Otto der Große und das Reich


Hausarbeit, 2010

25 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Quellenbilanz und aktueller Forschungsstand

3. Die Vita Ottos 1
3.1. Otto von Sachsen und die Königskrönung in Aachen
3.2. Politische Auseinandersetzungen im Reich
3.3. Außenpolitische Führung Ottos 1
3.4. Kaiser- und Kirchenpolitik

4. Bedeutung und Größe Ottos I. im Rückbezug auf Vita und Politik

5. Eidesstattliche Erklärung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Otto der Große und das Reich - Damit verbunden sind die Bemühungen eines Herrschers, die deutschen Stämme zu einen und diese gemeinsam in Europa als eine Nation zu etablieren. Begleitet von inneren und äußeren Unruhen setzt Otto I. seine Politik und seinen Charakter durch und kann sich vor den europäischen Herrscherhäusern behaupten. Es gelang Otto I. ein Reich aufzubauen, das dem Gedanken der deutschen Einheit und einer deutschen Nation eine Heimat geben sollte. Das Erbe seines Vaters aufgreifend, erweiterte er sein Herrschaftsgebiet, verbreitete das Christentum in Osteuropa und wurde schließlich zum Kaiser gekrönt.

Das Prädikat „der Große“ wird ihm in vielerlei Hinsicht zugeschrieben: teils durch seine erfolgreichen Schlachten, teils durch seine Europapolitik, aber wiederum auch durch seine Bemühungen um die christliche Kirche. Die Geschichte der Deutschen wird maßgebend bestimmt durch die Herrschaft Ottos des Großen. Seine Taten geben Grund zum Überlegen, ob sie König Otto I. wirklich zu Otto dem Großen emporheben können oder nicht etwa doch nur zu voreilig geurteilt wurde.

In erster Hinsicht soll erörtert werden, welche Ereignisse die Herrschaft Ottos I. charakterisieren und welche ihm davon zu Otto dem Großen werden ließ. Desweiteren treten Fragen bezüglich seiner Bedeutung für die Deutschen und Europa auf, die an Hand der nachfolgenden Ausarbeitung seiner Vita beantwortet werden sollen.

2. Quellenbilanz und aktueller Forschungsstand

Die Zeit des Mittelalters trägt nicht umsonst das Synonym „das Dunkle Mittelalter“. Quellenspezifisch betrachtet bieten uns die aktuell vorliegenden Quellen nur sehr wenig Einblick in jene Epoche. Basierend auf Schriften, Aufzeichnungen und anderen Dokumenten können sich nur grobe Spekulationen anstellen lassen, welche uns eine ungefähre Vorstellung von dem geben können, was einst vorgefallen ist. Noch heute kursieren in Fachkreisen verschiedenste Ansichten darüber, inwiefern die Ereignisse der damaligen Zeit wirklich stattgefunden haben. Die schwierige Quellenlage lässt gegenwärtig noch einen Toleranzrahmen zu, was die Deutung und Interpretation einzelner Dokumente betrifft. Verschiedene Faktoren können hierfür eine Ursache sein. Sei es zum einen die Tatsache, dass während der damaligen Zeit nur sehr wenige Menschen in der Lage gewesen sind, zu schreiben. Für uns heute wichtige Stationen in der Weltgeschichte könnten mittels der Eindrücke verschiedener Zeitzeugen genauer untersucht werden. Desweiteren spielt die enorme Zeitspanne eine wichtige Rolle, von welcher wir ausgehen müssen, die viele Quellen unbrauchbar gemacht hat. Schwer zu entziffernde Dokumente oder gänzlich zerstörte Schriften vereinfachen die Arbeit keines Wegs. Gerd Tellenbach äußerte sich in einer seiner Arbeiten einmal folgendermaßen:

„Die Individualität des Mannes, das Ineinanderwirken von Charakter und Schicksal, die innere Entwicklung und geistige Lebensführung, die Motivation ihres Handelns, das eigene Bewusstsein von Sinn und Bedeutung ihres Daseins, das alles wird uns bei den Hochmittelalterlichen Königen höchstens in undeutlichen Konturen erkennbar.“[1]

Er spielt sehr deutlich auf die Quellenproblematik an, die es schwierig macht, Handlungen und Motivationen mittelalterlicher Persönlichkeiten präzise nachvollziehen zu können.

Bei der Auseinandersetzung mit der Person und der Politik Ottos des Großen konnte man sich vereinzelt nur auf zeitgenössische Quellen stützen, die ihrer zeit von dem Mönch Widukind von Corvey verfasst wurden. Auszüge aus der von ihm geschriebenen Res gestae saxonicae sind die Grundlage für die Erforschung Ottos I. und der Geschichte der Sachsen im Allgemeinen. Die Aussagen seiner Bücher bilden das Fundament, die vergangenen Ereignisse für uns verständlich zu machen. Die Bücher Widukinds liegen in gutem Zustand vor. Vielfach abgedruckt und komplett aus dem lateinischen ins deutsche Übersetzt ist es für jeden ohne Schwierigkeiten möglich, diese einzusehen und zu interpretieren.

Neben den Aufzeichnungen Widukinds von Corvey existieren ebenfalls in der Zeit Ottos I. verfasste Urkunden. Deren Inhalt lässt es zu, Rückschlüsse auf die Politik und die Führung unter Otto dem Großen zu ziehen. Umfangreich aufgearbeitet und editiert wurden diese Dokumente in der Monumenta Germaniae Histórica. Weiterhin befinden sich Briefe und Gesetzesschriften in dieser Sammlung wieder, die aus der Zeit des Mittelalters stammen. Auch diese Quellen geben Aufschluss über die politische Lage, die Beziehungen zwischen Kirche und Staat, sowie die Beziehungen zwischen einzelnen Personen jener Zeit.

Ferner liegen Quellen vor, welche von Personen aus dem Ausland geschrieben wurden, die sich meistens nur mit dem Charakter und der Wirkung des Otto auf ebendiese auseinandersetzen. Mit Hilfe derartiger Quellen sind wir in der Lage, mehr über die Person Ottos I. zu erfahren und aus seinen Charakterzügen mögliche Verhaltensmuster für seine politischen Entscheidungen herauszukristallisieren.

Neben der Verwendung von zeitgenössischen Quellen wurde auf spezielle Fachliteratur zurückgegriffen, die sich umfangreich mit dem Thema Otto I. auseinandersetzt. Die Autoren bekräftigen in ihren Werken mehrmals, dass viele ungeklärte Punkte in der Geschichte Spekulationen offen lassen. Viele beschränken sich aus diesem Grund nur auf die Fakten, welche sie offensichtlich vorliegen haben und sehen von einer etwaigen Deutung eines umstrittenen Sachverhaltes ab. Sicherlich wäre es möglich, Vermutungen anzustellen, doch führe dies nicht zum Erfolg im Einzelnen, da eine falsche Annahme andere Theorien den Halt nehmen könnte. Renommierte und viel zitierte Historiker wie Robert Holtzmann oder Gerd Tellenbach haben sich mit Otto I. auseinandergesetzt und beziehen ihre Erkenntnisse auf die vorliegenden Aufzeichnungen Widukinds von Corvey und weiteren Dokumenten und Urkunden. Beide geben jedoch auch Ansätze, was die Motivation für die politische Zielrichtung Ottos I. gewesen sein könnte. Da dies aber nur wage Behauptungen sind, berufen sich die Historiker immer wieder auf den schon angesprochenen Fakt, dass durch das minimale Quellenangebot vereinzelt nur Spekulationen möglich sind.

Mit Hilfe den zur Verfügung stehenden Quellen und literarischen Werken soll im Folgenden die Bedeutung und die herausragende Stellung Ottos I. in der Geschichte erörtert und untersucht werden.

3. Die Vita Ottos I.

3.1. Otto von Sachsen und die Krönung in Aachen

Otto von Sachsen wurde am 23. November 912 in Wallhausen geboren. Als Sohn des Königs Heinrich I. und seiner Frau Mathilde war er der älteste von 5 Geschwistern. Zu diesen zählten seine Schwestern Gerberga und Hadwig und seine Brüder Heinrich und Brun. Er hatte durch die erste Ehe seines Vaters mit Hatheburg noch einen Halbbruder, Thankmar1. Otto wurde mit 17 Jahren mit Edgitha, der Tochter eines angelsächsischen Fürsten, vermählt. Dass die Schwiegertochter Heinrichs I. eine Angelsächsin ist, ist durchaus kein Zufall. Es heißt, er habe bei der Suche nach einer Braut für seinen Sohn auf die enge Verwandtschaft mit dem sächsischen Haus geachtet.[2] Aus dieser Ehe gingen der Sohn Liudolf und die Tochter Liudgard hervor.

Ottos Charaktereigenschaften sind vielseitig umstritten. Tellenbach schreibt, er habe zwei prägnante Eigenschaften stets nach außen getragen: clementia und constantia.[3] So milde Otto mit gläubigen Christen verfuhr, die sich einer schweren Schuld zu verantworten hatten, dementsprechend hart war er zu Slawen und heidnischen Ungarn. Auf Grund der Tatsache, dass die Primogenitur, also das Recht des Erstgeborenen auf den Thron, sich noch nicht etabliert hatte, designierte Heinrich I. den seiner Meinung nach fähigsten Sohn zum Thronfolger. Widunkind schreibt dazu, dass „Otto [...] der größte und beste unter ihnen [den Brüdern] war“[4]

Die Designation Ottos zum König brachte viele Neuerungen mit sich. Zunächst sicherte sich Heinrich I. durch die Wahl in Erfurt, an welcher die wichtigsten Fürsten des Landes beteiligt waren, die Herrschaftsnachfolge durch seinen Sohn.[5] Die „Volkswahl“ war laut Tellenbach ein fundamentaler Bestandteil der ottonischen Herrschaft.[6] Weiterhin wurde die Unteilbarkeit des Reiches erreicht und manifestiert. Dadurch erreichte Heinrich I. eine dauerhafte Stabilität des Reiches. Es war nun nicht mehr möglich, das Herrschaftsgebiet unter den Söhnen aufzuteilen und somit einer weiteren Zersplitterung des selbigen zu zuarbeiten. Historiker wie Tellenbach begründen diese Entwicklung mit möglichen Strukturänderungen des Reiches oder der politischen Organisation der deutschen Stämme,[7] wobei man eher davon ausgeht, dass die Unteilbarkeit des Reiches ein allgemeiner Trend in Europa gewesen ist, welcher schon von den Westfranken umgesetzt worden war.[8] Im Weiteren führt die Wahl Ottos zum König dazu, dass innerhalb der Familie Spannungen entstanden, die weitaus folgenschwerer waren, als man zunächst annehmen könnte. Mit der Designation des älteren Sohnes für den Königsthron nicht einverstanden, ergriff Ottos Mutter Mathilde Partei für den zweitgeborenen Heinrich. Köpke und Dümmler vertreten die Ansicht, dass es sich hier einerseits um die stärkere Zuneigung der Mutter zu Heinrich handelt und andererseits Mathilde sich einen wesentlicheren Anteil an der politischen Führung des Reiches verspricht, sollte nicht Otto, sondern Heinrich den Thron besteigen.[9] Heinrich ging, und da sind sich die Historiker einig, davon aus, dass Otto lediglich Anspruch auf das Herzogtum hat und er selbst als „Purpurgeborene[r]“[10], das heißt mit Königswürde, das Recht auf das Frankenreich inne habe.[11] Die Wahl des Nachfolgers Heinrichs I. lag trotz allem in den Händen der Fürsten. Die Designation diente allein als Vorschlag, der letztlich auch angenommen wurde. Man wusste um die durchaus positiven Charaktereigenschaften Ottos Bescheid. Eine Wahl des jüngeren Heinrichs kam schon deshalb nicht in Frage, da er „die Stimmung der Sachsen schwerlich für sich hatte“[12].

Die Königswahl in Aachen vollzog sich nicht ohne Grund in der Kaiserstadt Karls des Großen. Otto I., so Tellenbach, eiferte schon früh Vorbildern, wie Karl dem Großen, Ludwig dem Deutschen oder Arnulf von Kärnten nach.[13] Besonders Karl der Große wurde zum Vorbild Ottos I. Die immense Bedeutung Aachens zur damaligen Zeit beeinflusste die Entscheidung erheblich. Otto I. demonstrierte damit, dass die Herrschaft über die Christenheit in der westlichen Welt nun mehr dem deutschen König zuteil wurde.[14] Man ist sich einig, dass er zudem im Bewusstsein geistiges und politisches Erbe der Lothringer vorzuführen, diese Verstärkt symbolisch an das Deutsche Reich anbindet. Seine Machtdemonstration geht laut Holtzmann soweit, dass er die Vormachtstellung der sächsischen Fürsten auf dem deutschen Königsthron gegenüber den Westfranken verstärkt untermauern will.[15]

Die Krönung Ottos I. am 7. August 936 zum Regnum francorum orientalum ist umfassend von Widukind von Corvey überliefert worden. Gleichzeitig mit der Wahl des neuen

Königs sollte dieser in der Basilika zu Aachen die Krone erhalten. Widukind berichtet, dass, bevor die Herzöge und Fürsten der deutschen Stämme Otto I. die Treue schwuren, die Franken und Sachsen den Sohn Heinrichs I. auf den Königsthron wählten.[16] Indessen er auf dem Thron Karls des Großen Platz genommen hat, überreichte ihm Erzbischof Hildibert von Mainz die Reichsinsignien. Deren Symbolkraft übertrugen ihm die Aufgaben des Schutzes der Christen vor deren Feinden, der Wahrung des Friedens während seiner Amtszeit und der Unterstützung von Armen und Schwachen.[17] Die anschließende Salbung durch die Erzbischöfe sollte ab dem Zeitpunkt der Krönung Ottos I. fester Bestandteil bei den Krönungszeremonien der Ottonen werden. Der geregelte Ablauf dieses Ereignisses, welcher bis dato nur aus Tradition gehandhabt wurde, fand später festen Rückhalt in der Mainzer Krönungsordo von 961 bei der Königskrönung Ottos II. In selbiger wurde die Zeremonie in 20 Punkten genauestens vorgeschrieben und galt noch Generationen später als Vorbild.[18] Während des Königsmahls teilte Otto I. die vier Ehrenämter unter den Herzögen des Landes auf. Dabei verteilten sich die Positionen folgendermaßen: Giselbert von Lothringen erhielt die Aufgaben des Kämmerers, Eberhardt von Franken die des Truchseß, Hermann von Schwaben wurde Mundschenk und Arnulf von Bayern bekam die Ehre, als Marschall am Königshof dienen zu können.[19] Die Krönung Ottos I. zum Nachfolger seines Vaters wurde auch im italienischen Ausland positiv aufgenommen. So heißt es in einer Quelle, „daß er [Heinrich I.] seinen gewaltigsten und frömmsten Sohn zum König erhob“[20]. Weiter heißt es in der gleichen Quelle, dass ein Zusammenbruch des Reiches gedroht haben muss, welcher allerdings durch die beschriebene Klugheit Heinrichs I. abgewandt werden konnte. Das den Sachsen gewidmete Loblied zeigt, dass auch über die Grenzen Ostfrankens die Menschen zufrieden mit der Wahl in Aachen gewesen sind.

Historiker berichten, trotz der prunkvollen Krönungsfeier mit allen Herzögen des Reiches, dass es sich im Grunde nur um die Ruhe vor dem Sturm gehandelt habe. Fischer-Fabian zitiert in seinem Buch den Historiker Percy Ernst Schramm. Dieser sagte, dass auf den ersten glücklichen Tag in der Geschichte der Deutschen, viele unglückliche folgten.[21]

[...]


[1] Gerd Tellenbach, in: Die Großen Deutschen, 1956, S. 35

[2] vgl. Stammtafel des sächsischen Kaiserhauses, Holtzmann, 1979

[3] vgl. Köpke, Dümmler, 1876, S. 9

[4] vgl. Tellenbach, in: Die Großen Deutschen, Bd. I, 1956, S. 36

[5] Widukind I, cap. 41

[6] vgl. Köpke, Dümmler, 1876, S. 21f.

[7] vgl. Tellenbach, in: Die Großen Deutschen, Bd. I, 1956, S. 42

[8] vgl. Tellenbach, in: Die Großen Deutschen, 1956, S. 42

[9] vgl. Köpke, Dümmler, 1876, S. 24

[10] Siegfried Fischer-Fabian, 1977

[11] vgl. Köpke, Dümmler, 1876, S. 24f.

[12] Rudolf Köpke, Ernst Dümmler, 1876, S. 25

[13] vgl. Tellenbach, in: Die Großen Deutschen, 1956, S. 40

[14] vgl. Holtzmann, 1979, S. 112

[15] vgl. Holtzmann, 1979, S. 112

[16] vgl. Widukind II, cap. 1, 2

[17] vgl. Widukind II, cap. 1, 2

[18] vgl. Mainzer Krönungsordo, 1935

[19] vgl. Holtzmann, 1979, S. 114f.

[20] Liutprand, Antapodosis IV, cap. 16

[21] vgl. Fischer-Fabian, 1977, S. 36

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Otto der Große und das Reich
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V181451
ISBN (eBook)
9783656044215
ISBN (Buch)
9783656044451
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
otto, große, reich
Arbeit zitieren
Felix Eibenstein (Autor), 2010, Otto der Große und das Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181451

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