Die Macht der Schönheit


Zwischenprüfungsarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung - Was ist Schönheit?

2 Vom interesselosen Wohlgefallen zur Relativität der Schönheit

3 Die Macht der Schönheit
3.1 Schönheit und soziale Macht
3.2 Hat Schönheit Macht über unser Schicksal? - Schönheit und Glück
3.3 Das Profil der sichtbaren Schönheit - Die Macht der Schönheit auf die Lebenskunst

4 Fazit - Haben es Schöne schöner?

Bibliografie

Appendix - Warum willst du schön sein?

1 Einführung - Was ist Schönheit?

Wenn wir glaubten, wir brauchten eine längere Phase der Betrachtung, um die Attraktivität eines Menschen zu bewerten, lägen wir falsch. In einer soeben erschienenen Studie wurden Probanden Bilder unterschiedlich attraktiver Gesichter gezeigt, einmal genau 100, 500 Millisekunden (ms) lang und ein zweites Mal für eine Dauer von 1000 ms. Der Versuch ergab, dass die Beurteilungen nach 100 ms mit der nach 500 und 1000 ms vollkommen übereinstimmten. Vielmehr entsprachen diese abgegebenen Bewertungen auch denen, welche die Probanden nach genauer und längerer Betrachtung der Gesichter vornahmen.

Genau derselbe „Reflex“ wurde ebenfalls in einer Studie der Yale University untersucht. Für nur 13 ms wurden den Teilnehmern mehr und weniger schöne Gesichter gezeigt. Die Probanden konnten dabei ziemlich genaue Bewertungen treffen, obwohl sie sogar meinten, die Gesichter nicht einmal bewusst wahrgenommen zu haben. Alles, was wir demnach zu einer präzisen Beurteilung benötigen, sind nur 100,5 ms. Und ist dieser Mensch in unseren Augen schön oder entbehrt er genau dieser Eigenschaft, werden wir uns danach an kaum ein anderes Detail so gut erinnern können wie an diesen Eindruck.

Schönheit wird von uns augenscheinlich reflexartig wahrgenommen. Das menschliche Gehirn beginnt erst mit der bewussten Überlegung an, nachdem es sein Schönheitsurteil bereits unterbewusst gefällt hat. Aber was ist es eigentlich, worüber wir uns so leichtfertig eine Meinung bilden können? Das Oxford English Dictionary definiert „beautiful“ folgendermaßen: „[...]von ausnehmender Anmut in Gestalt oder Form, bezaubernder (Gesichts-) Farbe oder Färbung und ausgestattet mit weiteren Eigenschaften, die das Auge erfreuen und Bewunderung hervorrufen“. Schönheit ist somit ein abstrakter Begriff, der ausnahmslos mit allen Aspekten menschlichen Daseins in Zusammenhang steht und er ist stets emotional positiv belegt; Schönheit bedeutet also elementaren Genuss, sodass das Nicht-Reagieren auf körperliche Schönheit sogar als Symptom tiefer Depression gilt.

Vielmehr erscheint uns schön ebenfalls als das, was wir mit gut gleichsetzen, selbst wenn schön auch eine allgemeine, zeitübergreifende Bedeutung inne wohnt, in der auch Dinge wie ein Blitz oder ein Wirbelsturm schön sein können, obwohl deren Auswirkungen auf das menschliche Dasein alles andere als gut sind.

Gut ist das, was einem idealen Prinzip nahe kommt. Es ist etwas, das wir uns wünschen, etwas wonach ein Verlangen besteht. Zum Beispiel etwas Schönes zu besitzen oder eine schöne, tugendhafte Tat begangen zu haben. Die Faszination der Schönheit ist unabhängig davon, ob wir sie tatsächlich besitzen; es ist etwas, das uns glücklich machen würde, besäßen wir es. Allerdings ist sie auch nicht mit Begehren gleichzusetzen.

Im Alltag wird schön meist dazu verwendet, etwas Angenehmes zu beschreiben, so z.B. einen schönen Körper, eine schöne Melodie, eine schöne Bewegung oder auch ein Erlebnis. So ist auch eine gewisse Nähe zu Begriffen wie Harmonie und Symmetrie zu erkennen; nicht zuletzt verbirgt sich hinter dem Begriff der Schönheit stets eine objektive Dimension mit Gesetzmäßigkeiten, die sie für manchen Betrachter erst glaubwürdig macht; so zum Beispiel Flächenverhältnisse von Farbzusammenstellungen, Farbkomplementarität, Bildachsen, unterscheidbare Bildfunktionen von Vorder- und Hintergrund, Gewichtsverteilung, Proportionen und Perspektiven.

2 Vom interesselosen Wohlgefallen zur Relativität der Schönheit

Die Frage nach dem Schönen beschäftigte auch die Denker der Ästhetik des 18. Jahrhunderts. So untersuchte auch Immanuel Kant das freie Spiel der Schönheit. In seiner Kritik der Urteilskraft kam er zu dem Schluss, dass all das „schön“ sei, was ohne Interesse gefiele und somit ohne jegliche Zeichen oder Hinweise hervorgerufen wurde oder auf sie zurückzuführen ist. Dies Phänomen bezeichnete Kant als „interesseloses Wohlgefallen“, wobei allein der Geschmack ohne jegliches Interesse ein Urteil über Wohlgefallen oder Missfallen trifft. Wenn dem Betrachter sodann ein Objekt gefällt, empfindet und beurteilt er dies als „schön“. Aufgrund des eigenen Gutbefindens, schließen wir oft auf eine allgemeine Meinung. Wir nehmen sogar an, alle müssten dieselbe Ansicht vertreten. Allerdings existiert keine Ordnung des Schönen oder gar ein allgemeiner Begriff, weshalb Schönheit subjektiv ist; sie ist lediglich eine legitime Mutmaßung des urteilenden Betrachters und begibt sich somit auf keine allgemeine, kognitive Ebene. „Ich versuche das Gericht an meiner Zunge und meinem Gaumen: und danach (nicht nach allgemeinen Prinzipien) fälle ich mein Urteil“.[1] Das „Geschmacksurteil“ kann Kant zufolge somit durchaus wörtlich genommen werden, solange es stets als Metapher dessen verstanden wird, was als ein Durcheinander, eine Unordnung, ein von jeglichen Regeln oder Interessen befreites Urteil, angesehen werden kann.

Schönheit ist weder absolut, noch unveränderlich. Der Begriff wird geformt und verformt von Wertvorstellungen (Bewertungsmaßstäben) und Bewertungszielen, die auch durch gesellschaftliche Konventionen geprägt werden. Auch Platon, der Begründer des objektiven Idealismus, räumt der Schönheit einen großen Stellenwert in seiner abendländischen Metaphysik ein. Seine Ideenlehre ist durch den Glauben an eine eigene Existenz eines jeden Dinges in einem ideellen, allumfassenden Verhältnis begründet. Demnach entstammen alle existierenden Dinge einer ideellen Überordnung. Somit ist nach Platon die Natur schön und in allen ihren Dingen Schönheit enthalten, allein durch die Idee des Schönen in ihnen.

Der Weg aber führt in der wahren Erotik von dem Beglücktsein durch den einzelnen schönen Leib über die Liebe zur leiblichen Schönheit überhaupt zur Liebe des Seelisch-Schönen und von ihm zur Liebe jener Schönheit, die dem Gedanken, dem Ideellen eignet. Wer die Stufen jenes Aufstiegs durchschritten hat, dem aber öffnet sich auf höchster Stufe der Blick für die reine Gestalt des einen wahren Schönen an sich, das immer ist, nicht entsteht und nicht vergeht, nicht größer und nicht kleiner wird, das an keinen bestimmten Ort und an keine bestimmte Zeit gebunden ist, das sich überhaupt nicht in irgendeinem Raum, weder auf der Erde noch im Himmel, befindet, sondern rein und lauter und unvermischt als ein an und für sich bestehendes einzigartiges Sein ewig in sich ruht, an dem alles andere teilhat, jedoch in der Weise, dass sein Werden und Vergehen jenes wahre Schöne nicht berührt.[2]

Demnach zu urteilen, ist Schönheit überall und sie ist überall unterschiedlich; Die schöne Idee einer Sache ist nie genau dieselbe schöne Idee einer Anderen. Schönheit ist relativ, veranschaulicht Platon auch anhand eines Beispiels: in einer Gruppe von Affen, könnte man einen davon zum Schönsten erklären. Dieser wäre dann der Schönste innerhalb dieser Gruppe, innerhalb seiner Art. Allerdings wäre dies nur solange gültig bis man ihn mit Menschen vergliche. Dann nämlich wäre wiederum der Mensch schöner und der Affe dagegen verlöre seine Schönheit im Zuge dieses Vergleichs, ebenso wie der Mensch sie im Vergleich mit den Göttern verlöre.

Platon vertrat auch die Meinung, dass alles was schön, auch gleichzeitig gut sei. Wobei weniger ein moralisches Urteil gemeint ist, als vielmehr ein Maß dafür, inwiefern ein Objekt mit seiner Idee übereinstimmt, das Innere passt. Demnach wäre ein Tisch dann schön, wenn er ein besonders guter Tisch sei, also besonders geeignet dafür, als Tisch verwendet zu werden. So sei auch ein goldener Kochlöffel schöner als ein gewöhnlicher Löffel aus Holz, da dieses Merkmal aber nichts mit der natürlichen Funktion des Kochlöffels zu tun hat, und nicht zu seiner Idee passt, ist er, im Vergleich zum Gewöhnlichen, nicht als schönerzu erachten.

3 Die Macht der Schönheit

3.1 Schönheit und soziale Macht

Die Auswirkungen des „Schönen“, sowie „Schön-Seins“ auf das soziale Leben sind unverkennbar. Schönheit bedeutet soziale Macht von Anfang an. So erfährt ein hübscheres Baby bereits mehr Aufmerksamkeit als die weniger Hübschen; dem niedlichen Kind kann leichter verziehen werden, es bekommt leichter bessere Noten und zusätzlich zahlreichere Sozialofferten. Derartige Ermutigungen bestärken das schöne Kind in seinem Selbstbewusstsein, woraufhin es schlagfertiger und sozial wesentlich offensiver werden kann als andere Kinder. Das wiederum macht aus ihm einen attraktiveren Erwachsenen.

Der Alltag der Schönen weist gänzlich andere Erfahrungen gegenüber dem Nicht-Schönen auf. Der Schöne kann sich viel mehr erlauben, es wird ihm besser zugehört, er wird beachtet und umworben. Seit früh an erfährt der Schöne die Fähigkeit, Sympathien aufzubauen und gar Anhänger zu organisieren.

Schönheit verkörpert reine, unmittelbare soziale Macht, ähnlich reiner Körper- oder Geisteskraft; sie kann gefügig machen, da sie Widerstand brechen, beschwichtigen oder unterwürfig machen kann.

[...]


[1] Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, hrsg. von Wilhelm Weischedel, Frankfurt/M 1974, (= Werkausgabe, Bd. X), § 33, f

[2] Karl Vorländer, Philosophie des Altertums. Geschichte der Philosophie I, mit Quellentexten, Rowohlt 1963, 93

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Macht der Schönheit
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Kulturwissenschaftliches Seminar)
Veranstaltung
Ist der Mensch Schön?
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V181379
ISBN (eBook)
9783656046646
ISBN (Buch)
9783656046349
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
macht, schönheit
Arbeit zitieren
Irina Kirova (Autor:in), 2007, Die Macht der Schönheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181379

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