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Athenisches Zeitalter oder elektronischer Populismus? Zu den Möglichkeiten politischer Partizipation durch das Internet in Deutschland

Title: Athenisches Zeitalter oder elektronischer Populismus? Zu den Möglichkeiten politischer Partizipation durch das Internet in Deutschland

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 29 Pages , Grade: 1,6

Autor:in: Daniela Schroeder (Author)

Communications - Multimedia, Internet, New Technologies
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Buchdruck, Radio, Fernsehen, Bildschirmtext - sie alle weckten Hoffnungen und Visionen zur Verbesserung des gesellschaftlichen und politischen Lebens. Stets hofften die Menschen, Probleme und Mängel der alten Medien mit einem neuen Medium lösen und beheben zu können. Immer, wenn ein neues Medium aufkam, wurde von den revolutionären Potentialen der neuen Technik geträumt. Manches konnte verwirklicht werden, anderes wurde schnell wieder verworfen, bzw. entwickelte sich in eine vollkommen andere Richtung. Zugleich gab es stets skeptische Stimmen, die die neue Technik als Bedrohung empfanden.
Auch beim jüngsten Medium, dem Internet, werden positive und negative Visionen entworfen. Ihm kommt eine Sonderstellung zu, da es die Fähigkeiten der bisherigen Medien als Hybridmedium in sich vereinigt, weil es neue Formen der Kommunikation abseits der reinen Massenkommunikation erschliesst. Statt einseitiger, vertikaler one- oder few-to-many Kommunikation bietet das Internet auch bidirektionale Kommunikation und sowohl Individual- als auch Massenkommunikation.

,,Der erste Online-Rausch ist dahin, und es ist an der Zeit, einen unverstellten Blick auf die realistischen Chancen und Risiken der Netzwelt zu werfen. Doch das ist gar nicht so einfach. In, aber vielleicht auch gerade wegen seiner kurzen Geschichte ist das Internet zugleich mehr als ein real-existierendes Symbol der aufziehenden Ära der Informationsgesellschaft. Das Internet ist vor allem ein Mythos."

In der vorliegenden Arbeit soll nun versucht werden, diesen Mythos ein Stück weit zu enthüllen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob - und wenn ja, an welcher Stelle - durch das Internet eine stärkere Beteiligung der Bürger am politischen Prozess erreicht werden kann. Näher betrachtet werden also die Chancen und Risiken des Netzes im Bezug auf politische Partizipation. Gerade das ausgeprägte Interaktionspotential dieses Mediums führt zu Konzepten wie dem Internet als der Wiederbelebung der antiken agora, aber auch zu Ängsten vor einem elektronischen Populismus.
Vor dem Hintergrund der Debatte um elektronische Demokratie in den USA sowie einer Analyse der für politische Partizipation relevanten Merkmale des Internets wird überprüft, welche Möglichkeiten politischer Beteiligung durch das Internet in Deutschland gegeben sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Bestandsaufnahme: Verbreitung, Akzeptanz und Nutzung des Internets

2.1. Wachstum des Internets

2.2. Soziodemographie der Online-Nutzer

2.3. Gründe für die Online-Nutzung

2.4. Das Internet auf dem Weg zum Massenmedium?

3. „Elektronische Demokratie“ in den USA

3.1. Die Vision der politischen Agora

3.2. Konzepte elektronischer Demokratie in den USA

3.3. Übertragbarkeit der amerikanischen Konzepte auf Deutschland

4. Grundlagen für politische Partizipation durch das Internet

4.1. Präsenz der Politik im Internet

4.1.1. Quantitative Präsenz

4.1.2. Qualitative Präsenz

4.2. Unterschiede zu den alten Medien

4.3. Informationsoptimum oder Informationsoverkill?

4.4. „Neue Öffentlichkeit“ bzw. „kritische Gegenöffentlichkeit“ per Internet

5. Athenisches Zeitalter oder elektronischer Populismus?

5.1. Politische Gemeinde oder Fragmentierung der Gesellschaft?

5.2. Vertiefung oder Aufhebung der Wissenskluft?

5.3. Internethierarchien und Kommerzialisierung

5.4. Von passiver Zuschauer- zu aktiver Beteiligungsdemokratie?

5.4.1. Die optimistische Sicht

5.4.2. Die pessimistische Sicht

5.4.3. Die pragmatische Sicht

6. Zur Zukunft der repräsentativen Demokratie

7. Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht, ob und in welcher Form das Internet das Potenzial besitzt, die politische Partizipation der Bürger in Deutschland zu stärken und eine elektronische Demokratie zu fördern, während sie gleichzeitig die Risiken wie Populismus und Kommerzialisierung abwägt.

  • Analyse des Einflusses des Internets auf politische Teilhabe und Willensbildung.
  • Vergleich von amerikanischen Konzepten elektronischer Demokratie mit der deutschen politischen Kultur.
  • Diskussion der Transformation von Mediennutzung und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung vom "athenischen Zeitalter" bis zum elektronischen Populismus.
  • Untersuchung von technologischen Hürden und der Wissenskluft im digitalen Raum.

Auszug aus dem Buch

Die Vision der politischen Agora

Interneteuphoriker glorifizieren das Netz als Wiederbelebung der antiken athenischen agora. Im politischen System des Stadtstaates Athen, das als frühestes Beispiel einer funktionierenden Demokratie gilt, diente der Marktplatz als Forum der Öffentlichkeit, auf dem sich der Grossteil der Bevölkerung versammelte, um sich mit Informationen zu versorgen, über gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren und Volksabstimmungen durchzuführen. Zentrales Kennzeichen dieser partizipatorischen Demokratie war die überwiegende Identität von Regierenden und Regierten.

„Damit kam die athenische Demokratie dem Wortinhalt der Demokratie (Volksherrschaft, von altgriechisch demos = Volk und kratein = Herrschen) sehr nahe. Das Recht auf politische Teilhabe wurde als positives Grundrecht verstanden. [...] Die demokratische Ordnung – im wesentlichen gekennzeichnet durch Elemente direkter Demokratie – wurde als Voraussetzung für die Bildung einer staatsbürgerlichen Existenz verstanden.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Das Kapitel führt in die historische Technikbegeisterung ein und erläutert die Ambivalenz des Internets als Hybridmedium zwischen Hoffnung auf eine neue Agora und Angst vor elektronischem Populismus.

2. Bestandsaufnahme: Verbreitung, Akzeptanz und Nutzung des Internets: Hier werden Wachstumsraten und Soziodemographie der Nutzer analysiert, um aufzuzeigen, wie sich das Internet vom wissenschaftlichen Spezialwerkzeug zum Massenmedium entwickelt.

3. „Elektronische Demokratie“ in den USA: Das Kapitel vergleicht amerikanische Ansätze wie Teledemocracy und Cyberdemocracy und prüft kritisch deren Übertragbarkeit auf das deutsche politische System.

4. Grundlagen für politische Partizipation durch das Internet: Es werden die spezifischen Netzmerkmale wie Interaktivität und Dezentralität gegen die aktuelle quantitative und qualitative Präsenz politischer Akteure im deutschen Netz abgewogen.

5. Athenisches Zeitalter oder elektronischer Populismus?: Eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den Chancen (Bürgerforen) und Risiken (Wissenskluft, Kommerzialisierung, Desintegration) der Netzdemokratie anhand optimistischer, pessimistischer und pragmatischer Perspektiven.

6. Zur Zukunft der repräsentativen Demokratie: Das Kapitel diskutiert die Repräsentationskrise und stellt fest, dass das Internet die repräsentativen Strukturen nicht ersetzen kann, sondern allenfalls eine ergänzende Funktion einnehmen darf.

7. Ausblick: Der abschließende Abschnitt mahnt zur Vorsicht vor zu hohen Erwartungen an die Technik und betont die Notwendigkeit von Bildung und staatlicher Regulierung.

Schlüsselwörter

Elektronische Demokratie, politische Partizipation, Internet, digitale Öffentlichkeit, Wissenskluft, Bürgerbeteiligung, Cyberdemocracy, Teledemocracy, Internetnutzung, Medienkompetenz, Repräsentative Demokratie, Partizipationskrise, Informationsgesellschaft, Kommunikationstechnologie, Agora.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob und wie das Internet die Möglichkeiten für Bürgerbeteiligung an politischen Prozessen in Deutschland verändern kann und welche Chancen oder Gefahren damit verbunden sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Entwicklung des Internets zum Massenmedium, der Vergleich von Demokratiekonzepten (USA vs. Deutschland), die Qualität der politischen Teilhabe im Netz sowie Fragen der Wissenskluft und Kommerzialisierung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Mythos des Internets als revolutionäres Werkzeug für eine "neue Agora" zu hinterfragen und zu prüfen, ob es tatsächlich zur Stärkung der repräsentativen Demokratie beitragen kann oder lediglich einen "elektronischen Populismus" fördert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Studien zur Internetnutzung und politischen Kommunikation, um theoretische Konzepte mit der aktuellen gesellschaftlichen Realität zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme der Internetnutzung, die Darstellung US-amerikanischer Demokratiekonzepte, die Grundlagen der politischen Partizipation und eine differenzierte Debatte über die Auswirkungen auf Gesellschaft und Wissenskluft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Elektronische Demokratie", "Politische Partizipation", "Cyberdemocracy" und "Repräsentative Demokratie" geprägt.

Warum ist die Übertragbarkeit der US-Konzepte auf Deutschland problematisch?

Die Übertragung scheitert primär an institutionellen und kulturellen Unterschieden, da die deutsche politische Kultur stark auf zentralisierten Institutionen und repräsentativen Abläufen basiert, die mit den anarchischen und anti-zentralistischen US-Modellen wenig kompatibel sind.

Welche Rolle spielt die Wissenskluft bei der elektronischen Partizipation?

Die Wissenskluft beschreibt das Risiko, dass technologische und soziale Hürden dazu führen, dass nur eine privilegierte Informationselite profitiert, während sozial schwächere oder technisch weniger versierte Gruppen vom demokratischen Prozess ausgeschlossen bleiben.

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Details

Title
Athenisches Zeitalter oder elektronischer Populismus? Zu den Möglichkeiten politischer Partizipation durch das Internet in Deutschland
College
University of Bamberg  (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft)
Course
Hauptseminar Technikträume
Grade
1,6
Author
Daniela Schroeder (Author)
Publication Year
2000
Pages
29
Catalog Number
V1815
ISBN (eBook)
9783638111164
Language
German
Tags
Internet/Politik/Partizipation/Demokratie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniela Schroeder (Author), 2000, Athenisches Zeitalter oder elektronischer Populismus? Zu den Möglichkeiten politischer Partizipation durch das Internet in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1815
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