Prozessbezogene Analyse von High-Tech Inkubatororganisationen entlang der Wertekette


Diplomarbeit, 2003

120 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

KAPITEL I: EINLEITUNG
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Stand der Gründungsforschung
1.2.1 Theorie der Gründungsforschung
1.2.2 Forschungsfelder empirischer Gründungsforschung
1.2.3 Begriff und Prozesscharakter der Unternehmensgründung
1.2.4 Zusammenfassung
1.3 Forschungsvorhaben und Zielsetzung der Arbeit
1.4 Forschungsdesign
1.4.1 Forschungsprozess
1.4.2 Forschungsmethodik
1.4.3 Das Experteninterview und seine Funktion im Forschungsprozess
1.5 Abgrenzung der Erhebungseinheiten
1.5.1 Funktionale Qualifikation als ExpertIn
1.5.2 Angesprochene Institutionen
1.6 Befragungsmethodik
1.6.1 Das teilstrukturierte, offene Interview
1.6.2 Aufbau des Leitfragenkataloges
1.7 Aufbau der Arbeit

KAPITEL II: THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
2 Einleitung
2.1 Begriffsabgrenzungen
2.1.1 Begriff des Geschäftsmodells
2.1.2 Begriff der Strategie
2.1.3 Strategieebenen
2.2 Entstehung der strategischen Planung
2.2.1 Komponenten der Wettbewerbsstrategie und Wettbewerbssituation
2.2.2 Wechselwirkungen zwischen Wettbewerbsstrategie, Wettbewerbssituation und Geschäftsmodell
2.3 Die Wertkette als Gegenstand der strategischen Analyse
2.3.1 Allgemeine Wertkette nach Porter
2.3.2 Elemente einer unternehmensinternen Wertschöpfungskette
2.3.3 Definition der Wertkette
2.3.4 Elemente einer branchenübergreifenden Wertschöpfungskette
2.4 Werttreiber in Dienstleistungsunternehmen
2.4.1 Definition des Begriffes Dienstleistung
2.4.2 Der Dienstleistungsprozess
2.4.3 Wertkette von Dienstleistungsunternehmen
2.5 Konzept der Wertschöpfungspartnerschaft
2.5.1 Dimensionen von Kooperationsformen
2.5.2 Grundtypen strategischer Kooperationsformen
2.5.3 Management und Prozesscharakter strategischer Kooperationen
2.5.4 Wettbewerbsvorteile als Motive von Kooperationen
2.5.5 Erfolgsfaktoren, Erwartungen und Probleme der Wertschöpfungspartner
2.6 Konzept der Kernkompetenzen

KAPITEL III: DAS MODELL INKUBATORORGANISATION
3 Allgemeines
3.1 Definition Inkubator
3.2 Entwicklung des Inkubatormodells
3.3 Ausprägungen des Inkubatormodells
3.4 Inkubatorenansätze in Österreich
3.4.1 Private Inkubatoren
3.4.2 Inkubatorenansätze im öffentlichen Bereich
3.5 Inkubatorenansätze im angelsächsischen Raum (Großbritannien)
3.5.1 Die Region Cambridge
3.6 Fokussierung der Inkubatororganisation
3.6.1 Branchenbezogene Fokussierung
3.6.2 Incubateebezogene Fokussierung
3.6.3 Phasenbezogene Fokussierung
3.6.4 Fokussierung nach der Herkunft der Ideen
3.7 Der Inkubationsprozess

KAPITEL IV: ABLEITUNG DER WERTKETTE EINER INKUBATORORGANISATION
4 Einleitung
4.1 Wertkette einer Inkubatororganisation
4.2 Ansprechgruppen
4.2.1 Öffentlichkeit / Politik / Förderungen
4.2.2 Netzwerke / Strategische Partner
4.2.3 Wissenschaftliche Partner (Universitäten, Fachhochschulen)
4.2.4 Soziokulturelles Umfeld
4.2.5 Gründerperson
4.3 Leistungen- Primäre Aktivitäten
4.3.1 Vision / Unternehmensidee
4.3.2 Forschung & Entwicklung Operationen
4.3.3 Produktreife
4.3.4 Marktreife
4.4 Leistungen – Unterstützende Aktivitäten
4.4.1 Awareness- / Netzwerkleistungen
4.4.2 Kooperationsentscheidung und –einrichtung
4.4.3 Transferleistungen (z. B. Finanz, Technologie, Wissen)
4.4.4 Implementierung und Realisierung
4.5 Ergebnisebene
4.5.1 Markt
4.5.2 Intermediäre
4.5.3 Kunden
4.5.4 Konkurrenz
4.6 Gesamtzusammenhang

KAPITEL V: ERGEBNISSE DER EXPERTENINTERVIEWS
5 Einleitung
5.1 Wertkette einer Inkubatororganisation
5.2 Ansprechgruppen
5.2.1 Öffentlichkeit / Politik / Förderungen
5.2.2 Netzwerke / Strategische Partner
5.2.3 Wissenschaftliche Partner (Universität, Fachhochschule)
5.2.4 Soziokulturelles Umfeld
5.2.5 Gründerperson
5.3 Leistungen – Primäre Aktivitäten
5.3.1 Allgemeines
5.3.2 Unterstützung entlang der Wertkette
5.4 Leistungen-Unterstützende Aktivitäten
5.4.1 Allgemeines
5.4.2 Sachmittel
5.4.3 Awareness- / Netzwerkleistungen
5.5 Gesamtzusammenhang
5.6 Fazit
5.6.1 Welche strategischen Möglichkeiten bzw. Modelle stehen High-Tech Inkubatororganisationen in Österreich zur Verfügung um operativ tätig zu werden?
5.6.2 Wie wird unternehmensintern die Arbeit entlang der Wertschöpfungskette umgesetzt?
5.6.3 Welche Anforderungen werden an High-Tech Inkubatororganisationen im Hinblick auf unternehmensexterne Kooperationen gestellt?
5.6.4 Wie gestalten sich die Beziehungen zwischen den beteiligten Kooperations-partnern im Hinblick auf eine Realisierung vorhandener Potentiale?
5.6.5 Welche Handlungsstrategien der unterschiedlichen High-Tech Inkubatororganisationen können identifiziert werden?
5.6.6 Zusammenfassung

6 Anhang

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überblick – Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: Überblick Kapitel I

Abbildung 3: Forschungsfelder (deutscher) Gründungsforschung mit Untersuchungsschwerpunkten

Abbildung 4: Phasen des Gründungsprozesses

Abbildung 5: Zentrale Forschungsfrage

Abbildung 6: Forschungsprozess der vorliegenden Arbeit

Abbildung 7: Identifikation der befragten Inkubatororganisationen

Abbildung 8: Grundmerkmale von Befragungen in der sozialempirischen Forschung

Abbildung 9: Überblick Kapitel II

Abbildung 10: Ebenen der strategischen Planung

Abbildung 11: Geschäftsmodelle im Kontext des strategischen Management

Abbildung 12: Vergleich von markt- und ressourcenorientierter Sicht im strategischen Management

Abbildung 13: Das Modell einer Wertkette nach Porter 1999

Abbildung 14: Elemente einer branchenübergreifenden Wertschöpfungskette

Abbildung 15: Dienstleistungsprozess

Abbildung 16: Wertkette eines Dienstleistungsunternehmens

Abbildung 17: Struktur des Kooperationsprozesses

Abbildung 18: Überblick Kooperation

Abbildung 19: Überblick Kapitel III

Abbildung 20: Fokussierung von Inkubatoren

Abbildung 21: Unternehmensphasen und Investoren

Abbildung 22: Betreute Entwicklungsphasen (BRD)

Abbildung 23: Unterstützungsangebot (Österreich) nach Phasen

Abbildung 24: Herkunft der verwirklichten Business-Ideen (BRD)

Abbildung 25: Der Inkubationsprozess

Abbildung 26: Überblick Kapitel IV

Abbildung 27: Modell – Wertkette einer Inkubatororganisation

Abbildung 28: Überblick Kapitel V

Abbildung 29: Modell der Wertkette einer Inkubatororganisation

Abbildung 30: Überblick Ansprechgruppen (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 31: Primäre Aktivitäten der befragten Inkubatororganisationen

Abbildung 32: Unterstützungsangebot der befragten Inkubatororganisationen

Abbildung 33: Abgrenzung nach Betreuungsintensität und Tiefe der Beratungsleistung -

Abbildung 34: Verbindung der Inkubatororganisationen zu externen Dienstleistern

Abbildung 35: Inkubatororganisation und Unternehmensentwicklung

Abbildung 36: Wertschöpfungsstufen der Inkubatororganisation

Abbildung 37: Ebenen der Zusammenarbeit AplusB Zentren

Abbildung 38: Finanzierungsgrundsätze AplusB Zentren

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ÜBERBLICK- AUFBAU DER ARBEIT

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Überblick – Aufbau der Arbeit

KAPITEL I: EINLEITUNG

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Überblick Kapitel I

1 Einleitung

Das erste Kapitel der Arbeit gibt einen Überblick über die Problemstellung und Zielsetzung dieser Arbeit. Darüber hinaus wird das Untersuchungsfeld abgegrenzt, der Aufbau und die methodische Konzeption der Arbeit erläutert.

1.1 Einführung in die Thematik

Cluster, Kompetenzzentren, regionale Innovationszentren – mit diesen Schlagworten kann man ein wesentliches Handlungsfeld der österreichischen Strukturpolitik in den Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts benennen. Es ergab sich durch die Veränderungen sowohl in der sektoralen wie der regionalen Strukturpolitik. Dabei ging es beispielsweise um dauerhafte Kooperationen regional ansässiger Unternehmen, um die Zusammenführung von privaten und öffentlichen Akteuren und um die Integration verschiedener Politikfelder, etwa der Technologie- und Strukturpolitik.

Erfolgreiche Beispiele gab es vor allem dort, wo die Infrastrukturen bestimmte Wertschöpfungszusammenhänge der Unternehmen unterstützten. Die konkreten regionalen Wertschöpfungszusammenhänge wurden damit zum entscheidenden Ansatzpunkt der Strukturpolitik.

1.2 Stand der Gründungsforschung

Die Gründungsforschung lässt sich untergliedern in einen theoretischen Teil einerseits und einen empirischen Teilbereich andererseits. Dieser Bezugsrahmen ermöglicht eine erleichterte Übersicht über den aktuellen Stand der Gründungsforschung.[1]

1.2.1 Theorie der Gründungsforschung

Bei der Gründungsforschung handelt es sich um ein relativ junges Forschungsgebiet. Die Gründungsforschung ist ein wissenschaftliches interdisziplinäres Spezialgebiet, deren Ziel die Beschreibung, Erklärung und Gestaltung der Gründungsaktivitäten und des Gründungserfolges ist.[2]

Der zentrale Forschungsschwerpunkt der Gründungsforschung liegt auf den Fragestellungen: „Wer gründet unter welchen Bedingungen ein Unternehmen? Wer hat unter welchen Bedingungen mit welchen Aktivitäten welchen Erfolg?“[3]

Eine Theorie der Unternehmensgründung kann durch die empirische betriebswirtschaftliche Forschung gewonnen werden. Dazu ist es notwendig, dass wissenschaftliche Untersuchungen eine Vielzahl von Einzelfällen beleuchten. Durch Beobachtung, Identifizierung und Erklärung der Merkmale sowie deren Zusammenhänge wird es möglich, allgemeingültige Aussagen für das Themenfeld zu treffen.

Die Gründungsforschung umfasst mehrere Disziplinen, wobei der Betriebswirtschaftslehre und der Volkswirtschaftslehre die größte Bedeutung zukommen.[4] Innerhalb der Betriebswirtschaftslehre hat sich die Gründungsforschung inzwischen zu einem eigenständigen Teilgebiet konstituiert. Die Industrieökonomik und die Arbeitsmarktforschung bilden die zentralen Bestandteile aus volkswirtschaftlicher Sicht.

Weitere Disziplinen, die sich eher partiell mit der Gründungsforschung beschäftigen, sind die Soziologie (im Zusammenhang mit der Schichtungs- und Mobilitätsforschung sowie die Organisationssoziologie) und die Psychologie (Untersuchung von Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen erfolgreicher Unternehmer). Mit einzelnen Beiträgen beteiligen sich außerdem Rechtswissenschaftler, Wirtschaftshistoriker und Wirtschaftsgeographen[5].

1.2.2 Forschungsfelder empirischer Gründungsforschung

Die Gründungsforschung befasst sich hauptsächlich mit den Chancen, Problemen und Risiken neugegründeter Betriebe und Unternehmen. Zentrale Themen der wissenschaftlichen Forschung sind dabei: das betriebliche Gründungsgeschehen, Erfolg und Entwicklung neu gegründeter Betriebe sowie Förderungs- und Unterstützungsmöglichkeiten bei Existenzgründungen.

Nach Preisendörfer können die Forschungsschwerpunkte zum Aufbau einer Selbständigkeit differenziert werden in zwei große Themenfelder:

Erstens die Gründungsaktivität (Auseinandersetzung mit den Prozessen der Gründung eines neuen Betriebes) und zweitens den Gründungserfolg (Analyse der Prozesse der Bestandserhaltung und Entwicklung neugegründeter Betriebe)[6].

Aus theoretischer Sicht erfolgt die Einordnung der Gründungsforschung nach Preisendörfer zum einen zu den nachfrage- bzw. umweltorientierten Ansätzen, die sich mit jenen strukturellen Bedingungen befassen, die Betriebsgründungen stimulieren. Zum anderen gibt es die angebots- bzw. personenzentrierten Ansätze, die ihr Hauptaugenmerk auf die handelnden Akteure richten[7].

Eine weitere Abgrenzung der empirischen Forschungsfelder der Gründungsforschung findet sich bei Klandt / Müller-Böling. Es wird hier unterschieden zwischen Gründerperson, Gründungsunternehmen, Gründungserfolg sowie dem Gründungsumfeld.[8]

1. Gründerperson

Die Person des Unternehmensgründers stellt den ausschlaggebenden Handlungsträger zur Verwertung von Produktideen dar.[9] Zur Gründerperson findet sich auch eine Vielzahl von empirischen Untersuchungen, was diesen Aspekt noch hervorhebt. Dabei gibt es zwei wesentliche Untersuchungsfelder: die individuell persönlichen Merkmale der Gründerperson und die Herausbildung von Gründerteams.

Bei ersterem Gebiet konzentrieren sich die Arbeiten auf Merkmale wie Alter des Gründers zum Zeitpunkt der Gründung, den familiäre Hintergrund, Ausbildungsgrad, um nur einige zu nennen. Neben objektiven Persönlichkeitsmerkmalen wurden auch verhaltensanalysierende Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurden Merkmale wie etwa das Selbstvertrauen, die Flexibilität und die Leistungsmotivation der Gründer untersucht.[10]

Zum zweiten Gebiet gibt es weniger empirische Arbeiten – Unternehmensgründungen durch mehrere Personen (Gründungsteam) haben in der Forschung eine eher untergeordnete Bedeutung.[11]

2. Gründungsunternehmen

Die meisten empirischen Forschungsarbeiten wurden im deutschsprachigen Raum zum empirischen Forschungsfeld Gründungsunternehmen durchgeführt.[12] Je nach Betrachtungsweise des Untersuchungsobjektes existieren zum einen Erhebungen, die die Entwicklung der Unternehmensentstehung im Zeitablauf (Gründungsprozess) betrachten, zum anderen gibt es Untersuchungen, die deren Aufbau und Gestaltung (Gründungsstruktur) analysieren. Im Bereich Gründungsprozess untersuchen empirische Arbeiten vorwiegend Finanzierungsprobleme neugegründeter Unternehmen.

Daneben gibt es Untersuchungen zum Zustandekommen und zur Entwicklung neugegründeter Unternehmungen.[13] Im Forschungsbereich Gründungsstruktur wird v.a. versucht, die Besonderheiten des Wirtschaftszweiges, in dem die Gründung vorgenommen wurde, zu eruieren.[14] Zur Gründungsstruktur zählen auch empirische Untersuchungen der Gründungsformen der Unternehmen. Unterschieden wird dabei z.B. ob es sich um eine originäre oder derivative Gründung handelt oder nach der Rechtsform.[15]

3. Gründungserfolg

In den empirischen Untersuchungen der Gründungsforschung im deutschsprachigen Raum existieren zwei verschiedene Arten von Gründungserfolg. Zum einen wird bereits die Gründungsaktivität der eingebundenen Personen (Gründer, Gründungshelfer,…) als vorbereitender Gründungerfolg gesehen.

Darüber hinaus gibt es Arbeiten, die den bereits realisierten Erfolg der gegründeten Unternehmen herausstellen. Neugegründete Unternehmen werden dabei hinsichtlich z.B. der geschaffenen Arbeitsplätze, Umsatz, Rentabilität und den kritischen Erfolgsfaktoren betrachtet. Die Problematik liegt dabei allerdings in der Erfolgsmessung, da im Fall des Gründungserfolges erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung gegenüber der Gründungsaktivität sinnvoll gemessen werden kann.[16]

4. Gründungsumfeld

Sowohl der Gründer als auch das gegründete Unternehmen befinden sich in einem Gründungsumfeld, das sie beeinflusst. Das Gründungsumfeld umfasst dabei unterschiedliche Elemente, beginnend bei der Forschungs- und Entwicklungsqualität des Standorts bis hin zur allgemeinen Konjunkturentwicklung.

Man kann dabei Kriterien mit direktem Einfluss (diese betreffen nur das individuell betrachtete Unternehmen) sowie jene mit indirektem Einfluss unterscheiden (letztere haben Auswirkungen auf alle in der Region angesiedelten Unternehmen).

Untersuchungen über direkte Umfeldfaktoren analysieren u.a. die Wirkung verschiedener Förderprogramme für Unternehmensneugründungen, die Wirkung und Funktion von Gründungshelfern sowie die Auswirkungen der angebotenen Ausbildungsmöglichkeiten.[17]

Den indirekten Umfeldfaktoren werden politische und auch strukturelle Rahmenbedingungen einer Region zugeordnet. Untersuchungen versuchen dabei aufzudecken, welche Wirtschaftsbereiche im regionalen Markt relevant sind und welche rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen herrschen.[18]

5. Gründungsinkubator

Knecht ergänzt die bereits dargestellten empirischen Forschungsfelder um den so genannten Gründungsinkubator. Darunter versteht er „ eine Organisation, in welcher ein unternehmerisches Klima in der Form besteht, dass die Gründung neuer Unternehmungen insbesondere von technologiebasierten Unternehmungen (TBU) begünstigt wird.“[19]

Während Müller-Böling / Klandt den Gründungsinkubator dem Forschungsfeld der indirekten Gründungsumfeldfaktoren zuordnen, bildet er bei Knecht ein eigenständiges Forschungsfeld, da der Gründungsinkubator eine physische Größe darstellt und mit identischen Kriterien wie die Gründerperson oder die Gründungsunternehmung bemessen wird (begründet wird dies letztlich mit dem eigenen Stellenwert, der Inkubatororganisationen beizumessen ist).[20]

Die Abbildung auf der nächsten Seite veranschaulicht überblicksartig nochmals die Forschungsfelder der Gründungsforschung im deutschsprachigen Raum.

Abbildung 3: Forschungsfelder (deutscher) Gründungsforschung mit Untersuchungsschwerpunkten

Quelle: Knecht, T. 1997, S. 19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2.3 Begriff und Prozesscharakter der Unternehmensgründung

Nachdem im vorhergehenden Abschnitt der Bezugsrahmen und die empirischen Forschungsfelder der Gründungsforschung dargestellt wurden, soll nun eine Definition des Begriffes Unternehmensgründung erfolgen. Obwohl zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits vielfältige Studien zur Gründungsforschung existieren, ist der Begriff der Unternehmensgründung in der Literatur nicht eindeutig definiert.

Bezugnehmend auf die gesamtgesellschaftlichen Aspekte einer Gründung definiert Wenz die Unternehmensgründung „ als Prozess der selbständigen Schaffung einer neuen, autonom agierenden Wirtschaftseinheit durch einen oder mehrere Gründer, wobei die entstehende Einheit im Verhältnis zum Marktvolumen im Regelfall zunächst eine kleine Betriebsgröße aufweist“ [21] .

Aus dieser Definition wird der Prozesscharakter einer Unternehmensgründung ersichtlich. Im Folgenden soll – basierend auf der Definition - der Gründungsprozess näher beschrieben werden. In einer allgemeinen Betrachtung lässt sich der Gründungsprozess in drei Hauptphasen unterteilen, die wiederum in verschiedenen Stufen ablaufen.

Die erste Phase ist die Vorgründerphase, welche die Entwicklung einer Geschäftsidee sowie den Entschluss zu einer Gründung beinhaltet. Im der darauf folgenden Phase erfolgt die Gründungsdurchführung das heißt zu diesem Zeitpunkt vollzieht sich die Gründung im eigentlichen Sinne. Hier werden darüber hinaus die Sachaufgaben der Planung abgewickelt.

Die letzte Phase unterteilt sich in die Frühentwicklung und die weitere Entwicklung eines Betriebes. Während der frühen Entwicklung kommt es zum Anlaufen der Umsatztätigkeit der Neugründung, womit sich gleichzeitig der Markteintritt vollzieht. Charakteristisch für das Eintreten in die Entwicklungsphase ist das Erzielen der ersten Gewinne.[22]

Abbildung 4 : Phasen des Gründungsprozesses

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Wenz 1993, S. 21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2.4 Zusammenfassung

Das wissenschaftliche Interesse an Unternehmensgründungen ergibt sich zum einen aus der Funktion selbständiger Betriebe für das Wirtschaftsleben, zum anderen stellen sie einen wichtigen Faktor bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze dar. Ein weiterer Untersuchungsaspekt ergibt sich aus der Frage nach der Logik der Entwicklung von Selbständigen bzw. Kleinunternehmen. Über die Gründung von Betrieben und deren Erfolg existiert eine Vielzahl von Studien, wobei die Empirie gegenüber der theoretischen Forschung dominiert.

Häufige Probleme bei der Auseinandersetzung mit dieser Thematik sind die oft sehr unterschiedlichen sowie zumeist nicht-repräsentativen Stichproben. Als Ziel der Gründungsforschung wird die Formulierung einer Theorie zur Unternehmensgründung angestrebt, eine Konzeption für „eine geschlossene Theorie der Unternehmensgründung[23], die aber bisher nicht vorliegt. Klandt / Kirschbaum sprechen dabei von einem „Theoriedefizit der Gründungsforschung“ speziell im Hinblick auf die ökonomische Analyse und Bewertung von innovativen Unternehmensgründungen.[24]

1.3 Forschungsvorhaben und Zielsetzung der Arbeit

Inkubatororganisationen im Raum Österreich sind in der vorhandenen betriebswirtschaftlichen Literatur noch kaum erfasst bzw. dokumentiert worden. Das aus dem angloamerikanischen Raum stammende Konzept findet zunehmend auch in Westeuropa Beachtung und die Thematik wird in der Gründungsforschung vermehrt berücksichtigt.

Im Rahmen dieser Diplomarbeit soll daher – unter Berücksichtigung der in Österreich spezifischen Besonderheiten – versucht werden, einen Überblick über die praktische Umsetzung von Management in der Inkubatororganisation in Form einer Dokumentation von Geschäftsprozessen zu geben. Als theoretischer Bezugsrahmen der Betriebswirtschaftslehre soll dabei das Modell der Wertkette nach Michael Porter herangezogen werden. Die zentrale Forschungsfrage der Arbeit lautet daher:

Abbildung 5: Zentrale Forschungsfrage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Wie sieht das Management (Entwicklung, Gestaltung, Lenkung) von Geschäftsprozessen entlang der Wertkette in universitätsnahen High-Tech Inkubatororganisationen im geografischen Raum Österreich aus?

Um die Forschungsfrage eindeutiger zu spezifizieren, soll sie zunächst in folgende Bereiche aufgegliedert werden:

Erkenntnisobjekt:

Theoretische Erklärung und praktische Umsetzung des Managements unter Berücksichtigung des Modells der Wertkette nach Porter.

Forschungsobjekt:

Wertkette und Wertschöpfungsstufen in universitätsnahen High-Tech Inkubator-organisationen in Österreich.

Forschungsziel:

Dokumentation des Managements (Entwicklung, Gestaltung, Lenkung) der Wertkette sowie der einzelnen Wertschöpfungsstufen in universitätsnahen High-Tech Inkubatororganisationen mit Fokussierung auf den geografischen Raum Österreich.

Dabei sollen im Lauf der Arbeit folgende Teilfragen thematisiert und beantwortet werden:

1. Welche strategischen Möglichkeiten bzw. Modelle stehen Inkubatororganisationen in Österreich zur Verfügung um operativ tätig zu werden?
2. Wie wird unternehmensintern die Arbeit entlang der Wertschöpfungskette umgesetzt?
3. Welche Anforderungen werden an Inkubatororganisationen im Hinblick auf unternehmensexterne Kooperationen gestellt?
4. Wie gestalten sich die Beziehungen zwischen den beteiligten Kooperationspartnern im Hinblick auf eine Realisierung vorhandener Potentiale?
5. Welche Handlungsstrategien der unterschiedlichen Inkubatororganisationen können identifiziert werden?

1.4 Forschungsdesign

Der folgende Abschnitt erläutert das Forschungsvorgehen, das im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit angewendet wurde.

1.4.1 Forschungsprozess

Der Verlauf der empirischen Untersuchung im Rahmen dieser Arbeit läst sich wie folgt darstellen. Dieser ist idealtypisch am Ablauf eines empirischen Forschungsprozesses orientiert[25].

Abbildung 6: Forschungsprozess der vorliegenden Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein idealtypischer sozialempirischer Forschungsablauf gliedert sich in fünf Stadien, wobei nach Atteslander jedes Stadium in einem spezifischen Untersuchungsansatz seine Entsprechung findet[26]:

1. Problembenennung,
2. Gegenstandsbenennung,
3. Durchführung von Forschungsmethoden
4. Analyse / Auswertungsverfahren
5. Verwendung von Ergebnissen

Am Beginn sozialwissenschaftlicher Forschungsprozesse sollten vorzugsweise qualitative Ansätze der Sozialforschung zur Anwendung kommen, weil Parameter, die die zu untersuchenden Sachverhalte zutreffend erfassen, zunächst noch unbekannt sind[27].

Zur ersten, strukturierenden Annäherung an ein neues Forschungs- und Handlungsfeld empfiehlt Diekman „qualitative Interviews mit ausgewählten Personen, eventuell Experteninterviews und unstrukturierte Beobachtungen“. [28] Ergänzend fügt er weiters hinzu: „Die Konstruktion eines strukturierten, quantitativen Fragebogens erfordert [...] erhebliches Vorwissen und sollte in einem neuen sozialen Feld, falls überhaupt zweckmäßig, erst der zweite Schritt sein“.[29]

1.4.2 Forschungsmethodik

In der wissenschaftlichen Forschung lassen sich grundsätzlich zwei Forschungsansätze unterscheiden: der qualitative Ansatz und der quantitative.

Flick trifft dabei die Unterscheidung von quantitativer und qualitativer Forschung ausgehend von den Grenzen der ersteren: Gemäß dem Ideal der naturwissenschaftlichen Forschung werde mit quantitativer Forschung versucht, Phänomene in ihrer Häufigkeit und Verteilung in möglichst allgemeingültiger Form und unabhängig von konkret untersuchten Fällen zu bestimmen. Der konkrete Einzelfall mit seiner ganz spezifischen Ausprägung gehe dabei im repräsentativen Durchschnitt auf. Qualitative Forschung stelle hingegen bewusst den Einzelfall in seiner Individualität in den Vordergrund[30].

Wessels stellt bezüglich der qualitativen Verfahren fest, dass diese in der empirischen Forschung von der Flexibilität leben: So soll eine dem individuellen Untersuchungsgegenstand jeweils angemessene Vorgehensweise gewählt werden.[31]

1.4.3 Das Experteninterview und seine Funktion im Forschungsprozess

In umsetzungsorientierten Forschungsarbeiten kommt der „ Befragung von Gewährspersonen “ besondere Bedeutung zu: Sie gilt gleichermaßen der Gewinnung von Faktenwissen, als auch von Ereigniswissen (Verstehen von Prozessabläufen) und Regelwissen (Normen).[32] Gerade in der Explorationsphase handlungsorientierender Forschung sind Experteninterviews ein häufig gewählter Ansatz. Dabei gilt das Experteninterview nach Meuser und Nagel zwar als „ vielfach erprobt, [aber] wenig bedacht[33].

Das Experteninterview ist ein Sammelbegriff für offene oder teilstandardisierte Befragungen von Experten zu einem vorgegebenen Bereich oder Thema.[34] Experteninterviews scheinen vor allem deswegen eine ideale Vorgehensweise zu sein, da sie zumeist dort eingesetzt werden, wo die Gewinnung wissenschaftlich verwertbarer Informationen auf Grund der Komplexität und Undurchsichtigkeit der jeweils aufzuklärenden Problemsituation, insbesondere für den Außenstehenden, schwierig ist.[35]

Mit Experteninterviews wird nicht der Versuch unternommen, die „ ganze Wahrheit “ über einen Sachzusammenhang in Erfahrung zu bringen; ihr Gegenstand sind vielmehr Wissensbestände von Experten, ihr Ziel die Rekonstruktion subjektiver Theorien des Befragten hinsichtlich eines Untersuchungsgegenstandes[36].

Am häufigsten wird das Experteninterview, so auch von Meuser und Nagel, in den Bereich der qualitativen Sozialforschung eingegliedert.[37] Qualitative Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass sie, im Gegensatz zu den quantitativen Verfahren, die auf mathematisch-statistischen Verfahren beruhen, nicht über formale Lösungsalgorithmen verfügen.[38]

Natürlich sind auch Einschätzungen von Experten lediglich subjektive Äußerungen, die sich zudem häufig nicht auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen lassen (wenn etwa Einschätzungen über zukünftige Entwicklungen gegeben werden). Doch ist in Rechnung zu stellen, dass diese Äußerungen den Hintergrund darstellen, vor dem die befragten Experten ihre Entscheidungen zur Gestaltung des Managements der Inkubatororganisation treffen (oder möglicherweise auf eben solche fördernden Maßnahmen verzichten). Expertenmeinungen sind zwar „nur“ subjektiv, dafür aber ausgesprochen machtvoll. Mit Blick auf die spätere Umsetzung sind sie als mindestens ebenso relevant anzusehen wie die Sammlung „harter Fakten“ mittels quantitativer Verfahren.

Im Rahmen der Experteninterviews, die für diese Arbeit durchgeführt wurden, wurden die angesprochenen Entscheidungsträger aufgefordert, das auch für sie in dem gewählten engen Zuschnitt neue Themengebiet „Wertschöpfungskette von Inkubatororganisationen im geografischen Raum Österreich“ gedanklich zu konstruieren, zu ordnen und zu entwickeln.

Damit weist die vorliegende Untersuchung die klassischen Merkmale der Handlungsforschung auf, die Mayring als Pendeln charakterisiert zwischen:[39]

1) Informationssammlung,
2) Diskurs mit den beteiligten Akteuren und
3) praktischen Handlungen.

1.5 Abgrenzung der Erhebungseinheiten

Im folgenden Abschnitt wird eine Abgrenzung der Erhebungseinheiten vorgenommen. Es soll dargestellt werden, welche Personen in Ihrer Funktion als Experten befragt und welche Institutionen für die Befragungen kontaktiert wurden.

1.5.1 Funktionale Qualifikation als ExpertIn

Was zeichnet eine Person als Experten aus? Eine erste Annäherung hierzu liefert Deeke mit seiner Definition des Experten als einer „Person, [...] die in Hinblick auf einen interessierenden Sachverhalt als „Sachverständige“ in besonderer Weise kompetent ist“. Mit Kompetenz bezeichnet Deeke dabei erstens „ die relativ exklusive Verfügung von Wissen zu einem bestimmten Sachverhalt “ sowie zweitens den „ verständigen, reflexiven Umgang mit diesem Wissen “.

Es interessiert im Experteninterview nicht die Person der Experten oder deren berufliche Position, sondern allein ihr „ Wissen um Sachverhalte[40]. Mit der Verwendung des Begriffs Experte wird jedoch keine Aussage hinsichtlich der fachlichen Qualifikation der Befragten getroffen. Meuser und Nagel heben hervor, dass „ Experte ein relationaler Status ist, der davon abhängt, wie relevant die Erfahrung des Befragten dem Forscher für die Beantwortung seiner spezifischen Untersuchungsfragen erscheint[41].

Was in der vorliegenden Arbeit Entscheidungsträger zu Experten macht, ist neben ihrem vermutetem Wissen und ihrer Erfahrung (Kriterium Sachverständigkeit) ihr potenzieller Einfluss bei der Gestaltung der Inkubatororganisationen innerhalb der befragten Bundesländer (Kriterium Sachzuständigkeit).

Unmittelbar im Anschluss an jedes Interview wurde der / die Befragte hinsichtlich des Grades seiner / ihrer Expertise eingestuft. Unabhängig von der hierarchischen Stellung des Befragten und seinen sonstigen fachlichen Kenntnissen wurden die Experten aufgrund der folgenden Merkmale in Klassen eingestuft:

- Aussagen sind inhaltlich differenziert (weitgehend frei von fachlichen Gemeinplätzen),
- Experten zeigen die Fähigkeit zur disziplinenübergreifenden Reflexion des Themas (sie sind in der Lage, Erfahrungen aus anderen Handlungsfeldern und Disziplinen auf den Inkubator-Sektor zu übertragen),
- Experten verfügen über hohe narrative Kompetenz (also die Fähigkeit, das Thema auch ohne unterstützende Fragen im Dialog eigenständig zu entwickeln),
- Experten kennen Aktivitäten anderer Organisationen zum befragten Thema und können sie in ihren wichtigsten Stärken und Schwächen bewerten,
- Experten sehen sich selbst als aktive Subjekte im Handlungsfeld und suchen den fachlichen Austausch in diesem Bereich, etwa indem sie Interesse zeigen für die von Kollegen gemachten Äußerungen, aber auch für die Hintergründe der vorliegenden Forschung (Auftraggeber, Methodik, Verwendung der Ergebnisse).

1.5.2 Angesprochene Institutionen

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden drei Kollektive mit den Befragungen angesprochen:

1. VertreterInnen von profitorientierten Inkubatororganisationen in Österreich
2. VertreterInnen von nicht-profitorientierten Inkubatororganisationen in Österreich
3. VertreterInnen von Venture-Capital-Gesellschaften in Österreich (Kontrollgruppe)

Das Auswahlprocedere lässt sich anhand folgender Abbildung verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Identifikation der befragten Inkubatororganisationen

Quelle: Eigene Darstellung

Zunächst wurde die Anzahl der zu befragenden Unternehmen regionalstatistisch anhand der Analyse von Sekundärmaterial eingegrenzt. Auf der Basis dieser quantitativen Einschätzung konnte im nächsten Schritt eine Identifizierung konkreter Akteure (Unternehmen und Institutionen) und deren Befragung angegangen werden. Die Unternehmensadressen konnten mit den einschlägigen Unternehmensdatenbanken und Branchenverzeichnissen beschafft werden. Aufgrund der quantitativen Vorselektion erfolgte die Auswahl der oben genannten Vertreter als Experten, wobei die Gruppe der Vertreter von Venture-Capital Gesellschaften als Kontrollgruppe dienen sollte.

1.6 Befragungsmethodik

1.6.1 Das teilstrukturierte, offene Interview

Mit den Interviews sollten die komplexen Wissensbestände der befragten Experten zum Thema „ Wertschöpfungskette von Inkubatororganisationen in Österreich “ erschlossen werden. Die Experteninterviews wurden anhand eines Katalogs offener Leitfragen durchgeführt. Angesichts der nur teilweise standardisierten Gesprächssituation kam dem Leitfragenkatalog eine wichtige Funktion als Strukturierungsinstrument zu, darüber hinaus auch als Merkliste der zu behandelnden Themen.

Meuser und Nagel begründen die offene Fragenformulierung wie folgt: „Die offene Formulierung der Fragen ist bei noch wenig bekannten Forschungsgegenständen angezeigt, besonders, wenn eine geschlossene Formulierung der Fragen angesichts noch fehlender Detailkenntnisse über den Forschungsgegenstand nicht möglich ist. Darüber hinaus unterstützt die Beantwortung offen formulierter Fragen die angestrebte Aufdeckung latenter Wissensstrukturen.[42]

Abbildung 8: Grundmerkmale von Befragungen in der sozialempirischen Forschung

Quelle: Flick 1995, S. 131

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der verwendete Fragenkatalog war halbstrukturiert: Zwar gab es eine Reihenfolge mit einer schlüssigen Entwicklung des Themas, in der die Fragen gestellt werden konnten. Es bestand jedoch auch die Möglichkeit, einzelne Aspekte fallweise schon früher im Verlauf des Gesprächs aufzugreifen oder sie bei herausragender Kompetenz des Gesprächspartners stärker vertiefen zu lassen als durch andere Befragte.

1.6.2 Aufbau des Leitfragenkataloges

Allgemein sollte der Leitfragenkatalog gewährleisten, dass auf den spezifischen Wertschöpfungszusammenhang abgezielt wurde. Erfragt werden sollten daher:

- allgemeine Strukturmerkmale der Unternehmen,
- das Produkt-/Leistungsspektrum,
- Formen der Kooperation bzw. institutionellen Einbindung sowie die
- Transaktions- und Kommunikationsbeziehungen der Unternehmen und Institutionen.

Der Interviewleitfaden deckt somit folgende fünf Themenbereiche ab:

1. Ansprechgruppen
2. Leistungen der Inkubatororganisation
3. Unterstützung der Projektantens
4. Markt / Konkurrenten / Intermediäre / Kunden
5. Gesamtzusammenhang

1.7 Aufbau der Arbeit

Im Folgenden wird der Aufbau der Arbeit mit den Schwerpunkten der einzelnen Kapitel dargestellt.

Kapitel 1 dient der Einführung in die Thematik der Diplomarbeit. Zunächst wird hier kurz die Ausgangssituation in Österreich skizziert und der aktuelle Stand der Gründungsforschung sowie der Stand der Literatur zum Thema beleuchtet. Vor diesem Hintergrund wird darauf folgend die zentrale Forschungsfrage abgeleitet und in logischer Konsequenz die methodische Vorgehensweise der Arbeit erläutert.

Kapitel 2 gibt einen Überblick über die theoretischen und begrifflichen Grundlagen im Hinblick auf das zentral zugrunde liegende Modell von Porter. Darüber hinaus werden weitere Konzepte dargestellt, die als theoretisches Fundament und Ausgangsbasis für die empirische Analyse dienen sollen.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Modell Inkubatororganisation. Dargestellt wird – ausgehend vom Ursprungsland Amerika – dessen historische Entwicklung und Verbreitung in Westeuropa sowie die in Österreich vorhandenen Inkubatorenansätze. Weiters wird der Inkubationsprozess sowie die Fokussierung von Inkubatororganisationen erläutert.

Kapitel 4 enthält ein Modell der Wertschöpfungskette einer Inkubatororganisation. Dieses wird mit Bezugnahme auf die theoretischen Grundlagen der Kapitel zwei und drei abgeleitet und erläutert.

Kapitel 5 gibt einen Überblick über die Ergebnisse der empirischen Erhebung und liefert in weiterer Folge eine Zusammenfassung und Beurteilung der gewonnenen Erkenntnisse. Die zentralen Forschungsfragen werden beantwortet und darüber hinaus wird der weitere Forschungsbedarf in diesem Themenfeld umrissen.

KAPITEL II: THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Überblick Kapitel II

2 Theoretischer Bezugsrahmen

2.1 Begriffsabgrenzungen

Im folgenden Abschnitt sollen wichtige Begriffe – als theoretische Fundierung und Ausgangsbasis für die weitere Arbeit – abgegrenzt und erläutert werden.

2.1.1 Begriff des Geschäftsmodells

Ein Rückgriff auf die in der Betriebswirtschaftslehre etablierte Modelltheorie verschafft ein Grundverständnis zum Begriff des Geschäftsmodells. Modelle sind vereinfachte Abbildungen eines realen Systems, die auf ein definiertes Betrachtungsziel ausgerichtet sind.[43]

Bei einem Geschäftsmodell handelt es sich daher um eine Darstellung des sozialen Systems Unternehmen mit einer Vereinfachung der realen Gegebenheiten hinsichtlich des Betrachtungszieles der erfolgreichen Geschäftstätigkeit. Das Geschäftsmodell beschreibt auf hohem Abstraktionsniveau die grundsätzlichen Geschäftsprozesse. Es bildet die Grundlage für den Geschäftsplan, in dem auf Basis des Geschäftsmodells die erwarteten Einzahlungsüberschüsse auf der Zeitachse abgebildet werden.[44]

In der Fachliteratur wird ein Geschäftsmodell definiert als: „ Eine Architektur für die produkt-, dienst- und informationsbezogenen Geschäftsprozesse, darin enthalten eine Beschreibung der verschiedenen Teilnehmer und ihrer Rollen, des Nutzenpotentials für sie und der Erlösquellen.[45]

Kürzer und prägnanter ist die Definition von Amit und Zott. Geschäftsmodelle sind demnach „ eine Konfiguration von Transaktionskomponenten, die dazu bestimmt sind, Geschäftsmöglichkeiten auszuschöpfen.[46]

Den Prozesscharakter betont auch Mahadevan in seiner Definition: „ Ein Geschäftsmodell ist eine spezifische Kombination dreier kritischer Geschäftsprozesse. Sie enthält den Prozess der Wertgenerierung (value stream) für die Geschäftspartner und Kunden, den Prozess der Umsatzgenerierung (revenue stream) und den logistischen Prozess.[47]

Allgemein lässt sich feststellen, dass eine notwendige Voraussetzung und Grundlage für ein Geschäftsmodell eine klare Vorstellung des zu modellierenden Geschäfts ist, also der Produkt-/Marktkombination und den angestrebten wettbewerbsstrategischen Besonderheiten.

Nach außen geht es dabei um die Vorstellung einer Unternehmung und ihrer Marktpartner von der Art und Weise, wie ein Geschäft angebahnt und abgewickelt wird und welcher Partner dabei welche Aufgaben bzw. Prozessteile übernimmt. Nach innen steht die geschäftsspezifische Ausgestaltung der notwendigen Teilprozesse zur Wertschöpfung und Erzielung von Wettbewerbsvorteilen im Vordergrund.[48]

2.1.2 Begriff der Strategie

Auch für den Begriff Strategie gibt es eine Vielzahl von Definitionen, die unterschiedlich breit gefasst sind.[49] Das Spektrum reicht dabei von grob umschriebenen allgemeinen Unternehmenswerten bis zu genauen Vorgaben, auf welche Art und Weise und mit welchen Mitteln Ziele erreicht werden sollen. Außerdem wird zwischen beabsichtigten und gewachsenen bzw. intuitiven Strategien unterschieden, wobei letztere vor allem aus Einzelentscheiden und weniger aus geplanten Maßnahmen entstehen.[50] In dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt auf den beabsichtigten, im voraus geplanten Strategien.

Der Begriff Strategie kann somit definiert werden als „ (…) langfristige Vorgaben zum Aufbau und zur Erhaltung von Erfolgspotentialen (attraktiven Wettbewerbspositionen und Wettbewerbsvorteilen), die für den Erfolg der Unternehmung als Ganzes oder den Erfolg wesentlicher Geschäfte von ausschlaggebender Bedeutung sind.“[51] [52]

2.1.3 Strategieebenen

Man kann zwischen mehreren strategischen Ebenen respektive Strategiearten unterscheiden:[53]

Die Gesamtunternehmensstrategie legt fest, welche Wettbewerbspositionen in welchen Märkten zu erreichen sind, beschäftigt sich also mit der Wahl der strategischen Geschäftseinheiten. Daneben werden die Marktpositionsziele genannt, die meist in der Form von Marktanteilszielen festgelegt werden. Außerdem sind hier die Investitionsziele, d.h. die Art und Priorität der zu planenden Investitionen festzulegen. Synonyme Bezeichnungen für diese Ebene sind Geschäftsportfolio-, Unternehmens- oder Gesamtstrategie.

Die Geschäftsstrategien (Business Strategies) beschreiben, welche Wettbewerbsvorteile im Angebot und bei den Ressourcen pro Geschäftseinheit aufzubauen oder zu erhalten sind, um die angestrebte Wettbewerbsposition zu erreichen. Auf dieser Ebene kommt auch der Begriff Wettbewerbsstrategie zu Anwendung.

Funktionale Strategien (auch interne, formale oder operative Strategien genannt) können beschrieben werden als langfristige Pläne, die für einen innerbetrieblichen Funktionsbereich gelten. Sie haben das Ziel Organisationsstrukturen und Prozesse effizient und effektiv zu gestalten und dadurch Gesamtunternehmens- und Geschäftsstrategien zu unterstützen.[54]

Die Pfeile in nachstehender Abbildung verdeutlichen die Hierarchie und die Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Strategiearten.

Abbildung 10: Ebenen der strategischen Planung

Quelle: Baum, H. ; Coenenberg, A. ; Günther, T. 1999, S. 35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] vgl. Knecht, T. 1997, S. 10.

[2] vgl. Klandt, H. 1984, S. 39.

[3] vgl. Klandt a.a.O., S. 46.

[4] vgl. etwa Picot, A; Laub, U.D.; Schneider, D. 1989, S. 9 ff.

[5] vgl. Preisendörfer 1996, S. 8f.

[6] vgl. ebd. 1996, S. 9.

[7] vgl. ebd. 1996, S. 10.

[8] vgl. Müller-Böling, D.; Klandt, H. 1990, S. 142 ff.

[9] vgl. Schumpeter, J. 1993, S. 110 – 139.

[10] vgl. Szyperski, N.: Nathusius, K. 1977, S. 299 – 309.

[11] vgl. Müller-Böling, D. 1993, S. 55 ff.

[12] vgl. Müller-Böling, D.; Klandt, H. 1993, S. 148.

[13] vgl. Knecht, T., a.a.O., S. 15.

[14] vgl. Picot, A.; Laub, U.D.; Schneider, D., a.a.O., S. 118 ff.

[15] vgl. Klandt, H. 1999, S. 23.

[16] vgl. Klandt, H. 1990, S. 185 ff.

[17] vgl. Kulicke et al. 1993, S. 132 ff.

[18] vgl. Sternberg 1988, S. 53 ff.

[19] vgl. Knecht 1997, S. 19.

[20] vgl. Knecht, a.a.O., S. 20.

[21] vgl. Wenz 1993, S. 9.

[22] vgl. Wenz 1993, S. 20 f.

[23] vgl. Brüderl u.a. 1996, S. 20.

[24] vgl. Klandt ; Kirschbaum 1985, S. 40 f.

[25] vgl. Litz 1998, S.12 – 24.

[26] vgl. Atteslander 2000, S. 22.

[27] vgl. Bortz 1984, S. 26.

[28] vgl. Diekman 1995, S. 443 ff.

[29] vgl. Diekman 1995, S. 371 ff.

[30] vgl. Flick 1995, S. 109 ff.

[31] vgl. Wessels 1996, S. 40.

[32] vgl. Moser 1977, zit. n. Mayring 1993, S. 39.

[33] vgl. Meuser u. Nagel 1991, S. 441 ff.

[34] vgl. Bortz ; Döring 1995, S.290.

[35] vgl. Plath 1995, S. 85.

[36] vgl. Flick 1995, Meuser u. Nagel 1991, S. 441 ff.

[37] vgl. Kepper 1994, S. 32f.; Meuser ; Nagel 1991, S. 441ff.; Mieg ; Brunner 2001, S. 2.

[38] vgl. Bruhn 2001, S.123.

[39] vgl. Mayring 1993, S. 37.

[40] vgl. Deeke 1995, S. 11

[41] vgl. Meuser u. Nagel 1991, S. 442 f.

[42] Meuser und Nagel (1991) stellen daher fest: „Wenn es um tacit knowing und Relevanzaspekte geht, gibt es zu offenen ExpertInneninterviews keine Alternative“.

[43] vgl. Kosiol 1961, S. 319.

[44] vgl. Krüger; Bach 2001, S. 4.

[45] vgl. Timmers 1998, S. 4.

[46] vgl. Amit u. Zott 2000, S. 120.

[47] vgl. Mahadevan 2000, S. 59.

[48] vgl. Krüger 2001, S. 32

[49] vgl. Haertsch 2000, S. 43 f.

[50] vgl. Mintzberg 1995, S. 30 ff.

[51] vgl. Kühn; Grünig 2000, S. 41.

[52] vgl. Hofer; Schendel 1978, S. 27 ff.

[53] Vgl. Kühn; Grünig 2000, S. 67

[54] vgl. Haertsch a.a.O., S. 46.

Ende der Leseprobe aus 120 Seiten

Details

Titel
Prozessbezogene Analyse von High-Tech Inkubatororganisationen entlang der Wertekette
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Institut für Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung)
Veranstaltung
Unternehmensgründung und Unternehmensentwicklung
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
120
Katalognummer
V181507
ISBN (eBook)
9783656053248
ISBN (Buch)
9783656053026
Dateigröße
1325 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Inkubator, Entrepreneurship, Gründungsförderung, Spin-Off
Arbeit zitieren
Dr. Tina Gruber-Muecke (Autor), 2003, Prozessbezogene Analyse von High-Tech Inkubatororganisationen entlang der Wertekette, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181507

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