Das Judenbild des Hans Folz

Am Beispiel zweier Reimpaarsprüche


Hausarbeit, 2010

15 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Das Judenbild zu Lebzeiten des Hans Folz

3.Leben und Werk des Hans Folz

4.Hans Folz und die Juden
4.1.Allgemein
4.2.‚Der falsche Messias’
4.3.‚Jüdischer Wucher’

5.Schlussbemerkungen

6.Quellen
6.1.Primärquellen
6.2.Sekundärquellen

1. Einleitung

„Juden erscheinen als Handlungsträger in zahlreichen literarischen Texten, sind zentrale Figuren in vielen geistlichen und weltlichen Spielen, gehören zum Personal der Mären und sind im Meistergesang ebenso vertreten wie in den im Spätmittelalter so beliebten Predigtmärlein, Legenden und Schwankerzählungen“1. So auch insbesondere bei dem spätmitteralterlichen Autor Hans Folz, dessen Judenbild Thema dieser Arbeit ist und anhand einiger dahingehend ausgewählten Werke verdeutlicht werden soll.

Als Beispiele werden die beiden Reimpaarsprüche ‚Der falsche Messias’ und ‚Jüdischer Wucher’ hinsichtlich ihrer Judenfeindlichkeit untersucht. Diese Texte wurden ausgewählt, da sie im besonderen Maße die Folz’schen Ansichten über die angeblichen Schandtaten und charakterlichen Schlechtigkeiten der Juden darstellen. Um eine Basis zu schaffen und Gründe für das Folz’sche Judenbild finden zu können, soll zuerst das Judenbild und die sozialen Umständedes 15. und 16. Jahrhunderst aufgezeigt werden, des weiteren werden biographische Aspekte und das Schaffen und Wirken des Autors näher betrachtet. Außerdem soll die Frage geklärt werden, welche Interessen Folz verfolgte: Ging es ihm um Aufklärung oder materiellem Gewinn? Als Sekundärliteratur zur Biographie des Hans Folz, seinen Werken und das Wirken dieser dienten vor allem die Texte von Edith Wenzel2, Christine Magin3 und Fritz Langensiepen4.

2. Das Judenbild zu Lebzeiten des Hans Folz

Nach Wiederaufnahme der Juden in die Städte nach den Pestprogromen hatte sich deren soziale Lage deutlich verschlechtert5. Juden waren gezwungen, sich im Osten Bayers und anderen, wenig erschlossenen Gebieten niederzulassen, da ihnen der Rückgang in viele Städte verwehrt blieb6.

In Worms beispielsweise trat ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine deutliche Rechtsminderung ein; im Allgemeinen waren die Juden gezwungen, einen gesonderten Judeneid7 vor Gericht abzulegen, der sie von den christlichen Bürgern unterscheiden sollte. Die Formen der Herabsetzung nahmen im Laufe des Jahrhunderts zu, so mussten sich die schwörenden Juden „auf eine blutige Schweinshaut“8 stellen. Interessant waren die Juden für die Politik nur ihres oft großen Vermögens wegen und der Möglichkeiten der Landesherren, sie um dieses Vermögen zu erleichtern9. Dies führte dazu, dass viele Juden die betroffenen Territorien verließen oder vertrieben wurden, wer übrig blieb, konnte oft nicht mehr bewirtschaften, als einen kleinen Trödelhandel oder ein Pfandleihhaus - Unterschicht und Mittelschicht - also auch Handwerker - gehörten also nun zur Kundschaft10, solche, die wahrscheinlich auch zur Leserschaft des Hans Folz gehörten. Und darüber hinaus ist denkbar, dass auch dieser selbst als Handwerker Schulden bei einem jüdischen Pfandleiher hatte11. Bettelorden12 trugen ihre Predigten über den angeblichen Wucher dieser Pfandleiher in weitreichende Gebiete und konnten so auch die analphabetische Landbevölkerung erreichen. Das Bild des geizigen Juden wurde so weiterhin verschärft und Ausschreitungen gefördert. Verschiedene Vorwürfe wie Ritualmorde und Hostienfrevel führten auch weiterhin zu Judenprogromen und Morden, alternativ wurden die betroffenen vor die Wahl gestellt, zum christlichen Glauben überzutreten13.

Die Synagoga als Allegorie des Judentums wurde ab dem 13. Jahrhundert zunehmend entehrt dargestellt, einst eine schöne Frau, wurde sie in Darstellungen auf Chorgestühlen um 140014 auf einem Schwein reitend dargestellt. Durch die Technik des Holzdruckes wurde das Motiv ab 1470 weiter verbreitet und fand besonders im einfachen und ungebildeten Volk Anklang.

Ein weiteres, beliebtes Motiv, für Anfeindung und Verspottung der Juden war deren Messias-Erwartung. Aufgegriffen und auf die Spitze getrieben wurde es auch von Hans Folz in seinem Fastnachtspiel ‚Der Herzog von Burgund’. Juden waren aber nicht nur hinsichtlich ihres Glaubens und der Weigerung, den ‚wahren Messias’ anzuerkennen, als gefährlich und ketzerisch deklariert. Verschiedene Darstellungen versuchten, die Juden als fremdartig, ekelhaft und Tieren ähnlicher als Menschen darzustellen, so, wie es auch Folz getan hatte. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich erste Ansätze eines frühen Rassismus feststellen, da nun erbliche, den Juden von Grund auf anhaftende Eigenschaften wie krumme Nasen (erstmals verzeichnet in einer französischen Chronik um 132015 ) zur Ausgrenzung führten.

3. Leben und Werk des Hans Folz

Hans Folz stammte urspürnglich aus Worms16, wie frühere Signaturen seiner Reimpaarsprüche belegen17, und wurde 1435/40 geboren. 1459 erwarb er das Bürgerrecht in Nürnberg - die Voraussetzung, um dort Meister werden zu können - , seit 1486 war er dort als Meister, und seit 1498 „als Geschworener Meister der Wundarznei und des Barbierhandwerks beurkundet“18. Seit den siebziger Jahren war er ein erfolgreicher, arbeitsamer Autor, seine Werke waren abwechslungsreich, und zudem druckte und veröffentlichte er seine Werke eigenständig19 zehn Jahre lang in einer Druck-Offizin und brachte sie „mit einigem Erfolg“20. Das und zum anderen die Tatsache, dass Folz „als Handwerker und Verleger durchaus soziale Anerkennung“21 erreichen konnte, könnte die These bestätigen, dass er vor allem an materiellem Gewinn interessiert war.

Zu seinem umfangreichen Werk gehören ca. 100 Meisterlieder, 12 Fastnachtspiele, 48 Reimpaarsprüche und zwei Prosatexte. Diese Werke zeugen von hohem Bildungsgrad; sowohl Wenzel als auch Magin führen aus, dass Folz nachweislich über Lateinkenntnisse und ein fundiertes, medizinisches und theologisches Wissen verfügte. Letzteres bestätigt sich vor allem darin, dass er mit den jüdischen Bräuchen und Gepflogenheiten gut vertraut gewesen sein muss, anderenfalls hätte er diese kaum so detailliert in seine Fastnachtspiele und Reimpaarsprüche aufnehmen können.

[...]


1 Edith Wenzel: „Do worden die Judden alle geschant“. Rolle und Funktion der Juden in spätmittelalterlichen Spielen, München 1992., S. 7.

2 Ebd.

3 Christine Magin: Hans Folz und die Juden. In: Volker Hohnemann: Einblattdrucke des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Probleme, Perspektiven, Fallstudien, Tübingen 2000.

4 Fritz Langensiepen: Tradition und Vermittlung. Literaturgeschichtliche und didaktische Untersuchungen zu Hans Folz. In: Binder, Wolfgang; Moser, Hugo; Steger, Hugo; Steinecke, Hartmut (Hrsg.): Philologische Studien und Quellen, Heft 102, Berlin 1980; S. 52.

5 Vgl. Herzig, Arno: Jüdische Geschichte in Deutschland von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1997. 3

6 Ebd.

7 Ebd. S. 53.

8 Ebd.

9 Ebd. S. 57.

10 Ebd.

11 vgl. Anm. 2, ebd. S. 372.

12 Vgl. Anm. 5, S. 64.

13 Vgl. ebd. S. 58.

14 Ebd. S. 64.

15 Ebd. S. 65.

16 Vgl. Anm. 3, Ebd. S. 371.

17 Vgl. Anm. 1, Ebd. S. 190.

18 Ebd. S. 190.

19 Magin, S. 372.

20 Vgl. Langensiepen, S. 33.

21 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Judenbild des Hans Folz
Untertitel
Am Beispiel zweier Reimpaarsprüche
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Germanistik und Kommunikation)
Veranstaltung
Einblattdrucke
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V181577
ISBN (eBook)
9783656049265
ISBN (Buch)
9783656048800
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
judenbild, hans, folz, beispiel, reimpaarsprüche
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Maria Reinhold (Autor), 2010, Das Judenbild des Hans Folz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181577

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