Von der alliierten Dekartellisierungspolitik zum GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen)


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)
1. Kartellbegriff und Auswirkungen auf den Wettbewerb
2. Entstehungsgeschichte des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)
3. Konzeption und Ausnahmeregelungen (§§ 98- 103) des GWB

III Fazit

IV Quellen- und Literaturverzeichnis

I Einleitung

„Wie unsere Körper ohne Geist, so ist ein Staat ohne Gesetz.“1

In diesem Kontext stellt sich die Frage, welche Rolle der Staat, als übergeordnete Institution, einnehmen muss. Wie kann der Staat nach Zusammenbruch der Wirtschaft, mit Hilfe von Regelungen, die wirtschaftliche Situation wieder verbessern und welchen Einfluß haben Kartelle und Monopole? Hinter welchem Hintergrund entstand, in diesem Sinne, das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen von 1957 und wie stark war der Einfluß der Alliierten, besonders der amerikanischen Regierung, auf die deutsche Kartellpolitik der Nachkriegszeit?

Diesen Fragen werde ich in der vorliegenden Arbeit an dem speziellen Beispiel des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen vom 27. Juli 1957 (BGBl. 1957 I S.1081) nachgehen. Grundsätzlich werden verschiedene Definitionen des Kartellbegriffs vorgestellt und Handlungsweise von Kartellen im freien Wettbewerb und die damit verbundenen Auswirkungen näher beleuchtet. Nachfolgend wird auf die historische Entstehungsgeschichte, von der Kartellverordnung 1923, der alliierten Dekartellisierungspolitik bis zum GWB, und dessen Konzeption eingegangen und im Besonderen den Einfluss der Alliierten herausgehoben. Der Aufbau und die Gliederung des GWB wird deutlich herausgearbeitet und die Ausnahmeregelungen, welche das grundsätzliche Verbot von wettbewerbsbeschränkenden Zusammenschlüssen abmildert, vorgestellt. Abgerundet wird die Arbeit mit einem zusammenfassenden Fazit, welches auch analytische Elemente enthält.

Als Grundlage meiner Arbeit benutze ich das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen von 1957. Des Weiteren wird Literatur von Walter Eucken, als Begründer des Ordoliberalismus, von Barnikel, Buchheim, Isay, Kirschstein, Langen, Mayer, Murach-Brand und Rauhut, Rundstein, Passow, Tschierschky sowie einen Artikel von Hüttenberger verwendet.

II Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)

1. Kartellbegriff und Auswirkungen auf den Wettbewerb

Die Wirtschaft wird nicht allein von staatlicher Hand geleitet, sondern auch durch privatwirtschaftliche Vereinigungen, unter denen auch Kartelle zählen, beeinflusst. Ihr Einfluss beschränkt sich nicht nur auf die Einwirkung des Wirtschaftserfolgs der beteiligten Unternehmungen, auch grundlegenden Wirtschaftsstrukturen einer Volkswirtschaft können durch Kartelle verändern werden. 2

Der Kartellbegriff selbst wurde schon seit er in der Literatur auftaucht in dieser Form gebraucht und hat sich auch in der ausländischen Literatur durchgesetzt.3

Grundsätzlich wurde in der betriebs- und volkswirtschaftlichen, aber auch in der juristischen Literatur zahlreiche Definitionen des Kartellbegriffs erstellt, die sich hauptsächlich in der Genauigkeit des Begriffs unterscheiden. Besonders in der deutschen wirtschafswissenschaftlichen Literatur wird die Frage diskutiert, inwiefern eine Monopolstellung der Unternehmung vorliegen muss, damit man von einem Kartell sprechen kann. Zudem werden Kartelle in der wirtschaftlichen Literatur meist als wirtschaftliche Verbände kategorisiert.4 Die juristische Literatur dagegen, soweit sie ein Kartellgesetz kommentiert, unterscheidet sich zur wirtschaftlichen Literatur, indem sie sich an die gesetzlichen Definitionen von Kartellen hält.5

Ein Auszug der verschiedenen Begriffserklärungen wird nachfolgend dargestellt.

Passow definiert Kartelle als „Verbände von (nicht nur rechtlich, sondern auch wirtschaftlich) selbstständig bleibenden Unternehmern oder sonstigen Wirtschaftssubjekten (oder Vereinigungen solcher), die die Beseitigung oder Einschränkung der gegenseitigen Konkurrenz bezwecken und die die ausschlaggebenden Mehrheit der Konkurrenten einer Marktgebietes umfassen“6. Rundstein versteht unter Kartelle „eine auf dem Wege freier Vereinbarung geschaffene Vereinigung von selbstständigen Unternehmern mit Interessengemeinschaft - zum Zweck der Einwirkung auf Produktions- und Absatzverhältnisse durch Beschränkung oder Beseitigung des freien Wettbewerbs“7. Nach Tschierschky sind Kartelle „auf Vertrag beruhende Organisationen selbständiger Unternehmer (Unternehmen) des gleichen Gewerbes zwecks willkürlicher Regelungen ihres Marktes“.8 Isay schlägt vor, dass ein Kartell „eine Vereinigung selbständiger Unternehmer eines Gewerbezweiges, welche den Einkauf, die Erzeugung oder den Absatz innerhalb des Gewerbezweiges regeln will“ 9 ist. Dieser Arbeit wird der Kartellbegriff von Mayer zugrunde gelegt:

„Kartelle sind durch vertragliche Vereinbarungen zwischen rechtlich und in vielen Belangen auch wirtschaftlich selbständig bleibenden Unternehmern geschaffene Verbände, die durch Verminderung des Wettbewerbs für gleichartige, in Konkurrenz stehende Erzeugnisse und Leistungen die Marktlage zu beeinflussen und den Wirtschaftserfolg der an der Vereinbarung beteiligten Unternehmungen zu sichern oder zu erhöhen trachten.“10

Wie schon aus den verschiedenen Definitionen des Kartellbegriffs deutlich wird, ist die Verminderung oder das Ausschalten des Wettbewerbs zwischen den Marktteilnehmern ein wichtiges Charakteristikum der Kartelle. Ziele der Kartelle sind vor allem die Sicherung und Erhöhung des Wirtschaftserfolgs durch verbesserte Marktstellung der beteiligten Unternehmungen bis hin zur Erreichung einer monopolartigen Stellung innerhalb des Marktes.11 Die Marktwirtschaft belohnt durch den Wettbewerb produktives Wirtschaften und erhöht somit die Leistungsbereitschaft der Marktteilnehmer. Zudem führt das effiziente Wirtschaften der einzelnen Marktteilnehmer zu einem gesamtwirtschaftlichen Ziel. Theoretisch zwingt die Knappheit eines Gutes, nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, zu einem Preisanstieg.12 Dies hat den Effekt, dass die Produzenten, durch das Gewinnstreben getrieben, dieses Gut in höheren Auflagen herstellen. Der Absatz wird größer und der Bedarf schließlich gedeckt. In Folge dessen muss der Preis wieder sinken, um den Absatz aufrecht zu erhalten. Kartelle und Monopole beeinflussen diesen Mechanismus künstlich, indem sie direkt den Preis unnatürlich höher setzen oder indirekt das Angebot beschränken.13 Dies führt nicht notwendig dazu die bestmögliche Versorgung des Marktes zu gewährleisten. Zudem sind die Konsumenten, bei künstlicher Beeinflussung von Angebot und Nachfrage, nicht mehr die Lenker der Wirtschaftsprozesse. Das bedeutet der freie Markt kann nicht mehr als sozial eingestuft werden, da sich die Preise nicht mehr optimal nach den Bedürfnissen der Abnehmer richten.14 Dieser Umstand steht somit im Widerspruch zum Gedanken der sozialen Marktwirtschaft. Durch die Schaffung eines funktionsfähigen Preissystems mit vollständiger Konkurrenz, hat jeder Akteur auf dem Markt, unabhängig ob Betrieb oder Haushalt, die Möglichkeit eine genaue Wirtschaftsrechnung durchzuführen und streng nach dem Kostenprinzip zu agieren.15 Wird das Preisgefüge durch künstliche Beeinflussung verzerrt, hat das dementsprechend auch Auswirkungen auf die Leistungsbereitschaft und die wirtschaftliche Initiative der Marktteilnehmer und bringt in Folge dessen nicht das bestmögliche Resultat.16

Faktoren für den Zusammenschluss von Unternehmern ist allen voran die Konjunkturlage und in Verbindung damit die Beschäftigungslage der Kartellmitglieder und der außerhalb der Kartells agierenden Unternehmungen. Nichtsdestoweniger kommt der Struktur des Marktes eine bedeutende Rolle zu.17

Zusammenfassend kann man sagen, dass Kartelle den Wettbewerb wesentlich beeinflussen und auch vermindern, ihn jedoch nicht ausschalten können. Für Kartelle ist es schwieriger eine Monopolstellung auszunutzen, da sie immer die Interessen der einzelnen Kartellmitglieder berücksichtigen müssen. Jedoch kann man durch gezielte staatliche Kartellpolitik die Entwicklung und die Aktivitäten von Kartellen wesentlich beeinflussen. Kartelle niedriger Ordnung können sogar unter Umständen dem Markt dienlich sein. Die große Gefahr von Kartellen ist dennoch nicht nur die Erhöhung der Preise, sondern auch die Hemmung der Produktivität der Unternehmen.18 Obgleich Kartelle in kleinen Wirtschaftsgebieten zu Stabilität verhelfen können, sollte in hochentwickelten Wirtschaftsräumen eher davon abgesehen werden. Die Auswirkung von Kartellen auf die Entwicklung der Konjunktur ist nicht eindeutig festgehalten. Einerseits können Kartelle stabilisierend auf die Konjunktur einwirken, aber andererseits führen sie auch zu einer Verzögerung wichtiger wirtschaftlicher Anpassungsprozesse.19

2. Entstehungsgeschichte des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)

Ein Zusammenspiel von verschiedenen historischen Gründen ist für die Entstehung des GWB verantwortlich. Der Grundstein legte die Inflation 1923, die zunehmende Tendenz zur Zusammenschließung von Unternehmen, trotz Kartellverordnung (KVO) von 1923, und das mit der Wirtschaftskrise einhergehende fehlende Vertrauen in die Kartelle.20 Die deutsche Verordnung gegen den Missbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen vom 2. November 1923 war das erste europäische Kartellgesetz. Die Kartelle wurden einer Kartellaufsicht unterstellt, Sperren und sperrähnlichen Maßnahmen mit präventivem Charakter eingeführt und die Auflösung von Kartellverträgen erleichtert.21 Man wollte ein Instrument haben die negativen Effekte der Kartelle zu bekämpfen, ohne Kartelle an sich zu verbieten oder zu zerschlagen. Ziel war es ein Reinigungsprozess in Gang zu setzen, der effizientere Produktionsmethoden förderte. 22 Kartellverträge mussten ausschließlich in schriftlicher Form erfolgen. Diese Verträge konnte vom Reichswirtschaftsminister außer Kraft gesetzt werden, sollten sie gegen die Gesamtwirtschaft oder das Gemeinwohl streben. Außerdem war es nun möglich, dass jedes Kartellmitglieder die Freiheit hatte, den Vertrag fristlos zu kündigen, sollte die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit, im Besonderen bei der Preisgestaltung, dem Absatz oder der Erzeugung, eingeschränkt sein.23

Der verlorengegangene Umgang mit Wettbewerb und Märkten, seit der künstlichen Beseitigung von Konkurrenz, unter NS-Herrschaft führte bei Unternehmern zusätzlich zu Unsicherheiten.24 Im Dritten Reich hatte die leicht veränderte Kartellverordnung freilich Bestand, wurde allerdings um das Gesetz über Errichtung von Zwangskartellen vom 15.07.1933 erweitert. Im Sinne dieses Erweiterungsgesetzes wurde auch die Wirtschaftspolitik deutlich ausgerichtet. 25 Daher scheint es nicht verwunderlich, dass man von deutscher Seite prinzipiell dem Staat Aufsichtsrechte einräumen wollte. Die alliierten Siegermächte setzten allerdings Kartelle mit der nationalsozialistischen Wirtschaft gleich und waren davon überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft durch kartellmäßige Zusammenschlüsse besondere Stärke zurückgewinnen würde.26 Da man im Zuge der Entnazifizierung den Kern des Nationalsozialismus vernichten wollte, erließ man im Februar 1947 eine Dekartellisierungsverordnung für die französische, britische und amerikanische Besatzungszone, welche bis zur Verabschiedung des GWB 1957 in Kraft blieb.27 Vorausgegangen war die folgende Bestimmung § 12 des Potsdamer Abkommen vom 12.08.1945:

„Die deutsche Wirtschaft soll, sobald dies praktisch möglich ist, dezentralisiert werden, damit die jetzige übermäßige Zusammenballung wirtschaftlicher Macht, wie sie sich insbesondere in Kartellen, Syndikaten, Trusts und anderen monopolistischen Vereinbarungen zeigt, beseitigt wird.“28

Die Dekartellisierungsverordnung von 1947 verbot, in Anlehnung an den Sherman act von 1890, grundlegend den Zusammenschluss von Wirtschaftskraft und maßregelt dies durch Geld- und Freiheitsstrafen. Nichtsdestoweniger waren die amerikanischen Alliierten bestrebt ihr eigenes Weltbild, mit dem Antitrustrecht als politische Grundlage, zu verbreiten.29 Den Marktteilnehmern, welche durch gewisse Umstände eine Machtstellung inne hatten, sollte nicht die Möglichkeit eröffnet werden, durch künstliche Beschränkungen, die eigene Stellung innerhalb des Marktes auszubauen und so den Wettbewerb zu manipulieren.30 Denn der Wettbewerb kann als dynamischer Prozess angesehen werden, der durch Angebot und Nachfrage die Geschicke zwischen den Marktteilnehmern lenkt.31 Die Antitrustgesetzgebung der Vereinigten Staaten von Amerika ist auf Erhaltung des freien Wettbewerbs ausgerichtet. Das bedeutet, die Konkurrenz muss gewährleistet sein, indem man vertragliche Bindungen, Zusammenschlüsse von Unternehmen und unfairen Wettbewerb generell unterbindet.32 Der Sherman Act von 1890 zählt in dieser Beziehung zu einem der wichtigsten Schriftstücke in der amerikanischen Politik.33 Jedenfalls ist der Versuch gegeben, durch den festen Glauben an die Freiheit des Wettbewerbs, die Theorie und die Praxis durch ein einheitliches Prinzip zu vereinen, welches durch einige Ausnahmen wieder verweichlicht wird.34

Die deutsche Tradition mit der Kartellverordnung von 1923 einerseits, welche eine elastische Handhabung von Fall zu Fall vorsieht und demnach dem Missbrauchsprinzip folgt, steht in Gegensatz zum amerikanischen Ideal andererseits, der wirtschaftlichen Freiheit mit dem Verbotsprinzip, und dem Ordoliberalismus, der seine Wurzel im Ordnungsbegriff und im Gemeinwohl hat.35 Diese zwei konträren Positionen innerhalb der Entwicklung des GWB, führten schließlich zu einem Kompromiss, der geprägt war von der Sicherung des vollständigen Wettbewerbs und vielen Ausnahmeregelungen. Wenn die Ziele des Ordoliberalismus mit den Vorstellungen der amerikanischen Alliierten übereinstimmten, kam es in der Regel zu Maßnahmen zur Erhaltung des Wettbewerbs.36 Die Etablierung eines grundsätzlichen Kartellverbots, die Konzeption des Vertrages zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKSV), die Ausnahmeregelungen für Krisen-, Export-, Rationalisierungskartelle, Zentralbanken und Landwirtschaft sowie die Sonderregelungen über marktbeherrschende Unternehmen können als Beispiele für wettbewerbserhaltende Maßnahmen angeführt werden.37 Wenn die alliierte Dekartellisierungspolitik und wirtschaftliche Konzepte, beispielsweise die Entflechtungsvorschriften oder die Strafvorschriften zur Durchsetzung des Gesetzes, nicht deckungsgleich waren, konnten sich die USA in den Verhandlungen meistens nicht das Oberwasser gewinnen.38 Das lag auch an der Tatsache, dass viele Streitpunkte über Jahre, unter anderem von Vertretern der deutschen Industrie, mehr oder weniger bewusst verschleppt wurden, um so Zeit zu gewinnen. Von Seiten der Lobbyisten war man sich im Klaren darüber, dass man durch Verzögerung den Einfluß der Alliierten abschwächen konnte. Letzten Endes wollten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Vorstellungen von Dekonzentration strenger durchsetzen.39 Die deutschen Ministerialbeamten waren jedoch selbst relativ unsicher wie sie bei dieser Angelegenheit vorgehen sollten und konnten keine prägnanten Konzepte vorweisen. Schließlich bestand, nach Beendigung der Verhandlungen, von deutscher Seite der Versuch die Zugeständnisse der USA nicht publik zu machen, um eine öffentliche Diskussion zu vermeiden.40 Es bestand die Gefahr, dass ein ausschließlich von den Alliierten auferlegtes Gesetz keine Zustimmung im Bundestag gefunden hätte.41 Natürlich war man sich von Seiten der deutschen Politik über die Abhängigkeit von den alliierten Mächten bewusst. Die deutsche Regierung wollte sich jedoch, als neugegründeter Staat, auch gegenüber den europäischen Staaten als handlungsfähig erweisen. Die Forderungen der Vereinigten Staaten von Amerika konvergierten weitgehend mit den Grundsätzen des Ordoliberalismus. Dieser Umstand führte dazu, dass von deutscher Seite die Zugeständnisse an die amerikanischen Alliierten als ordoliberalistische Maßnahmen betitelt wurden.42 Trotz alledem etablierte sich die amerikanische Vorstellung des freien Wettbewerbs grundlegend beim deutschen Gesetzgeber.43

Des Weiteren bestand die Gefahr, in Folge der Auseinandersetzungen von Klein- und Mittelindustrien gegen Großindustrien, dass nach dem Wiederaufbau der Märkte wieder Monopole entstehen, welche die gute Ausgangslage für Klein- und Mittelindustrien zu Nichte machen könnten. Die neugebildeten Kartelle könnten dann wiederum, durch ihre wirtschaftliche Macht, Druck auf die neuorganisierte Politik ausüben und die Demokratie schwächen.44 Man muss stets bedenken, dass Deutschland, mit dem „Deutschen Sonderweg“, eine vom Partikularismus geprägt Nation war. Das demokratische Verständnis, welches in England beispielweise eine viel tiefergreifende Tradition hatte, musste sich in dem neustrukturierten Nachkriegsdeutschland erst noch festigen. Die neoliberale Wirtschaftslehre, welche auch an den deutschen Universitäten Einfluß gewann, bildete das Gerüst zu den Zielen und Vorstellungen der neuen Kartellpolitik.45 Zusammenfassend kann man festhalten, dass die Funktionen der Dekartellisierungsverordnung von 1947 einerseits die Bekämpfung von Monopolen auf den Märkten, die Stärkung des Mittelstands, die Überwachung der Preispolitik zur Erhöhung des Lebensstandards und Sicherung des sozialen Friedens sowie der Schutz des Staates vor dem Druck ökonomischer Mächte war.46 Schließlich wollten die Alliierten durch Vermeidung von hoher Marktkonzentration einen weiteren Krieg verhindern.

[...]


1 Marcus Tullius Cicero, in: Wirtschaftszitate.de . URL: http://www.wirtschaftszitate.de/thema/globalisierung.php (16.04.2010)

2 Leopold Mayer, Kartelle, Kartellorganisation und Kartellpolitik, Wiesbaden 1959, S. 13.

3 Hans-Heinrich Barnikel, Kartelle in Deutschland. Entwicklung, theoretische Ansätze und rechtliche Regelungen, in: Barnikel (Hg.), Theorie und Praxis der Kartelle, Wiesbaden 1972, S. 23-24.

4 Mayer, S. 21.

5 Ebd.

6 Richard Passow, Kartelle, in: Passow (Hg.), Beiträge zur Lehre von den Unternehmungen, Heft 13, Jena 1930, S. 2.

7 Simon Rundstein, Das Recht der Kartelle, Berlin 1909, S. 2.

8 Siegfried Tschierschky, Kartell-Organisation, Berlin 1928, S. 9.

9 Rudolf Isay, Studien im privaten und öffentlichen Kartellrecht, Mannheim 1922, S. 16.

10 Mayer, S. 22.

11 Ebd. S. 26-27.

12 Dr. Rudolf Isay, Die Geschichte der Kartellgesetzgebungen, Berlin 1955, S. 51.

13 Walter Eucken, Grundsätze der Wirtschaftspolitik, Bern 1952, S. 32.

14 Eucken, S. 33.

15 Ebd., S. 314.

16 Ebd.

17 Mayer, S. 27.

18 Ebd., S. 83.

19 Ebd., S. 84.

20 Peter Hüttenberger, Wirtschaftsordnung und Interessenpolitik in der Kartellgesetzgebung der Bundesrepublik 1949-1957, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 24, München 1976, S. 287.

21 Mayer, S. 37.

22 Barnikel, S. 41.

23 Ebd., S. 42.

24 Hüttenberger, S. 287.

25 Isay, Kartellgesetzgebungen, S. 62.

26 Ebd., S. 63.

27 Christoph Buchheim, Von der aufgeklärten Hegemonie zur Partnerschaft. Die USA und Westdeutschland in der Weltwirtschaft 1945-1968, in: Detlev Junker (Hg.), Die USA und Deutschland im Zeitalter des Kalten Krieges 1945-1990. Ein Handbuch, Bd. I, Stuttgart 2001, S. 412.

28 Isay, Kartellgesetzgebungen, S. 63.

29 Ebd., S. 64.

30 Ebd., S. 65.

31 Ebd., S. 66.

32 Ebd., S. 87.

33 Ebd., S. 66.

34 Ebd., S. 67.

35 Lisa Murach-Brand, Antitrust auf deutsch. Der Einfluß der amerikanischen Alliierten auf das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) nach 1945, in: Nörr/Rückert u.a. (Hg.), Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 43, Tübingen 2004, S. 225.

36 Ebd., S. 198.

37 Ebd., S. 198-199.

38 Ebd., S. 199.

39 Buchheim, S. 412.

40 Murach-Brand, S.199.

41 Ebd., S. 200.

42 Murach-Brand, S. 200.

43 Ebd., S. 201.

44 Hüttenberger, S. 288.

45 Ebd.

46 Ebd., S. 289.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Von der alliierten Dekartellisierungspolitik zum GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen)
Hochschule
Universität Mannheim  (Seminar für Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Vom Zusammenbruch zum Wirtschaftswunder. Die deutsche Wirtschaft nach 1945.
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V181437
ISBN (eBook)
9783656043829
ISBN (Buch)
9783656043782
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kartell, Antitrust, Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftswunder, Marktwirtschaft, Wettbewerb, Monopol, Nachkriegszeit, Eucken, Ordoliberalismus
Arbeit zitieren
B.A. Nicola Kiermeier (Autor), 2010, Von der alliierten Dekartellisierungspolitik zum GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181437

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