börsenganges zu beachten?
- Welcher Erfüllungsgrad ist für die Börsenreife erreicht?

4. Herstellung der Börsenreife

Wenn die Entscheidung für den Börsengang gefallen ist, beginnen die Vorbereitungen.

Grundlegende Fragen sind:

- Welche börsenfähige Rechtsform soll es sein?
- Welche Aktiengattung ist zweckmäßig?
- Welche Transparenz- und Publizitätsstandards will/muss ich erfüllen? Das heißt auch: Welches Börsensegment strebe ich an?
- Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Börsengang?

4.1 Umwandlung in eine börsenfähige Rechtsform

Für die Präsenz an der Börse sind handelbare Unternehmensanteile (Aktien) grundlegend. Eine börsenfähige Rechtsform des Unternehmens ist erforderlich. In Deutschland ist die Aktiengesellschaft (AG) vorherrschend. Möglich sind aber auch die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) und die GmbH & Co. KGaA. Bekannte Beispiele sind hier die Merck KGaA und der Fußball-Bundesligaverein Borussia Dortmund mit der Rechtsform GmbH & Co. KGaA. Da diese Konstrukte jedoch recht kompliziert und aufwändig zu handhaben sind und ihr Bekanntheitsgrad bei ausländischen Investoren sehr gering ist, bilden sie in der Börsenlandschaft eine absolute Ausnahme.[15]

Eine AG entsteht entweder durch Neugründung oder durch Umwandlung eines Unternehmens anderer Rechtsform. Hierbei muss eine börsenfähige Satzung (Gesellschaftsvertrag) erstellt werden. Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung (Mitwirkungsgremium der Aktionäre) sind die Organe der Aktiengesellschaft, wobei von dem Unternehmen Vorstand und Aufsichtsrat passend besetzt werden müssen. Nach § 1 Abs. 1 AktG hat eine AG ein Mindestgrundkapital von 50.000 EUR. Das Grundkapital wird in Aktien zerlegt, wobei der Mindestnennbetrag je 1,00 EUR beträgt. Andere Beträge sind möglich, werden aber zugunsten eines günstigen Aktienpreises und einer hohen Stückzahl meist vermieden.

Die Bedeutung der Rechtsform der AG für die Organisation von Großunternehmen und die Möglichkeit der Kapitalanlage für viele Kleinanleger haben dazu geführt, dass die AG im Vergleich zu anderen Gesellschaftsformen eine große Regelungsdichte aufweist. Die gesetzlichen Bestimmungen sollen u. a. unsolide Gründungen und im laufenden Geschäftsbetrieb Vermögensverschiebungen zu Lasten der Kleinaktionäre verhindern helfen. Noch weitergehend sind die Regelwerke für börsennotierte AGs, weil hier auch noch über das Aktienrecht hinausgehende wertpapierrechtliche und börsenrechtliche Vorschriften greifen.[16] Beispielhaft hierfür zwei weitere Bedingungen:

Gemäß § 32 des BörsG muss ein haftendes Eigenkapital von mindestens 730.000 EUR vorhanden sein.

Gemäß Börsenzulassungsverordnung (BörsZulV) in § 2 wird als Zulassungsvoraussetzung ein Mindestbörsenwert von 1.250.000 EUR verlangt (wenn der nicht schätzbar ist, ein Mindest-Eigenkapital in gleicher Höhe), um einen liquiden Börsenhandel und eine gewisse Streuung zu gewährleisten.

Je nach Umfang der erforderlichen Maßnahmen dauern Gründung oder Umwandlung gewöhnlich zwischen zwei und sechs Monate.

4.2 Aktiengattungen

Die klassische Form ist die sogenannte Inhaberaktie: Der Inhaber der Aktie wird auf dem Papier nicht genannt. Hier gilt derjenige als Eigentümer der die entsprechende Urkunde innehat. Eine Formvorschrift für die Urkunde besteht nicht.[17] Das Gegenstück dazu ist die Namensaktie. Der Aktionär wird im Aktienregister der Gesellschaft eingetragen. Für die AG hat sie den Vorteil, dass bekannt ist wer die Aktionäre sind. Eine Besonderheit ist die vinkulierte Namensaktie. Sie kann nur übertragen werden wenn die AG dieser Übertragung zustimmt.[18]

Eine weitere Unterscheidung erfolgt nach den Mitgliedschaftsrechten. Die Stammaktie ist der Standardtyp der Aktie. Stammaktien verbriefen sämtliche gesetzlichen und satzungsgemäßen Rechte; dazu zählen u. a. das Stimmrecht in der HV, das Recht auf Beteiligung am Jahresüberschuss durch Dividende und ein Bezugsrecht bei der Ausgabe junger Aktien. Aktien mit besonderen Rechten werden Vorzugsaktien genannt.

Die Inhaber von Vorzugsaktien erhalten eine höhere, sogenannte Vorzugsdividende. Dem stehen allerdings Nachteile gegenüber: Vorzugsaktien werden meistens an der Börse mit einem Abschlag gegenüber Stammaktien notiert und haben kein Stimmrecht. Mehrstimmrechte oder Höchststimmrechte können bei börsennotierten AGs seit 1998 nicht mehr eingeführt werden. I. d. R. werden Vorzugsaktien ausgegeben, wenn der Einfluss der Alteigentümer nach dem Börsengang gewahrt bleiben soll. Maximal die Hälfte des Grundkapitals darf durch Vorzugsaktien verbrieft sein. Bei internationalen Investoren sind Vorzugsaktien kaum gefragt. Die meisten Unternehmen in Deutschland stellen deshalb auf Stammaktien um oder emittieren nur noch Stammaktien.[19]

4.3 Wahl des Börsensegments

In Europa gibt es zwei Zugänge zum Kapitalmarkt: EU-regulierte Märkte und Märkte, die von den Börsen selbst reguliert werden.

An der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) können Unternehmen, die im Regulierten Markt (EU-regulierter Markt) gelistet sind, in den General Standard oder in einen Teilbereich mit erhöhten Transparenzanforderungen, den Prime Standard, aufgenommen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vier Transparenzstufen an der FWB

Quelle: siehe Abbildungsverzeichnis

Innerhalb der Börsensegmente gibt es verschiedene Transparenzlevel, die jeweils eigene Anforderungen an die Publizität und das Verhalten der Unternehmen stellen. Die beiden Transparenzlevel innerhalb des Regulierten Markts sind der General Standard und der Prime Standard.

Für den General Standard gelten folgende gesetzliche Vorgaben (Beispiele):

- Erstellung und Veröffentlichung von Jahres- und Halbjahresfinanzberichten nach IFRS
- Erstellung und Veröffentlichung einer Zwischenmitteilung der Geschäftsführung oder von Quartalsfinanzberichten
- Ad-hoc-Publizität von Insiderinformationen
- Stimmrechtsmitteilung beim Erreichen, Über- oder Unterschreiten von Meldeschwellen
- Veröffentlichung eines Pflichtangebots bei Kontrollwechseln

Zusätzlich gelten für den Prime Standard:

- Erstellung und Veröffentlichung von Quartalsfinanzberichten (eine Zwischenmitteilung der Geschäftsführung reicht nicht aus)
- Durchführung von mindestens einer Analystenveranstaltung pro Jahr
- Erstellung und Veröffentlichung eines Unternehmenskalenders im Internet in deutscher und englischer Sprache
- Veröffentlichung von Jahres- und Halbjahresfinanzbericht sowie von Ad-hoc-Mitteilungen zusätzlich in englischer Sprache
- Übermittlung von Jahres-, Halbjahres- und Quartalsfinanzbericht sowie des Unternehmenskalenders in elektronischer Form an die Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse

Die Börse empfiehlt den General Standard für Unternehmen, die nationale Investoren ansprechen und ein kostengünstiges „Listing“ suchen. Der Prime Standard soll für internationale Investoren zugeschnitten sein. Unternehmen im Prime Standard können je nach Ihrer Zuordnung in einen Index der Deutschen Börse (z. B. DAX oder MDAX) aufgenommen werden.[20]

Beim Open Market (ehemals Freiverkehr genannt) hat das Unternehmen die Wahl zwischen einem öffentlichen- und einem nicht-öffentlichen Angebot. Letzteres verursacht einen geringeren Aufwand, da nur ein Paket von Antragsdokumenten und kein von der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) zu billigender Prospekt erstellt werden muss. Hier dürfen die Aktien aber nicht öffentlich angeboten werden. Öffentliches Werben ist verboten. Und sie dürfen nur Anlegern mit ausreichenden Risikokenntnissen angeboten werden. Dieses First Quotation Board (FQB) stellt keine Transparenzanforderungen und bietet ein sogenanntes „Listing“. Auch als „Börsengang light“ bezeichnet, handelt es sich hierbei um eine bloße Notierungsaufnahme. Die Möglichkeit eines öffentlichen Angebots bietet der Teilbereich Entry Standard aufgrund der höheren Anforderungen im Gegensatz zum FQB.

Innerhalb des Open Market stellt der Entry Standard ein eigenes Transparenzlevel dar.

Folgende Transparenzanforderungen des Entry Standard sind beispielhaft:

- Veröffentlichung des testierten Konzern-Jahresabschlusses samt Konzernlagebericht (nach jeweiligen nationalen Rechnungslegungsvorschriften wie dem HGB sind ausreichend)
- spätestens innerhalb von sechs Monaten nach Beendigung des Berichtszeitraums Veröffentlichung eines aktuellen Unternehmenskurzportraits und eines Unternehmenskalenders
- Veröffentlichung des Zwischenberichts spätestens innerhalb von drei Monaten nach Ende des ersten Halbjahres eines jeden Geschäftsjahres
- Unverzügliche Veröffentlichung wesentlicher Unternehmensnachrichten oder -tatsachen, die den Börsenpreis der einbezogenen Aktien erheblich beeinflussen können.[21]

Die Ausführungen bezüglich der Börse werden hier aus gutem Grund am Beispiel der FWB ausgeführt. Seit dem Jahr 2007 wurden bis zum 19.06.2009 insgesamt 50 IPOs in Deutschland vollzogen. Alle IPOs wurden am Frankfurter Platz eingeführt. Ebenso bei den „Listings“ die seit 2008 in der Statistik geführt werden zeigt sich diese Dominanz des Frankfurter Börsenplatzes. Von 208 „Listings“ seit dem Jahr 2008 wurde ein einziges „Listing“ im Stuttgarter Freiverkehr notiert.[22]

4.4 Transparenz- und Publizitätsstandards

Diverse Gesetze (insbes. AktG, BörsG, HGB, PublG, WpHG, WpPG) und Börsenregularien erfordern, wie im vorigen Kapitel skizziert, Einhaltung - je nach Börsensegment/Handelssegment unterschiedlich strenger - laufender jährlicher bzw. unterjähriger Publizitätspflichten. Als weiteres Regularium mit aktienrechtlicher Relevanz hat die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex den Corporate Governance Kodex kodifiziert. Die unverbindlichen Verhaltensempfehlungen dieses jeweils jährlich auf evtl. Revisionsbedarf zu prüfenden Kodex für die Unternehmensleitung und -kontrolle wurden im neu eingefügten § 161 des AktG berücksichtigt. Vorstand und Aufsichtsrat einer börsennotierten AG haben danach einmal jährlich zu erklären ob sie den im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Empfehlungen des Kodex entsprochen haben und entsprechen oder welchen Empfehlungen nicht Folge geleistet wurde.

4.5 Timing

Falls die ausgewählte Branche nicht gerade im Fokus der Anleger steht, kann der Börsengang unter den Erwartungen des Emittenten verlaufen. Zum einen sollte die allgemeine Börsenverfassung stabil genug sein, um den Erfolg des Börsengangs sicherzustellen. Zum anderen lohnt es sich die aktuelle Kursentwicklung vergleichbarer Branchengesellschaften an der Börse intensiv zu beobachten, denn nur wenn die eigene Aktie auf ein positives Umfeld trifft, kann davon ausgegangen werden, dass die nötige Nachfrage für den Kauf der Aktie auch generiert werden kann. Es bewahrheiten sich die häufig zitierten Worte: Die meisten Investments sind richtig, nur der Zeitpunkt ist falsch. An der Börse existieren Zeitfenster, die durch die Attraktivität unterschiedlicher Branchen an der Börse definiert werden. Sie sind einer der Gründe, warum Unternehmen Ihr IPO häufig kurzfristig ankündigen oder absagen.

4.6 Equity Story

Die nächste Baustelle zur Erfüllung der Börsenreife ist die Festlegung der Equity Story. Die Equity Story formuliert die Schlüsselkompetenzen, Erfolgsfaktoren und Perspektiven des Unternehmens. Sie ist eine Übersetzung der Unternehmensstrategie in die Sprache der Investoren, Analysten, Kunden, Geschäftspartner, Medien und Mitarbeiter nach klassischem Marketing. Eine gute Equity Story ist formal gesehen leicht verständlich und prägnant. Letztlich aber muss die Equity Story die Antwort auf die Frage bieten, warum Anleger in diese Aktie investieren soll. Der Inhalt zählt:

- Wie sehen die Wachstumsperspektiven aus?
- Sind Business Modell und Marktumfeld attraktiv?
- Ist mein Unternehmen in einer für den Kapitalmarktumfeld interessanten Branche positioniert?
- Welche Stärken und Schwächen hat mein Unternehmen?
- Gibt es Wettbewerbsvorteile und Alleinstellungsmerkmale?
- Wo liegen die Kernkompetenzen?

Die Ergebnisse der Equity Story werden in einem sogenannten „Factbook“ festgehalten, das auch schon erste Aussagen über das Emissionskonzept enthält. Dazu gehören:

- Platzierungsumfang
- Kapitalerhöhungsanteil
- Angestrebtes Börsensegment
- Timing
- Erste Aufzählung über die Verwendung des Emissionserlöses

Ebenso sollte eine Liste (Shortlist) potenzieller Emissionsbanken erstellt sein, die für den Börsengang in Frage kommen.

[...]


[1] Vgl. Deutsche Börse (2008b), S.5.

[2] Vgl. Werner, H./Kobabe, R. (2005), S.102.

[3] Vgl. Werner, H./Kobabe, R. (2005), S.105.

[4] Vgl. o. V. (2006), S.47.

[5] Vgl. Eilenberger, G./Haghani, S. (2008), S.

[6] Vgl. Deutsche Börse (2008a), S.15.

[7] Vgl. DAI (2003), S.12.

[8] Vgl. Rödl, B./Zinser T. (2000), S.92.

[9] Vgl. Hoffjan, A./Nevries, P.(2006), S.429.

[10] Vgl. flatex (2009), S.9.

[11] Vgl. Deutsche Börse (2006), S.30.

[12] Vgl. Deutsche Börse (2008a), S.18.

[13] Vgl. Deutsche Börse (2006), S.26.

[14] Vgl. Deutsche Börse (2006), S.129.

[15] Vgl. Deutsche Börse (2006), S.34.

[16] Vgl. Rudolph, B. (2006), S.261.

[17] Vgl. Löhr, A. (2006), S.48.

[18] Vgl. Deutsche Börse (2006), S.69.

[19] Vgl. Deutsche Börse (2008a), S.55.

[20] Vgl. Rudolph, B. (2006), S.284.

[21] Vgl. Deutsche Börse (2009), S.8.

[22] Vgl. Going Public (2009), S.10-14.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Initial Public Offering in Deutschland
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,70
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V181352
ISBN (eBook)
9783656046684
ISBN (Buch)
9783656046592
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IPO, Initial Public Offering, Börse, Börsengang, Aktien, Aktie, Eigenkapital
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann (FH) René Reuter (Autor), 2009, Initial Public Offering in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181352

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