Historisch-kritische Exegese zu Matthäus 16, 13-20

Das Bekenntnis des Petrus und die Primatverheißung an ihn


Hausarbeit, 2003

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vergleich verschiedener Übersetzungen:

2. Kontext und Abgrenzung des Textes:

3. Gliederung des Textes:

4. Literarkritik, Überlieferungs-, Redaktionsgeschichte I:

5. Formkritik:

6. Traditionsgeschichte:

7. Redaktionsgeschichte II:

8. ReligionsgeschichtlicherVergleich:

9. Einzel - Exegese:

10.Skopus:

11. Verkündigungsansatz:

Anhang:
- Literaturverzeichnis
- Erklärung zur Arbeit

1. Vergleich verschiedener Übersetzungen;

Ich habe bei dieser Arbeit, so weit es mir mit meinen Sprachkenntnissen möglich war, mit dem griechischen Urtext (in der Ausgabe von Nestle) gearbeitet. Als deutsche Übersetzung diente Luther '84. Obwohl die Elberfelder Übersetzung einige Wörter genauer wiedergibt z.B. „rnúLai áSoo“ mit „Hades Pforten“, Luther dagegen: „Hölle“.

Ich habe mich allerdings für den Luthertext entschieden, weil er mir geläufiger ist und ich diesen als Paralleltext in: Nestele-Aland „ Das Neue Testament Griechisch und Deutsch“ vorliegen hatte.

2. Kontext und Abgrenzung des Textes;

2.1.Stellung im Werk;

Die öffentliche Tätigkeit Jesu in Galiläa findet mit 16, 13-20 ihren Abschluss. Nun geht der Weg nach Jerusalem. Demzufolge lässt sich sagen, dass hier die zweite Hälfte des Matthäusevangeliums beginnt. Die typischen Themen der matthäischen Theologie treten nun deutlich in den Gemeindeordnungen hervor. Diese Kapitel werden durch das Bekenntnis des Petrus eingeleitet.1

2.2. Abgrenzung nach vorn;

Zu Beginn des Kapitels 16 setzt sich Jesus mit den Pharisäern auseinander, die Jünger werden vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer gewarnt. Der Ortswechsel in 16, 13 macht deutlich: Hier beginnt jetzt etwas Neues, nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich. Schon allein durch diese Abgrenzung erfolgt eine Abwendung von der Lehre, Frömmigkeit usw. des zeitgenössischen Judentums.

2.3. Abgrenzung nach hinten;

Eine inhaltliche Abgrenzung wird nicht wirklich vorgenommen, V 21 setzt zwar mit einer neuen Einleitung ein, aber inhaltlich ergibt sich kein Bruch. Auf das Messiasbekenntnis des Petrus folgt nun das „Messiasgeheimnis“. Die Geschichte Jesu ist nun, bis zum Einzug in Jerusalem, die Geschichte mit seinen Jüngern. Diese bilden das neue Gottesvolk.

3. Gliederung des Textes;

Die Perikope ist wie folgt aufgebaut:

1) Die Frage Jesu an seine Jünger nach der Meinung der Leute über den Menschensohn: V 13-14
V13: Die Frage Jesu an die Jünger V14: Die Antwort der Jünger auf Jesu Frage
2) Jesu Frage an seine Jünger, wer er nach ihrer Meinung sei: V 15-16
V15: Die Frage Jesu an die Jünger V16: Die Antwort des Petrus und sein Bekenntnis
3) Die Verheißungen an Petrus: V 17-19
V17: Die Seligpreisung des Petrus durch Jesus V18: Die Verheißungen Jesu an Petrus
4) Das Messiasgeheimnis: V 20

4. Literarkritik, Überlieferungsgeschichte, Redaktionsgeschichte I;

4.1. Synoptischer Vergleich;

Als Grundlage für diesen Arbeitschritt wende ich die allgemein anerkannte „Zwei­Quellen-Theorie“ an, bei der ich von einer Markuspriorität ausgehe. Im Weiteren wird zu zeigen sein, ob diese Theorie sich hier verifizieren lässt oder nicht. Als Quelle dient der Text in Mk 8, 27-30. Die Vergleichsperikope bei Lukas ist: Lk 9, 18-20.

V 13; Mt und Mk setzen beide mit einer Ortsangabe ein, Cäsarea Philippi wird genannt, wobei Mt verallgemeinert: „xd pépp Kaioapsiaç xpç ??????“, dagegen Markus 8,27: „xdç KÔpaç Kamapsiaç xpç ??????“. Bei Lk fehlen sämtliche Ortsangaben in dieser Perikope.

Weiterhin ist auffällig, dass Mt den Menschsohntitel „? môç ??? avOprornon“ aus Mk 8,31 vorzieht, während bei Mk/Lk Jesus nach sich selbst fragt.

V 14; Die Antwort der Jünger auf Jesu Frage nach seiner Person, bzw. nach dem „Menschensohn“ (Mt), fällt bei allen Synoptikern gleich aus: Johannes der Täufer, Elia, oder einer der Propheten. Lukas bezeichnet die namenlosen Propheten noch etwas genauer:“ ...???????^ xiç xrov apxaírav avéoxp.“ (Lk 9,19).

Mt nennt nun in dieser Personen-Aufzählung, die von den Jüngern vorgenommen wird, noch den Propheten Jeremia.

V 15; Diese Passage ist bei allen Synoptikern inhaltlich gleich: Die Frage Jesu an seine Jünger, was sie denn meinen, wer er sei.

V 16; In allen drei Evangelien gibt Petrus die Antwort auf Jesu Frage. Auffällig ist das Mt ihn noch genauer Bezeichnet: „Eíprov ?é?poç“, dagegen Mk und Lk nur: „?éxpoç“. Die Antwort auf die Frage Jesu fällt bei allen Synoptikern gleich aus. Jeder bringt den Christustitel „xpiorôç“. Doch immer in einer etwas anderen Form. Bei Markus finden wir nur die Bezeichnung „o xp^orôç“(8,29); bei Mt „ xPlGXôç c n ôç ??? 0??? ??? Çtnvroç.“ Und Lk „rôv xp^orôv ??? 0???.“(9,2?).

V 17-19: Hier weicht die Erzählung des Matthäus von denen der anderen Synoptiker ab. Auch finden sich keine Hinweise, dass Matthäus hier eine Traditionen bzw. eine Erzählung aus Q verarbeitet. Es ist nachfolgend u.a. dieser Abschnitt zu analysieren und zu diskutieren.

V 20: Nun läuft die synoptische Erzählung wieder parallel. Alle enden mit dem Gebot Jesu, dem so genannten „Messiasgeheimnis“, an die Jünger. Allerdings benennt Mt diese hier nochmals ausdrücklich als solche „pa0'qrqç“. Bei Mk und Lk scheint klar zu sein zu wem dieses Gebot gilt.

4.1.2. Bewertung und Diskussion des synoptischen Vergleichs:

Zu Beginn des synoptischen Vergleichs habe ich mich mit der Anwendung der Zwei­Quellentheorie, für eine Markuspriorität, ausgesprochen. Zunächst ist diese nachweisbar, denn V 13-16.2? stimmen inhaltlich mit der Markusdarstellung in Mk 8, 27-29 überein. Nun gilt es zu überlegen, ob die Zwei-Quellentheorie noch haltbar ist, wenn man sich den Erzählkomplex Mt 16, 17-19 anschaut. Denn dieser fehlt in der Darstellung des Markus. Auch finde ich keinen Hinweis, dass diese Tradition (V. 17-19) aus „Q“ stammen könnte, denn dann würde diese sicherlich auch bei Lukas erscheinen. Es ist für mich nicht einleuchtend, warum Lukas gerade diese Tradition weggelassen haben sollte. Dieser musste doch eigentlich besonders großes Interesse an der Person des Petrus gehabt haben. Er spieltja in der von ihm festgehaltenen Apostelgeschichte eine wesentliche Rolle.

Zur Diskussion:

U. Luz bemerkt, dass V 17 nicht allein stehen kann, da ein Objekt fehlt, welches den Inhalt der Offenbarung an Petrus angibt. Es ist also die Frage zu stellen, was diesem Vers ursprünglich voraus ging, wenn dieser eine alte Tradition ist. Dazu sind drei Antwortmöglichkeiten aufzuzeigen und ihre Wahrscheinlichkeit ist dabei abzuwägen:

(1) Die Verse 17-19 waren die ursprüngliche Antwort Jesu auf das Petrusbekenntnis, diese ist aber dann von der Mk-Überlieferung verdrängt worden. So z.B. Bultmann, der allerdings Vertreter der traditionellen Mk-Priorität ist. Nicht erklärbar ist aber, warum in der Mk-Redaktion die Antwort Jesu gestrichen worden sein soll.2 „Eine Polemik gegen Petrus lässt sich weder bei Markus (vgl. Mk. 16,7; 11,21; 13,3) noch sonst im Neuen Testament finden, auch wenn Gegensätze zwischen ihm und Paulus existiert haben (Gal 2,11 f)“.3
(2) Nimmt man an, dass V 17 Teil eines verloren gegangenes Traditionsstückes ist, so ist Mt 16, 17-19 wahrscheinlich ein Brückstück aus einem österlichen Erscheinungsbericht. Die Frage ist aber, warum ging es verloren bzw. warum blieb davon nur ein zweiter Teil erhalten? Zudem wäre in einem Erscheinungsbericht die Antwort Jesu auf ein Bekenntnis, als eine Spitzenaussage, ein formales Unikum.4
(3) Die dritte Möglichkeit ist diese, dass V 17 nachträglich an das Petrusbekenntnis angefügt wurde.5

Beurteilung:

Mir wurde deutlich, dass die dritte Deutung von den oben Gezeigten am plausibelsten erscheint. Indirekt wird dadurch die Markuspriorität belegt. Es scheint, dass in den Grundtext den Matthäus von Markus übernommen hat, eine Sondertradition (V 17-19), die sich nicht in „Q“ finden lässt, hier eingebaut wurde. Ob dies Matthäus selbst getan hat oder ob es ein späterer Redaktor war, muss sich noch zeigen.

Mit V 20, wie im synoptischen Vergleich deutlich wurde, befinden wir uns dann wieder ganz auf der Tradition des Markus.

Es scheint also sinnvoll in der weiteren Darstellung von der Richtigkeit der Zwei­Quellentheorie, mit einer Markuspriorität, auszugehen. Auch wenn Mt hier keine Quelle „Q“ verarbeitet, so zusagen nur auf eine Quelle zurückgreift, besteht für mich kein Grund, durch den Textbefund, diese Theorie zu falsifizieren.

Weitere Beobachtungen der Verse 17-19:

V 17: Die Matthäismen „?????108? Sè“ + Subj; „smov“ mit Dativ weisen auf die Autorschaft des Matthäus hin, außerdem klingt hier noch 11, 25-27 an. Man kann also annehmen, dass V17 von Matthäus selbst gebildet wurde.

V 18: Die Einführung „???? Sé ooi kéy® n“ kann auf Matthäus zurückgehen, aber kaum „pon rqv SKKkpoiav“. So findet sich bei Matthäus „pon“ nur siebenmal als vorangestelltes Possessivpronomen, hingegen 66-mal als nachgestelltes.6 Überhaupt ist „??????(?“ nach meiner Konkordanz nur zweimal bei den Synoptikern, hier an dieser Stelle und in Mt 18,17 bezeugt, bei Johannes finden wir scheinbar dieses Wort gar nicht. Unter dem Punkt Traditionsgeschichte ist nun zu erörtern, welche Vorstellungen sich hinter „SKKkpoia“ verbergen, um Rückschlüsse ziehen zu können, ob wir es hier mit einem historisch Jesus Logion zu tun haben, oder ob dieses Logion aus der nachösterlichen Gemeinde stammt.

Weitere unmatthäische sprachliche Eigentümlichkeiten zeigen („???????“ auch „sm“ mit Dativ), dass hier eine Tradition vorliegt, die nicht von Matthäus bearbeitet wurde.7 Es könnte also sein, dass ein späterer Redaktor diesen Vers bzw. Abschnitt hier eingefügt hat. Genauso gut könnte es aber Matthäus selbst gewesen sein, der diese Logion einfach hier einfügte, ohne großartige Angleichung vorzunehmen. In den weiteren Arbeitschritten wird sich vielleicht zeigen, welche Vermutung wahrscheinlicher ist.

V 19: In diesem Vers sieht Luz ebenso ein trad. Logion.

Luz will hinter diesen Vers zwei Teile sehen. Teill: (19a) „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“. Teil2 (diesen unterteilt er nochmals): (19b) „...alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein...“ (19c) „... und alles was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.“ So hat V 19bc in 18,18 eine fast wörtlich gleiche Variante und in Joh 20,23 finden wir auch Entsprechungen zu dieser, nämlich: Das die Vollmacht zu binden und zu lösen allen Jüngern zugesprochen wird. „Das spricht dafür, dass V 19bc ein ursprüngliches von V 19a unabhängiges Logion war.“8

M.E. fällt der inhaltliche Bruch zwischen 18 und 19 schon auf, denn in 19bc (nach seiner Teilungshypothese) ist Petrus nicht mehr Fundament der Kirche, sondern seine Aufgabe besteht im „binden und lösen“ auf Erden. Noch weitere inhaltliche Differenzen gibt es: Die Kirche, welche auf der Erde ist, steht nicht mehr den „rnnkai Sou“ gegenüber, sondern ,„..??? oupavoiç.“. Weiterhin wertet er das Hapaxlegomenon ,„..ràç KksiSaç...“ als Beleg dafür, dass die Überganswendung nicht redaktionell ist.9 „Für mt. Red. spricht aber, dass das Bild vom Aufschließen des Gottesreiches im zeitgenössischen Judentum nicht belegt ist...“10 Nur Mt spricht häufig vom „Eingehen ins Himmelreich“. So tönt die Parallele 23, 13 des vorliegenden Textes, wie eine Gegenformulierung zu diesem.

Letztendlich kann keine Lösung gefunden werden, ob V 19a eine red. Überganswendung ist oder nicht. Durch diese Problemdarstellung sollte deutlich gemacht werden, dass der vorliegende Text keineswegs so einheitlich ist, wie z.B. der katholische Exeget Schmid behauptet.

Beobachtungen zu den Versen 13/14:

V.13/14: Jesus stellt die Frage (V.13), wer denn der „o uiôç ??? avOpro^ou“ sei. In der Antwort der Jünger bei Mt wird deutlich, dass sie Jesus mit dem Menschensohn identifizieren. Im Synoptischen-Vergleich wurde deutlich, dass der Menschensohntitel bei Mk und Lk in der Frage von Jesus nicht enthalten ist. Mt kann diesen Titel an dieser Stelle bringen, da Jesus vielfach, indirekt im Evangelium, als solcher vorgestellt z.B. 8,20; 11,19; 13,37 wurde. D.h. bei Matthäus identifiziert sich Jesus selbst mit dem Menschensohn. Allerdings ist z.B. die Stelle Mt 10, 21 zu erwähnen, wo Jesus selbst den Kommenden Menschensohn erwartet.

[...]


1 Vgl. F. Rienecker, Das Evangelium des Matthäus, S.299.

2 Vgl. U. Luz, EKK Matthäusevangelium 1/2, S. 454.

3 E.Schweizer, NTD Matthäus, S. 218.

4 Vgl. U. Luz, EKK Matthäusevangelium 1/2, S. 454.

5 Vgl. Ebda., S. 454.

6 Vgl. Ebda., S. 454.

7 Vgl. U. Luz, EKK Matthäusevangelium 1/2, S.455.

8 Ebda., S.455.

9 Vgl. Ebda., S.455.

10 Ebda., S. 455.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Historisch-kritische Exegese zu Matthäus 16, 13-20
Untertitel
Das Bekenntnis des Petrus und die Primatverheißung an ihn
Hochschule
CVJM-Kolleg Kassel
Veranstaltung
Neues Testament/Exegese
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V181615
ISBN (eBook)
9783656049715
ISBN (Buch)
9783656049531
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mt. 16 13-20, Petrusbekenntnis, Exegese Neues Testament, Primatverheißung
Arbeit zitieren
Maik Wunder (Autor), 2003, Historisch-kritische Exegese zu Matthäus 16, 13-20, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181615

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