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Das Sprechen auf Märkten

Kommunikation als Dialektik von Objektivismus und Subjektivismus

Title: Das Sprechen auf Märkten

Term Paper , 2011 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alexander Wloch (Author)

German Studies - Linguistics
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Eine allgemein akzeptierte Theorie sprachlichen Handelns gibt es nicht, obgleich der selbstverständliche Gebrauch von Begriffen wie Interaktion, Kommunikation, Sprechakt etc. den Anschein erweckt, es gäbe sie doch. Seit der linguistischen Entdeckung der gesprochenen Sprache in den frühen 70ern wurden zusätzlich zu den bereits bestehenden Kommunikationsmodellen eine Vielzahl neuer, ernst zu nehmender Vorschläge unterbreitet. Charakteristisch für einen Teil der Modelle ist ihre interdisziplinäre Relevanz. Trotzdem war es die Sprachwissenschaft, die die Pragmatik wie selbstverständlich zu ihrem Hoheitsgebiet erklärte.

Überlegungen, die nicht genuin sprachwissenschaftlich motiviert sind, kommen aus der Literaturwissenschaft, der Kybernetik, der Semiotik, der Philosophie, der Soziologie und seit neuestem auch aus der Anthropologie sowie der Literaturtheorie.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem kulturanthropologischen Ansatz Pierre Bourdieus, der über die Fachgrenzen hinaus große Relevanz besitzt und sich entschieden vom klassischen Code-Modell der Kommunikation abgrenzt. Ziel dieser Arbeit ist eine allgemeine theoretische Ausarbeitung des Bourdieuschen Konzeptes. Wie alle anderen Theoriekomponenten hat Bourdieu sein Habitus-Konzept im Zuge empirischer Untersuchungen entworfen, wieder und wieder überdacht und modifiziert. Die Komponenten, mit denen er die Prinzipien der Konstruktion des sozialen Raums und dessen Reproduktion erforschte, zu denen neben der Habitus-Theorie die Feld- und Kapital-Theorie gehören, hängen voneinander ab und definieren sich wechselseitig. Im Besonderen fokussiert die vorliegende Arbeit die Habitus-Theorie, da diese weitreichende Folgen für die sprachliche Interaktion besitzt. Zunächst gilt es jedoch, die erkenntnistheoretischen Grenzen abzustecken, die für diese Theorie konstitutiv sind. Dabei wird es vor allem um die Überwindung einseitig subjektivistisch bzw. objektivistisch ausgerichteter Theorien gehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gegen die Überhöhung der Struktur

3. Gegen die Überhöhung des Subjekts

4. Habitus – Eine Annäherung

5. Vom opus operatum zum modus operandi und zurück

6. Habitus und Feld

7. Die Ökonomisierung der sprachlichen Interaktion

8. Exkurs: Die Theorie des Abfalls

9. Sprache und politische Einheit

10. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das kulturanthropologische Konzept von Pierre Bourdieu im Kontext sprachlicher Interaktion, um die einseitige Dichotomie zwischen subjektivistischen und objektivistischen Kommunikationstheorien zu überwinden.

  • Analyse der Habitus-Theorie und ihrer Bedeutung für soziales Handeln
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem strukturalistischen Sprachverständnis
  • Untersuchung der Dialektik von Symbolkapital und sprachlichem Markt
  • Verknüpfung von Habitus, Feldtheorie und sprachlicher Praxis
  • Reflexion über Machtverhältnisse und soziale Differenzierung in der Kommunikation

Auszug aus dem Buch

4. Habitus – Eine Annäherung

Bereits früh im Leben lernen wir, die soziale Entwicklung des Menschen als Sozialisation zu begreifen. Ganz allgemein, für die Zwecke dieser Arbeit dennoch ausreichend, verweist Sozialisation auf „[...] die Gesamtheit all jener durch die Gesellschaft vermittelten Lernprozesse (u.a. das Benehmen), in denen das Individuum in einer bestimmten Gesellschaft (Übertragung von Bräuchen etc.) und ihrer Kultur sozial handlungsfähig wird – also am sozialen Leben teilhaben und an dessen Entwicklung mitwirken kann.“28 Das heißt, dass sich das Individuum in unzähligen Prozessen innerhalb des sozialen Universums konstituiert. Das Produkt dieses Gewordenseins des Individuums oder Akteurs, wie Bourdieu den Einzelnen seiner Theorie entsprechend nennt, bezeichnet er als sogenannten Habitus bzw. als „[...] System[...] dauerhafter Dispositionen [...]“29.

Obgleich seine Verwendung des Begriffs häufig im Kryptischen verbleibt, reiht sie sich in eine Traditionslinie ein, die von Max Weber, Norbert Elias, Edmund Husserl und Maurice Merleau-Ponty über die britische Moralphilosophie der Neuzeit mit David Hume und John Locke über Thomas von Aquin bis in die griechische Philosophie der Antike zurückreicht.30 Unmittelbare Inspiration für Bourdieu war der Kunsthistoriker Erwin Panofsky, „der den Begriff benutzte, um die künstlerischen Ausdrucksformen mit historischen Prozessen und sozialen Strukturen in Verbindung bringen zu können.“31 Daneben war es Erving Goffmann, der eine große Faszination auf Bourdieu ausübte. Goffmann war der Auffassung, dass menschliche Interaktion bis zu einem gewissen Grad ritualisiert ist. Der Rahmen, in dem die jeweilige Interaktion stattfindet, determiniert die möglichen Handlungsstrategien der Akteure. Während der Interaktion schlüpfen diese in die für sie vorgesehenen Rollen. „Die Rollen sind eingeübt und kondensieren in sich in typischen ‚Habitus‘“.32

Um sich dem Habitus im Bourdieuschen Sinne zu nähern, können wir zunächst sagen, dass der Begriff die Affinität umfasst, sich so zu verhalten, wie man es gewohnt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik bestehender Sprachmodelle und Vorstellung des Bourdieuschen Ansatzes zur Überwindung dualistischer Theorien.

2. Gegen die Überhöhung der Struktur: Kritik am strukturalistischen Sprachmodell und Darstellung der Einbettung des Handelns in soziale Strukturen.

3. Gegen die Überhöhung des Subjekts: Auseinandersetzung mit subjektivistischen Ansätzen und Erläuterung der notwendigen Oszillation zwischen Individuum und Struktur.

4. Habitus – Eine Annäherung: Definition des Habitus-Begriffs und Einordnung in die geistesgeschichtliche Tradition.

5. Vom opus operatum zum modus operandi und zurück: Untersuchung der Doppelrolle des Habitus als strukturiertes und strukturierendes Prinzip.

6. Habitus und Feld: Analyse der Wechselwirkung zwischen den Dispositionen des Habitus und den Spielregeln gesellschaftlicher Teilbereiche (Felder).

7. Die Ökonomisierung der sprachlichen Interaktion: Darstellung der Sprache als symbolisches Kapital auf einem umkämpften sozialen Markt.

8. Exkurs: Die Theorie des Abfalls: Anwendung der Theorie von Michael Thompson auf die Bewertung von Objekten und Werten im sozialen Kontext.

9. Sprache und politische Einheit: Untersuchung der Rolle offizieller Standardsprachen bei der Etablierung politischer Macht und sozialer Hierarchien.

10. Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der Habitus-Theorie für das Verständnis symbolischer Macht.

Schlüsselwörter

Habitus, Bourdieu, Sprachliche Interaktion, Symbolisches Kapital, Sozialisation, Strukturismus, Feldtheorie, Modus operandi, Distinktion, Sprachmarkt, Soziale Praxis, Symbolische Macht, Klassengesellschaft, Kommunikation, Disposition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den sprachwissenschaftlichen und soziologischen Theorien Pierre Bourdieus, insbesondere mit der Frage, wie Sprache und soziales Handeln dialektisch miteinander verbunden sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Habitus-Theorie, der Kritik am Strukturalismus, dem Konzept des sprachlichen Marktes und der symbolischen Macht innerhalb sozialer Felder.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die einseitige Betrachtung von Kommunikation als reines Code-Modell zu hinterfragen und eine Theorie zu stützen, die sowohl objektive soziale Strukturen als auch subjektive Handlungsspielräume integriert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse der Schriften Bourdieus sowie relevanter Bezugswissenschaften basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen des Habitus, die Interdependenz zwischen Habitus und gesellschaftlichen Feldern sowie die Ökonomisierung sprachlicher Ausdrucksformen durch soziale Differenzierung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind der Habitus, das kulturelle Kapital, der sprachliche Markt, die Distinktion und die dialektische Beziehung von Subjektivismus und Objektivismus.

In welchem Zusammenhang steht die „Theorie des Abfalls“ zur Sprache?

Der Exkurs zeigt auf, wie der Wert von Objekten – analog zur Bewertung von sprachlichen Ausdrucksweisen – über soziale Prozesse konstruiert wird und wie sich diese Prozesse auf den kulturellen Wandel auswirken.

Wie definiert Bourdieu die „legitime Sprache“?

Für Bourdieu ist die legitime Sprache das Produkt politischer Vereinheitlichungsprozesse, die durch staatliche Institutionen als theoretische Norm etabliert wird und soziale Vor- oder Nachteile schafft.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen „opus operatum“ und „modus operandi“ eine so wichtige Rolle?

Diese Unterscheidung verdeutlicht, dass der Habitus sowohl als Ergebnis vergangener Erfahrungen (opus operatum) als auch als generatives Prinzip für zukünftige Handlungen (modus operandi) fungiert.

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Details

Title
Das Sprechen auf Märkten
Subtitle
Kommunikation als Dialektik von Objektivismus und Subjektivismus
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Deutsche Philologie)
Course
Sprache und soziale Interaktion
Grade
1,0
Author
Alexander Wloch (Author)
Publication Year
2011
Pages
26
Catalog Number
V181482
ISBN (eBook)
9783656047254
ISBN (Book)
9783656047506
Language
German
Tags
Bourdieu Pierre Bourdieu Habitus Feld Kommunikationsmodell Interaktion Markt Disposition opus operatum modus operandi Habitus-Theorie Soziologie Kommunikation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Wloch (Author), 2011, Das Sprechen auf Märkten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181482
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