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Neue Ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz als sozialpädagogisches Handlungsfeld

Title: Neue Ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz als sozialpädagogisches Handlungsfeld

Diploma Thesis , 2003 , 109 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Franziska Röser (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Jugendkriminalität steht heute zunehmend im Blick der Öffentlichkeit.
Aus einer Südthüringer Tageszeitung vom 05.05.2003 lässt sich entnehmen, dass
der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung zwar abnimmt, die
Jugendkriminalität jedoch gleichzeitig ansteigt.
Prof. Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen
gibt an, dass die Kriminalstatistik 2002 die höchste je in Deutschland gemessene
Jugendkriminalitätsrate ausweist (vgl. Freies Wort 05.05.2003 „Immer mehr junge
Kriminelle bewaffnen sich“).
Auch der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundes deutscher
Kriminalbeamter, Holger Bernsee, verweist auf einen Anstieg der
Jugendkriminalität, wobei gerade junge Männer im Bereich der Gewaltkriminalität
immer stärker ins Rampenlicht rücken (vgl. ebda.).
Berlins Innensenator Erhart Korting (SPD) sieht diese Entwicklung ebenfalls mit
großer Besorgnis.
Die Zahl der von Jugendlichen verübten Raubtaten in der Bundeshauptstadt stieg
im Jahr 2002 um mehr als zehn Prozent, bei zunehmend brutaler Vorgehensweise
der jungen Täter (vgl. ebda.).
Angesichts dieser Entwicklung ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr
Stimmen laut werden, die das gegenwärtige Jugendkriminalrecht als unwirksam
und zu milde betrachten und statt dessen schärfere und härtere Reaktionen und
Strafen für jugendliche Delinquenten fordern.
Es gibt aber hierzu auch eine gegensätzliche Auffassung, die etwas ganz Anderes
für notwendig hält, nämlich bereits im Bereich der Prävention eine bessere,
frühzeitigere und somit wirksamere Zusammenarbeit von staatlichen Stellen,
Erziehern und Eltern.
Diese Diskussion beschäftigt die verschiedensten Personenkreise, wie
beispielsweise Politiker, Juristen, Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter gleichermaßen.
Es wird versucht, die Ursachen und Entstehungszusammenhänge, den Umfang,
die Erscheinungsformen und Entwicklungstendenzen der Jugendkriminalität zu
erkennen und zu erklären, was allerdings bei sich ständig verändernden
gesellschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen nicht einfach ist.
Über das große Ziel, Jugendkriminalität zu vermindern oder am besten gar nicht erst entstehen zu lassen, sind sich alle einig. Auch darüber, dass ein junger
Mensch, der dennoch eine Verfehlung begangen hat, durch Einflussnahmen
verschiedenster Art dazu bewegt werden muss, in Zukunft ein normtreues und
straffreies Leben zu führen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Jugendkriminalität

2.1. Definition und Funktion des Begriffes „Jugendkriminalität“

2.2. Sozialisatorische und entwicklungspsychologische Erklärungsansätze

2.3. Anomietheorie

2.4. Episodencharakter von Jugendkriminalität

2.5. Zusammenhang von Sozialstruktur und Jugendkriminalität

2.6. Jugendkriminalität in der Gruppe

2.7. Sprach- und Interaktionskompetenz delinquenter Jugendlicher

2.8. Die Labeling – Theorie

3.Das Jugendgerichtsgesetz (JGG)

3.1. Historische Entwicklung des Jugendkriminalrechts

3.2. Sanktionszwecke des Jugendgerichtsgesetzes

3.2.1. Das Schuld – Sühne – Prinzip

3.2.2. Funktion und Bedeutung von Strafe

3.2.3. Prävention als Sanktionszweck im Jugendkriminalrecht

3.2.4. Verhaltensändernde Wirkung von Sanktionen

3.3. Das Diversionsverfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz

4.Die jugendstrafrechtlichen Sanktionsformen

4.1. Das Sanktionensystem

4.1.1. Erziehungsmaßregeln

4.1.1.1. Weisungen

4.1.1.2. Hilfe zur Erziehung

4.1.2. Zuchtmittel

4.1.2.1. Verwarnung

4.1.2.2. Auflagen

4.1.2.3. Jugendarrest

4.1.3. Jugendstrafe

4.2. Auswahl und Bemessung der Sanktionsform

4.3. Der Erziehungsgedanke

5.Die Neuen Ambulanten Maßnahmen (NAM)

5.1. Allgemeine Betrachtung

5.2. Adressaten der Neuen Ambulanten Maßnahmen

5.3. Arbeitsweisung und Arbeitsauflage

5.3.1. Allgemeine Betrachtung

5.3.2. Zielgruppe

5.3.3. Durchführung

5.3.4. Mindeststandards

5.4. Betreuungsweisung

5.4.1. Allgemeine Betrachtung

5.4.2. Zielgruppe

5.4.3. Durchführung

5.4.4. Mindeststandards

5.5. Sozialer Trainingskurs (STK)

5.5.1. Allgemeine Betrachtung

5.5.2. Zielgruppe

5.5.3. Durchführung

5.5.4. Mindeststandards

5.6. Täter – Opfer – Ausgleich (TOA)

5.6.1. Allgemeine Betrachtung

5.6.2. Zielgruppe

5.6.3. Durchführung

5.6.4. Mindeststandards

6.Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ursachen von Jugendkriminalität und analysiert kritisch das aktuelle Jugendgerichtsgesetz sowie die verschiedenen Sanktionsformen. Das primäre Ziel ist es, den Trend von repressiven, stationären Strafen hin zu erzieherisch orientierten, ambulanten Maßnahmen zu beleuchten und deren Wirksamkeit für die Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher zu bewerten.

  • Sozialisatorische und psychologische Ursachen der Jugenddelinquenz
  • Die Entwicklung des Jugendkriminalrechts und der Wandel zum Erziehungsstrafrecht
  • Strukturanalyse der "Neuen Ambulanten Maßnahmen" (NAM)
  • Methodik und Anwendungsbereiche von Arbeitsweisungen, Betreuungsweisungen, sozialen Trainingskursen und dem Täter-Opfer-Ausgleich

Auszug aus dem Buch

2.8. Die Labeling-Theorie

Die Labeling-Theorie entspringt einigen sozialpsychologischen Aussagen G.H. Meads. Er geht davon aus, dass Individuen besonders durch sprachliche Kommunikation Erfahrungen mit sozialen Symbolen sammeln. Dadurch entsteht ein Selbstverständnis, welches durch Interpretation beeinflusst wird und welches diese Person anderen Menschen in Bezug auf sich selbst zuschreibt (vgl. Mead 1968, S. 25 f.).

Stark vereinfacht könnte man sagen, dass jemand so wird, wie ihn andere sehen. Insbesondere Fritz Sack hat die von Mead entwickelte Theorie dann in die kriminologische Diskussion eingeführt.

Er und einige andere Autoren sehen die Ursache für wiederholte Straffälligkeit junger Menschen als Resultat eines dynamischen Prozesses. Hierbei verursachen die sozialen Kontrollinstanzen durch Sanktionen eine immer stärker werdende Stigmatisierung, welche dann wiederum Ursache für abweichendes Verhalten ist (vgl. Sack 1969, S. 901 ff.).

Die ursprünglich von Lemert entwickelte Theorie zur Verlaufsform von abweichendem Verhalten, auch unter dem Begriff „kriminelle Karriere“ bekannt, wurde von Becker weiterentwickelt. Hierbei wird betont, dass durch die öffentliche Stigmatisierung als Krimineller der soziale Handlungs- und Verhaltensspielraum einer Person erheblich eingeschränkt wird (vgl. Pfeiffer 1989, S. 28). Dies macht sich beispielsweise bei Wohnungs- und Arbeitssuche bemerkbar.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion über Jugendkriminalität und die Motivation zur Themenwahl basierend auf ersten praktischen Erfahrungen.

2. Jugendkriminalität: Theoretische Auseinandersetzung mit Begriffsdefinitionen, psychologischen Erklärungsansätzen, Anomietheorie und der Labeling-Theorie.

3. Das Jugendgerichtsgesetz (JGG): Analyse der historischen Entwicklung, der zentralen Sanktionszwecke und der Bedeutung der Prävention im Jugendstrafrecht.

4. Die jugendstrafrechtlichen Sanktionsformen: Überblick über das Sanktionensystem inklusive Erziehungsmaßregeln, Zuchtmitteln und Jugendstrafe.

5. Die Neuen Ambulanten Maßnahmen (NAM): Detaillierte Untersuchung der verschiedenen ambulanten Ansätze von der Arbeitsweisung bis zum Täter-Opfer-Ausgleich.

6. Schlussbemerkung: Fazit zur Bedeutung ambulanter Maßnahmen als erfolgversprechende Alternative zu stationären Strafen.

Schlüsselwörter

Jugendkriminalität, Jugendgerichtsgesetz, JGG, Resozialisierung, Erziehungsgedanke, Spezialprävention, ambulante Maßnahmen, Straffälligenhilfe, Sozialpädagogik, Täter-Opfer-Ausgleich, Labeling-Theorie, Sanktionssystem, Jugendstrafe, Sozialisationsdefizite.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Feld der Jugendkriminalität und den Möglichkeiten der erzieherischen Reaktion nach dem Jugendgerichtsgesetz, wobei ein Fokus auf ambulanten Maßnahmen liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind die Ursachenforschung bei Jugendkriminalität, die theoretischen Grundlagen des Jugendstrafrechts sowie die praktische Ausgestaltung und Eignung neuer ambulanter Sanktionsformen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sozialpädagogisch orientierte Maßnahmen dazu beitragen können, eine kriminelle Karriere zu verhindern und Jugendliche zurück in ein straffreies Leben zu begleiten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse sowie die Einbeziehung von Praxisberichten und Leitlinien zur Arbeit mit straffälligen Jugendlichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsmodelle zur Delinquenz, die rechtlichen Grundlagen des JGG und eine detaillierte Erläuterung ambulanter Maßnahmen wie Arbeitsauflagen oder den Täter-Opfer-Ausgleich.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Kernelemente sind Jugendstrafrecht, Resozialisierung, ambulante Sanktionen, pädagogische Einflussnahme und die Abgrenzung zur klassischen Bestrafung.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Richters bei der Diversion?

Die Autorin betont den großen Handlungsspielraum des Richters, mahnt aber eine individuell passende Auswahl an, um Stigmatisierungseffekte zu vermeiden und eine echte Neuanfang-Perspektive zu schaffen.

Warum wird der Täter-Opfer-Ausgleich als besonders wertvoll hervorgehoben?

Er wird als besonders wertvoll erachtet, da er durch die direkte Konfrontation zwischen Täter und Opfer eine konstruktive Aufarbeitung der Tat und eine echte Übernahme von Verantwortung ermöglicht, die rein strafende Maßnahmen oft nicht leisten können.

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Details

Title
Neue Ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz als sozialpädagogisches Handlungsfeld
College
Neisse University Görlitz  (Sozialwesen)
Grade
1,7
Author
Franziska Röser (Author)
Publication Year
2003
Pages
109
Catalog Number
V18193
ISBN (eBook)
9783638225861
Language
German
Tags
Neue Ambulante Maßnahmen Jugendgerichtsgesetz Handlungsfeld
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Röser (Author), 2003, Neue Ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz als sozialpädagogisches Handlungsfeld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18193
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