Die wechselseitige Beziehung zwischen Henrik Ibsen und Edvard Munch


Hausarbeit, 2009
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Beziehung zwischen Henrik Ibsen und Edvard Munch

3. Edvard Munchs Bildnis „Kvinnen i tre stadier“
3.1. „Kvinnen i tre stadier“ in Bezug auf Ibsens „Når vi døde vågner“
3.2. Rezeption nach Joan Templeton

4. Munch in Bezug auf Ibsens „John Gabriel Borkman“
4.1. Ibsen Portraits

5. Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis Abbildungsnachweis

1. Einleitung

Henrik Ibsen und Edvard Munch waren beide norwegische Künstler des 19. Jahrhunderts. Jedoch verwirklichte sich jeder auf seine eigene Art und Weise. Während Henrik Ibsen als Schriftsteller fungierte und damit schon zu seiner Zeit nicht nur in Norwegen ein hohes Ansehen erlangte, widmete sich Edvard Munch der Malerei. Beide stießen mit ihren Werken nicht selten auf Kritik, jedoch bemühten sie sich ihrem eigenen Standpunkt treu zu bleiben und sich selbst in ihren Arbeiten widerzuspiegeln. Heutzutage gehören sie zu den bekann- testen Persönlichkeiten Norwegens. Doch kann man die Kunst eines Schriftstellers mit der eines Malers vergleichen? Ibsen selbst machte in dieser Hinsicht keinen Unterschied. Sein Standpunkt war, dass beide Kunstarten als „hvad i ånden lyner“ interpretiert werden könnten. Und dass die Vision des Malers auch „digtersyner“ sei1. Wenn nun berücksichtigt wird, dass sich Ibsen selbst in jungen Jahren als Maler versuchte und dass er bis ins hohe Alter noch ein großer Kunstliebhaber war, der gerne Galerien und Ausstellungen besuchte und sich mit Freunden über Kunst unterhielt2 3, dann liegt eine gewisse Verbundenheit zwischen schrift- lichen und bildlichen Arbeiten doch nahe. Ein jeder Künstler versucht in seinen Arbeiten ein Stück von sich selbst mit einzubinden und ihnen somit eine Seele zu verleihen. Henrik Ibsen bewerkstelligte dies mit Hilfe von Poesie. Sowohl die Geschichten als auch seine Wortwahl bekräftigten dabei die Aussagekraft seiner Stücke bis hin zu der Namensgebung der einzelnen Figuren, die in seinen Dramen mitwirkten. Munch vermittelte dagegen seine Bildinhalte mit Hilfe von Motiven, Farben und Formen, was ein etwas schwierigeres Unterfangen darstellt, da er den Betrachter auf diese Weise nur visuell ansprach und keine weiteren Erklärungen dazu abgeben konnte, wie es bei Schriftstellern der Fall ist. Es geht im Wesentlichen darum, dem Leser, oder wie bei Malern dem Betrachter, eine bestimmte Botschaft zu vermitteln. Doch worin liegt nun die Verbindung zwischen Ibsen und Munch?

Die vorliegende Arbeit untersucht die wechselseitige Beziehung zwischen Ibsen und Munch. Angefangen bei ihrem ersten Treffen und ihrer Freundschaft wird beschrieben, wie die Beziehung zwischen den beiden war und ob sie auch in Hinsicht auf ihre Arbeiten einen Ein- fluss aufeinander hatten. Um dies zu untersuchen schauen wir uns das Ölgemälde „Kvinnen i tre stadier“ von Munch näher an, welches laut Munch einen größeren Einfluss auf Ibsens Drama „Når vi døde vågner“ gehabt haben soll4. Hierbei wird untersucht, inwiefern Munchs Bildnis in Ibsens Drama wiederzufinden ist. Im Gegenzug dazu untersucht diese Arbeit auch Ibsens Beeinflussung gegenüber Munch. Als Beispiel werden hierzu einige Bildbeispiele aufgezeigt, welche Munch in Bezug auf Ibsens Drama „John Gabriel Borkman“ gemalt hat. Neben anderen Stücken von Ibsen, wie beispielsweise „Peer Gynt“ oder „Kongsæmnerne“, hatte auch dieses einen enormen Einfluss auf Munchs Malerei. Nicht ohne Grund war Edvard Munch auch an einigen Stücken Ibsens beteiligt, indem er beispielsweise für die Stücke „Peer Gynt“ (Abb. 1) und „John Gabriel Borkman“ (Abb. 2) die Plakate für die

Theateraufführungen entwarf5, oder einige Zeichnungen für Szenen in „Gengangere“ darlegte6. Der Theater-regisseur Max Reinhardt, der im Jahre 1906 zu Ehren des verstorbenen Ibsen sein Theater mit der Aufführung von „Gengangere“ eröffnete7, vertrat sogar die Meinung, dass Edvard Munch mit dem Bühnenbild für „Gengangere“ beauftragt werden sollte, da er der „ einzig mögliche Maler “ dafür sei8. Munch konnte sich offenbar sehr gut mit den Darstellern in Ibsens Dramen identifizieren, weshalb er auch eine tiefe Verbundenheit zu Ibsens Dramen empfunden haben muss9. In dem Stück „Gengangere“ wird die Geschichte eines Malers namens Osvald Alving beschrieben, der im Alter von sieben Jahren von seiner Mutter weggeschickt wurde. Auch Munch hatte eine schwere Kindheit, in der er schon früh sowohl den Tod seiner Mutter als auch den seiner Schwester Sophie miterleben musste. Und auch die Malerei verband ihn mit der Romanfigur Osvald Alving. Beide sahen die Kunst als einen Weg aus der drückenden, bürgerlichen Enge der Gesellschaft. Und genauso wie Osvald kannte auch Munch diese Lebenskrisen erfüllt von Angst und Melancholie10 11.

2. Die Beziehung zwischen Henrik Ibsen und Edvard Munch

Zum ersten Mal begegneten sich Ibsen und Munch im Jahre 1891 in Kristiania. Munch war damals 30, während Ibsen 60 Jahre alt war. Henrik Ibsen saß damals im Speisesaal des Grand Hotels, wo er regelmäßig zu Abend aß. Eines Tages saß auch Munch zusammen mit dem Autor und Kunstkritiker Jappe Nilssen und einer Dame aus Kristiania in diesem Speisesaal des Hotels und aß zu Abend. Ibsen saß auf der anderen Seite des Raumes. Die Dame wies Jappe an zu Ibsen hinüber zu gehen und ihn zu fragen, ob er sich nicht dazu setzen wolle. Jappe ging hinüber und setzte sich zu Ibsen. Er fragte ihn, doch Ibsen antwortete: „Jeg er ikke vant til å forstyrres av fremmede folk på kaféer.“12 Jappe ging zurück zu seinen Tisch und sie redeten nicht mehr darüber. Später fertigte Munch eine Tuschezeichnung von diesem ersten Treffen an (Abb. 3). Die genaue Datierung hierzu ist nicht bekannt, jedoch wird sie auf die Jahre 1925-1935 geschätzt13. Schon diese Zeichnung zeigt, dass Ibsen bei Munch eine gehobene Stellung einnahm. Denn wieso sollte ein Künstler 30 bis 40 Jahre nach dieser doch recht bescheiden ausfallenden ersten Begegnung eine Zeichnung dieser anfertigen, wenn ihn dieses Erlebnis nicht in irgendeiner Weise geprägt hätte?

Ibsen wurde erst im Herbst des Jahres 1891 auf Munch aufmerksam. Zu dem Zeitpunkt wurde Munch ein Teil des staatlichen Kunststipendiums erteilt. Es gab einen großen Aufruhr deswegen, weil seine Bilder von der damaligen Gesellschaft Norwegens nicht verstanden, oder falsch interpretiert wurden. Munch wurde damals von vielen als geistig krank betitelt. Der norwegische Dichter und Politiker Bjørnstjerne Bjørnson war zu der damaligen Zeit als Journalist tätig. Er veröffentlichte am 16. Dezember 1891 einen Artikel in der norwegischen Zeitung Dagbladet, welcher dem jungen Künstler einen Stoß in den Rücken versetzte. „Kunstnerstipendierne paa Afveje“ lautete der Titel des Artikels, in dem Munch öffentlich als krank und nicht zurechnungsfähig betitelt wurde. „Men nu er vore faa og ytterst tarvelige Kunstnerstipendier aldeles ikke nogen Sykekasse; at bruge dem til det er at føre dem paa Afveje, og det sker, ikke uden at andre lider ved det... En syg Mand maa der samles private Bidrag til; Stipendiet gives til den, som kan ha fuld Nytte af det for sin Kunst.“14 Die Meinungen über seine Kunst gingen auseinander. Während er von einigen Seiten belächelt wurde, gab es auch andere, welche seine Kunst verteidigten. Der norwegische Maler Frits Thaulow bemängelte die inkompetente Recherche Bjørnsons. Er stellte sich auf Munchs Seite, indem er in seiner Antwort an Bjørnson schrieb, dass Munch nicht krank sei und das Stipendium wohl verdient hätte. „Du skrive ikke om Munchs Kunst direkte - men har der nogensinde været noget at læse mellem Linjerne, saa er det her. Det er, som om Mangelen paa Forstaaelse og Sympati sprænger de spinkle Linjer om Munchs Sygdom istykker.“15 Auch dem kunstinteressierten Henrik Ibsen entging dieser Artikel nicht. Und so schrieb er eine kurze Erwiderung an Bjørnson, in der er sein Wohlwollen gegenüber Edvard Munch äußerte. Dies war schon etwas Besonderes, da sich Ibsen nie zuvor in irgendeiner Weise öffentlich geäußert hatte. Die verbalen Angriffe der hiesigen Gesellschaft trafen Munch jedoch so sehr, dass er schließlich vollkommen mit der norwegischen Kunstszene brach16.

Kurz nach diesem Vorfall hatte Munch seine erste Ausstellung im Ausland. In der großen Internationalen Kunstausstellung in Berlin stellte er seine Werke vor. Und abermals entpuppte sich die Ausstellung als Skandal. Die Kunstwelt war in zwei Gruppen gespalten, für und gegen Munch. Das Publikum war in Hinsicht auf Munchs provokant wirkende Bilder hin und her gerissen und reagierte mit Kritik oder Gelächter. Jedoch lernte er auf dieser Ausstellung auch einige neue Freunde kennen, wie den schwedischen Literaten August Strindberg, von dem er in Berlin ein Portrait anfertigte17 18.

Nachdem Munch wieder nach Kristiania zurückgekehrt war, erfuhr er von der Debatte Ibsens und wie dieser sich für ihn eingesetzt hatte. Munch war davon so beeindruckt, dass er Ibsen über dessen Deutschübersetzer Dr. Julius Elias eine Nachricht zukommen ließ. „Jeg hadde en hilsen til Ibsen fra Dr. Elias [...]. Jeg hadde hørt nok om Ibsens frykt for forstyrrelser, så jeg ventet meg ikke å komme nærmere sammen med ham. Jeg gikk opp i hans leilighet i Drammensveien- Arbiensgate, leverte mitt kort til piken i entréen og gikk...“19 Er wollte Henrik Ibsen nun endlich persönlich kennen lernen. Und so geschah es dann auch, dass Ibsen auf Munch zukam, als dieser mit ein paar Freunden im Grand Hotel saß. Und obwohl sie sich offenbar nur kurz über wie es scheint belanglose Themen unterhielten, beeindruckte die Un- terhaltung Munch doch sehr:

Noen dager senere sitter jeg på Grand med flere venner. Jeg hadde like i forveien sett ham i hotellets leseværelse. Det var vår- alle vinduer og de store glass deri var full av folk. Ibsen kom inn- vi så ham 'seile innom som en bred skute'. Men hvor forbauset ble vi ikke da han svinget og seilet inn ibland den tettpakkede Grand. Ibsen i kaféen! uant, aldri før forekommet- og han krysset inn mellom gjestene- og mot oss! Voksende forbauselse.- Goddag, er det ikke Hr. Munch?- og der satt han midt blant oss med sin lille tette figur. Han sa noe- almindelige høfligheter- og gikk. Vi satt der alle--- Ibsen ved vårt bord! 20

Der gesellschaftliche Sturm gegen Munch hielt aber weiterhin an. Im Oktober 1895 stellte Munch seine Werke in einer Ausstellung in der Blomqvist Gallery von Karl Johan aus. Die Ausstellung trug den Titel „Livsfrisen“ und zeigte eine Reihe von Bildern, die insgesamt gesehen das Bild des Lebens wiedergeben sollten. Die Bilder zeigten das Leben in Verbindung mit Liebe und Tod, was ihnen eine starke Aussagekraft verlieh - das Leben wie ein Spiel gesehen, in welches ein Mensch nicht einzugreifen vermag21. Die Reaktionen auf seine Bilder waren hier jedoch nochmals heftiger als in Berlin. Die Zeitungen waren voller gewalttätiger Angriffe. Der norwegische Psychiater Johan Scharffenberg beteiligte sich auch an dieser Debatte und schrieb einen langen Bericht über die geistige Verwirrung Munchs und über dessen abnormale Kunst. Munchs Kindheit war von Tod und Krankheit bestimmt, was sich auch in seinen Bildern zeigte. Munch äußerte sich später dahingehend, dass er die Geschehnisse in seiner Kindheit nie richtig überwunden hätte und dass sie sicherlich bestimmend für seine Kunst seien. Dabei beschreibt er sein Lebensfries jedoch auch als ein Erbe des Fluchs und meint weitergehend, dass seine Kunst nicht krank mache sondern lediglich eine gesunde Reaktion sei22. Im Jahre 1963 schrieb Scharffenberg rückblickend, dass er seine Worte später aufrichtig bereut hätte23. Allerdings waren die Angriffe auf Munch 1895 so gravierend, dass die Galerie sogar boykottiert werden sollte. Auch zu diesem Zeitpunkt war es wieder Henrik Ibsen, der sich auf Munchs Seite stellte und ihn verteidigte. Die Sensation lag dabei darin, dass Ibsen persönlich zu Munch in die Ausstellung kam. Er ließ sich von Munch auf dieser Ausstellung herumführen, sprach mit ihm über seine Bilder und zeigte ihm dabei sein Interesse und seine Sympathie24. Munch beschrieb dieses Erlebnis folgendermaßen:

Det var i 1895.- Jeg hadde utstilling om høsten hos Blomqvist.- Striden gik voldsomt om billedene.- Der roptes paa boycotting av lokalet- politi.- - En dag træffer jeg Ibsen dernede.- Han gik bort til mig- Det interesserer mig meget- sa han.- Tro mig- det vil gaa Dem som mig- jo flere fiender jo flere venner.- Jeg maatte gaa med ham og han maatte se paa hvert billede. Der var en hel del av livsfrisen utstillet. Den melankolske unge mand ved stranden- Madonna- Skrik- Angst- Jalusi- De tre kvinder (eller kvinden i tre stadier) i en lys nat. Især interesserte han sig for- kvinden i tre stadier [Abb. 4]. Jeg maatte forklare ham det.- Det er den drømmende kvinde- den livslystne kvinde- og kvinden som nonne- hun der staar blek bak trærne.- Saa moret han sig over mine portrætter- hvor jeg hadde uthævet det karakteristiske- saa det streifet karikaturen.- Noen år efter skriver Ibsen „Naar de (sic) døde vaagner“.- Billedhuggerens værk der ikke blev utført- men forsvandt i utlandet.- Jeg fandt igjen flere motiver der lignet mine billeder i livsfrisen- manden der sitter bøiet mellem stenene i melankoli [Abb. 5]. Jalusi- Polakken som laa med en kule i hodet.- De tre kvinder- Irene den hvitklædde drømmende ut mot livet.- Maja den livslystne- den nøkne.- Sorgens kvinde- med det stirrende bleke hode mellem stammerne- Irenes skjæbne, sykepleierske.- Disse tre kvinder dukker i Ibsens drama op- som paa mit billede mange steder.- En lys sommernat var den mørkklædde set gaa i haven sammen med Irene, der var nøken eller i et slags badekostyme.- Det lystne hvite legeme mot sorgens sorte farver- alt i den lyse sommernats mystiske lys.- Den lyse sommernat hvor livet og døden, dagen og natten gaar haand i haand. I Ibsens drama- nævnes ogsaa billedhuggerens portrætter- de var karikaturer- dyrehoder som den bestillende fik at paa.- Som i Ibsens „De døde vaagner“, billedhuggerens opstandelsesværk blev splittet og ufuldført- saaledes gik det ogsaa mit værk.25

Diese Schriften stammen ursprünglich aus „The Creation of The Frieze of Life“, 1929, limitierte Edition.

„Jo flere fiender jo flere venner“- Je mehr Feinde, desto mehr Freunde. Dies mag wohl ein Satz gewesen sein, der Edvard Munch noch sehr lange im Gedächtnis geblieben ist. Denn mit diesen Worten entstand zwischen Ibsen und Munch eine ganz besondere Freundschaft. Es war viel mehr eine Art Seelenverwandtschaft, die die beiden trotz des großen Altersunterschieds miteinander verband. Beide waren einsame Menschen, welche ihr wahres Leben in der Kunst lebten und keiner von beiden fand es leicht, Freundschaften zu schließen26. Anschließend zu dem Satz „jo flere fiender jo flere venner“ sagte Ibsen zu Munch, dass es ihm darin genauso ergehen werde wie ihm selbst. Auf diese Weise stellte er sich auf die selbe Stufe mit Munch und legte ihm somit ein Vertrauen dar, welches er nur wenigen Menschen in seinem Umfeld zukommen ließ. Seine Worte, sowohl öffentlich über Munch als auch persönlich an Munch gerichtet, halfen dem Künstler, seinen eigenen Weg zu finden und gegen die Anfechtungen der norwegischen und der internationalen Künstlergesellschaft anzukommen. Im Gegenzug war Munch auch davon überzeugt, dass er einen gewissen Einfluss auf Ibsen hatte. Die Worte Munchs zeigen auf, dass er die Bildinhalte seiner Werke des Lebensfrieses in den Stücken, die Ibsen in den folgenden Jahren schrieb, wiederfand.

3. Edvard Munchs Bildnis “Kvinnen i tre stadier“

Das Ölgemälde „Kvinnen i tre stadier“ wurde 1895 fertig gestellt und hat die Maße 164 x 250 cm. Auf dem Bild sind links bis zur Mitte hin drei Frauen und rechts ein Mann abgebildet. Die linke Frau wird hier mit blonden langen Haaren und in einem weißen Kleid dargestellt. Sie wendet sich mit ihrem ganzen Körper nach links und schaut auf das Meer hinaus. Dabei nimmt ihr Körper eine geschwungene Linie ein, die der Gestalt eine gewisse Dynamik verleiht. Ihr rechter Fuß ist nach vorne Richtung Meer gestellt, während sich ihr Kopf erhaben aufrichtet und ihre Augen fast eindringlich und suchend auf die See zu blicken scheinen. Ihre Hände, in denen sie einen Strauß Blumen zu halten scheint, hält sie dabei locker vor ihrem Körper. Insgesamt betrachtet wirkt ihre Gestalt unschuldig und jugendlich schwungvoll.

Die mittlere Frauengestalt wird hier stattdessen vollkommen unbekleidet und in einer ganz anderen Pose gezeigt. Ihr Körper ist dem Betrachter provokant zugewandt, wobei sie die Beine auseinander gestellt hat und ihre Arme hinter ihrem Kopf verschränkt. Sie schaut den Betrachter provozierend an, während sie ihre roten Haare nach hinten zurück wirft und sich ihre roten Lippen zu einem leichten Lächeln formen.

Unmittelbar daneben steht rechts eine in schwarz gekleidete, eher unscheinbar wirkende Frau, die neben der provokanten mittleren Dame optisch in den Hintergrund gerät. Ihre Gestalt ist, ebenso wie die der mittleren Frau, dem Betrachter zugewandt. Ihre braun-grau gefärbten Haare hängen schlaff an ihren Schultern herunter und ihr dunkler Gesichtsausdruck wirkt förmlich ausdruckslos. Fast kränklich wirkt ihre grau, grünliche Gesichtsfarbe, gesäumt von hohen Wangenknochen und dunklen Augenhöhlen. Ihre Zurückgezogenheit wird hierbei nochmals durch ihre im Rücken versteckten Arme verdeutlicht.

Ganz rechts im Bild, im Schatten von all dem, steht ein Mann in dunkler Kleidung.

Auch er ist dem Betrachter zugewandt, jedoch neigt er seinen Kopf leicht von den Frauen weg und wird verstärkend dazu nochmal links durch einen Baumstamm von ihnen getrennt. Seine Farbgebung ähnelt der rechten Frau, wobei seine Gesichtsfarbe leicht rötlich schimmert und somit nicht ganz so fahl aussieht. Er richtet seinen Blick fast teilnahmslos wirkend auf den Boden, so als würde er nicht zu den Frauen gehören. Zwischen ihm und den Frauen erhebt sich weitergehend ein roter Fleck, der von seiner Hand aus beginnend hinunter zu der unteren Bildkante zerfließt.

[...]


1 Langslet, Lars Roar: Henrik Ibsen - Edvard Munch. To genier m ø tes. Skien/ Oslo: J.W. Cappelen, 1994, S. 25.

2 Vgl. ebd., S. 23f.

3 Vgl. Templeton, Joan: “The Munch-Ibsen connection: exposing a critical myth” in: Scandinavian studies 72:4 (2000), S. 445-462, hier: S. 454.

4 Vgl. Langslet: Henrik Ibsen-Edvard Munch, S. 19f.

5 Vgl. Eggum, Arne: Edvard Munch. Gemälde, Zeichnungen und Studien. Stuttgart: Klett-Cotta, 1986, S. 152.

6 Vgl. Langslet: Henrik Ibsen-Edvard Munch, S. 13.

7 Vgl. Svenæus, Gösta: Edvard Munch. Im männlichen Gehirn I. Lund 1973, S. 247f.

8 Krieger, Peter: Edvard Munch. Der Lebensfries für Max Reinhardts Kammerspiele. [in Verbindung mit der Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, vom 24.2. bis 15.4.1978], Berlin: Mann, 1978, S. 14.

9 Vgl. Stenersen, Rolf: Edvard Munch. N æ rbillede af et geni. København: Fremads Fokusbøger, 1989, S. 91.

10 Vgl. Krieger: Edvard Munch. Der Lebensfries, S. 15.

11 Vgl. Stenersen: Edvard Munch, S. 49.

12 Langslet: Henrik Ibsen-Edvard Munch, S. 16.

13 Vgl. ebd., S. 16.

14 Ebd., S. 16.

15 Ebd., S. 16.

16 Vgl. ebd., S. 16f.

17 Vgl. ebd., S. 17.

18 Vgl. Stenersen: Edvard Munch, S. 21.

19 Langslet: Henrik Ibsen-Edvard Munch, S. 18.

20 Ebd., S. 18f.

21 Vgl. Stenersen: Edvard Munch, S. 19ff.

22 Vgl. Hougen, Pål (Hrsg.), Edvard Munch: Handzeichnungen. New York: Rathenau, 1976, S. 24 Nr. 93.

23 Vgl. Munch, Edvard; Krieger, Peter; Nationalgalerie <Berlin>: Edvard Munch. Aquarelle und Zeichnungen aus dem Munch-museet, Oslo; Nationalgalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz 10. Februar bis 29. März 1971. Berlin 1971, Nr. 199.

24 Vgl. Langslet: Henrik Ibsen-Edvard Munch, S. 19; Vgl. Eggum: Edvard Munch. Gemälde, S. 137f; Vgl. Svenæus, Gösta: Edvard Munch. Im männlichen Gehirn I. Lund 1973, S. 12.

25 Zitat nach: Langslet: Henrik Ibsen-Edvard Munch, S. 19f.

26 Vgl. ebd., S. 9; Vgl. Stenersen: Edvard Munch, S. 59.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die wechselseitige Beziehung zwischen Henrik Ibsen und Edvard Munch
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Skandinavistik/Fennistik)
Veranstaltung
Proseminar: "Einführung in die skandinavistisch-fennistische Literaturwissenschaft"
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V181706
ISBN (eBook)
9783656050971
ISBN (Buch)
9783656051237
Dateigröße
13768 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skandinavistik, Kunstgeschichte, Edvard Munch, Henrik Ibsen, Kunst, Skandinavien, Norwegen, Nordische Philologie
Arbeit zitieren
Anna Keller (Autor), 2009, Die wechselseitige Beziehung zwischen Henrik Ibsen und Edvard Munch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181706

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