Biografisches Lernen am Beispiel von Martin Luther King


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1. Einleitung

„Es ist der Glaube, der uns einen Weg gezeigt hat, wo es keinen Weg zu geben schien“1, schrieb Martin Luther King über seine Motivation, gegen Unrecht in der amerikanischen Gesellschaft zu protestieren. King, der als baptistischer Pfarrer eine Leitfigur im Kampf gegen die rassistische Diskriminierung der Schwarzen in Amerika in den 1950er und 60er Jahren war, gilt bis heute als Symbolfigur des gewaltlosen Widerstands. In besonderem Maße ist King ein Vorbild und eine Orientierung für Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und dem Streben nach Frieden. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Thematisierung Martin Luther Kings im katholischen Religionsunterricht der Sekundarstufe I. Der Arbeit liegt die Frage zu Grunde, welche Aspekte von Kings Wirken SuS2 eine Möglichkeit eröffnen können, ihr eigenes Leben danach auszurichten. Es geht darum, den Vorbildcharakter von Martin Luther King herauszustellen und Anknüpfungspunkte für SuS hervorzuheben.

In dem der Einleitung anschließenden Kapitel 2 werden Grundlagen des biografischen Lernens erläutert und ein Bezug zum Religionsunterricht hergestellt. Es wird ein Augenmerk darauf gelegt, ob und inwiefern Vorbilder für heutige SuS relevant sind. Darauf folgt das Kapitel 3, welches Kings Biografie mit den bedeutendsten Stationen seines Lebens erläutert. Daran anschließend werden Kings Zugänge zum Christentum dargestellt und das Anknüpfungspotenzial für SuS herausgestellt. Im 4. Kapitel wird das Thema Martin Luther King in den aktuellen Lehrplan des katholischen Religionsunterrichts der Sekundarstufe I der Gesamtschule in NRW eingeordnet, um Realisierungsmöglichkeiten der Thematisierung auszuloten. Hierbei werden alle Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I berücksichtigt, um eine Bandbreite der Behandlung dieses Themas zu schaffen. Anschließend daran werden im 5. Kapitel Unterrichtswerke des katholischen Religionsunterrichts der Sekundarstufe I hinsichtlich des Aspekts der Thematisierung Martin Luther Kings untersucht. Um den vorgegebenen Richtlinien des Lehrplans gerecht zu werden, wird ein Schulbuch der Klassen 5 und 6, 7 und 8 und 9 und 10 betrachtet. Im letzten Kapitel dieser Arbeit werden eigene Gedanken zu Martin Luther King und die Möglichkeiten der Behandlung in der Schule dargelegt. Die Überlegungen beinhalten die Einordnung des Themas in eine Jahrgangsstufe, in der King idealerweise behandelt werden kann und die Aspekte, warum sich eine Thematisierung eben dieses Mannes so gut für den schulischen Unterricht eignen. Ferner werden Möglichkeiten eines fächerübergreifenden Projekts erläutert und an den jeweiligen Lehrplänen der Fächer belegt. Die Konklusion, die die wichtigsten Aspekte zusammenfasst, rundet diese Arbeit ab.

2. Biografisches Lernen

2.1 Lernen im Kontext der eigenen Lebensgeschichte

Die Basis des biografischen Lernens ist die Auffassung, dass schulisches Lernen immer im Kontext der eigenen Lebensgeschichte vollzogen wird. In der Adoleszenz stellt sich für SuS die Aufgabe, eine Identität aufzubauen, d.h. eine Vorstellung davon zu bekommen, wer sie sind, wer sie sein können und wer sie sein möchten. Sie sollen eine Perspektive auf sich selbst und auf die Welt entwickeln und eine Moral ausbilden.3 Die veränderten Lebensbedingungen der Postmoderne, hervorgerufen durch Individualisierung und Pluralisierung, verschieben die Lebensphasen, so dass Biografien „ […] komplizierter, individueller, autonomer und eigensinniger […]“4 werden. So wird es für Jugendliche zunehmend schwieriger, einen „roten Faden“ im Leben zu entwerfen, weil es unzählige Möglichkeiten gibt, das eigene Leben zu gestalten.5 Der Schule kommt im Rahmen der Identitätsausbildung eine besondere Rolle zu. Zum einen hat sie den Auftrag, den SuS die Möglichkeit zu geben, sich individuell zu entwickeln, zum anderen soll sie gesellschaftsfähig machen, d.h. sozialisieren.6 Bildung und Biografie treffen also in einem besonderen Maße in der Institution Schule aufeinander. So eröffnet sich hier die Möglichkeit, auf biografische Prozesse Einfluss zu nehmen.

2.2 Das Verständnis von Biografie

Im Sinne des transitorischen Lernens soll der Einzelne seine Biografie als Zusammenhang des äußerlich wahrnehmbaren Ablaufs und seiner Binnensicht verstehen. Zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft besteht eine Interdependenz, die der Spannung von Kontinuität und Diskontinuität ausgesetzt ist.7 Das bedeutet, dass die Biografie eines Einzelnen nicht als Abfolge einzelner Ereignisse gedeutet werden kann, sondern immer unter Einbezug der Umstände betrachtet werden muss, denen das Leben des Einzelnen unterliegt. Im Rahmen des biografischen Lernens ist das wesentliches Ziel des transitorischen Lernens in der Schule, dass SuS lernen, sich als Handelnde in einem Rahmen zu verstehen und Möglichkeiten entdecken können, ihren Handlungsspielraum auszuloten, zu erweitern und möglicherweise Grenzen zu überschreiten.8 Folglich eignen sich SuS durch das transitorisches Lernen nicht bloß Wissen über die sozialen Rahmenbedingungen des eigenen Lebens und der entsprechenden eigenen Möglichkeiten der Entfaltung an, sondern erhalten zusätzlich die Möglichkeit, ihr „bestehendes Wissensgebäude“9 selbst zu verändern und Akteure ihre eigenen Lebens zu werden.

2.3 Perspektiven biografischen Lernens

Im Zuge der Zusammenfassung von Forschungsergebnissen konnte Gottfried Adam10 für das Thema „Vorbild“ interessante Ergebnisse liefern. Es hat sich gezeigt, dass sich Jugendliche zunehmend an Vorbildern orientieren. „Vorbild“ bezeichnet in diesem Zusammenhang eine Bandbreite, die vom Helden des Alltags, über Stars und Sternchen bis hin zu religiösen Vorbildern reicht. Das traditionelle Lernen am Vorbild im Sinne von Nachahmung ist überholt. Es geht vielmehr um das Lernen am Modell, um die Reflexion und das gedankliche Nachvollziehen, das den SuS eröffnet, sich selbst eine Identifikationsmöglichkeit zu schaffen.11 Ferner sollen die SuS die Freiheit erhalten, als autonome Subjekte ihres Lernens und Lebens anerkannt zu werden. Für biografisches Lernen im Religionsunterricht gilt, eine Vielfalt von Vorbildern zu präsentieren, „damit nicht die Vorbilder zu nahezu sündlosen, vollkommenen Wesen hochstilisiert werden“12. Jedes christliche Vorbild ist daher immer wieder kritisch auf die Botschaft Christi hin zu untersuchen und das Fragmentarische des menschlichen Lebens herauszustellen.13 Ferner muss den Lehrpersonen bewusst sein, dass auch sie von den SuS als Modelle des Lernens wahrgenommen werden. Letztlich sollte beachtet werden, dass distanzierte und widersprüchliche, interessante Personen den SuS eher Identifikationsmöglichkeiten schaffen als harmonisierte, „glatte“ Personen.14

2.4 Biografisches Lernen im katholischen Religionsunterricht

Biografisches Lernen im Kontext der vorliegenden Arbeit bezeichnet die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte einer christlichen Person, die im Hinblick auf einen bestimmten Aspekt des Lebens das gedankliche Nachvollziehen, die Reflexion und Selbstreflexion fordert. Wegen der Subjekt- und Zukunftsorientierung der christlichen Tradition eröffnet das biografische Lernen im Religionsunterricht den SuS eine Perspektive, das eigene Leben unter den Zuspruch Gottes zu stellen.15 Die Biografie eines Menschen wird als Ablauf von Ereignissen verstanden, die in der Retroperspektive gedeutet werden und denen Sinn zugeschrieben wird.16 Ziel des biografischen Lernens im Religionsunterricht ist, dass der christliche Glaube durch das biografische Lernen an der eigenen Biografie und an der Biografie Fremder als Lebensperspektive erschlossen werden kann. Es geht um „die Deutung gelebten Lebens unter der Verheißung Gottes“17. Dabei sollen die SuS nicht bloß über Gläubige und deren Taten informiert werden, sondern die Möglichkeit erkennen, ihr eigenes Leben erweitern oder sogar neu ausrichten zu können. Die Orientierung an der christlichen Botschaft, die beispielhaft an Lebensentwürfen bekannter oder unbekannter Personen übermittelt wird, ermöglicht den SuS die Übernahme einer alternativen Perspektive auf die Welt und das eigene Leben. Die biblisch-christliche Tradition übernimmt in der Begleitung der biografischen Reflexion drei Funktionen. Sie stimuliert die SuS, „die Potenziale des nicht gelebten Lebens von der Verheißung des „Lebens in Fülle“ her zu erkennen“18, sie kritisiert, „indem sie insbesondere vom Doppelgebot der Liebe aus hinterfragt, was dem Leben dient“19 und schließlich korrigiert sie, „indem sie persönliche Barrieren und strukturelle Einschränkungen mit Alternativen konfrontiert“20. Nach den Verarbeitungs- und Deutungsprozessen von einzelnen Lebenssituationen stellt sich bei den Reflektierenden entweder Kohärenz ein, dann wird ein schlüssiger Zusammenhang zwischen einzelnen Situationen des Lebens erkannt. Wenn sich Kontinuität einstellt, bedeutet dies, dass das Individuum das eigene Leben wirklich als seines verstanden hat und es anerkennt.

3. Die Biografie von Martin Luther King

Martin Luther King jr. wurde am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, USA als Sohn der Lehrerin Alberta Christine Williams King und des Baptistenpredigers Martin Luther King Sen. geboren. Trotz seines vergleichsweise wohlhabenden Elternhauses erfuhr er schon in den frühen Jahren seines Lebens die Rassentrennung zwischen Schwarzen und Weißen, die insbesondere in den Südstaaten der USA ausgeprägt war. Von seiner Jugend an identifizierte sich King mit dem Schicksal der Diskriminierung der afroamerikanischen Minderheit, die gerade einmal elf Prozent der Bevölkerung ausmachte.21 Trotz seiner Hautfarbe erhielt er eine Ausbildung, die vielen Schwarzen vorenthalten blieb. Im Jahr 1948 nahm er das Studium am theologischen College im Norden der USA auf, wo es keine Rassentrennung an den Bildungsinstitutionen wie in den Südstaaten gab. Sein Studium setzte er an der Universität in Boston fort, wo er im Jahr 1954 graduierte.22 Während seiner Studienzeit in Boston lernte er Coretta Scott kennen, die er im Jahr 1953 heiratete. Im Verlauf seines Studiums seines Studiums entwickelte King ein Interesse für Mahatma Ghandi, dessen Lehre des gewaltlosen Widerstandes zum Kern seiner Philosophie wurde.23 Nachdem er graduierte übernahm er, nach dem Vorbild seines Vaters, ein Gemeindepfarramt der Baptistenkirche in Montgomery, Alabama, wo knapp ein Drittel der Bevölkerung schwarz war.24 Die Situation der Rassentrennung in den USA der 1950er Jahre gründet in einem Urteil des Obersten Gerichtshofes von 1894, in dem die Stellung der Schwarzen als „getrennt aber gleich“ definiert wurde.25 Im ganzen Land wurde die Rassentrennung zwischen Schwarzen und Weißen akzeptiert, in einem Großteil der Südstaaten wurde sie vom Gesetz gefordert. Im Jahr 1955 wurde King Anführer eines Boykotts der schwarzen Bevölkerung gegen die Omnibusse seines Wohnortes Montgomery, Alabama. Auslöser war die Verhaftung der schwarzen Näherin Rosa Parks, die sich während einer Omnibusfahrt in der von Rassismus geprägten Stadt weigerte, ihren Sitzplatz für einen Weißen zu räumen.26 Die schwarze Bevölkerung sah sich nicht bereit, die öffentliche Diskriminierung weiterhin zu erdulden.

Die Rassentrennung wurde durch diesen Vorfall nicht grundsätzlich infrage gestellt, es wurde lediglich eine höfliche Behandlung der schwarzen Bevölkerung gefordert. Martin Luther King wurde zum Anführer dieser Boykottbewegung gewählt, welche insgesamt 381 Tage anhielt und über die Grenzen Amerikas hinaus Aufsehen erregte.27 Es gab nicht nur verbale Zustimmung, sondern auch finanzielle Unterstützung für die schwarze Bevölkerung in Montgomery. Im Jahr 1956 erklärte der Oberste Gerichtshof jegliche Art von Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln als gesetzwidrig. Mit dem Busboykott in Montgomery begann eine Bürgerrechtsbewegung, die sich über alle Südstaaten ausbreitete. Mit seiner erfolgreichen Anführung der Bürgerrechtsbewegung wurde King im Jahr 1956 zum Präsidenten der „Southern Christian Leadership Conference“, einer Versammlung der christlichen Schwarzenführer der Südstaaten, gewählt.28 Diese Bürgerrechtsbewegung setzte die wichtigsten Reformen seit der Abschaffung der Sklaverei durch: in öffentlichen Einrichtungen wurde die Rassentrennung weitestgehend aufgehoben.29 Für das Erreichen ihrer Ziele setzten die Bürgerrechtler gewaltlose Mittel ein, wie Demonstrationen, Sit-Ins, Gebetswachen und Geschäftsboykotts.30 King predigte von Beginn an Feindesliebe und Gewaltfreiheit.

Im Jahr 1957 reiste Martin Luther King tausende Meilen durch den Süden der USA und warb für seine Ziele. Er hielt insgesamt 208 Reden und schrieb sein erstes Buch „Schritte zur Freiheit. Die Montgomery-Geschichte“.31 Durch eine Reise nach Indien im Jahr 1959 konnte King Ghandis Prinzip des gewaltfreien Widerstands vertiefter studieren und seinen Glauben an eine gewaltfreie Menschheit stärken. Im Jahr 1960 kündigte King seine Pastorenstelle in der Baptistengemeinde von Montgomery und teilte sich fortan eine Stelle mit seinem Vater in einer Baptistengemeinde in Atlanta, um mehr Zeit für seine Aufgaben als Bürgerrechtler zu haben.32 In den folgenden Jahren hatte King viele Schikanen seitens der Justiz zu ertragen. Von 1955 bis 1968 wurde er über 30 Mal inhaftiert.33 Weil er es unterlassen hatte seinen Führerschein bei seinem Umzug von Montgomery nach Atlanta umzumelden, wurde King zu sechs Monaten Zwangsarbeit in Reidsville, Florida verurteilt.34 Mit Hilfe des Präsidentschaftskandidaten John F. Kennedy wurde King gegen eine Kaution freigelassen.35

In den beginnenden 1960er Jahren führte King Aktionen für bessere Wohnungen, Schulbildung, Ausbildung und Lebensbedingungen der Schwarzen durch.36 Während dieser Aktionen wurde er mehrfach inhaftiert. In Birmingham, Alabama, wo die Rassentrennung am härtesten in den Südstaaten durchgesetzt war, führte King Workshops zum gewaltfreien Widerstand ein und zahlreiche friedliche Demonstrationen durch. Auf einer der Demonstrationen, die King mit zwei anderen Geistlichen anführte, wurden über 500 Demonstranten, u.a. auch King, auf Anweisung des rassistischen Polizeichefs der Stadt verhaftet. King kam erneut durch die Hilfe des nun gewählten Präsidenten John F. Kennedy frei und erlangte durch die Aktionen in Birmingham große Bekanntheit. Zahlreiche Morde an schwarzen und weißen Bürgerrechtlern der Südstaaten forderten die Aufhebung der Verordnungen zur Rassentrennung in Birmingham und anderen Städten im Süden der USA. Insbesondere dem rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan, in dem sich auch Polizisten der Südstaaten engagierten, wurde die Verantwortung für die Morde an Bürgerrechtlern zugesprochen.37 Im Jahr 1963 demonstrierten Schwarze und Weiße gemeinsam vor dem Lincoln Memorial in Washington. Der ehemalige Präsident der USA, Abraham Lincoln, hatte im Jahr 1862 die Sklaverei in den USA aufgehoben. Hier hielt King seine berühmte Rede „I have a dream“, in der er für Gleichheit und Freiheit der afroamerikanischen Bevölkerung plädiert. Im Jahr 1964, im Alter von nur 35 Jahren, erhielt King den Friedensnobelpreis in Oslo.38 Am 02. Juli 1964 wurde von Präsident Johnson das „Civil Rights Law“ unterschrieben, das jegliche Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung im öffentlichen Raum untersagte.39

In der Zeit des Vietnamkriegs rückten lokale Probleme in den USA zunehmend in den Hintergrund. Martin Luther King sprach sich gegen den Vietnamkrieg aus und wurde deswegen aus den eigenen Reihen kritisiert, da sich die Befürchtung verbreitete, mit einer Parteinahme gegen den Krieg könne sich die Bürgerrechtsbewegung selbst schaden.40 Kings politisches Engagement ging in den folgenden Jahren über sein Hauptanliegen der Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung hinaus. Zunehmend setzte er sich gegen Armut und Krieg ein und versuchte, die Lebensbedingungen der amerikanischen Bevölkerung, von Weißen und Schwarzen, zu verbessern.41 Im Jahr 1965 traf er sich mit Präsident Johnson, um über das Wahlrecht der schwarzen Bevölkerung zu verhandeln. Noch im selben Jahr wurde der „Voting Rights Act“ verabschiedet, in dem allen Amerikanern das Wahlrecht zugesprochen wurde.42 Zu Beginn des Jahres 1967 schloss sich King mit Antikriegsbewegungen zusammen. Die Konzentration auf den Vietnamkrieg seitens der amerikanischen Regierung motivierte King dazu, einen „Poor people`s march“ auf Washington zu initiieren, bei dem benachteiligte aller Rassen gegen die Zustände in Vietnam demonstrieren sollten. Durch diese Aktion wurde seine Führungsposition seitens seiner Anhänger in Frage gestellt, da sein Engagement, sich für die Gleichstellung der Schwarzen einzusetzen, in der Zeit des Vietnamkrieges hinter diesen gestellt wurde.

Im März des Jahres 1968 endete eine Demonstration, die King anführte, zum ersten Mal mit Gewalt, Plünderungen und Bränden. Erst später konnte festgestellt werden, dass das FBI schwarze als Provokateure eingesetzt hatte.43 Einen Tag vor seinem Tod, am 3. April 1968 erwähnte er in seiner Rede, dass er das gelobte Land gesehen habe. Viele Rezipienten seiner Reden interpretierten diese Aussage als Todesahnung. Am 4. April 1968 wurde King auf dem Balkon seines Hotels in Memphis, Tennessee erschossen. Am 9. April wurde er unter der Anteilnahme von 50.000 Menschen in Atlanta beerdigt. In den Tagen nach Kings Ermordung kam es in über 100 Städten zu Aufständen, bei denen 39 Menschen getötet wurden.44

Als Mörder wurde einige Tage später der entflohene Häftling James Earl Ray gefasst, der offensichtlich rassistisch motiviert handelte. Er gestand die Tat und wurde zu 99 Jahren Haft verurteilt. Jedoch widerrief er sein Geständnis und beteuerte in den kommenden Jahrzehnten seine Unschuld.45 Verschwörungstheorien stellen Rays Täterschaft in Frage und befassen sich mit der Frage, ob King einem Komplott zum Opfer fiel. In den 1990er Jahren wurde in einem neu aufgerollten Verfahren festgestellt, dass King nicht von einem Einzeltäter ermordet wurde, sondern einem Attentat zum Opfer fiel, an dem die Mafia und die US-Regierung beteiligt waren.46

3.1 Martin Luther King als Zugang zum Christentum

Kings Überzeugung des gewaltlosen Widerstandes wächst aus dem Wunsch des Friedens zwischen allen Menschen. Er war überzeugt, dass der Weg der Gewaltlosigkeit der wichtigste Pfeiler für eine friedliche Gemeinschaft ist und dieser Frieden „mit sich selbst und mit den anderen allein seinen Grund im Frieden mit Gott hat“47. Im „Haus der Welt“48 sollen alle Bewohner brüderlich zusammenleben. Seine Motivation und Stärke findet King in seinem Glauben. In seinen Reden und Predigten führt er Jesus als Beispiel an, der, durch blinden Hass ans Kreuz geschlagen, mit Liebe antwortet.49 In besonderer Weise spricht King über die Ambivalenz des Kreuzes, das ihn nicht nur an die Schwäche des Menschen, sondern auch an die grenzenlose Macht Gottes erinnert. Er ruft auf, das Kreuz als Zeichen der Liebe zu sehen, das den Hass überwindet.50 Als baptistischer Pfarrer handelt er aus dem Glauben heraus, in der Überzeugung, die Würde des Menschen sei nichts anderes als die biblische Bezeichnung des Menschen als „Ebenbild Gottes“.51 Demnach sind vor Gott alle Menschen gleich. Kings Worte und seine Überzeugungen zeigen, dass er selbst Vorbilder gehabt hat, an denen er sich im Hinblick auf seine Überzeugungen und sein Handeln orientiert hat. Das Prinzip der Gewaltfreiheit hat er über das Studium von Ghandis Philosophie kennengelernt und auf seine eigenen Strukturen übertragen. Die Geschichte von Jesus von Nazaret weist enorme Parallelen zu Kings Lebensgeschichte auf. Wie Jesus verkündet King das Reich Gottes, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrscht und die Botschaft der Liebe gilt. Wie Er stirbt er durch die Hände anderer für seine Überzeugung.

[...]


1 King, Martin Luther: Der Traum vom Frieden. Texte zur Orientierung. Verlagshaus Mohn, Gütersloh 1991, S. 23.

2 „SuS“ bedeutet „Schülerinnen und Schüler“, Abkürzung wird aus ökonomischen Zwecken im Folgenden verwendet.

3 Vgl. Adam, Gottfried: Dass uns ihres Glaubens Exempel nutzlich sind. Lernen an Biografien großer Vorbilder – aufgezeigt am Beispiel von Martin Luther King. In: Rothgangel, Martin; Schwarz, Hans: Götter, Heroen, Heilige: Von römischen Heiligen bis zu Heiligen des Alltags. Lang Verlag, Frankfurt a.M. 2001, S. 154.

4 Ebd. S. 377.

5 Vgl. Ebd. S. 376.

6 Vgl. Ziebertz, Hans-Georg: Biografisches Lernen. In: Ziebertz, Hans-Georg; Leimgruber, Stephan; Hilger, Georg: Religionsdidaktik. Ein Leitfaden für Studium, Ausbildung und Beruf. Kösel-Verlag, München 2001, S. 378.

7 Vgl. Ziebertz, S. 379.

8 Vgl. Ebd.

9 Ziebertz, S. 380.

10 Vgl. Adam, S.155.

11 Vgl. Adam, S. 156.

12 Ebd.

13 Vgl. Ebd.

14 Vgl. Ebd., S.157.

15 Vgl. Ziebertz, S. 374.

16 Vgl. Ebd.

17 Ebd., S. 380.

18 Ziebertz, S. 381.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Vgl. Grosse, Heinrich: Die Macht der Armen. Martin Luther Kings Kampf gegen Rassismus, Armut und Krieg. In: Haspel, Michael; Waldschmidt-Nelson, Britta (Hg.): Martin Luther King. Leben, Werk und Vermächtnis. Wartburg Verlag, Weimar 2008, S. 16.

22 Vgl. Heiligenlexikon Link:http://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Martin_Luther_King.htm abgerufen am 04.08.2011, 13:45 Uhr

23 Vgl. Heiligenlexikon.

24 Vgl. Grosse, S. 16.

25 Vgl. Heiligenlexikon.

26 Vgl. Grosse, S. 16.

27 Vgl. King Zentrum Link: http://www.king-zentrum.de/zentrum/index.php?option=com_content&task=view&id=38&Itemid=16 abgerufen am 04.08.2011, 15:04 Uhr

28 Vgl. King Zentrum.

29 Vgl. Grosse, S. 19.

30 Vgl. Ebd. S. 18.

31 Vgl. Heiligenlexikon.

32 Vgl. Grosse, S.18.

33 Vgl. King Zentrum.

34 Vgl. Ebd.

35 Vgl. King Zentrum.

36 Vgl. King Zentrum.

37 Vgl. Ebd.

38 Vgl. Ebd.

39 Vgl. Heiligenlexikon.

40 Vgl. King Zentrum.

41 Vgl. King Zentrum.

42 Vgl. Heiligenlexikon.

43 Vgl. Ebd.

44 Vgl. Ebd.

45 Vgl. King Zentrum.

46 Vgl. Heiligenlexikon.

47 King, S. 10.

48 Ebd.

49 Vgl. King, S.31.

50 Vgl. Ebd.

51 Grosse, S. 17.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Biografisches Lernen am Beispiel von Martin Luther King
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Katholisch Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar: Große Gestalten des Glaubens
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V181375
ISBN (eBook)
9783656045243
ISBN (Buch)
9783656044765
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biografisches Lernen, Martin Luther King
Arbeit zitieren
Jennifer Broek (Autor), 2011, Biografisches Lernen am Beispiel von Martin Luther King, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181375

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