Ethnographie ist eine spezielle Form der völkerkundlichen Forschung und bedeutet übersetzt "Völkerbeschreibung". Das zentrale Anliegen der Ethnographie ist, das Leben und die Sozialstruktur fremder Kulturen aus deren Sichtweise zu verstehen. Dabei geht es nicht unbedingt um die ausschließliche Betrachtung von Völkern, sondern auch um kleinere, oftmals multikulturelle Gruppen wie die Bevölkerung eines Stadtteils oder die Belegschaft eines Büros.
Diese Arbeit dient als Übersicht zur Ethnographie und bezieht sich auf deren theoretische Einbettung in ihrer geschichtlichen Entwicklung und den Leitprinzipien des ethnographischen Verfahrens (Natural Settings, Holism, Descriptive, Members Point of View) sowie auf die praktische Feldforschung in ihrem Ablauf. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf die teilnehmende Beobachtung gelegt, die im weiteren Verlauf der Arbeit über Kriterien, Formen und Probleme dargestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
1) Ethnographie:
a) Definition
b) Geschichte der Ethnographie
c) Leitprinzipien des ethnographischen Verfahrens
→ Natural Settings
→ Holism
→ Descriptive
→ Members Point of View
2) Ethnographische Feldforschung
a) Definition
b) Ablauf und Phasen
3) Die teilnehmende Beobachtung
a) Kriterien einer wissenschaftlichen Beobachtung
b) Formen der Beobachtung
c) Die zentrale Idee
d) Probleme der teilnehmenden Beobachtung
→ Selektive Perzeption
→ Einführung des Beobachters
→ Rolle des Beobachters
→ Beobachtertraining und Beobachterkontrolle
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen fundierten Einblick in die theoretischen Grundlagen und methodischen Ansätze der ethnographischen Forschung. Ziel ist es, das Verständnis für das Verfahren der teilnehmenden Beobachtung innerhalb der qualitativen Sozialforschung zu schärfen und zentrale Herausforderungen in der praktischen Anwendung aufzuzeigen.
- Definition und historische Genese der Ethnographie
- Leitprinzipien des ethnographischen Verfahrens
- Phasenmodell und methodische Struktur der Feldforschung
- Kriterien wissenschaftlicher Beobachtung
- Reflexion der Rolle des Beobachters und auftretende Rollenkonflikte
Auszug aus dem Buch
3) Die teilnehmende Beobachtung
Die Beobachtung wird zu einem wissenschaftlichen Verfahren, wenn sie einem bestimmten Forschungszweck dient, systematisch aufgezeichnet und auf allgemeine Urteile bezogen wird, systematisch geplant ist und wiederholten Überprüfungen bzw. Kontrollen unterzogen wird hinsichtlich der Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Genauigkeit.
Es gibt verschiedene Formen der Beobachtung. Die wichtigsten Beobachtungsdimensionen sind: Unstrukturiert/ nicht teilnehmend: Dies ist keine wissenschaftliche Beobachtung, sondern repräsentiert die zufällige Alltagsbeobachtung. Unstrukturiert/ teilnehmend: Diese Form findet man vorwiegend in der Anthropologie und Ethnologie. Die Vertrautheit mit dem Untersuchungsgegenstand ist anfangs sehr gering.
Strukturiert/ nicht teilnehmend: Der Forscher tritt nicht in den Handlungsablauf ein. Er zeichnet die Aktionen im Feld nach Einem bestimmten Beobachtungsplan auf. Strukturiert/ teilnehmend: Der Beobachter nimmt selbst an den Aktionen im Feld teil. Seine Aktivitäten (mit Ausnahme des Beobachtens selbst) bewegen sich grundsätzlich auf der gleichen Ebene wie die der anderen Beteiligten. Er übernimmt eine dem Handlungsablauf adäquate Rolle, um Identifikationsprobleme zu verringern. Der Einsatz von Beobachtungsschemata soll die Beobachtung standardisieren und den Beobachter kontrollieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Ethnographie: Dieses Kapitel definiert Ethnographie als "Völkerbeschreibung", beleuchtet ihre historische Entwicklung seit der Antike und erläutert wesentliche Leitprinzipien wie Ganzheitlichkeit und die Sichtweise der Mitglieder.
2) Ethnographische Feldforschung: Hier wird der Prozess der Feldforschung beschrieben, von der Themenfindung und theoretischen Einbettung bis hin zum permanenten Wechsel zwischen Datenerhebung und Analyse.
3) Die teilnehmende Beobachtung: Dieses Kapitel befasst sich mit der Kernmethode der ethnographischen Feldforschung, erläutert die verschiedenen Beobachtungsformen und diskutiert kritisch Probleme wie selektive Wahrnehmung sowie auftretende Rollenkonflikte des Forschers.
Schlüsselwörter
Ethnographie, qualitative Sozialforschung, Feldforschung, teilnehmende Beobachtung, Natural Settings, Holismus, Beobachterrolle, Selektive Perzeption, Rollenkonflikt, Datenerhebung, Forschungsdesign, Kulturforschung, Sozialisation, Beobachtertraining, Wissenschaftliche Beobachtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftlichen Grundlagen der Ethnographie und der ethnographischen Feldforschung mit einem Fokus auf die teilnehmende Beobachtung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der Ethnographie, ihrem historischen Kontext, den Prinzipien der Feldforschung und den praktischen Anforderungen sowie Problematiken der teilnehmenden Beobachtung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine methodische Einführung in die qualitative Sozialforschung, um Forschende mit den Abläufen und Herausforderungen der ethnographischen Feldarbeit vertraut zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird thematisiert?
Im Zentrum steht die teilnehmende Beobachtung als Kernmethode der Feldforschung, ergänzt um Erläuterungen zur Datensammlung und Dokumentation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Ethnographie, die Phasen der Feldforschung und eine detaillierte Analyse der teilnehmenden Beobachtung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ethnographie, Feldforschung, teilnehmende Beobachtung, Beobachterrolle, Selektive Perzeption und Rollenkonflikte.
Was versteht man unter dem Begriff "Natural Settings"?
Dieser Begriff beschreibt das Leitprinzip, dass der Ethnograph seine Zielgruppe direkt in deren natürlichem Alltagsleben untersucht, um eine Verfälschung durch eine künstliche Umgebung zu vermeiden.
Welche Arten von Rollenkonflikten können beim Beobachter auftreten?
Es werden der Intra-Rollenkonflikt, bei dem der Forscher zwischen Distanzwahrung und notwendiger Nähe balancieren muss, sowie der Inter-Rollenkonflikt, der auf Erwartungsunterschieden zwischen Akteuren und Forscher basiert, unterschieden.
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- Heidi Fischer (Author), 2003, Ethnographie, ethnographische Feldforschung und die teilnehmende Beobachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18167