Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem wichtigen Aspekt von zwischenmenschlicher Verständigung, der Höflichkeit. Schwerpunkt ist dabei das Interaktionsmodell von Erving Goffman und dem darauf aufbauenden und erweiterten Modell von Penelope Brown und Stephen C. Levinson. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei dem von Brown und Levinson eingeführten Terminus der „face-threatening-acts“ zu. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kritik an dem vorgestellten Modell und seinen begrifflichen Bestandteilen, sowie die Vorstellung einiger Gegenmodelle. Darin eingebettet finden sich einige Anmerkungen zur Handhabung und Ausführung des face-Begriffs und von Höflichkeit in China und Japan. Des Weiteren enthält die Arbeit Beispiele dazu, welche Aspekte das „Prinzip der Höflichkeit“ beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Quellenlage und Forschungsstand
1.2 Allgemeine und spezifische Begriffserläuterungen
2 Erving Goffmans Modell – Interaktionsrituale und „face-work“
3 Aufbauende und ergänzende Theorieansätze
3.1 Erweiterung des Konzepts von Erving Goffman nach Brown & Levinson
4 Kritik und Gegenmodelle
5 Höflichkeit in West und Ost
5.1 „Höflichkeitsprinzipien“ im Vergleich – Deutschland, China und Japan
6 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Feld der zwischenmenschlichen Kommunikation mit einem Fokus auf das Konzept der Höflichkeit, die Interaktionsmodelle von Erving Goffman sowie Penelope Brown und Stephen C. Levinson und deren kritische Reflexion im interkulturellen Kontext.
- Analyse des "face"-Begriffs und der "face-threatening-acts" (FTAs).
- Gegenüberstellung theoretischer Höflichkeitsmodelle und deren praktischer Anwendung.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Universalitätsanspruch westlicher Theorieansätze.
- Interkultureller Vergleich von Höflichkeitsnormen zwischen Deutschland, China und Japan.
- Untersuchung von Höflichkeit als Teil normativen und strategischen Sprachgebrauchs.
Auszug aus dem Buch
3.1 Erweiterung des Konzepts von Erving Goffman nach Brown & Levinson
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wird sich das folgende Kapitel mit den Ergänzungen und Erweiterungen des Modells von Erving Goffman durch Penelope Brown und Stephen C. Levinson beschäftigen. Doch zunächst werden noch ein paar Termini eingeführt, welche von Brown und Levinson gebraucht werden. So sprechen sie nicht mehr von Sender und Empfänger sondern von Speaker und Hearer; also dem Sprecher und dem Hörer und der sogenannten Model Person.
Penelope Brown und Stephen C. Levinson vertreten die Auffassung, dass Höflichkeit die Basis sozialer Ordnung und die Voraussetzung für menschliche Kooperation sind. Für ihr Modell haben sie einige Grundsätze festgelegt, die für MPs gelten. Diese besagen dass alle MPs sowohl ein positives als auch ein negatives face haben und darüber hinaus rational sind. Dabei muss klar hervorgehoben werden, dass Brown und Levinson von erwachsenen Menschen ausgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das komplexe Themengebiet der menschlichen Kommunikation ein und definiert den Fokus der Arbeit auf das Modell der Höflichkeit sowie die Konzepte von Erving Goffman und Brown & Levinson.
2 Erving Goffmans Modell – Interaktionsrituale und „face-work“: Dieses Kapitel stellt das Interaktionsmodell von Erving Goffman dar, wobei insbesondere die Grundelemente des Verhaltens, der "face"-Begriff und die Techniken der Imagepflege erläutert werden.
3 Aufbauende und ergänzende Theorieansätze: Hier werden die Erweiterungen durch Brown und Levinson analysiert, insbesondere die Einführung der FTAs (face-threatening-acts) und die Strategien zur Wahrung des sozialen Gesichts.
4 Kritik und Gegenmodelle: Dieses Kapitel widmet sich der kritischen Hinterfragung des Universalitätsanspruchs von Brown und Levinsons Modell und diskutiert Ansätze wie die Höflichkeit erster und zweiter Ordnung nach Richard J. Watts.
5 Höflichkeit in West und Ost: Dieser Teil vergleicht die kulturell bedingten Unterschiede der Höflichkeitsprinzipien in Deutschland, China und Japan und deren jeweilige Auswirkungen auf die Interaktionsgestaltung.
6 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die eindimensionale linguistische Betrachtungsweise von Höflichkeit, wobei ein integrativer Ansatz über Disziplinen hinweg gefordert wird.
Schlüsselwörter
Kommunikation, Höflichkeit, Face-threatening-acts, Erving Goffman, Brown und Levinson, Imagepflege, Interaktion, Soziale Normen, Ethnozentrismus, Interkultureller Vergleich, Pragmatik, Gesichtswahrung, Sprechhandlung, Höflichkeitsprinzipien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Höflichkeit in der zwischenmenschlichen Kommunikation und analysiert, wie Menschen durch bestimmte Verhaltensweisen ihr soziales Ansehen (Image/Face) wahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das "face-work" nach Goffman, die Theorie der "face-threatening-acts" (FTAs) von Brown und Levinson sowie die kulturellen Unterschiede im Höflichkeitsverständnis.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die theoretischen Konzepte zur Höflichkeit kritisch zu hinterfragen und zu zeigen, dass diese nicht universell gültig sind, sondern stark von kulturellen Normen und interdisziplinären Faktoren abhängen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie einem interkulturellen Vergleich, ergänzt durch eine exemplarische Analyse von Videoausschnitten zur Verdeutlichung theoretischer Aspekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Modelle von Goffman und Brown & Levinson, deren detaillierte Kritik durch Gegenmodelle sowie die praktische Anwendung an Länderbeispielen wie Deutschland, China und Japan.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kommunikation, Höflichkeit, Face, Face-threatening-acts, Interaktion und Interkultureller Vergleich definiert.
Welche Rolle spielt der Konfuzianismus im Kontext der Untersuchung?
Der Konfuzianismus wird als Basis für die hierarchische Strukturierung in der chinesischen und japanischen Gesellschaft angeführt, welche maßgeblich beeinflusst, wie Höflichkeit und soziale Hierarchien in der Kommunikation zum Ausdruck kommen.
Was unterscheidet "Höflichkeit erster Ordnung" von "Höflichkeit zweiter Ordnung"?
Die Höflichkeit erster Ordnung basiert auf dem gesunden Menschenverstand und alltäglichen Absichten, während die Höflichkeit zweiter Ordnung die theoretischen Modelle und wissenschaftlichen Konstrukte beschreibt.
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- Carmen Käuflin (Author), 2010, Kommunikation, Image und Höflichkeit. Das Prinzip von Face-threatening-acts nach Goffman, Brown & Levinson, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181767