Die Rolle der Beratung für Weiterbildungsinteressierte mit Migrationshintergrund oder ohne

The role of advice for migrants and people with further education intentions


Bachelorarbeit, 2010

53 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Die Bedeutung der Weiterbildung

3. Beratung
3.1. Beratungsschritte
3.2. Gesprächsführung

4. Entstehung der Bildungsberatung

5. Weiterbildungsberatung
5.1. Verlauf des Beratungsprozesses
5.2. Beratung vs. Therapie
5.3. Aufgaben der Weiterbildungsberatung
5.4. Weiterbildungsberatung umfasst
5.5. Weiterbildungsberatung als Individualberatung
5.6. Beratungstypen

6. Migration aus politischer und sozialer Sicht
6.1. Migranten in Deutschland
6.2. Kompetenzbilanz für Migranten
6.3. Migranten in der Weiterbildung

7. Wie wichtig ist es, sich zu integrieren?

8. Weiterbildungsbeteiligung
8.1.Weiterbildungsbarrieren/ Nutzen der Weiterbildungsberatung

9. Evaluation der Walter-Kolb-Stiftung e.V.

10. Was ist TIO?

11. Schlussfolgerungen

12. Literaturverzeichnis

Anmerkung:

Ich verzichte in der vorliegenden Arbeit bewusst auf die Verwendung der gängigen männlich-weiblichen Kombinationsschreibweise (z.B. Berater/In), da diese meiner Ansicht nach die Lesbarkeit des Textes unnötig erschweren würde. Ich möchte den Leser ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich der Einfachheit halber ausschließlich die männliche Form benutze, mich dabei aber grundsätzlich auf männliche als auch auf weibliche Personen beziehe.

Und wisse, mein Lieber, alle diese belehrenden guten Ratschläge im voraus, die sind doch nur ein Sich- Eindrängen in ein fremdes Gewissen, und dass noch auf fremde Kosten. Ich habe mich genug in fremde Gewissen eingedrängt und zu guter Letzt nur Nasenstüber und Spott geerntet. Übrigens sind die Nasenstüber und der Spott natürlich gleichgültig, aber die Hauptsache ist, dass man auf diese Weise nichts erreicht: niemand wird auf dich hören, magst du dich auch noch so abmühen - und bald werden dich alle nicht mehr mögen. Werssiloff in Dostojewski: Der Jüngling 1

Abstract

Gegenstand dieser Arbeit ist die Beratung - und zwar die Weiterbildungsberatung von Erwachsenen . Mit meiner Arbeit möchte ich auf die folgenden zentralen Fragen bezüglich der Weiterbildungsberatung eingehen: Was ist Beratung bzw. Weiterbildungsberatung? Was sind ihre Ziele und Aufgaben? Welchen Platz nimmt sie innerhalb der Weiterbildung ein? Wie wichtig ist es, sich beraten zu lassen? Und welche Rolle spielt Weiterbildungsberatung für Menschen mit bzw. ohne Migrationshintergrund? Welche Unterschiede bestehen hier? Wie gestaltet sich die Umsetzung in der Praxis?

Die vorliegende Bachelorarbeit soll helfen, diese Fragen zu beantworten und zugleich die Bedeutung der Beratung im Gebiet der Weiterbildung aufzuzeigen. Zudem soll Weiterbildung als unterstützende Anweisung - innerhalb meiner Bachelorarbeit näher beleuchtet werden.

1. Einleitung

Es ist kein Geheimnis, dass Ausbildung und Bildung die bedeutendsten Schlüssel zum Arbeitsmarkt darstellen, durch welche beruflichen Erfolge sowie gute Verdienstmöglichkeiten geschaffen werden können. Zur einer eigenständigen Existenzsicherung und der Beschäftigungsfähigkeit gehört jedoch nicht nur Bildung, sondern auch ein verlässliches Unterstützungssystem, das den Menschen hilft sich in der Bildungslandschaft zu Recht zu finden. In der (Weiter-) Bildung stellt die Beratung einen wichtigen Bestandteil erwachsenenpädagogischen Handels dar – als Dienstleistung und als Angebotsform, die im individuellen und gesellschaftlich-politischen Bereich eine immer größere Bedeutung gewinnt.

Mein Interesse an dieser Thematik wurde im Verlauf meines erziehungswissenschaftlichen Studiums an der Humboldt- Universität zu Berlin geweckt und während meines Praktikums weiterentwickelt. Mein Praktikum habe ich in der Einrichtung Bildung und Integration e. V. absolviert. Der Bildung und Integration e.V. ist einer von vielen Integrations- und Weiterbildungseinrichtungen (mit Beratungsstelle) in Berlin. Vergleichbare Einrichtungen mit ähnlichen Zielen und Aufgaben sind in Deutschland auch deshalb so zahlreich, weil die gegenwärtige Nachfrage nach solchen Angeboten sehr groß ist. Während meines Praktikums hatte ich die Möglichkeit, Einblicke in mehrere Aufgabenfelder der Weiterbildungseinrichtung zu erhalten und darüber hinaus in einigen davon selbst tätig zu werden. Zu meinen Aufgaben gehörte die Arbeit mit verschiedenen Menschen insbesondere mit sogenannten „Problemgruppen“: Personen mit Defiziten der Schulleistung, Personen ohne Schul- bzw. Berufsabschluss, Menschen mit Migrationshintergrund oder Personen mit fehlenden Ausbildungs- und Arbeitsplätzen und Langzeitarbeitslosen. Mangelnde Ausbildungsmöglichkeiten sind häufig der Grund für revisionsbedürftige Berufswahlentscheidungen und eine problematische Entwicklung. Demzufolge ist der Bedarf an späterer Weiterbildung hoch – und hierfür benötigen junge und erwachsene Menschen dringend qualifizierte Beratung. Da die russische Sprache meine Muttersprache ist, habe ich sehr oft auch mit russischsprechenden Personen gearbeitet. Am Anfang habe ich die Beratungsgespräche zwischen russischsprechenden Migranten und den Beratern übersetzt. Etwas später übernahm ich die Beratung und Begleitung von einigen Teilnehmern.

Die Thematik der Beratungsgespräche war dabei überwiegend den Bereichen ‚Entscheidungsfindung für eine Bildungs- oder Qualifizierungsteilnahme’ und ‚Lernberatung zur Behebung von Lernschwierigkeiten im Prozess’ zuzuordnen.

Während meines Praktikums habe ich viele unterschiedliche Menschen – auch solche mit Migrationshintergrund – kennengelernt. Dabei konnte ich einiges über deren Probleme, Schwierigkeiten und die Hindernisse in der Migration erfahren. Vor diesem Hintergrund ist die Idee für das Thema meiner Bachelorarbeit „Die Rolle der Beratung für Weiterbildungsinteressierte mit Migrationshintergrund oder ohne/mit bzw. ohne Migrationshintergrund“ entstanden.

In der vorliegenden Bachelorarbeit werde ich die wichtigsten Aspekte der Beratung in den Rahmen der Weiterbildung – auch für Personen mit Migrationshintergrund – darlegen. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik und einigen Informationen zu meiner persönlichen Motivation werde ich im ersten Teil der Arbeit die für die Weiterbildungsentscheidungen relevanten theoretischen Aspekte aufzeigen sowie die Grundlagen der Weiterbildungsberatung darstellen und diskutieren.

Im zweiten Teil der Arbeit wird das Thema Migration näher beleuchtet. Ich werde versuchen, auf die Bereiche ‚Migranten in der Weiterbildung’, ‚Kompetenzbilanz für Migranten’, ‚Weiterbildungsbarrieren und Weiterbildungsbeteiligung’ näher einzugehen und diese zu erläutern. Dabei dienen verschiedene Tabellen und Grafiken der Illustration.

Weiterhin soll der Blick auf die Evaluation der Walter-Kolb Stiftung e.V. gerichtet werden. Zudem werde ich den TIO e.V. vorstellen und die Ergebnisse einer durchgeführten Befragung präsentieren.

Mit meiner Bachelorarbeit werde ich versuchen, Antworten auf alle oben aufgeworfenen Fragen zu finden und mich mit diesen auseinanderzusetzen.

Zum Abschluss der Arbeit werden die Schlussfolgerungen präsentiert; dabei soll nochmals auf alle offenen Fragen Bezug genommen werden.

2. Die Bedeutung der Weiterbildung

Zunächst möchte ich Bildung als einen allgemeinen Begriff definieren:

„Der Begriff Bildung ist nicht unter dem Anspruch von Weiterbildung formuliert, er setzt auch nicht auf funktionale Zuordnung einer Schnittfläche, sondern er hat den Anspruch einer permanenten Selbstbildung als Voraussetzung von Freiheitsgestaltung. Gebildet zu sein, erbringt innere und dann durch die Gestaltungsfähigkeit äußere Freiheit.“2

Wir lernen doch am liebsten für das Leben - warum dann nicht auch ein Leben lang? Ein guter Grund für lebenslanges Lernen wäre, dass der Mensch bis ins hohe Alter die Fähigkeit zum Lernen besitzt. Das Lernen beinhaltet die Wertschätzung für die alten Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln. Lebenslanges Weiterlernen ist für den Menschen von großer Bedeutung, da das bereits erworbene Wissen irgendwann verjährt und die Gesellschaft, in der wir leben, immer mehr geistige und soziale Kompetenzen voraussetzt. Die Erweiterung der Beschäftigungsfähigkeit sowie die Kompetenzentwicklung stellen die Ziele des lebenslangen Lernens dar, da die Veränderungen der Lebensbedingungen, der Lebensformen, die kulturellen Veränderungen und die Zunahme des Wissens eine andere Form der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, die nicht über die alltägliche Erfahrung zu gewinnen ist, verlangen. „Das „lebenslange Lernen“ ist heute eine weitgehend akzeptierte Zielvorstellung“.3 Der Ausdruck „ lebenslanges Lernen“ ist eigentlich selbsterklärend – es geht darum, das ganze Leben lang ein Lerner zu sein. Im Laufe seines Lebenszyklus ordnet der Mensch beständig neue Eindrücke, Erfahrungen und Informationen ein.

„Lebenslanges Lernen – als durchgängiges und übergreifendes Prinzip – ist eine

Schlüsselgröße für die Bewältigung der Herausforderungen, die sich für Wirtschaft

wie Privatleben im Übergang zur Wissensgesellschaft stellen. Die Schnelligkeit des ökonomisch-technischen Wandels, die zunehmende Unkalkulierbarkeit von Entwicklungen auf den Güter- und Arbeitsmärkten und die steigende Unsicherheit in den (Berufs-)biographischen Perspektiven der Menschen stellen neue Anforderungen sowohl an die gesellschaftliche Organisation von Lernprozessen im Erwachsenenalter als auch an das individuelle Lernverhalten“ (Arbeitsstab Forum Bildung 2001, S. 28).4

Durch das lebenslange Lernen ist eine arbeitsmarktpolitische Anforderung an jeden Berufstätigen formuliert. Grund dafür ist die Veränderung von Arbeits- und Betriebsorganisationen im Zuge wirtschaftlicher Globalisierungstendenzen und neuer Technologien.

Für die begriffliche Abgrenzung der Weiterbildung werden verschiedene Definitionen verwendet. Ich orientiere mich an der Definition des Deutschen Bildungsrates: „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Ausbildungsphase. ...Das Ende der ersten Bildungsphase und damit der Beginn möglicher Weiterbildung ist in der Regel durch den Eintritt in die volle Erwerbstätigkeit gekennzeichnet ... Das kurzfristige Anlernen oder Einarbeiten am Arbeitsplatz gehört nicht in den Rahmen der Weiterbildung“ (Deutscher Bildungsrat 1970, S. 197).5

Das Weiterbildungsspektrum, seine flexiblen und durchlässigen Strukturen bzw. sein Anreiz-, Motivations- und Fördersystem sagen etwas darüber aus, inwieweit eine

Gesellschaft lebenslanges Lernen ermöglicht, ob sie die Strukturen schaffen oder auszudifferenzieren kann, die nicht die bestehenden Unterschiede nur weiter verschärfen, sondern ausgleichende Funktionen übernehmen. Lebenslanges Lernen soll dem Menschen geistige Selbstbehauptung, soziale Partizipation und vernünftige politische Mitgestaltung ermöglichen.

Für diejenige, die das angestrebte Bildungsziel im Normaldurchlauf nicht erreichen konnten, stellt Weiterbildung eine zweite Chance dar, Lese- und Schreibkenntnisse zu erwerben oder Schulabschlüsse und Berufsausbildungen nachzuholen.

Die Bildungs- bzw. Weiterbildungssysteme stellen die Kernelemente sowohl für die Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund, als auch für die Wiedereingliederung von Arbeitslosen, sowie für die Zielgruppen, die eine Weiterbildung aktiv anstreben, dar. Einrichtungen der Weiterbildung bieten den Teilnehmern die Möglichkeit, eigene Schwächen und Stärken herauszukristallisieren und mögliche Defizite durch die Zusammenarbeit mit anderen Teilnehmern auszugleichen. „Ihr oberstes Ziel ist es, das Lernen Erwachsener zu optimieren und beste Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Erwachsene, das von ihnen Gewünschte in der notwendigen Qualität erlernen können.“6

Berufliche und allgemeine Fort- und Weiterbildung ist gerade in Deutschland in unserer heutigen schnelllebigen Zeit ein wichtiges Thema. Deswegen muss man bereits auf den Ausbau seines Wissens sehr viel Wert legen; andernfalls ertrinkt man sonst sehr leicht in der Masse der Menschen. Man muss hierbei allerdings bedenken, dass man nicht wild alles Mögliche lernen sollte - Weiterbildung sollte sorgfältig geplant werden.

Die Teilnahme an der Weiterbildung erfolgt bei den meisten Menschen insbesondere aus beruflichen Gründen, da eine gute Ausbildung, bzw. Fort- und Weiterbildung sich als wirksamer Schutz vor Arbeitslosigkeit erweist (http://www.bmbf.de/pub/weiterbildungsbeteiligung_in_deutschland.pdf). Diese Tatsache sollte insbesondere im Hinblick auf Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigt werden. Eine Statistik über die Entwicklung der Arbeitslosenquote für Deutsche und Ausländer aus dem Jahr 2008, zeigt, dass diese bei der ausländischen Bevölkerung weit höher ist - als bei der deutschen.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Beratung

Das Hauptziel der Beratung wurde noch im Jahr 1970 vom Deutschen Bildungsrat definiert: „Bildungsberatung hat im gegenwärtigen System vordringlich zur Milderung der Mängel beizutragen, die durch geringe Durchlässigkeit verursacht sind. Sie muss dazu beitragen, dass das Angebot bestmöglich genutzt und die Chancen zunehmender Durchlässigkeit wahrgenommen werden. …Bildungsberatung lässt sich nur als Einheit denken, die vom Elementarbereich bis in die Weiterbildung reicht.“8

Die verschiedenen Perspektiven der Wissenschaften auf den Begriff der Beratung erklären disziplinspezifische Beratungsdefinitionen aus Psychologie, Pädagogik und psychosozialer Arbeit (vgl. Tiefel, 2004, S. 9).

In bekannten Definitionen von Beratung zeigen sich Merkmale, die den Beratungsbegriff auszeichnen.

Schwarzer & Posse: „Beratung ist eine freiwillige, kurzfristige, oft nur situative, soziale Interaktion zwischen Ratsuchenden (Klienten) und Berater mit dem Ziel, im Beratungsprozess eine Entscheidungshilfe zur Bewältigung eines vom Klienten vorgegebenen aktuellen Problems durch Vermittlung von Informationen und/oder Einüben von Fertigkeiten gemeinsam zu bearbeiten.“9

Pätzold: „Beratung ist die zeitliche befristete Interaktion zwischen einem Berater und einem Ratsuchenden mit dem Ziel, in einem bestimmten Problem- oder Handlungsbereich Lösungen und Strategien zu entwickeln, die dann - möglicherweise unter Beteiligung des Beraters - vom Ratsuchenden implementiert werden können. Dabei verbleibt die Verantwortung für das Resultat beim Ratsuchenden, er verantwortet also selbst, wie er mit dem Rat umgeht. Ebenso kommt dem Beratenden keine Entscheidungskompetenz zu.“10

Im Sinne einer pädagogischen Anleitung meint Beratung und Bildungsberatung einen „… Prozess der Klärung der Bedürfnisse der Teilnehmer/- innen, und diese Beratung schafft Möglichkeiten für die Bildungsinstitutionen, ihre Angebote an den Weiterbildungswünschen stärker zu orientieren.“11

3.1. Beratungsschritte

„Je näher man sich an den wirklichen Beratungsprozess und seine Struktur herantastet, desto notwendiger scheint es zu sein, in einer spezifischen Reihenfolge von Schritten zu denken“.[12]

Der Begriff der Beratung impliziert die folgenden Komponenten: der Ratsuchende und sein Problem – der Ratsuchende artikuliert ein Problem oder ein Wissensdefizit, das seine lebenspraktische Handlungsorientierung betrifft. „Der Ratsuchende („Artikulation des Beratungswunsches“) stellt – verbal oder szenisch – sein Anliegen für seine Situation und für diesen Berater vor“.13

Unterstützung des Ratsuchenden bei der Problembewältigung: Der Berater beschränkt sich auf die „Hilfe bei der Entscheidungsvorbereitung“, auf eine „Problematisierung der Entscheidungssituation“, sodass der Ratsuchende selbst jegliche Entscheidung treffen muss.14

Hilfe zur Selbsthilfe und Entscheidungsfreiheit. Der Ratsuchende behält die Entscheidungskompetenz für seine Handlungsplanung und die Autonomie bei der Problembearbeitung (Krause, C. (2003) S.23f.). „Beratung dient letztlich einer günstigeren Entscheidungssituation für den Ratsuchenden und nicht der Erarbeitung eines Rates, wie er sich entscheiden solle“.15

Beratung hat die Anregung zur Selbsthilfe, sowie die Förderung und Ermöglichung der Problemlösefähigkeit des Ratsuchenden zum Ziel. Der Ratsuchende muss weiterhin lernen, in der Lage zu sein, die angesprochenen Konflikthaftigkeit, die Ursachen zu erkennen, und den Konflikt zu lösen.“ Beratung lebt nicht von der Erklärung eines Problems, sondern von der Hilfe zur Annäherung an eine Lösung“.16

Motive und Wünsche und die dabei auftretenden Unstimmigkeiten sind Orientierungspunkte für die Berater. Um zu vermeiden, dass es zu einer Unwegsamkeit zwischen der Realität und den Vorstellungen kommt, bieten Berater Hilfe zur inneren Selbstklärung an. „Weiterbildungsberatung begleitet also eine Bildungsentscheidung, wobei der persönliche Lebenskontext den Maßstab für die zu treffende Entscheidung setzt“.17

3.2. Gesprächsführung

In einer Beratungssituation ergeben sich schwierige Variablen und Problemaspekte, aus den persönlichen Eigenschaften von Berater und Ratsuchendem, aus dem sozialen Kontext sowie aus den Umständen von Zeit und Raum. Aus diesen sowie weiteren Gründen - wie z.B. unterschiedliche Ziele und Motive von Berater und Ratsuchendem, ein unterschiedliches Verständnis der Beratungssituation, Angst und Unsicherheit, verschiedene Rollen und Positionen, abwesendes Vertrauen, mangelnde Kompetenz oder unterschiedliche moralische Vorstellungen - ist es nicht verwunderlich, wenn der Berater das Problem und die Beratungssituation vollständig anders wahrnimmt als der Ratsuchende. Auch die gegenseitige Wahrnehmung von Berater und Ratsuchendem, die räumlichen, familiären und gesellschaftlichen Einflüsse spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Beratungssituation. Der professionelle Berater muss diese Unterschiede umgehend erkennen und bei seinem Vorgehen berücksichtigen. Er sollte auf diese Weise eine Situation schaffen, in der der Ratsuchende sich wohlfühlen, sich gegenüber dem Berater vertrauensvoll öffnen und seine Schwächen sowie Fehler zugeben kann. Der Berater seinerseits benimmt sich zurückhaltend; zugleich sollte das Vertrauen des Ratsuchenden nicht missbraucht werden (Bachmair et al. 2007 S. 16).

4. Entstehung der Bildungsberatung

Das erste Mal wurde im Bereich der Schulpsychologie von einer Beratung im Rahmen von Bildung gesprochen. In der Bundesrepublik ist die Rede von der Bildungsberatung erstmals im Jahre 1966 im Dienste der schulischen Laufbahnberatung – mit dem Ziel „…die schulpsychologische Tradition der Einzelfallhilfe durch eine strukturierte Bildungsberatung abzulösen“.18 Dabei wurden zwei weitere Ziele verfolgt: „Hilfe bei Orientierungs- und Entscheidungsproblemen in einem zunehmend differenzierten Bildungssystem und die gezielte Begabtenförderung“.19 Bis heute bleiben diese allgemeinen Zielsetzungen sehr aktuell.

5. Weiterbildungsberatung

In der Europäischen Union soll Lebenslanges Lernen zum Grundprinzip werden, damit “… alle in Europa lebenden Menschen – ohne Ausnahme – gleiche Chancen haben, um sich an die Anforderungen des sozialen und wirtschaftlichen Wandels anzupassen und aktiv an der Gestaltung von Europas Zukunft mitzuwirken“.20 Dabei wird der Beratung eine zentrale Rolle zuteil. Seit 1970, als zahlreiche Projekte, wie z. B. kommunale Bildungs- und Weiterbildungsberatungsstellen eingerichtet und evaluiert wurden, hat sich der Begriff der Beratung immer weiter ausdifferenziert. Laut OECD-Definition ist die Bildungsberatung „ein Dienstleistungsangebot, das darauf ausgerichtet ist, Individuen jeden Alters zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens dabei zu unterstützen, Bildungs-, Ausbildungs- und Berufsentscheidungen auf einer gut vorbereiteten und informierten Basis eigenständig zu treffen und ihr Berufsleben selbst in die Hand zu nehmen“21. Der Begriff der Weiterbildungsberatung kann nicht eindeutig definiert werden und ordnet sich häufig dem Begriff der Bildungsberatung unter.

Anhand des folgenden Diagramms lässt sich zwischen personenbezogenen Beratungsansätzen (Beratung von Personen) und institutionsbezogenen Beratungsansätzen (Beratung von Institutionen) unterscheiden, obwohl beide in der Praxis niemals getrennt verwirklicht werden.

[...]


1 Zit. Wilhelm Mader: Weiterbildung und Beratung. In: Rudolf Tippelt: Handbuch Erwachsenenbildung/ Weiterbildung. VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005. S. 317

2 Wiltrud Gieseke: Bedarfsorientierte Angebotsplanung in der Erwachsenenbildung. Bielefeld 2008

3 Bundesministerium für Bildung und Forschung: Berichtsystem Weiterbildung; Bonn, Berlin 2006 http://www.bmbf.de/pub/berichtssystem_weiterbildung_neun.pdf ; 27.10.2010; 14:24

4 Zit. http://www.tuev-dlm.de/pdf/Dokumentation.pdf ; 27.10.2010; 16:59

5 Zit.: RatSWD. Effizienz von Weiterbildungsmessung http://www.ratswd.de/download/RatSWD_RN_2007/RatSWD_RN_15.pdf ; 2.11.2010; 18:50

6 Wiltrud Gieseke (Hrsg.): Institutionelle Innensichten der Weiterbildung, Bielefeld: Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, 2003

7 http://www.migration-online.de/data/265_entwicklung_der_arbeitslosenquoten_fr_deutsche_und_auslnderinnen_2008.jpg ; 25.10.2010; 16:26

8 Cornelia Leistner: Beratung in der Weiterbildung- Beratungsansätze im Vergleich. 1.Auflage, GRIN Verlag 2002. S.11

9 Schwarzer, C./Posse, N: Beratung. In: Weidemann, B./Krapp, A. (Hrsg.) (1986): Pädagogische Psychologie. München: Psychologie Verlags Union. S. 634

10 Pätzold, H. (2004): Lernberatung und Erwachsenenbildung. Baltmannsweiler: Schneider.S.52

11 Eckert, Schiersmann, Tippelt.: Beratung und Information in der Weiterbildung.Schneider Verlag Hohengehren, 1997.

12 Wilhelm Mader: Weiterbildung und Beratung. In: Rudolf Tippelt: Handbuch Erwachsenenbildung/ Weiterbildung. VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005. S.323

13 Ebd.

14 Vgl. ebd.

15 Ebd.

16 Wilhelm Mader: Weiterbildung und Beratung. In: Rudolf Tippelt: Handbuch Erwachsenenbildung/ Weiterbildung. VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005. S.325

17 Wiltrud Gieseke: Weiterbildungsberatung als Scharnierstelle zwischen Angebot und Teilnahmeentscheidung. In: Ekkehard Nuissl, Christiane Schiersmann, Horst Siebert (Hrsg.): Pluralisierung des Lehrens und Lernens.Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 1997, S.99

18 A. Haubrock: Entscheidungsunterstützung in der Weiterbildungsberatung. Waxmann Verlag GmbH, Münster/ New York 1992

19 Ebd.

20 Memorandum über Lebenslanges Lernen der EU-Kommission: http://www.bologna-berlin2003.de/pdf/MemorandumDe.pdf, 1.10.2010, 17:14

21 Zukunft im Zentrum: Beratungspraxis und Selbstverständnis http://www.aewb-nds.de/cms/images/stories/Bildungsberatung/15-09-2010/Beratungspraxis_und_Selbstverstaendnis.pdf ; 15.9.2010; 12:27

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Beratung für Weiterbildungsinteressierte mit Migrationshintergrund oder ohne
Untertitel
The role of advice for migrants and people with further education intentions
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
53
Katalognummer
V182109
ISBN (eBook)
9783656055822
ISBN (Buch)
9783656055907
Dateigröße
1130 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, beratung, weiterbildungsinteressierte, migrationshintergrund
Arbeit zitieren
Elena Bromberg (Autor), 2010, Die Rolle der Beratung für Weiterbildungsinteressierte mit Migrationshintergrund oder ohne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182109

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Rolle der Beratung für Weiterbildungsinteressierte mit Migrationshintergrund oder ohne



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden