Das Königsgebetbuch von Otto III. - Ein Leitfaden für die Königs- und Kaiserherrschaft?


Bachelorarbeit, 2011

84 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Quellenkapitel
2.1 Das Gebetbuch Ottos III
2.2 Die Diplome und Siegel Ottos III
2.3 Die Briefe Ottos III

III. Hauptteil
3.1 Das Gebetbuch Ottos III
3.1.1 Ein frühmittelalterliches illuminiertes Gebetbuch
3.1.2 Der Inhalt des Gebetbuches
3.1.3 Vermuteter Stand des Buches im Leben Ottos III
3.1.4 Zusammenfassung
3.2 Indizien in den Diplomen und Siegeln
3.3 Indizien in den Briefen Ottos III
3.4 Ein Leitfaden?

IV. Schluss
Zusammenfassung und Fazit

V. Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Quellenverzeichnis
5.3 Bilder und Bildnachweise

I. Einleitung

Lesen und Schreiben ist wohl die bedeutendste Grundfeste des modernen Bildungssystems. Nicht umsonst stehen diese beiden Fähigkeiten am Beginn der schulischen Karriere eines jeden Schülers, auf die im gesamten Bildungsverlauf aufgebaut wird. In enger Verbindung von Lesen und Schreiben lernt der heutige Schulanfänger das Verstehen und Verwenden von Schriftsprache als Kommunikationsmittel.1 Jedoch bedarf es, um Lesen und Schreiben zu lernen, Medien, aus bzw. von denen man dies lernt. Eines dieser Medien ist der zusammenhängende Text. Im Lernprozess wird die Schrift grundlegend als ein System visueller Zeichen verstanden, die es zu deuten und zu interpretieren, d.h. zu lesen, gilt.2 Folglich ist jedes Lesen zunächst ein kognitiver Interpretationsprozess von Schrift, dem sich eine Interpretation des Inhalts anschließt. Die durch die Lektüre entstehende Prägung des Lesers ist jedoch etwas Flüchtiges, was zunächst nur im Kopf des Lesenden statt findet und sich erst später mehr oder weniger in seinem Handeln zeigt. Diese modernen Grundannahmen kann man freilich nicht ohne Probleme in eine andere Zeit transferieren, jedoch lässt sich festhalten, dass auch im Mittelalter Lesen immer ein mentaler Prozess des Informationszugangs war, da jede Schrift - auch wenn wir den Inhalt aus unserer heutigen Perspektive als recht verwirrend empfinden könnten - Träger von spezifischen Informationen ist, die durch den kognitiven Akt des Lesens aufgenommen und verarbeitet werden.3 Das um 816/17 entstandenen Werk „Diadema monachorum“ des Abtes und Exegeten Smaragdus von St. Mihiel (ca. 760-830), enthält einen recht aufschlussreichen Passus über die Lektüre von religiösen Texten. Quae enim nescimus, lectione discimus; quae autem didicimus, meditationibus conservamus. (...) Geminum est etiam lectionis studium. Primum quomodo intelligantur scripturae, secundum qua utilitate vel dignitate dicantur. Nam rationabiliter erit quisque prius promptus ad intelligendum quae legit; deinde idoneus ad proferendum quae didicit.4 Smaragdus sah die Lektüre, sofern sie richtig verstanden wurde, als eine Art von Wissensvermittlung und Wissenserweiterung für einen bestimmten Gebrauch. Hier wird ersichtlich, dass das Lesen im frühen Mittelalter kein hauptsächlich vergnügungsorientierter Prozess war, wie zumeist in heutiger Zeit, sondern das diese Handlung sehr stark zweckgebunden und zielgerichtet war und somit einem eindeutigen Nutzungskalkül unterlag. Da die frühmittelalterliche Lesekultur eine starke Kontinuität aufwies, kann man diese Ansätze, die für die ganze Studie in Erinnerung zu behalten sind, recht unproblematisch auf die Zeit Ottos III. übertragen und dadurch voraussetzen.5 Dies führt uns zum eigentlichen Kern dieser Bachelorarbeit, denn im Mittelpunkt meiner Betrachtung steht ein recht kleines und äußerlich unscheinbares Büchlein von unschätzbarem Wert. Es handelt sich hierbei um das einzige erhaltene Gebetbuch der Ottonenzeit, welches dem König, Otto III. selbst, gehörte. Auf dieses einzigartige Zeugnis ottonischer Buchkunst soll näher eingegangen werden. Leider scheint es bisher in der Forschung allgemeine Praxis gewesen zu sein, Texte und Miniaturen getrennt voneinander zu betrachten, so wurde auch das Gebetbuch vorrangig unter kunstgeschichtlichen Aspekten untersucht, dadurch rückte vor allem der Buchschmuck, insbesondere die fünf enthaltenen Miniaturen in den Fokus der wissenschaftlichen Analyse.6 Der eigentliche Inhalt, die Gebetstexte, fand nur marginal Beachtung.7 Erschwerend kommt hinzu, dass der Text nicht ediert wurde und erst seit 2008 in einer nicht vollständigen Transkription vorliegt.8

Grundlegend für diese Bachelorarbeit soll die Frage sein, ob das Gebetbuch einen Leitfadencharakter für Otto III. gehabt haben könnte. Von besonderem Interesse sind dabei nicht ausschließlich die religiösen Aspekte eines Gebetbuches, sondern vielmehr was der Aussteller des Büchleins dem König vermitteln wollte und damit verbunden, was er von Otto III. als König des ostfränkischen Reiches erwartete. Um dem Leser dieser Arbeit einen allgemeinen Einblick auf das Objekt der Untersuchung und dessen Substanz zu liefern, ist es unumgänglich, das Gebetbuch in einer kodikologischen Analyse näher zu betrachten. Nachdem das Gebetbuch in die Tradition der frühmittelalterlichen illuminierten Gebetbücher eingeordnet wird, folgt die inhaltliche Analyse des Buches, sowohl im Bild als auch im Text. Der Zugang zu diesem speziellen Thema erschließt sich darüber, dass das Gebetbuch nach Aussagen herrschaftlichen Handelns durchsucht werden soll. Da dazu leider noch keine entsprechenden Forschungsleistungen zu finden waren, ist in diesem wissenschaftlichen Aufsatz Basisarbeit direkt am Gebetbuch zu leisten, daraus begründet sich der lange inhaltliche Abschnitt zum Gebetbuch und die starke Textbezogenheit dieser Arbeit. Um eine Art Gebrauchsprofil des Gebetbuches zu erstellen, ist es von Nöten, das Gebetbuch im Leben Ottos III. zu verorten. Dem schließt sich ein erstes Resümee an, in dem die Erwartungshaltung des Autors kurz zusammengefasst wird, um so ein Raster zu erstellen, das mit der Gedankenwelt Ottos III. zu vergleichen ist. Um dieses Raster an der Gedankenwelt Ottos III. abzugleichen, werden extrem zeitnahe und authentische Quellen benötigt, die idealerweise Ottos III. Gedanken selbst wiedergeben oder zumindest eine zeitnahe Betrachtung des Herrschers und dessen Herrschaft widerspiegeln. Diesen Anforderungen können historiografische und hagiographische Quellen nicht standhalten, da sie für Otto III. zeitlich zu fern und zu subjektiv sind. Aus diesem Grund soll sich der Vergleich an den Diplomen9, Siegeln10 und Briefen11 Ottos III. orientieren, um dadurch eine etwaige Prägung der Gebetstexte und Miniaturen festzustellen bzw. auszuschließen. Da auch diese Herangehensweise gewissen Problemen unterliegt, sollen diese Quellen und die anzuwendende Methode ebenfalls in einem Quellenkapitel kurz betrachtet werden. Dieser Arbeit liegt die Vermutung zugrunde, dass das Königsgebetbuch Ottos III. mehr als nur eine liturgische Schrift zur religiösen Anleitung sei, nämlich ein Leitfaden für die Königsherrschaft, vielleicht gar eine schwache Art von Fürstenspiegel, wie es sie einst im karolingischen Reich gab.12 Dies gilt es in der Folge zu beweisen oder auch zu widerlegen.

II. Quellenkapitel

2.1 Das Gebetbuch Ottos III.

Das Buch umfasst 44 Blätter aus13 feinstem Kalbspergament mit den handlichen Maßen von 15x12 cm. Auf allen Textseiten wurde auf einer Fläche von ca. 10x7,6-8 cm mit einem Pinsel, in mehreren Lagen, ein Purpurgrund aufgetragen14, der mit zinnoberrot umsäumten Goldleisten eingegrenzt wurde. In dieser Purpurfläche befindet sich der Text (Schriftspiegel 9x6-6,5 cm), der durchgehend von einer Hand mit Goldtinte geschrieben wurde. Jede Schriftseite weist 14 -15 Zeilen auf, welche fein säuberlich mit einem Griffel vorgezeichnet wurden. Das Schriftbild kann man als recht regelmäßig beschreiben, die einzelnen Buchstaben weichen nur selten von einer einheitlichen Größe ab. Der Hauptanteil des Textes wurde in einer karolingischen Minuskel geschrieben. Eine rustikale Majuskel (Capitalis rustica) hebt die einzelnen Überschriften hervor. Das Schriftbild weist keine eindeutige scriptura continua auf, vermutlich um das Lesen für einen noch jungen und ungeübten Leser zu vereinfachen.15 Die wertvolle Ausstattung des Buches wird durch fünf Miniaturen erweitert, die allesamt mit den Maßen von ca. 13x9,5 cm den Schriftgrößenspiegel überschreiten und mit doppelt gerahmten Gold- und Silberleisten versehen sind, wobei die Silberfarbe grau-schwarz matt erscheint und stark auf die Rückseiten durchschlägt. Auch bei den Miniaturen fungiert ein etwas bräunliches Purpur als Hintergrundfarbe. In den Bildern wurden als gedeckte Farben Dunkelblau, Graublau, Olivgrün, Weiß (mit Beige, Blau und Rot in den Gewändern), Gold und weißes Inkarnat mit Rosa für die Lippen verwendet. Der Stil der Miniaturen unterscheidet sich indes stark von den übrigen ottonischen Buchminiaturen und steht daher wohl am Anfang der ottonischen Buchmalerei.16 Der Gesamteindruck der Handschrift wird von Purpur, Gold und Blau bestimmt. Als weiterer Schmuck treten, am Anfang der Psalmen und Gebetstexte, 24 3-5zeilige Goldinitialen mit blauem Binnengrund und zinnoberroten Umrahmungen auf. Kleinere zweizeilige Initialen, ohne weiteren Schmuck, stehen am Beginn der einzelnen Sätze, mit der Ausnahme von fol. 23v-31r und 40v-42v. Der Autor der Gebetstexte ist unbekannt, jedoch lässt sich seine Hand in zwei weiteren Werken nachweisen, die allesamt im Raum Mainz verortet wurden.17 Noch deutlicher wird die Mainzer Provenienz in der Litanei, da sie eine Vielzahl von Heiligen aufzählt, die für den Mainzer Raum typisch waren.18 Ebenfalls nach Mainz weisen die typologischen Eigenheiten der Schrift, wie zum Beispiel die Kürzungsstriche, et-Ligaturen, das aufrechte offene a, die links abgehenden, dünnen Striche am Schaftende der Majuskeln und leicht geschwungene kleine Abstriche bei s und e. Über eine umfassende paläographische Analyse war es möglich, mit relativ hoher Sicherheit die Entstehung des Werkes am Ende des 10. Jahrhunderts zu konstatieren.19

Die mittelalterliche Geschichte des Buches stellt sich als problematisch dar, da sie so gut wie unbekannt ist. Wir wissen lediglich, dass das Gebetbuch in Besitz einer gewissen Duriswint war20 und diese anhand ihrer Schrift grob in das 11. Jahrhundert einzuordnen ist. Irgendwann im Verlauf der frühen Neuzeit kamen die Grafen Schönborn in Pommersfelden in den Besitz des Buches, aber wann und wie der Erwerb stattfand, muss ebenfalls im Dunklen bleiben. Erst 1847 taucht das Gebetbuch in einer Erwähnung von Ludwig C. Bethmann wieder auf.21 Bis 1994 verblieb das Büchlein im Besitz der schönbornschen Grafen und wurde in der gräflichen schönbornschen Schlossbibliothek verwahrt.22 1994 konnte die Bayrische Staatsbibliothek dieses einzigartige Kleinod erwerben und in ihren umfangreichen Bestand aufnehmen.23 Im Laufe der Zeit wurde das Gebetbuch mindestens zweimal neu gebunden. Zuletzt 1950, wobei die heutige Lagenzusammensetzung24 zustande kam. Die Erstherausgeber einer Beschreibung des Büchleins, Endres und Ebner, fanden im Jahre 1897 noch eine völlig andere Lagenzusammensetzung der Texte und Miniaturen vor.25 Dass das Gebetbuch schon in Barockzeiten neu gebunden wurde, lässt sich aus dem ehemaligen verschlissen schwarzen Samteinband, der 1950 durch einen gemusterten Dunkelblauen ersetzt wurde und durch die zusätzlich eingefügten Papierseiten schließen, denn diese bestehen aus Türkischpapier, das in dieser Art (Kamm-Marmor) besonders im 17. Jahrhundert in Mode war.26

Der heutige Zustand des Gebetbuches stellt sich wie folgt dar. Auf der ersten Seite, die ursprünglich leere Schmutzseite fol. 1r, befindet sich der bereits erwähnte Nachtrag der Duriswint, über die nichts Genaueres in Erfahrung zu bringen ist. Den eigentlichen Beginn des Buches markiert eine ganzseitige Kreuzigungsdarstellung. Neben dem Kreuz links sind Maria und rechts der Evangelist Johannes abgebildet, beide mit verhüllten Händen Christus zugewandt. Über dem Kreuzbalken auf beiden Seiten schweben zwei halb-figürliche Engel. Unterhalb im Hintergrund steht in Goldschrift ein Gebet,27 das mit dem Blut Christi benetzt wird. Auf der gegenüberliegenden fol. 2r befindet sich eine horizontal geteilte Miniatur. Die obere Hälfte zeigt eine Deesis28 in der Christus stehend als Lehrer dargestellt wird, flankiert von Johannes dem Täufer links und Maria rechts, die beide mit einer Geste auf Christus verweisen. In der unteren Bildhälfte findet sich eine ähnliche Komposition. Mittig mit betender Gestik und in einer kurzen goldbesetzten Tunica gekleidet steht ein junger Laie, der Otto III. verkörpern soll, flankiert von Petrus - erkennbar am Attribut des goldenen Schlüssels - und Paulus, der ein goldenes Buch in den Händen hält.29 Diesen meditativ einleitenden Miniaturen folgen einige ausgewählte Bußpsalmen30 und eine recht lange Allerheiligen Litanei31 mit anschließenden Fürbitten.32 Der Text wird danach wieder von zwei weiteren Miniaturen unterbrochen. Beide stehen in einem engen Sinnzusammenhang zueinander und sind dementsprechend aufeinander abgestimmt. Auf fol. 21r wird vor vier 8-spitzigen Sternen Christus thronend in einer Mandorola auf einem Regenbogen ruhend dargestellt. Zwei Engel halten die Mandorola, während der Blick des Thronenden auf die gegenüber Seite, fol. 20v, gerichtet ist. Dort liegt vor einem massiven Gebäude der junge König mit verhüllten Händen und ohne Herrscherinsignien in demütiger Proskynesehaltung33. Mittig unter einem Torbogen im Hintergrund steht ein Schwertträger, der zu Christus schaut.34 Die folgende fol. 21v zeigt nur ein ungerahmtes Purpurfeld. Erst auf fol. 22r beginnt die Gebetseinleitung zu Christus, der weitere Gebete zu allen Heiligen, zu den Aposteln, zu Maria, zu den drei Personen der Trinität und zu dieser selbst folgen. Auf fol. 31r wurde der Schriftteil, bis auf 4 Zeilen in der unteren Blatthälfte, behutsam ausradiert, deutlich zu sehen an den leichten Goldrückständen. Der Purpurgrund blieb unbeschädigt. Vermutlich wurde das Ende eines Gebetstextes aus ästhetischen Gründen ausradiert, weil der Anfang desselben fehlte und er so keinen Sinn ergab, das heißt, es ist mit Blattverlust von mindestens einem Blatt zu rechnen.35 Beginnend auf der unteren Blatthälfte von fol. 31r folgen Gebete zu den verschiedensten Anlässen, wie Ablassgebete, Morgengebete, Psalmen36, Kyrierufe und Kollekte, Kreuzgebete und Gebete, die beim Eintreten und Verlassen einer Kirche zu sprechen sind. Der Gebetsteil endet auf fol. 42v mit einem Explicit und Segenswunsch für den König. Den endgültigen Schluss bildet das Widmungsgedicht37, welches auf der vorherigen Seite bildlich dargestellt wurde. Hier sitzt der mit Krone versehene König thronend unter einer antik wirkenden Tempelfront mit übergeschlagenen Beinen und greift mit der linken Hand nach einem Buch, das ein Kleriker, der nur zur Hälfte am linken unteren Bildrand dargestellt ist, in seinen verhüllten Händen hält. Bei dieser Buchübergabe schaut der König nicht auf den Mönch, sondern sein Blick schweift auf das gegenüberliegende Widmungsgedicht.38 Die nachfolgende fol. 44v zeigt wieder ein ungerahmtes Purpurfeld, neben dem sich wiederum in fast unleserlicher Schrift eine Passage aus dem Matthäusevangelium befindet, vermutlich von der selben Hand, wie auf fol. 1r.39

Da die Schrift und die Bilder auf das späte 10. Jahrhundert verweisen und das Gebetbuch für einen König geschrieben wurde, kann es sich hierbei nur um Otto III. handeln. Dies erlaubt es, den Zeitrahmen noch genauer zu definieren, denn da Otto III. nicht als Imperator bezeichnet wurde, muss es sich um seine Königszeit (983-996) handeln. Bedenkt man weiterhin, dass der byzantinische Einfluss auf Mainz, der in den Miniaturen stark zu verspüren ist, nach dem Tod Theophanus 991 wieder abnahm, ist mit einer Entstehung vor ihrem Tode zu rechnen.40 Weiterhin ist es nur schwer vorstellbar, dass ein dreijähriges Kind schon lesen kann. Bedenkt man, dass Ottos III. geistiger Lehrer, Bernward von Hildesheim - bei dem er unter anderem Lesen und Schreiben lernte41 - Ende 987 am ottonischen Hof als Erzieher agierte und Otto III. vermutlich erst um 990 mit der Schreibfeder einigermaßen umgehen konnte42, würde ich den Zeitraum von 987-991 als Entstehungszeitraum des Gebetbuches vorschlagen.

Dass der Schreiber des Gebetbuches auf Eigeninitiative das Buch fertigte, erscheint als unwahrscheinlich, daher wurde in der Forschung immer wieder die Vermutung geäußert, dass der Auftraggeber des Büchleins Willigis von Mainz gewesen sein könnte, dies bedingt sich hauptsächlich durch die Mainzer Provenienz und durch dessen Nähe zum ottonischen Königshaus.43 Durch die starken byzantinischen Prägungen der Bilder möchte man ebenfalls Theophanu zur Reihe der Auftragsgeber hinzuzählen. Es wäre auch möglich, dass einer seiner Erzieher ihm dieses Büchlein gewidmet hat.44 An dieser Stelle sei hervorzuheben, dass diese Vermutungen zwar sinnvoll und schlüssig erscheinen, aber dennoch spekulativ sind, da sich dafür nirgends stichhaltige Belege finden lassen. Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass es sich bei diesem Gebetbuch nicht um eine Ware, ein Status-, Sammlungsobjekt oder um ein liturgisches Werk für die Öffentlichkeit handelte45, sondern das es sicherlich als ein Vademecum46 zum persönlichen Gebrauch Ottos III. gedacht war, was schon in der gut zu lesenden Goldschrift und in dem recht handlichen Format zum Ausdruck kommt.

2.2 Die Diplome und Siegel Ottos III.

Insgesamt sind für Otto III. 438 Diplome überliefert, wobei es sich bei 12 Diplomen mit hoher Wahrscheinlichkeit um Fälschungen handelt.47 Die Ausstellung der Urkunden erstreckte sich über den Zeitraum von 984 bis 1002. Zu Beginn scheint man die Urkunden Ottos III. nach dem Muster der Diplome Ottos II. angelegt zu haben und erst nach und nach erschienen neue Formelerfindungen. Im südalpinen Reichsgebiet war man indes im allgemeinem experimentierfreudiger.48 Grundlegend muss beachtet werden, dass für die Jahre 984 bis 991 ein eigenständiges Handeln von Otto III. gänzlich ausgeschlossen werden kann, zwar galt er rein theoretisch als König - dementsprechend sind die Urkunden gestaltet - aber in Wirklichkeit wurden die Regierungsgeschäfte durch Willigis von Mainz, Hildibald von Worms und Theophanu ausgeführt. Nach Theophanus Tod 991 scheint zumindest teilweise Ottos III. Großmutter, die Kaiserin Adelheid, ihren Platz einzunehmen.49 Die vormundschaftliche Regierung wird durch die häufige Nennung der jeweiligen Namen als Intervenienten in den Urkunden ersichtlich. Seit 995 traten jedoch vermehrt verschiedene Intervenienten auf, was auf eine allmähliche Unabhängigkeit des noch äußerst jungen Königs hindeuten könnte.50 Ab diesen Punkt kann man folglich zumindest eine geringe Selbstständigkeit Ottos III. annehmen.

Bei der seriellen Analyse der Diplome ist für das gestellte Thema jeweils die Intitulatio und die Arenga von besonderem Wert. Die Intitulatio - in der die Legitimationsformel enthalten ist - deutet meist auf das Gottesgnadentum hin und nennt Name und Titel des Ausstellers.

Sie besitzt dadurch eine hohe Aussagekraft für das Selbstverständnis und den Anspruch des Ausstellers.51 Die Arenga, als eine Art Einleitungsformel in den Kontext einer Urkunde, liefert eine allgemeine - zumeist eine politisch-religiöse - Begründung zur Ausstellung des Diploms. Darüber hinaus propagiert sie die zentral wichtigsten Sätze des politischen Handelns und die ethische Fundierung des Herrschers. In den Arengen wurden folglich, neben den Herrschaftsmaximen, Aufgaben und Pflichten des Herrschenden thematisiert.52 Sowohl bei der Intitulatio als auch bei den Arengen handelt es sich letztendlich um monarchische Propaganda.53 Problematisch bei dieser Herangehensweise ist, dass die Urkunden keinesfalls als Ego-Dokumente missverstanden werden dürfen und somit keine direkte Selbstaussagen des Herrschers enthalten.54 Zunächst spiegeln die Diplome die aktuellsten und authentischste Sichtweisen auf das König- bzw. Kaisertum durch die Ausfertiger und die Beteiligten und somit des Herrscherhofes wieder. Jedoch wurde bereits in der früheren Forschung dafür plädiert, dass besonders für Ottos III. späte Kaiserzeit ein reflektierendes Eingehen auf die, in seinem Namen ausgestellten, Urkunden anzunehmen ist.55 Meiner Ansicht nach ist für Ottos III. späte Herrschaft grundsätzlich eine Einflussnahme oder zumindest eine Akzeptanz bezüglich der Inhalte der Diplome anzunehmen. Gäbe es inhaltliche Kriterien mit denen der Kaiser nicht einverstanden gewesen wäre, hätte er diese gewiss ändern lassen.56 In enger Verknüpfung zu den mittelalterlichen Diplomen stehen die Siegel, da sie in erster Linie als zusätzliche Beglaubigungsmittel der Urkunden dienten. Die Siegel liefern - neben wichtigen Kriterien für die Urkundenkritik, wie die Echtheit und Datierung - Aussagen über das Selbstverständnis und politische Ideologie des Siegelherrn.57 Ein weiterer wichtiger Aspekt der Siegel und Bullen war die Herrschaftsrepräsentation des Königs bzw. Kaisers und somit die Bildgegenwart des Herrschers während seiner Abwesenheit.58 Für Otto III. sind 99 Siegel und 37 Bullen erhalten.59 Wie bei den Diplomen muss gleichfalls bei den Siegeln eine Abstufung zur Zeit der vormundschaftlichen Herrschaft getroffen werden. Somit fallen die ersten beiden Königssiegel, die stark jenen Siegeln Ottos II. ähneln60, außerhalb des Betrachtungsrahmens. Der Typus der Königssiegel wurde bis 996 beibehalten, dann folgten in recht schneller Abfolge drei Kaisersiegel, wobei sich die ersten zwei nur leicht voneinander unterscheiden und das dritte nur in der Hinsicht, dass die Haltung des Dargestellten eine andere ist. Dem folgen vier Kaiserbullen. Die ersten drei sind wieder vom selben Typus und variieren lediglich in geringfügigen Details, wahrscheinlich bedingt durch die Ausfertigung vieler Stempel. Die vierte Kaiserbulle hingegen stellt einen radikal veränderten neuen Typus dar.61 Alle Siegel und Bullen Ottos III. haben die Gemeinsamkeit, dass sich auf ihnen zeichenhafte und symbolische Darstellungen befinden, die wohl nicht der Realität entsprachen, sondern politisch-theologische Zwecke verfolgten. Grundlegend ist für die Siegel und Bullen der Kaiserzeit Ottos III. das selbe anzunehmen, wie für die Diplome, vielleicht gar ein noch stärkeres Einwirken des Herrschers auf deren Bildaussagen, was die recht häufigen Veränderungen in schneller Aufeinanderfolge erklären könnte. Im Blickwinkel dieser Arbeit dienen vor allem die bildlichen Aussagen, der Siegel und Bullen als direkte Vergleichsmomente zu den Miniaturen im Gebetbuch. Folglich soll versucht werden, thematische und stilistische Bezüge zum Gebetbuch nachzuvollziehen bzw. auszuschließen.

2.4 Die Briefe Ottos III.

Bei dem jetzigen Quellenbestand kommen sieben Briefe auf uns zu, in denen Otto III. als Absender auszumachen ist. Sechs der Briefe befinden sich in der Briefsammlung des Gerbert von Reims bzw. Aurillac62, der später als Papst Silvester II. in die Geschichte einging.63 Der siebte Brief Ottos III. ist in der Tegernseer Briefsammlung des Benediktinermönches Froumund64 zu finden.65 Bereits 1938 definierte Erdmann den Brief per se als „echte Überreste der Vergangenheit“66, die uns einen spezielleren Einblick, als die Diplome, in Denken, Handeln und die dringenden Probleme der jeweiligen Zeit liefern können. Dies muss freilich, nach dem heutigen Forschungsstand etwas relativiert werden. Bedenkt man nämlich die formalen Kriterien eines mittelalterlichen Briefes, die stark an die Urkunden angelehnt sind und teils gar ähnliche Rechtserheblichkeit besitzen wie die Diplome67, dann kann man für die Briefe mit offiziellem Charakter nicht mehr von einer Überrestquelle per se sprechen. Erschwerend kommt die Überlieferungssituation68 hinzu, denn mittelalterliche Briefe kommen relativ selten als Einzelstücke auf uns zu, vielmehr sind sie in einer Briefsammlung zusammengefasst. So überaus bedeutend die Briefsammlungen des Mittelalters für den Mediävisten auch sein mögen69, ergeben sich eben aus den Briefsammlungen einige problematische Aspekte, die dringend bei der Bearbeitung dieser Quellengattung beachtet werden müssen. Spätestens bei der Aufnahme in die Briefsammlung, zumeist als Register, verliert auch die gänzlich private Briefliteratur ihren Anspruch eine Überrestquelle zu sein. Durch diese frühe Erfassung in einem Briefregister und durch das Übertragen in dieses, unterlagen die Briefe bereits einer ersten Bearbeitung. So wurden die meisten formalen Kriterien aufgelöst, Abkürzungen eingefügt und neue Überschriften entworfen.70 Aus diesem Grund müssen die Überschriften, die zumeist Absender und Adressat enthalten, für diese Studie nicht beachtet werden. Das nächste große Problem, dem sich die Briefforschung stellen muss, ist die Datierung der einzelnen Stücke. Da in den Sammlungen kein Datum hinzugefügt wurde, muss dies über den Kontext erfolgen. Aufbauend auf frühere Forschungsarbeiten ist eine Entstehung der Briefe ab 996 zu konstatieren71 und fällt somit in den Zeitraum, in dem ein bewusstes Handeln des Herrschers angenommen werden kann. Grundsätzlich stellt sich für die Briefe Ottos III. die Frage, ob Absender und Verfasser in einander aufgehen. Diese Frage ist zu negieren, denn auch die Briefe Ottos III. wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von ihm selbst geschrieben, so ist Gerbert für vier der Briefe Ottos III.72 und Froumund für einen Brief als Schreiber auszumachen.73 Aus diesem Grund dürfen auch die Briefe Ottos III. nicht als Ego-Dokumente missverstanden werden. Jedoch ist, nach meiner Sicht der Dinge, im Vergleich zu den Diplomen ein verstärkter Einfluss des Herrschers auf die Inhalte der Briefe zumindest möglich, da gewiss nicht soviel Personal an der Ausfertigung eines Briefes beteiligt war, wie es für die Diplome der Fall war. Welchen Zweck verfolgt nun aber die Analyse der Briefe Ottos III.? Zunächst ist die Perspektive die selbe die bei den Diplomen angewandt werden soll, folglich sollen gleichermaßen die Briefe darauf untersucht werden, ob sie Bezüge zum Gebetbuch Ottos III. aufweisen können. Grundsätzlich können die Briefe einen tieferen Einblick in die Gedankenwelt Ottos III. liefern und darüber hinaus sind sie extrem zeitnahe Quellen, die in direkte Verbindung zur Persönlichkeit des Herrschers zu bringen sind. Daher erscheinen mir die Briefe als ein entscheidendes Faktum für die Bearbeitung der hier gestellten Aufgabe.

III. Hauptteil

3.1 Das Gebetbuch Ottos III.

3.1.1 Ein frühmittelalterliches illuminiertes Gebetbuch

Die Entstehung74 des christlichen Gebetbuches für den privaten Gebrauch außerhalb der Liturgie ist in Irland und im angelsächsischen Raum des 8. Jahrhunderts zu verzeichnen. In diesen frühen Gebetbüchern waren Hymnen, Litaneien und Gebete aus der gesamten christlichen Tradition und als Besonderheit viele Anweisungen für den Gebrauch der Psalmen enthalten. Im Gegensatz dazu galten in der karolingischen Zeit zunächst die Psalter, durch den vermeintlich königlichen Verfasser David, als Gebetbücher der Könige „par excellence“.75 In einem Psalter wurden die biblischen Psalmen niedergeschrieben und meist durch äußerst aufwendige Bebilderung verständlicher gemacht. Der Zweck der Illumination war vermutlich, dass diese Andachtsbilder über die Psalmen hinauswiesen, sie illustrierten und erklärten, aber auch zur Meditation anregten sollten. Die Psalter wurden in frühchristlicher Zeit aus der jüdischen Tradition übernommen und waren für lange Zeit die eigentlichen Gebetbücher.76 In der „karolingische Renaissance“ nahmen die Benediktiner des Festlandes den angelsächsisch-irischen Gebetbuchtypus auf und entwickelten diesen zu den sog. „Libelli precum“ weiter, die sich einer große Verbreitung erfreuen konnten. Dem verlorenen Urtyp dürfte vom Inhalt her das aus dem altenglischen Königreich Mercia stammende „Book of Cerne“77, das für Bischof Aethelwold von Lichfield78 zwischen 820 und 830 geschrieben wurde, entsprochen haben.

Alkuin von York, in seiner Stellung als Berater für kulturelle und religiöse Angelegenheiten am Hofe Karls des Großen, war wohl der bedeutendste Überbringer dieser angelsächsischen Gewohnheit. Ihn beauftragte Karl gar höchstpersönlich mit der Ausfertigung eines Gebetbuches für den privaten Eigengebrauch.79 Noch zuvor schrieb Alkuin um 790 in York eine Andachtsbuch, das sich in einer Bamberger Handschrift des frühen 11. Jahrhunderts widerspiegelt. Am Schluss dieses Bamberger Codex80 befindet sich im Gebetsteil eine Auswahl von Gebetsformeln und Gotteslob aus dem alten Testament, Psalter, Schriften der Kirchenväter, liturgische Gebete und Gesänge, die zum größten Teil auf Alkuins Andachtsbuch zurückzuführen sind. Interessant dabei ist, dass der Bamberger Codex in Mainz ausgefertigt wurde.81 Obwohl erst nach dem Gebetbuch für Otto III. entstanden, ist es doch mehr als wahrscheinlich, dass es in Mainz bereits zuvor spezifische Kenntnisse auf dem Feld der Gebetbücher, die auf Alkuin und die karolingischen Libelli precum zurückzuführen sind, vorhanden waren. In den Libelli precum sind inhaltlich drei grundlegende Gebetstypen festzustellen, die theologisch-dogmatischen Dreifaltigkeitsgebete, die sich gegen den spanischen Adoptianismus wenden, des weiteren Gebete, die sich um die Thematik der Confessio drehen und dabei helfen sollen, Gut und Böse bzw. Tugend und Laster zu unterscheiden und so versuchen, eine Sensibilisierung gegenüber Gott zu erreichen und letztendlich die alt-irischen Loricae, die Schildgebete gegen etwaige Gefahren.82 Größtenteils waren die frühen Libelli precum bilderlos und höchstens mit mehr oder minder aufwendigen Initialen versehen, was für den rein funktionalen Gebrauch spricht. Dem stellen sich die illuminierten Gebetbücher der Herrscher gegenüber, da diese durch die erweiterte Ausstattung - nach Art liturgischer Bücher - besonders geehrt wurden.83 Von diesen illuminierten herrschaftlichen Gebetbüchern des frühen Mittelalters sind lediglich drei Exemplare erhalten geblieben, das Gebetbuch Karls des Kahlen, der Psalter Ludwigs des Deutschen mit angehängten Gebetsteil84 und das Gebetbuch Ottos III.. Abgesehen von den bereits erwähnten drei Grundzügen gleicht inhaltlich kein Gebetbuch dem anderem. Trotz vieler Beziehungen zwischen den Gebetbüchern wurden die Gebetstexte für jede Person individuell zusammengestellt, selbstverständlich fanden dabei tradierte Texte, die in das Konzept passten, ihren Platz. Es handelte sich somit in keinster Weise um eine bloße Übernahme, sondern jedes einzelne Gebetbuch ist ein, auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenes, Unikat.85 In diese Tradition lässt sich das Gebetbuch Ottos III. einordnen.

Fassen wir an dieser Stelle für das Folgende kurz zusammen. Ein Gebetbuch ist in der Regel ein Andachtsbuch für den personengebundenen privaten Gebrauch mit dem Hauptziel einer Hinführung und Anweisung des Lesers zur Andacht und zum Gebet. Die herrscherlichen Gebetbücher heben sich durch reiche Ausstattungen von den sonstigen „Libelli precum“ stark ab und bekommen dadurch einen besonderen Stellenwert. Obwohl Gemeinsamkeiten im Inhalt, der Gebetsanliegen und Gebetstexten vorhanden sind, stellt jedes Gebetbuch ein singuläres Werk dar, das speziell für den Empfänger ausgefertigt wurde und somit auf eine spezifische Zeit, Umgebung und Gedankenwelt verweist.

3.1.2 Der Inhalt des Gebetbuches

Grundlegend stellt sich an dieser Stelle die Frage, welche Bilder86 und Gebetstexte man für den jungen König auswählte, wie sie arrangiert wurden, woher die Texte und bildlichen Elemente stammten und was diese aussagen können.

Den ursprünglichen Auftakt des Gebetbuches bildet eine Kreuzigungsdarstellung. Schon in der frühen byzantinische Zeit war es üblich, illuminierte Werke mit einem Kreuz zu beginnen und so den Beter unter den Schutz und die Verheißung des Kreuzes zu stellen.87 In der Darstellung des Gebetbuches dominiert gleichfalls ein großes Kreuz, an dem ein aufrechter Christuskörper mit waagerecht gestreckten Armen, offenen Händen und mit leichter Schrittstellung auf einem stützende Fußbrett (sog. Suppedaneum) ruhend abgebildet ist. Die Art und Weise wie Jesus am Kreuz angebracht wurde, die beiden halb- figürlichen Engel und die Begleitpersonen der Kreuzigung - Maria und Johannes - weisen ebenfalls eindeutig auf byzantinische Vorbilder hin.88 Jedoch untypisch für byzantinische Darstellungsart sind die verlorenen Hände von Maria und Johannes, mit der eine besonders demütige Verehrung der Trauernden zum Ausdruck gebracht wird.89 Erstaunlicherweise besitzt die Silhouette Marias eine starke Ähnlichkeit mit einem Fresko in der Theodotus- Kapelle in Santa Maria Antiqua zu Rom, das wohl in der Mitte des 8. Jahrhundert entstanden war.90

Im Gegensatz zu einer Abbildung im Gebetbuch Karls des Kahlen oder auch zu der Kreuzigungsdarstellung im Hidta-Codex steht hier nicht das Leiden Christi am Kreuz im Vordergrund91, sondern sein Opfertod. Die geschlossen Augen und offenen Wunden92 weisen den Christuskörper bereits als verstorben aus, doch durch die straffe Körperhaltung und leicht versetzte Fußstellung wird der Sieg am Kreuz und der beginnende Auferstehungsprozess versinnbildlicht.93 In Verbindung mit dem im Hintergrund stehenden, aber durch die schimmernde Goldschrift klar lesbaren, Gebet wird die Kernaussage der Miniatur ersichtlich. Jesus bestieg das Kreuz und wurde dadurch zum Licht der Welt, welches die Finsternis zu vertreiben vermag. Ihn bittet der Beter nun um die Erleuchtung des Leibes und des Herzen.94 Damit ist die Bitte um Erkenntnis und Wissen gemeint, die die Grundvoraussetzung für das verantwortungsvolle königliche Urteilen und gottgefällige Handeln darstellt und letztendlich zum persönlichen Heil führen konnte.95 In diesem einleitenden Andachtsbild werden byzantinische Einflüsse klar sichtbar, die jedoch nicht unreflektiert übernommen wurden. Man vermischte sie mit der abendländischer Tradition und formte so eine ganz eigene Bilderfindung. An den Anfang des Buches wird der fundamentale christuszentrierte Glaubensinhalt gestellt, was zugleich auf die Abhängigkeit des Königs zum Licht der Welt (Christus) verweist.

[...]


1 Vgl. Lehrplan Grundschule Deutsch. hg. v. Sächsisches Staatsministerium für Kultus. Dresden 2009. S. 6.

2 Vgl. Glauch, Sonja / Green, Jonathan. Lesen im Mittelalter: Forschungsergebnisse und

Forschungsdesiderate. In: Buchwissenschaft in Deutschland. Bd. 1: Theorie und Forschung. hg. v. Rautenberg, Ursula. Berlin - New York. 2010. S. 361-410, hier S. 362.

3 Vgl. Glauch / Green. 2010. S. 382.

4 Smaragdus von St. Mihiel. Diadema monachorum. In: Patrologia Latina: Cursus completus. Bd. 102. hg. v. Migne, Jacques-Paul. Paris 1851. Sp. 593-690, hier Sp. 597. Für eine Kontinuität der Lesekultur spricht, dass Smaragdus hier ältere Ansätze des Isidor von Sevilla (560-636) verarbeitete. Vgl. Isidor von Sevilla. Sententiarum libri tres. In: Patrologia Latina: Cursus completus. Bd. 83. hg. v. Migne, JacquesPaul. Paris 1849. Sp. 537-738, hier Sp. 679.

5 Vgl. zur Kontinuität der Lesekultur: Glauch / Green. 2010. S. 399. Zur Übertragung dieses Ansatzes auf die Zeit Ottos III. vgl. Winterer, Christoph. Monastische Meditatio versus fürstliche Repräsentation? Überlegungen zu zwei Gebrauchsprofilen ottonischer Buchmalereien. In: Die Ottonen: Kunst - Architektur - Geschichte. hg. v. Beuckers, Klaus Gereon. Petersberg 2002. S. 103-128, hier S. 126f.

6 Grundlegend für die ikonographische Beschreibung und Interpretation ist Lauer, Rudolf Ferdinand. Studien zur ottonischen Mainzer Buchmalerei (Diss. phil.). Bonn 1987. Lauer stellt besonders eine Verbindung der Bilder mit dem Mainzer Krönungsordo heraus (vgl. S. 81). Kuder vertieft diese Annahme, jedoch bezieht er auch die Frömmigkeitspraxis von Klemm in Verbindung mit politischen und praxisorientierten Äußerungen der Herrscherminiaturen mit ein. Vgl. Kuder, Ulrich. Die Ottonen in der ottonischen Buchmalerei: Identifikation und Ikonographie. In: Herrschaftsrepräsentation im ottonischen Sachsen (Vorträge und Forschungen 46). hg. v. Althoff, Gerd / Schubert, Ernst. Sigmaringen 1998. S. 137- 218, hier 158-162. u. Klemm, Elisabeth. Das Gebetbuch Ottos III.. In: Gebetbuch Ottos III.: Clm 30111 (Patrimonia 84). München 1995. S. 39-87, hier S. 54. Körntgen jedoch will einzig die persönliche Devotation als Darstellungsabsicht des Malers gelten lassen und sieht in dem Gebetbuch eine reine Anleitung zum Beten und eine Vertiefung der Beziehung zu Gott. Eine Vermittlung von Herrschaftsvorstellungen schließt er gänzlich aus. Vgl. Körntgen, Ludger. Königsherrschaft und Gottes Gnade: Zu Kontext und Funktion sakraler Vorstellungen in Historiographie und Bildzeugnissen der ottonisch-frühsalischen Zeit (Orbis mediaevalis. Vorstellungswelten des Mittelalters 2). Berlin 2001. S. 294-297. Winterer. 2002. S. 126. hingegen plädiert für eine Prägung des Herrschers durch monastische Ideen. Dem schließt sich Saurma-Jeltsch zum größten Teil an und betonte die Ermahnung, Verheißung und Belehrung die sich an den Herrscher richten sollten. Vgl. Saurma-Jeltsch, Lieselotte E.. Das Gebetbuch Ottos III. Dem Herrscher zur Ermahnung und Verheißung bis in alle Ewigkeit. In: Frühmittelalterliche Studien 38. (2004) S. 55-88. Die aktuellste Darstellung der kunstgeschichtlichen Aspekte lieferte Klemm, dabei stellte sie heraus, dass Lauer für die ikonographische Beschreibung immer noch grundlegend sei, aber in der Interpretation veraltet. Vgl. Klemm, Elisabeth. Kunstgeschichtlicher Kommentar. In: Das Gebetbuch Otto III.: Kommentar zur Faksimile-Edition der Handschrift Clm 30111 der Bayerischen Staatsbibliothek München. Luzern 2008. S. 63-187.

7 Lediglich drei Arbeiten befassen sich ansatzweise mit den Gebetstexten: Mayr-Harting, Henry. Ottonische Buchmalerei: Liturgische Kunst im Reich der Kaiser, Bischöfe und Äbte (Belser Kulturgeschichte und Ikonographie). Stuttgart [u.a.] 1991. S. 187, 236, 276ff. Leider finden sich hier nur kurze Verweise auf die Gebetstexte. Hamilton, Sarah. Most illustrious king of kings: Evidence for Ottonian kingship in the Otto III. prayerbook. In: Journal of Medieval History 27. (2001) S. 257-288. Sie interessiert vor allem die Herkunft der einzelnen Texte und der Vergleich mit anderen Gebetsbüchern. Hauke beschränkt sich auf eine rein deskriptive, allgemeine und äußerst grobe Wiedergabe des Inhalts der Gebetstexte. Hauke, Hermann. Das Gebetbuch Otto III.. In: Das Gebetbuch Otto III.: Kommentar zur Faksimile-Edition der Handschrift Clm 30111 der Bayerischen Staatsbibliothek München. Luzern 2008. S.13-61, hier 26-39.

8 Transkription: Hauke, Hermann / Klemm, Elisabeth. Das Gebetbuch Otto III.: Kommentar zur Faksimile- Edition der Handschrift Clm 30111 der Bayerischen Staatsbibliothek München. Luzern 2008. S. 234-265. Es sei bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich in diesem wissenschaftlichen Kommentarband zur Faksimile-Ausgabe einige kleine Fehler eingeschlichen haben, so stimmten die angegebenen Seitenzahlen nicht immer (z.B. beginnen bei Hauke die Gebete zur Kreuzverehrung bereits auf fol. 39v., obwohl sie im Faksimile erst auf fol. 40v. beginnen. Vgl. Hauke. 2008. S. 38.). Ebenfalls zu bemängeln ist, dass die Transkription nicht immer fehlerfrei verlief (so fehlt z.B. im Widmungsgedicht das Wort „vita“, welches jedoch in der Faksimile-Ausgabe klar zu lesen ist. Vgl. Hauke. 2008. S. 23. u. dagegen Das Gebetbuch Ottos III. Faks.-Bd. Luzern 2008. fol. 44r. Z. 6. Infolge nur noch: Clm. 30111. fol. 44r. Z. 6.).

9 Grundlegend für die Bearbeitung der Diplome sind ältere Werke, wie: Kehr, Paul Fridolin. Die Urkunden Otto III. Innsbruck 1890.; Sickel, Theodor. Erläuterungen zu den Diplomen Otto III. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 12. (1891) S. 209-245 u. 369-431. u. Erben, Wilhelm. Excurse zu den Diplomen Otto III. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 13. (1892) S. 537-586. Diese müssen freilich an den heutigen Forschungsstand angepasst werden, jedoch finden sich kaum allgemeine Arbeiten über Ottos III. Urkunden. Neuere Arbeiten befassen sich zumeist mit Spezialthemen der Diplomatik und mit Einzelurkunden. Um dennoch den heutigen Wissensstand zu erreichen wurde benutzt: Huschner, Wolfgang. Transalpine Kommunikation im Mittelalter: diplomatische, kulturelle und politische Wechselwirkungen zwischen Italien und dem nordalpinen Reich (9. -11. Jahrhundert) Bd. 1-2 (Schriften der Monumenta Germaniae historica 52). Hannover 2003. Hier wird der Fokus, neben den italienisch-ostfränkischen Beziehungen, auf das Kanzleiwesen gelegt. Gegen die Forschungsergebnisse dieser Arbeit sprach sich Hoffmann aus vgl. Hoffmann, Hartmut. Notare, Kanzler und Bischöfe am ottonischen Hof. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 61. (2005) S. 435-480. Als Lohnenswert im allgemeinen erschien mir noch Bernhardt, John William. Der Herrscher im Spiegel der Urkunden: Otto III. und Heinrich II. im Vergleich. In: Otto III. - Heinrich II. Eine Wende? (Mittelalter-Forschungen 1). hg. v. Schneidmüller, Bernd. Stuttgart 2000². S. 327-348.

10 Zur Beschreibung, Datierung und Vorkommen der Siegel Ottos III. vgl. immer noch Posse, Otto. Das Siegelwesen der deutschen Kaiser und Könige von 751 bis 1913. Bd. 5. Dresden 1913. S. 14-16. Zur Interpretation scheint mir führend Keller, Hagen. Die Siegel und Bullen Ottos III. In: Europas Mitte um 1000. Bd. 2 (Europarat-Ausstellung 27). hg. v. Wieczorek, Alfried / Hinz, Hans. Stuttgart 2000. S. 767- 773. u. Keller, Hagen. Ottonische Herrschersiegel. Beobachtungen und Fragen zu Gestalt und Aussage und zur Funktion im historischen Kontext. In: Bild und Geschichte. Studien zur politischen Ikonographie. Festschrift für Hansmartin Schwarzmaier zum fünfundsechzigsten Geburtstag. hg v. Krimm, Konrad / John, Herwig. Sigmaringen 1997. S. 3-51.

11 Zum Umgang mit Briefsammlungen grundlegend Erdmann, Carl. Studien zur Briefliteratur Deutschlands im elften Jahrhundert (Schriften des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde 1). Leipzig 1938. Zu den Briefen Ottos III. gibt es leider keine expliziten Studien. Jedoch greifen einige Arbeiten die Briefe mit auf. Schramm, Percy Ernst. Die Briefe Kaiser Ottos III. und Gerberts von Reims aus dem Jahre 997. In: Archiv für Urkundenforschung 9. (1926) S. 87-122. Ihn interessiert vorrangig die Datierung der Briefe. Uhlirz, Mathilde. Untersuchungen über Inhalt und Datierung der Briefe Gerberts von Aurillac, Papst Sylvesters II.: Forschungen und Vorarbeiten zu den Jahrbüchern und Regesten Kaiser Ottos III. (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 2). Graz 1957.

12 Vgl. Anton, Hans Hubert. Fürstenspiegel des frühen und hohen Mittelalters. Darmstadt 2006. S. 46-207.

13 Für das Folgende wurde das Gebetbuch nicht im Original benutzt, sondern ein Faksimile. Das Gebetbuch Ottos III. Faks.-Bd. Luzern 2008. (Infolge nur noch: Clm. 30111.) Bei dieser kodikologischen Beschreibung wurde versucht, soweit wie möglich den Richtlinien der Handschriftenkatalogisierung der DFG zu folgen. Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft, Unterausschuß für Handschriftenkatalogisierung. Richtlinien Handschriftenkatalogisierung. Bonn- Bad Godesberg 1995. S. 9-33. Ebenfalls wurden Beschreibungen früherer Arbeiten mit einbezogen, vgl. Endres, Joseph Anton u. Ebner, Adalbert. Ein Königsgebetbuch des elften Jahrhunderts. In: Festschrift zum elfhundertjährigen Jubeläum des Campo Santo in Rom. hg v. Ehses, Stephan. Freiburg 1897. S. 296-307.; Lauer. 1987. S. 252-257; Hoffmann, Hartmut. Buchkunst und Königtum im ottonischen und frühsalischen ReichSchriften der Monumenta Germaniae historica 30/1). Stuttgart 1986. S 254-255.; Klemm, Elisabeth. Die ottonischen und frühromanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek (Katalog der illuminierten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek in München 2). Wiesbaden 2004. S. 222-223. u. Hauke. 2008. S. 13-26.

14 Vgl. Klemm. 2008. S.177-187. u. Klemm. 1995. S. 46-53. Im Gegensatz dazu wurde im byzantinischen Raum das gesamte Pergament in Purpur getränkt.

15 Das endgültige Durchsetzen der Worttrennung ist erst im 12. Jahrhundert zu konstatieren, jedoch beginnt dieser allmähliche Prozess bereits im 8. Jahrhundert. Vgl. Glauch / Green. 2010. S. 384.

16 Vgl. Kuder. 1998. S. 218.

17 Es handelt sich hierbei um die Hand A in einem Echternacher Evangelistar. Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Ms. Vat. Reg. Lat. 15. und teilweise auch in einem Fragment eines Evangeliars. Prieuré du Saint-Mont, Épinal, Bibliothèque municipale, Ms. 201. die bemerkenswerter Weise ebenfalls mit Gold auf Purpur geschrieben wurden. Vgl. dazu Hoffmann. 1986. S. 255.

18 Vgl. Irtenkauf, Wolfgang. Die Litanei des Pommersfelder Königsgebetbuches (für Otto III.). In: Studien zur Buchmalerei und Goldschmiedekunst des Mittelalters. Festschrift für Hermann Karl Usener. Marburg 1967. S. 129-136. Irtenkauf plädiert für den Raum Mainz, dagegen Lauer direkt für St. Alban in Mainz. Lauer 1987. S. 254ff.

19 Vgl. Hoffmann. 1986. S. 255. Als Beispielseite siehe Abb. 6, S. 71.

20 Auf der fol. 1r befindet sich ein teilweise unleserlicher Eintrag: [L] iberator animarum Jhesu [ ] inmortalis suppliciter tuam clementiam ego peccatrix & indigna ex / oro libera [ ] /. In nomine domini / Duriswint indigna et miserrima famulorum die suppliciter [ ] qui libell [um] habet per ama [ ] suorum me in / oratione sua cottidie habet. Vgl. dazu Hauke. 2008. S. 14ff.

21 Vgl. Bethmann, Ludwig C.. Reise durch Deutschland und Italien in den Jahren 1844-1846. In: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde zur Beförderung einer Gesammtausgabe der Quellenschriften deutscher Geschichten des Mittelalters 9. hg. v. Pertz, Heinrich Georg. Hannover 1847. S. 513-551.

22 Das Gebetbuch erhielt in der Schlossbibliothek die Signatur Hs. 2940/ Ms. 347.

23 Vgl. Klemm. 2004. S. 220. Die neue Signatur lautet: Clm 30111.

24 I² + 2 IV18 + II22 + IV30 + 2 III42 + I44 Lagenzusammensetzung nach Hauke. 2008. S. 25.

25 Vgl. Endres / Ebner. 1897. S. 296-307.

26 Vgl. Hauke. 2008. S. 25.

27 Clm. 30111. fol. 1v. Deus, qui crucem ascendisti et mundi tenebras inluminasti, tu cor et corpus meum inluminare dignare, qui cum patre et spiritu sancto vivis et regnas per omnia secula seculorum. Amen: Siehe Abb. 1, S. 66.

28 Ursprünglich byzantinische Bildkomposition, die den thronenden Christus flankiert von Maria und Johannes als Fürbittern zeigt. Vgl.: Wessel, Klaus. Art. Deesis. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 3. München 1986. Sp. 631-632. und Hauke. 2008. S. 21.

29 Clm. 30111. fol. 2r siehe Abb. 2, S. 67. u. Poeschel, Sabine. Handbuch der Ikonographie: sakrale und profane Themen der bildenden Kunst. Darmstadt 2005. S. 207.

30 Clm. 30111. fol. 2v-13r. Es handelt sich um die Psalmen 6, 31, 37, 50, 101, 129 u. 142. Für diese Arbeit wird benutzt: Biblia Sacra Vulgata. Editio quinta. hg. v. Weber, Robert / Gryson, Roger. Stuttgart 2007.

31 Clm. 30111. fol. 13v-16v. Von anderer Hand und in roter Tinte wurden auf fol. 16v drei Heilige - Febronia, Bryennis und Thomais - zusätzlich hinzugefügt.

32 Ebenda. fol. 16v-20r.

33 Vgl. zu Proskynese: Weiß, Günter. Art. Proskynese. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 7. München 1995. Sp. 265-266. u. Suntrup, Rudolf. Die Bedeutung der liturgischen Gebärden und Bewegungen in lateinischen und deutschen Auslegungen des 9. bis 13. Jahrhunderts (Münstersche Mittelalter-Schriften 37). München 1978. S. 166ff.

34 Ckm. 30111. fol. 20v-21r siehe Abb. 4, S. 69.

35 Vgl. Hauke. 2008. S. 24.

36 Es handelt sich auf fol. 37r-39v um die Psalmen 3, 12, 42 u. 69.

37 Clm. 30111. fol. 44r. Hunc satis exiguum rex illustrissime regum / Accipe sed vestra dignum pietate libellum / Auro quem scripsi, signis variisque paravi, / Multiplici vestro quia mens fervet amore. / Quapropter sup [p] lex humili vos voce saluto / Et precor, ut tibi vita salus perpesque potestas / Tempore sit vitae donec translatus ad astra / Cum Christo maneas, vigeas cum regibus almis. Siehe Abb. 6, S. 71. u. bereits ediert: Widmung des Gebetbuches Otto III. In: Poetae latini medii aevi 5: Die Ottonenzeit Bd. 3 (Monumenta Germaniae Historica. Antiquitates. Poetae Latini medii aevi 5,3). hg. v. Silagi, Gabriel. München 1979. S. 633.

38 Clm. 30111. fol. 43v siehe Abb. 5, S. 70.

39 Es handelt sich um Matthaeus 1, 11-16.

40 Zur Identifikation als Gebetbuch Ottos III. zuletzt Hauke. 2008. S. 40-45. Zum byzantinischen Einfluss auf Mainz vgl. Prinzing, Günter. Das mittelalterliche Mainz und Byzanz. Historisch-politische, kirchen- und kulturgeschichtliche Aspekte. In: Archiv für Kulturgeschichte 91. (2009) S. 45-78, hier bes. S. 63. Zu den typischen byzantinischen Aspekten im Gebetbuch siehe unten S. 17-20 u. 25ff.

41 Vgl. Hauke. 2008. S. 51.

42 Dies schlussfolgere ich aus den spezifischen Eigenheiten des herrscherlichen Vollziehungsstriches in den Diplomen, die sich bei Otto III. erst nach 990 vermehrt zeigen. Vgl. immer noch Kehr. 1890. S. 107ff.; Sickel. 1893. S. 386a. u. Rück, Peter. Bildberichte vom König: Kanzlerzeichen, königliche Monogramme und das Signet der salischen Dynastie (elementa diplomatica 4). Marburg 1996. S. 23.

43 Vgl. Hoffmann. 1968. 255ff.; Lauer. 1987. S. 14ff, 28ff, 252ff.; Klemm. 1995. S. 43. u. Klemm. 2004. S. 223.

44 So vermutet es Hauke, er möchte in den Gebetstext neben Achtung für die königliche Würde auch tiefe menschliche Zuneigung erkannt haben, die er im Wechselspiel zwischen „Du“ und „Ihr“ (fol. 36v.) zu finden gedenkt. Vgl. Hauke. 2008. S. 45ff.

45 Denn Bücher die an diese Kategorien fallen wurden nicht „gelesen“. Vgl. Bridges, Magaret. Mehr als ein Text. Das ungelesene Buch zwischen Symbol und Fetisch. In: Buchkultur im Mittelalter. Schrift - Bild - Kommunikation. hg. v. Stolz, Michael [u.a.]. Berlin 2005. S. 103-121.

46 Herbei handelt es sich um ein kleines Buch, welches der Besitzer immer mit sich führt und unabdingbar für gewisse Handlungen sein konnte. Vgl. Keil, Gundolf. Art. Vademecum. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 8. München 1999. Sp. 1363.

47 Vgl. Ottonis III. Diplomata. In: Diplomata regum et imperatorum Germaniae. Bd. 2, Tl. 2. Die Urkunden Otto des III. (Monumenta Germaniae Historica. Diplomata). hg. v. Sickel, Theodor. Hannover 1893. S. 859-874, Nr. 426-438. (Infolge nur noch DO. III. 426-438) Es ist zu beachten, dass Sickel die Briefe Ottos III. (DO. III. 196, 212, 216, 228, 243 u. 260) und Gerichtsakten (DO. III. 193, 227, 270, 278, 339, 396 u. 411) in seiner Zählung mit eingliedert.

48 Vgl. Sickel.1893. S. 385b-386a.

49 Zur Vormundschaft siehe unten S. 38 u. Anm. 228.

50 Vgl. Sickel. 1893. S. 388a.

51 Zur Titulaturenkunde Henning, Eckart. Titulaturenkunde: Prolegomena einer "neuen" Hilfswissenschaft für den Historiker. In: Festschrift zum 125jährigen Bestehen des Herold zu Berlin: 1869-1994 (Herold- Studien 4). hg. v. Jähnig, Bernhart. Berlin 1994. S. 293-310. Für die Titel im ottonischen Reich vgl. Wolfram, Herwig. Lateinische Herrschertitel im 9. und 10. Jahrhundert. In: Intitulatio II. Lateinische Herrscher- und Fürstentitel im 9. und 10. Jahrhundert (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 24). hg. v. Wolfram, Herwig. Wien 1973. S. 19-178.

52 Vgl. Fichtenau, Heinrich. Arenga. Spätantike und Mittelalter im Spiegel von Urkundenformeln (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 18) Graz [u.a.] 1957. S. 7-88.

53 Vgl. Fichtenau, Heinrich. Monarchische Propaganda in Urkunden. In: Derselbe. Beiträge zur Mediävistik. Ausgewählte Aufsätze. Bd. 2: Urkundenforschung. Stuttgart 1977. S. 18-36, bes. 32f.

54 Vgl. Huschner. 2003. S. 294, 936.

55 Vgl. Huschner. 2003. S. 206. u. Hoffmann, Hartmut. Eigendiktat in den Urkunden Ottos III. und Heinrichs II. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 44. (1988) S. 390-423, bes. S. 394-399.

56 Diese Vermutung trifft zunächst nur auf Otto III., bedingt durch seine intellektuellen Fähigkeiten, zu. Vgl. dazu unten S. 38ff u. Anm. 236.

57 Vgl. Keller, Hagen. Zu den Siegeln der Karolinger und der Ottonen. Urkunden als Hoheitszeichen in der Kommunikation des Herrschers mit seinen Getreuen. In: Frühmittelalterliche Studien 32. (1998) S. 400- 441, hier bes. S. 401-403.

58 Vgl. Keller. 1997. S. 20.

59 Vgl. Keller. 2000. S. 767.

60 Dies Betrifft das Siegel Nr. 4 Ottos II. vgl. dazu Posse. 1913. S. 13-14.

61 Einen deskriptiven Überblick über die Siegel und Bullen Ottos III. lieferte Posse. 1913. S. 14-16.

62 Die Briefsammlung Gerberts von Reims (Monumenta Germaniae Historica. Epistolae. Die Briefe der deutschen Kaiserzeit 2). hg. v. Weigle, Fritz. Weimar 1966. ep. 186, S. 220-223; ep. 213, S. 254ff.; ep. 214, S. 255ff.; ep. 215, S. 256ff.; ep. 215, S. 257ff. u. ep. 218, S. 259. Infolge nur noch: Weigle. ep. 186, 213, 214, 215, 216 u. 218.

63 Zur Biographie vgl. Kortüm, Hans-Henning / Lindgren, John. Art. Gerbert. In. Lexikon des Mittelalters Bd. 4. München 1989. Sp. 1300-1303.

64 Zum Leben Froumunds allgemein vgl. Bernt, Günter. Art. Froumund. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 4. München 1989. Sp. 994-995.

65 Die Tegernseer Briefsammlung. Froumund (Monumenta Germaniae Historica. Epistolae selectae 4,3). hg

v. Strecker, Karl. Berlin 1925. ep. 94, S. 99. Infolge nur noch: Strecker. ep. 94.

66 Erdmann. 1938. S. 3.

67 Vgl. Goetz, Hans-Werner. Proseminar Geschichte: Mittelalter (Uni-Taschenbücher Geschichte 1719). Stuttgard 2006³. S. 185ff.

68 Für Froumund vgl. Schmeidler, Bernhard. Die Briefsammlungen Froumunds von Tegernsee. Bemerkungen zur Beschaffenheit frühmittelalterlicher Briefsammlungen überhaupt. In: Historisches Jahrbuch 62/69. (1942/49) S. 220-238, hier S. 228. Für Gerbert vgl. Werner, Karl Ferdinand. Zur Überlieferung der Briefe Gerberts von Aurillac. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 17. (1961) S. 91-144. Als Gegenstudie vgl. Weigle, Fritz. Studien zur Überlieferung der Briefsammlung Gerberts von Reims. Eine Entgegnung. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 17. (1961) S. 385-419, bes S. 418ff.

69 Vgl. Uhlirz. 1957. S. 3.

70 Vgl. Weigle. 1966. S. 6ff.

71 Neben vielen Arbeiten über die Datierung der Briefe Gerberts folge ich hauptsächlich Uhrliz. 1957. S. 201. und den Angaben des Editors Weigle im Kopfregest der Briefe.

72 Dies betrifft Weigle. ep. 213-216. Vgl. Huschner. 2003. S. 335.

73 Vgl. Schmeidler. 1942/49. S. 223.

74 Zuletzt dazu Klemm. 2008. S. 63-92., die einen Überblick mit vielen Beispielen zu dieser Thematik lieferte.

75 Vgl. Hauke. 2008. S. 15.

76 Vgl. zu dem Thema: Büttner, Frank Olaf. Der illuminierte Psalter im Westen. In: The illuminated psalter. Studies in the content, purpose and placement of its images. hg. v. Büttner, Frank Olaf. Turnhout 2004. S. 1-106. u. Kuder, Ulrich. Illuminierte Psalter von den Anfängen bis um 800. In: The illuminated psalter. Studies in the content, purpose and placement of its images. hg. v. Büttner, Frank Olaf. Turnhout 2004. S. 107-135.

77 Book of Cerne. Cambridge, University Library, Ms. Ll. 10. vgl. McKitterick, Rosamond / Binski, Paul. History and Literature: Sacred and Secular. In: The Cambridge illuminations: ten centuries of book production in the Medieval West. hg. v. Panayotova, Stella D. / Binski, Paul. London 2005. S. 235-296, Nr. 4.; Brown, Michelle P.. The Book of Cerne. Prayer, Patronage and Power in Ninth-Century England (The British Library studies in medieval culture). London [u.a.] 1996. passim u. bes. S. 182-187. Für eine kurze Charakteristik siehe: Klemm. 2008. S. 85ff.

78 Die ältere Forschung identifizierte das „Book of Cerne“ noch als eine Kopie aus dem 8. Jahrhundert und nannte den Bischof Aethelwold von Lindisfarne (721-70) als Empfänger, was jedoch als widerlegt gilt. Vgl. Brown. 1996. S. 20-24 u. S. 181-183.

79 Dies wird aus einem Brief ersichtlich den Alkuin an Karl geschrieben hatten. Alcuin sive Albini epistolae. In: Epistolae Karolini aevi 2 ( Monumenta Germaniae Historica Epistolae (in Quart) 4). hg. v. Dümmler, Ernst. Berlin 1895. S. 1-481, hier S. 462, Nr. 304. Vgl. dazu Klemm. 2008. S. 67. u. zuletzt: Schieffer, Rudolf. Alkuin und Karl der Große. In: Alkuin von York und die geistige Grundlegung Europas: Akten der Tagung vom 30. September bis zum 2. Oktober 2004 in der Stiftsbibliothek St. Gallen (Monasterium Sancti Galli 5). hg. v. Tremp, Ernst / Schmuki, Karl. St. Gallen 2010. S. 15-32.

80 Vgl. Bamberger Codex. Bamberg, Stadtbibl., Misc. Patr. 17. fol. 133r-162v.

81 Vgl. Hoffmann. 1986. S. 232-233.

82 Vgl. Schulz, Frieder. Art. Gebetbuch. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. 12. Berlin / New York 1984. S. 103-119, hier S. 105ff. u. Küppers, Kurt. Art. Gebetbuch. 1. Allgemein. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 4. München 1989. Sp. 1159-1160.

83 Klemm spricht sich dafür aus, dass der Buchschmuck keinesfalls nebensächlich ist, sondern dass durch diesen eine Adlung der Werke zum Ausdruck kommt. Vgl. Klemm. 2008. S. 66.

84 Gebetbuch Karls des Kahlen. München, Schatzkammer der Residenz Inv-Nr. 4.; Psalter Ludwig des Deutschen. Berlin, Staatsbibliothek, Ms. theol. lat. 58.

85 Siehe dazu unten S. 17-34, bes, S. 21.

86 Zu den Miniaturen wird hier keine detaillierte ikonographische Beschreibung geliefert, sondern es werden lediglich für diese Arbeit interessante Aspekte der Bilder betrachtet. Die grundlegende und umfassende ikonographische Untersuchung der Illuminationen lieferte bereits: Lauer. 1987. S. 28-103.

87 Vgl. Klemm. 2008. S. 98. u. siehe Abb. 11, S. 75.

88 Siehe Abb. 19, S. 81. Kreuzigung und Kreuzabnahme, Byzantinisches Elfenbein. Hannover, Kestner- Museum, WM XXIa.

89 Zuletzt dazu Knauer, Elfriede Regina. Verhüllte Hände, verhüllter Mund, verhülltes Haupt. In: Dieselbe. Coats, queens, and cormorants: selected studies in cultural contact between East and West (Akanthus crescens 10). Kilchberg 2009. S. 347-384.

90 Siehe Abb. 16, S. 79. Kreuzigung Christi, Wandmalerei. Rom, Santa Maria Antiqua, Theoduskapelle.

91 Das Gebetbuch Karls des Kahlen. München, Schatzkammer der Residenz Inv-Nr. 4, fol. 39r. Siehe Abb. 8/9, S. 73. u. Hitda-Codex. Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek, Hs. 1640, fol. 207v. Siehe Abb. 10, S.74.

92 Kuder. 1998. S. 159. möchte im Blut eine Wiederholung des Opfers in der Heiligen Messe sehen.

93 Vgl. Klemm. 2008. S. 117.

94 Siehe oben S. 10, Anm. 73. u. vgl. Johannes. 8,12.

95 Vgl. Saurma-Jeltsch. 2004. S. 85ff. Klemm. 2008. S. 99ff. u. zum Begriff der Erleuchtung: Wagner, Falk. Art. Erleuchtung. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. 10. Berlin / New York 1982. S. 164-174.

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten

Details

Titel
Das Königsgebetbuch von Otto III. - Ein Leitfaden für die Königs- und Kaiserherrschaft?
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Note
1,1
Autor
Jahr
2011
Seiten
84
Katalognummer
V181506
ISBN (eBook)
9783656047209
ISBN (Buch)
9783656047483
Dateigröße
12390 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Otto III., Gebetbuch, Diplome, Siegel, Briefe, Bernward von Hildesheim, ottonische Buchmalerei, Gebetstexte
Arbeit zitieren
Pierre Köckert (Autor), 2011, Das Königsgebetbuch von Otto III. - Ein Leitfaden für die Königs- und Kaiserherrschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181506

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