Foucaults Machtkonzeption am Beispiel des Investmentbankings


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Definitionen und Ursprung Foucaults Machtbegriffe
2.1 Die Souveränitätsmacht
2.2 Entwicklung zur Disziplinarmacht

3.Foucaults Übergang zur Gesellschaftsanalyse
3.1 Erweiterung der Machtanalytik
3.2 Die Bio- Macht
3.3 Die Gouvernementalität

4.Die Funktionsweise von Investmentbanken
4.1 Annahmen der Rationalität
4.2 Die Rolle des Total Quality Managements
4.3 Anreizsysteme

5.Anwendung Foucaults Machtkonzept im Investmentbanking
5.1 Disziplinarmacht und Panopticon
5.2 Gouvernmentalitätsmacht

6.Fazit

7.Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Diese Arbeit entstand im Rahmen eines Seminars an der Universität Trier, dass eine Einführung zu Foucault geben sollte. Es wurden grundlegende Denkweisen und Theorien des französischen Philosophen, Psychologen und Soziologen untersucht und diskutiert. Infolgedessen erwachte das Interesse des Autors an Foucaults Machtkonzeptionen, genauer gesagt zu deren Anwendungen in der Moderne. Insbesondere zu Gouvernementalität, zu der diese Arbeit als Beitrag gezählt werden kann.

Im Folgenden soll überprüft werden, ob das theoretische Konstrukt der Macht auf moderne Investmentbanken zu übertragen ist und wie sich Machtverhältnisse in dieser Branche heutzutage aufzeigen lassen. Dabei soll der Versuch unternommen werden, die spezifischen Machtformen der Disziplin und Gouvernementalität in Investmentbanken darzustellen.

Im ersten Teil soll eine Einführung in die Theorie Foucaults vorgenommen werden, in der grundlegende Begriffe definiert und erläutert werden. Hier ist es vor allem wichtig darzulegen, in welchem Zusammenhang der französische Theoretiker zu seinen Vorstellungen über Macht kam, welche Kategorisierung er bei dieser Vornahm und Warum. Weiterhin wird versucht, tiefer in den Begriff der Gouvernementalität einzutauchen und ihn von der verwandten Bio-Macht abzugrenzen, um eine genauere Differenzierung späteren Argumentation auszumachen. Es wird folgend, die Funktionsweise von Investmentbanken dargestellt und welche Rolle der Begriff der Rationalität als Ursprung des dortigen Denkens spielt. Ich möchte dabei die These untersuchen, dass durch Machtmechanismen in der Moderne, wie in Foucault beschrieben, eine Normalisierungsgesellschaft entsteht. Strenge Kontrollen wären dabei nicht mehr nötig, da die Gesellschaft beginnt sich selbst zu Kontrollieren. Dies erfolge nach einem panoptischen Prinzip. Weitergehend wird, die auf Leistung konzentrierte Arbeitsweise, dargestellt und ihre Denkweise nach dem Total Quality Managament eruiert. Im Schlusskapitel folgt die Betrachtung der Investmentbanken anhand des Foucault´schen Theoriegebäudes, bei dem versucht wird Disziplinare und Gouvernementalitäre Macht in der Moderne herauszukristallisieren.

2.) Definitionen und Ursprung Foucaults Machtbegriffe

Während sich Foucaults frühere Abhandlungen in erster Linie um die Behandlung von gesellschaftlich Ausgestoßenen wie Geisteskranken beschäftigen, tritt nun ein neuer Themenbereich in das Licht seiner Analysen: Der Begriff der Macht. Angestoßen durch seine Antrittsvorlesung mit dem Titel „Die Ordnung des Diskurses“ und dem folgenden Aufsatz „Nietzsche, die Genealogie, die Historie“ findet ein Wechsel seiner wissenschaftlichen Betrachtungsweise statt. Foucault beschreibt hier in einem „kämpferischen Unterton“1 eine machttheoretische Untersuchung der historischen Strategien, Kämpfe und Schlachten. Dies soll zuerst als Ergänzung zu seiner archäologischen Diskursanalyse gelten, später jedoch gewinnt der Begriff der Macht eine zentrale Bedeutung.2 Allgemein definiert der französische Philosoph macht folgend:

„ Eine Machtbeziehung ist nicht als solche eine Gewalt, die sich nur versteckte, oder ein Konsens, der stillschweigend verl ä ngert würde. Sie ist ein Ensemble von Handlungen, die sich auf mögliches Handeln richten, und operiert in einem Feld von Möglichkeiten für das Verhalten handelnder Subjekte. Sie bietet Anreize, verleitet, verführt, erleichtert oder erschwert, sie erweitert Handlungsmöglichkeiten oder schr ä nkt sie ein, sie erhöht oder senkt Wahrscheinlichkeit von Handlungen, und im Grenzfall erzwingt oder verhindert sie Handlungen, aber stets richtet sie sich auf handelnde Subjekte, insofern sie handeln oder handeln können. Sie ist auf Handeln gerichtetes Handeln." 3

Darauf aufbauend, soll folgend versucht werden eine genauere Differenzierung von Machtarten zu vollziehen.

2.1.) Die Souveränitätsmacht

In seiner folgenden Schrift „Überwachen und Strafen“ (1977) beschreibt er, eine erste Kategorie der Machtausübung: Das souveräne Strafkonzept. Ein solches ist vergleichbar mit Thomas Hobbes allgegenwärtigem „Leviathan“. In einem solchen Staat herrscht ein Souverän an der Spitze und bildet allein die Vorherrschaft über die Ausübung von Macht. Infolgedessen muss jedes im Staat lebende Individuum seine Rechte an den Leviathan abtreten, der im Gegenzug dafür Schutz und Sicherheit vor Feinden bieten soll.4 Als reale Form der souveränen Machtausübung sieht Foucault vor allem das totalistische System des NS- Deutschland und dem Stalinismus Russlands. Wichtig für den Machterhalt des Souverän, ist die Öffentliche zur Schaustellung von Delinquenten und deren Sanktionierung vor aller Augen. Ziel war es, eine Abschreckung vor Gesetzesbrüchen zu etablieren, mit der sich die Macht an der Spitze der Gesellschaft erhalten lies. Jedoch sollte dieses Strafkonzept einem zweiten Weichen: Dem von einer erzieherischen Disziplin.

2.2.) Entwicklung zur Disziplinarmacht

Foucault betrachtet hier die Entstehungsgeschichte des Gefängnisses, vor allem wie sich Mechanismen zur Sanktionierung von Straftaten historisch verändert haben. Das moderne Gefängnis soll nicht länger vernichten und eine abschreckende Wirkung gegen Gesetzesverstöße haben, sondern reformieren, eine Entwicklung, die Foucault auch als Ökonomisierung des Strafens beschrieben hat.5 Damit ist gemeint, dass der Gefängnisdirektor einen höheren Nutzen vom Gefangenen hat, wenn er ihm nicht öffentlich die Hände zur Strafe abhackt, sondern ihn für Jahre/ Jahrezehnte für sich arbeiten lässt. Diese zweite Form der Macht erkennt Foucault historisch an der Entwicklung des Gefängnissystems Frankreichs im 17. und 18. Jahrhundert und der Betrachtung der Fabrikarbeiter zur Zeit der Industrialisierung.6 Ziel einer solchen Disziplinierung war die vollkommene Normalisierung des Individuums durch Dressur. Man will gelehrige Körper produzieren, die maschinengleich arbeiten. Hierzu ist, neben einer ständigen Überwachung, eine Standardisierung in genormten Zeiten und Räumen vonnöten7 und erfordert eine Parzellierung, der Zergliederung des Körpers in seine Bestandteile, um ihn dann „gelehrig“ wieder zusammenzusetzen.8 Um eine solche Zusammensetzung möglich zu machen, müssen nach Foucault vier Dressurprozedere zuvor durchschritten worden sein.

1.) Die räumliche Parzellierung, die genaue Zuordnung eines Individuums an einen Platz.
2.) Die zeitliche Durchrationalisierung der vollständigen Körpertätigkeit.
3.) Die zeitliche Organisation des Dressurverfahrens selbst
4.) Die Eingliederung des Körpers in einen übergeordneten Funktionszusammenhang.

So schafft die "Kunst der Verteilung"9 der Individuen im Raum eine Ordnung nach Funktion und Rang (z. B. in Klöstern, Manufakturen, Kasernen und Schulen). Jeder Mensch wird "zellenförmig"10 einem Platz zugeordnet, um ihn zu klassifizieren und fixieren. Das Unübersichtliche und Vielfältige wird organisiert, geordnet und gemeistert. Ein Idealtyp solcher Kontrolle bildet das Panopticon. Dies ist ein Kreisförmiges Gefängnis mit einem Überwachungsturm im Zentrum, dass alle Insassen Überblicken kann. Letztere jedoch, wissen nicht ob sie vom Wärter Überwacht werden oder nicht. Dies mündet letztlich in einer Selbstüberwachung um Sanktionen zu entgehen. Überwacht und Kontrolliert werden nicht nur Tätigkeiten sondern auch Gesten und Leistungen. Besonders Letztere möchte ich im Rahmen der späteren Betrachtung von Investmentbanken hier bereits hervorheben.

3.) Foucaults Übergang zur Gesellschaftsanalyse

Mit dem folgenden ersten Band „Der Wille zum Wissen“ seiner Reihe „Sexualität und Wahrheit“ ,verlässt der nun an dem Collège de France Lehrende, schließlich vollends die Ebene der Diskursanalyse und betritt die Pforten der Gesellschaftstheorie. Sein Ziel wird ist es, nicht herauszufinden was Macht ist, sondern eher wie Macht bis ins kleinste Detail funktioniert: „[…] In welchen Formen, durch welche Kanäle und entlang welcher Diskurse, die Macht es schafft bis in die winzigsten und individuellsten Verhaltensweisen vorzudringen.“11 Mit einer solchen Vorstellung grenzt er sich von der reinen Betrachtungsweise der klassischen juristischen Theorie ab, die Macht als ein Recht „das man wie ein Gut besitzt und infolgedessen ganz oder teilweise über einen juristischen Akt […] in Form einer Übertragung oder eines Vertrages abtreten oder veräußern kann“12, interpretiert. Damit ist Macht also nicht nur auf bestimmte staatliche Institutionen wie die Politik oder das Militär beschränkt, sondern entfaltet sich auch in Prozeduren, die Mikrosoziologisch stattfinden und sich bedingen: Eine Mikrophysik der Macht. In diesem Kontext reicht die Darstellung der Machtform auf rein Souveräne und Disziplinäre nicht aus und erfordert daher eine erweiterte Sichtweise.

3.1.) Erweiterung einer Machtanalytik

Foucault folgert in seinem Werk „Der Wille zum Wissen“, dass der Staat mit seinen Apparaten weit davon entfernt ist, alle Machtverhältnisse abzudecken und (an Marx angelehnt) nur einen „Überbau“13 bildet. Er funktioniere nur aufgrund schon vorher bestehender Machtbeziehungen, die ein Fundament für seine Superiorität bilden. Dieser Grundbaustein sei eine Art Metamacht, die „im Wesentlichen um eine bestimmte Anzahl großer Verbotsfunktionen herum strukturiert ist, eine Beziehung von Bedingendem zu Bedingtem.“14 Unterhalb der Zentralgewalt des Hobbes´schen Gesellschaftskonzepts verbreitet sich laut Foucault ein „feinmaschiges Netz“15 der Macht. Ohne diese unzähligen kleinen Machtstrukturen wäre der Leviathan ohnmächtig und geriete gleich einem Haus das auf Sand gebaut ist, ins Rutschen.16 Ein Individuum oder ein Staat verfüge nicht über Macht, sondern sei eine Wirkung derselben und ist gleichermaßen ein Überträger. Sie „geht durch das Individuum hindurch, das sie konstituiert hat.“17

3.2.) Bio-Macht

Foucault geht dann in seiner Studie „Der Willen zum Wissen“ weiter und arbeitet aus, wie sich im Prozess der gesellschaftlichen Modernisierung Techniken und Prozeduren des Geständniszwangs ausbreiten und den Menschen zunehmend in der Griff nehmen um aus ihnen ein „Geständnistier“18 zu machen.

[...]


1 Kneer, 1996: S.238

2 Vgl. Kneer, 1996: S.238 ff.

3 Analytik der Macht, 1994: S.256

4 Vgl. Kammler: Michel Foucault, S. 138. Zit. nach Rouse: Power/ Knowledge S. 100 ("[The] conception of power as sovereign power [...] and the questions of law and right [...] [t]ogether,these two points present the sovereign as the protector of peace in the war of all against all, and the embodiment of justice in the settling of competing claims [...]. Sovereign power prohibits, confiscates or destroys what sovereign judgement pronounces illegitimate")

5 Vgl. Kammler/Schneider/Parr,2008: S.241f.

6 Vgl. Kammler/Schneider/Parr,2008: S.242ff.

7 Foucault sieht das Kloster als „Vorläufer“ der Fabrik, daher der spätere Bezug zu Pastoralmacht.

8 Überwachen und Strafen, 2008: S.174f.

9 Überwachen und Strafen, 2008: S.181f.

10 Ebd. S.184f.

11 Foucault 1983, S.21

12 Kneer, 1996: S.240

13 Analytik der Macht, 1994: S.96

14 Ebd.

15 Dits et ecrits S.450

16 Veyne, 2008: S.116

17 Analytik der Macht, 1994: S. 115

18 Foucault, 1983: S.77

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Foucaults Machtkonzeption am Beispiel des Investmentbankings
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V181720
ISBN (eBook)
9783656050933
ISBN (Buch)
9783656051220
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: Inhaltlich sehr gut, jedoch Rechtschreibfehler.
Schlagworte
machtkonzeption, Macht, investmentbanking, Foucault
Arbeit zitieren
Dimitrij Gede (Autor:in), 2011, Foucaults Machtkonzeption am Beispiel des Investmentbankings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181720

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