Friedrich Nietzsche beschreibt die Realität als einen Zustand, der aus
Einzelereignissen besteht. Diese Mannigfaltigkeit setzt sich aus Singularitäten
zusammen, einem Gewimmel aus Einzelheiten. Eine allgemeine Wahrheit gibt
es nicht. Die Blüte des Realismus in der deutschen Malerei war durch Schaffen
und Werk des Künstlers Adolf Menzel (1815-1905) geprägt. Adolf Menzel war
einer der begabtesten Zeichner dieser Realität im Sinne Nietzsches. Die Werke
Menzels wurden für seine Gabe der Beobachtung bewundert. Wie sehr diese
Beobachtung in einem Hauptwerk Menzels zu einem vielschichtigen
Bedeutungsträger wurde, soll diese Diskursanalyse im Folgenden zeigen. Die
Atelierwand von 1872 (Abb.1) und die Atelierwand von 1852 (Abb.2). Dabei
denke ich an die Verlebendigung der Gegenstände in diesen Werken und das
Unvollendete als künstlerische Form des Fragments. Ich analysiere nicht nur
durch das Prisma der malerischen Leistung und formalen Benennung der
Gegenstände. Vielmehr interessieren mich Menzels Bildkonzepte. Die
folgende Hausarbeit befasst sich mit dem Fragmentarischen als künstlerische
Form und als Bedeutungsträger, mit der Verlebendigung der Gegenstände und
wie sich Menzels Persönlichkeit und seine Beziehung zur Außenwelt in diesen
Werken spiegelt. Die Ausdrucksweise seiner Beobachtungsgabe und die
charakteristischen Elemente seiner Bildkonzepte sollen in weiteren Punkten
aufgeführt werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Hamburger
Atelierwand von 1872.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die Berliner Atelierwand von 1852
2.1.1 Visueller Befund
2.1.2 Interpretation
2.2 Die Hamburger Atelierwand von 1872
2.2.1 Visueller Befund
2.2.2 Interpretation
2.2.2.1 Friedrich Eggers
2.2.2.2 Lichtstudie zum Eisenwalzwerk
3. Menzels Persönlichkeit im ästhetischen Kontext
4. Reale Allegorie
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bildkonzept von Adolph Menzel anhand seiner Werke "Atelierwand von 1852" und insbesondere der "Hamburger Atelierwand von 1872". Dabei steht die Frage im Zentrum, wie das Fragmentarische als künstlerische Ausdrucksform dient, wie Alltagsgegenstände und Gipsabgüsse verlebendigt werden und inwiefern Menzels Persönlichkeit sowie seine spezifische Beziehung zur Außenwelt in diesen Stillleben reflektiert werden.
- Analyse des fragmentarischen Bildkonzepts bei Adolph Menzel
- Untersuchung der "Atelierwand" als Medium persönlicher Reflexion und Vergangenheitsbewältigung
- Kontrastierung von Malerei und Bildhauerei im Werk
- Die "Reale Allegorie" als Deutungshorizont für Menzels Objektassemblagen
- Die Rolle von Lichtführung und Farbigkeit für die atmosphärische Wirkung
Auszug aus dem Buch
2.2.2.1 Friedrich Eggers
Adolph Menzel hat die Atelierwand im Oktober 1872 in seinem Atelier in Berlin in der Potsdamer Straße Nr.7 innerhalb kurzer Zeit gemalt. Am 11. August 1872 ist der Kunsthistoriker Friedrich Eggers gestorben. Eggers und Menzel waren sehr gut befreundet. Auf den plötzlichen Tod von Eggers muss Menzel als Künstler reagiert haben. Menzel hat zu den ersten gehört, die den Verstorbenen sahen. Diesen Anblick hielt Menzel in einer ergreifenden Zeichnung fest. Ungeklärt ist, ob Menzel die Skizze von Eggers auf dem Totenbett nach einer Totenmaske oder nach seiner eigenen Fiktion gezeichnet hat. Erkannt wurde Eggers` Totenmaske in Menzels Atelierbild von Ursula Riemann-Reyher. Sie entdeckte 1976 in Prag die auf den 11. August 1872 datierte Skizze von Friedrich Eggers auf dem Totenbett, sowie eine Vorzeichnung zur Totenmaske, die sie beide für vergleichbar hielt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die realistische Kunst Menzels ein und definiert das Fragmentarische als zentralen Ausgangspunkt der Untersuchung.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte bildnerische Analyse und Interpretation der beiden Atelierwand-Werke von 1852 und 1872.
3. Menzels Persönlichkeit im ästhetischen Kontext: Hier wird Menzels Lebensweise der Enthaltsamkeit in Bezug zu seiner künstlerischen Triebabfuhr und seinem Verhältnis zur Außenwelt gesetzt.
4. Reale Allegorie: Das Kapitel erläutert den theoretischen Begriff der "realen Allegorie", um die Zusammenhanglosigkeit der im Bild gezeigten Objekte zu kontextualisieren.
5. Schlusswort: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Menzel durch seine fragmentarische Bildsprache einen neuen Realismus begründet hat.
Schlüsselwörter
Adolph Menzel, Atelierwand, Realismus, Fragment, Bildkonzept, Stillleben, Friedrich Eggers, Reale Allegorie, Gipsabguss, 19. Jahrhundert, Malerei, Bildhauerei, Ästhetik, Kunstgeschichte, Totenmaske.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die künstlerische Gestaltung und Bedeutung der "Atelierwand"-Gemälde von Adolph Menzel unter Einbeziehung biografischer und ästhetischer Faktoren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Rolle des Fragments, der Wettstreit zwischen Malerei und Skulptur sowie die Spiegelung von Menzels Persönlichkeit in seinen Werken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Menzels "Hamburger Atelierwand" als Ausdruck seiner künstlerischen Bildkonzepte und als Bewältigung persönlicher Erfahrungen zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich primär um eine Diskursanalyse, die visuelle Befunde mit kunsthistorischen Interpretationen und zeitgenössischen Zeugnissen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale Beschreibung und Deutung der Atelierwände von 1852 und 1872, ergänzt durch spezifische Exkurse zu Friedrich Eggers und Lichtstudien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Realismus, Fragmentarismus, Reale Allegorie, Stillleben und die spezifische "Atelierwand"-Thematik.
Welche Bedeutung kommt der Figur Friedrich Eggers für das Gemälde zu?
Eggers war ein enger Freund Menzels und Verfechter der Bildhauerei; sein Tod beeinflusste die Komposition der Hamburger Atelierwand maßgeblich.
Wie begründet der Autor Menzels distanziertes Verhältnis zur Außenwelt?
Der Autor verknüpft Menzels selbstgewählte soziale Enthaltsamkeit mit der hohen emotionalen Energie, die Menzel ausschließlich in sein "Kunstmachen" abführte.
- Arbeit zitieren
- Ralf Hemminger (Autor:in), 2010, Adolf Menzels Bildkonzept und Persönlichkeit in der Hamburger Atelierwand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181761