Antike Demokratie


Seminararbeit, 2011

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundzüge der athenischen Demokratie

3. Institutionen und Verfahren
3.1 Volksversammlung (Ekklesia)
3.2 Rat der 500 (Boule)
3.3 Volksgericht

4. Athen – Vorbild für moderne Demokratien?
4.1 Strukturelle Unterschiede zwischen Antike und moderner Demokratie
4.2 Grenzen der Polisdemokratie

5. Prinzipien republikanischen Denkens

6. Fazit

1. Einleitung

Der Ursprung unserer heutigen Demokratie geht bis in die Antike zurück. Der griechische Staatsmann Perikles definierte die Demokratie seiner Zeit als Staat, der nicht auf wenige Bürger, sondern auf alle ausgerichtet sei. Diese Definition mag auf den ersten Blick eindeutig klingen, aber schon die Frage danach, wie diese Mehrheit die Herrschaft ausüben soll, zieht unterschiedliche Ausprägungen der Demokratie nach sich. Auch die Wortbedeutungen demos „Volk“ und kratein „herrschen“ liefern keine genaue Interpretationsgrundlage. Fraglich ist zum einen, ob die Herrschaft durch das Volk mittelbar oder unmittelbar ausgeübt werden soll. Entweder drückt sich die Herrschaft der Mehrheit also direkt in Volksversammlungen und Abstimmungen, oder indirekt durch Bestellung von Vertretern aus. Zum anderen ist zu klären, ob die Herrschaft des ganzen Volkes gemeint ist, oder ob die Herrschaft der Vielen, also einer qualifizierten Mehrheit genügt. Daraus folgt auch die Frage nach der damit verbundenen Minderheit und ihren Rechten. Weiterhin muss entschieden werden, ob alle Bürgerinnen und Bürger zu jederzeit allumfassend am Beratungs-, Entscheidungs- und Ausführungsprozess der Politik beteiligt werden muss, oder ob dieses arbeitsteilig durch einige wenige geschehen kann. Der Rückblick in die Antike dient also lediglich als Startpunkt für die Geschichte des Demokratie-Begriffs. Der Demokratie folgen derzeit laut politischer Ordnung weltweit vorgeblich 120 Staaten. Die Tatsache, dass nicht all diese Staaten wirklich demokratisch bezeichnet werden können, verdeutlicht, dass es kein universelles Modell der Demokratie gibt. Je nach historischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten entwickelte sich eine bestimmte Form der Demokratie. Ausgangspunkt war jedoch stets die demokratia in Athen, die durch Geschichtsschreiber Herodot im fünften Jahrhundert v. Chr. erstmals festgehalten wurde. Vorliegende Arbeit stellt eine Zusammenfassung der „Informationen zur politischen Bildung“ (Nr.284/2004, S. 4-15) dar. Alle wörtlichen oder dem Sinn nach entnommenen Passagen sind deshalb nicht mit genauer Quellenangabe versehen.

2. Grundzüge der athenischen Demokratie

Die Polisdemokratie im Antiken Athen ist bis heute gedanklicher Ursprung von Bürgerbeteiligung und Partizipationsrechten. Vorbereitende Reformen wurden durch die Verfassung des Solon eingeleitet, die soziale Missstände behob und die Bürger Athens in vier Vermögensklassen einteilte. Erstmalig entschied nicht mehr die aristokratische Herkunft über die Teilhabe am politischen Entscheidungsprozess, da alle Klassen Zugang zur Volksversammlung erhielten. Durch diese politische Neuordnung wurde die Vorherrschaft einiger weniger adliger Familien durchbrochen. Ganz ohne soziale Differenzierung stellte sich die Verfassung Solons jedoch nicht dar. In den „Rat der 400“ könnten lediglich Bürger der Vermögensklassen I-III gewählt werden und die Archonten, also die ausführenden Beamten, entsprangen ausschließlich der 1. Klasse. Aus heutiger Betrachtung steht aber selbst der Zugang zur Volksversammlung nicht allen Bürgern von Athen offen: Damals zählten Frauen, Sklaven und Metöken (lohnabhängige Fremdarbeiter) im politischen Sinne nicht zu den Bürgern und waren von jeglicher Partizipation ausgeschlossen. Kleisthenes reformierte knapp hundert Jahre später die Sozialstruktur des antiken Athens, indem er das Territorialprinzip an die Stelle der alten Stammesverbände stellte. Die kleinste Einheit der neu geordneten Bürgerschaft Athens stellten die Gemeinden (Demen) dar. Diese Kommunen lokaler Selbstverwaltung wurden wiederum in dreißig so genannte Trittyen zusammengefasst. Je zehn dieser Trittyen entstammten aus den Regionen Stadt, Binnenland und Küste, sodass alle territorialen Gemeinden ihre Repräsentanz fanden. Die so gegliederten Großgruppen wurden nun so auf insgesamt zehn Phylen verteilt, dass je eine Trittys aus den drei Regionen Stadt, Binnenland und Küste darin vertreten war. Dadurch ergab sich ein Querschnitt durch die territorialen Gebiete Athens und aus diesen Phylen setzte sich die Volksversammlung (Ekklesia) nach repräsentativen Kriterien zusammen. Mit dem Durchbruch der Demokratie in Athen sind zwei weitere wichtige Reformen verbunden. Einerseits wurde der Aeropag entmachtet, der als Adelsrat das letzte Machtrefugium der Aristokratie darstellte. Seine bisherigen Befugnisse der Gesetzesüberwachung, Verfahren bei politischen Delikten und die Beamtenkontrolle wurden entweder gestrichen oder auf das Volk übertragen. Zum anderen führte Perikles Diäten ein, die den Verdienstausfall der Bürger, die an der Volksversammlung teilnahmen, ausgleichen sollte. Diese Tagegelder entlohnten auch für die Übernahme von politischen Ämtern im Athen der Antike.

3. Institutionen und Verfahren

Die Verfahren im antiken Athen beruhten auf dem Prinzip der Gleichheit der Gesellschaft (Isonomie). Dies kam darin zum Ausdruck, dass die Volksversammlung volle Gesetzgebungs-, Regierungs-, Kontroll- und Gerichtsgewalt inne hatte. Jeder Bürger besaß ein Rederecht und wurde als fähig erachtet, ein politisches Amt zu bekleiden. Die etwa 700 Amtsträger wurden durch das Los bestimmt, ihre Amtszeit war klar begrenzt und ihr Handeln wurde lückenlos überwacht. Lediglich einige weniger Ämter, für die spezielle Kenntnisse notwendig waren, wurden durch Wahlen vergeben. Dazu zählten militärische Befehlshaber, die Finanzverwaltung, der Städtebau oder beispielsweise die Wasserversorgung. Ansonsten symbolisierte das Los die Isonomie innerhalb der athenischen Gesellschaft, was sich auch anhand der folgenden Institutionen zeigt.

3.1 Volksversammlung (Ekklesia)

Die Volksversammlung stellte das Machtzentrum der Polisdemokratie dar. Treffpunkt der Bürger Athens war die Pnyx, ein Hügel westlich des Stadtzentrums. An diesem Versammlungsort trat man häufig zusammen, so gab es mindestens vierzig Pflichtsitzung pro Amtsjahr. Um beschlussfähig zu sein, mussten 6.000 Personen an der Volksversammlung teilnehmen, wobei die Bürgerschaft Athens zu Zeiten Perikles aus etwa 30.000 bis 35.000 Männern bestand. Inhaltlich reichten die Themen, über die in den Volksversammlungen gesprochen und entschieden wurde, von der Kontrolle der Amtsträger, über die Sicherheitslage Athens bis hin zu Erbansprüchen und Petitionen. Ein besonderes Verfahren, das einmal jährlich in der Volksversammlung abgehalten wurde, war das Scherbengericht (Ostrakismos). Kleisthenes hatte eingeführt, dass politische Führer, die nach Ansicht der Athener großen Schaden angerichtet hatten, für zehn Jahre in die Verbannung geschickt werden konnten. Dafür wurde zunächst per Handzeichen darüber entschieden, ob ein Scherbengericht einberufen werden solle. Wurde dies beschlossen, so fand sie zwei Monate später auf der Agora, dem Marktplatz, statt. Jeder Bürger ritze den Namen desjenigen, der verbannt werden sollte, auf eine Tonscherbe. Die meistgenannte Person wurde schließlich aus dem Stadtgebiet verbannt.

3.2 Rat der 500 (Boule)

Wer aus der Volksversammlung in die Boule einzog bestimmte das Los. Je fünfzig Vertreter pro Phyle wurde in den Rat der 500 entsannt, von denen jeweils eine für eine Zehntel des Jahres geschäftsführend war. Zu den Hauptaufgaben der Boule gehörte es, die Volksversammlungen vorzubereiten und die Tagesordnung zu erstellen. Im vorbereitenden Ausschuss, der Prytanie, wechselte täglich der Vorsitz durch Losentscheid. Dadurch konnte sich die Macht eines Einzelnen nicht verstetigen und die Beteiligungs- und Einflusschancen aller wurden gleichermaßen gewahrt.

3.3 Volksgericht

Auch die Zusammensetzung des Volksgerichts wurde ausgelost, so dass eine völlige Gleichheit zwischen den Bürgern gewährleistet war. Anstelle unserer heutigen Berufsrichter fällten im Athen der Antike Laienrichter die Urteile. Voraussetzung waren ein Mindestalter von 30 Jahren und ein abzuleistender Eid, der zur Befolgung der Gesetze und Beschlüsse von Rat und Volk verpflichtete. Jährlich wurden 6.000 Richter per Los berufen. Auch gegen vermeintlich gesetzeswidrige Beschlüsse der Volksversammlung konnte Klage eingereicht werden. Jeder Bürger konnte eine so genannte „graphe paranomon“ erwirken, indem er das Volksgericht anrufen und beantragen konnte, einen gefassten Beschluss für nichtig zu erklären. Die Idee, dass neue Gesetze nicht in Widerspruch zu anderen Gesetzen stehen sollten, finden wir in der Unantastbarkeit der Grundrechte der Bundesrepublik Deutschland wieder.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Antike Demokratie
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Grundbegriffe der Politik- und Verwaltungswissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V181474
ISBN (eBook)
9783656047308
ISBN (Buch)
9783656047513
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antike, demokratie
Arbeit zitieren
Julia Wehner (Autor), 2011, Antike Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181474

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