Das Gleichnis vom Sämann - Eine Exegese zu Mk 4,1-9


Quellenexegese, 2009

31 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wissenschaftlich-methodische Exegese
1.1 Textkritik
1.2 Literarkritik
1.2.1 Äußere Abgrenzung
1.2.2 Innerer Aufbau
1.3 Synoptischer Vergleich
1.4 Form- und Gattungskritik
1.4.1 Form- und Gattungsbestimmung
1.4.2 Frage nach dem Sitz im Leben
1.4.3 Formgeschichte
1.5 Traditionsgeschichte
1.6 Redaktions- und Überlieferungskritik
1.7 Theologische Gesamtdeutung

2. Hermeneutik und Vergegenwärtigung
2.1 Religionspädagogische Hermeneutik
2.2 Praktisch-theologische Hermeneutik

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit zum Seminar ÄEinführung ins Neue Testament“ soll die Perikope Mk 4,1-9 näher betrachtet werden.

Im ersten Kapitel wird der Bibeltext anhand der Instrumente und Kriterien einer methodisch-wissenschaftlichen Exegese untersucht werden. Da die Textkritik von einer Studentin der Religionspädagogik mit nicht ausreichenden Griechischkenntnissen kaum durchgeführt werden kann, muss dieser Arbeitsschritt auf den Vergleich unterschiedlicher Textfassungen in der Lutherbibel, der Zürcher Bibel und der Hoffnung für alle Bibel beschränkt werden. Neben der Literarkritik soll der Schwerpunkt vor allem auf dem synoptischen Vergleich, der Form- und Gattungskritik und die Betrachtung der Traditionsgeschichte liegen, da die zu untersuchenden Textstelle durch diese Arbeitsschritte am besten analysiert und tiefgehend verstanden werden kann. Ziel dabei ist es den vermeintlich ursprünglichen Charakter des Gleichnisses mit der Überlieferung im Markusevangelium zu vergleichen und daraus Schlüsse auf die Form und Gattungsbestimmung ziehen zu können. Wie sich herausstellen wird, handelt es sich bei der Perikope um Markusstoff, der auch durch Matthäus und Lukas redaktionell überarbeitet worden ist, was einen synoptischen Vergleich unausweichlich macht.

Im zweiten Teil dieser Arbeit soll dann der Transfer in die Gegenwart vollzogen werden. Dabei wird der Text in unsere heutigen Lebensumstände übertragen und auf seine aktuelle Aussagekraft hin untersucht. Dabei werden die persönliche Meinung und die Interpretation des Autors dieser Arbeit ebenso zur Sprache gebracht werden, wie die Frage nach dem Gehalt des Gleichnisses für Schüler und Schülerinnen und deren Verstehenswelt. Dazu wird eine mögliche Umsetzung des Gleichnisstoffes im Religionsunterricht angesprochen und skizziert.

In der vorliegenden Hausarbeit soll die zu untersuchende Perikope als Gleichnis vom Sämann bezeichnet werden, ohne jedoch die Schwierigkeiten der Gattungsbestimmung und die der je nach Bibelübersetzung variierenden Betitelung der Perikope außer Acht zu lassen.

1. Wissenschaftlich-methodische Exegese

1.1 Textkritik

Für die Untersuchung des Gleichnisses vom Sämann (Mk 4,1-9) werden neben der Zürcher Bibel (2007) und der Lutherbibel (1984), noch die Hoffnung für alle Bibel (2002) herangezogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1: Vergleich der Textfassungen

Bei dem Vergleich der drei Übersetzungen sind lediglich Unterschiede in der sprachlichen Gestaltung auszumachen, die in der obigen Tabelle farbig markiert sind. Als erstes fallen dem Leser die unterschiedlichen Überschriften auf, mit der dieser Abschnitt betitelt wird. Während in der Zürcher Ausgabe vom ÄGleichnis vom vierfachen Acker (und seiner Deutung)“ die Rede ist, titelt die Lutherbibel ÄVom Sämann“ (Gott) und die Hoffnung für alle Bibel überschreibt das Gleichnis mit ÄDas Gleichnis vom Bauern, der Getreide aussät.“ Daran erkennt man die unterschiedliche Akzentuierung der einzelnen Ausgaben: Während die Lutherbibel die Rolle des Sämanns, also Gottes, betont, legen die anderen beiden Ausgaben ihr Augenmerk auf die unterschiedlichen Böden, also die Menschen, die die Samen bzw. die christliche Botschaft empfangen.

Des Weiteren lässt sich feststellen, dass sich die Zürcher Bibel in dieser Perikope nur geringfügig von der Lutherbibel unterscheidet, während sich bei der Übersetzung der Hoffnung für alle Bibel die meisten Abweichungen finden lassen. Die erste bedeutende Diskrepanz lässt sich bereits im ersten Vers ausmachen. Bei den beiden erst genannten Übersetzungen lehrt Jesus am Ufer des Sees seinen Anhängern etwas. Im Gegensatz dazu belegt die dritte Version, dass Jesus lediglich zu seinen Zuhörern sprach (Vgl. V.1). Die ersten beiden Bibeln unterstützen so die Vorstellung von Jesus, als einem Prediger und Lehrer. Im zweiten Vers scheinen diese Vorstellungen der Autoren weiter beibehalten zu werden, da die Zürcher und die Lutherübersetzung von einem Jesus berichten, der in Gleichnissen lehrt und sie nicht erklärt (vgl. V.2). Im gleichen Vers findet sich noch ein weiterer wichtiger Unterschied: Nach der Übersetzung von ÄHoffnung für alle“ gibt Jesus im Namen Gottes die Gleichnisse an die Menschen weiter. Es lässt sich nur vermuten, warum die anderen beiden Übersetzungen von dieser Interpretation abgesehen haben. Möglicherweise hängt es mit der markinischen Tendenz zusammen, das Wirken Jesu unter der Verhüllung seines wahren Wesens zu beschreiben. Nach der These des Messiasgeheimnisses habe Jesus seinen Jüngern nämlich nicht offenbart, dass er der Messias sei.1 Auffällig ist zudem, dass nach der Übersetzung von ÄHoffnung für alle“ an einigen Stellen erklärende Worte hinzufügt sind, die bei den anderen zwei Übersetzungen fehlen. Die Autoren haben dadurch versucht, schwierige oder unverständliche Sachverhalte klarer darzustellen um die Inhalte somit auch Kindern und Jugendlichen leichter zugänglich zu machen (vgl. V. 5-6, 8,9).

Zum Schluss ist noch anzumerken, dass sich alle folgenden Untersuchungen, wenn nicht anders gekennzeichnet, auf die Textfassung der Zürcher Bibel stützen werden. ÄWie es der Tradition der auf die Zürcher Reformation zurückgehenden Bibel entspricht, bemüht sich auch die neue Übersetzung um größtmögliche Nähe zu den jeweiligen Sprachen der Ausgangstexte. […] Es gehört zu ihrer Tradition, dass die Übersetzung so wenig wie möglich interpretiert und in Bezug auf Erläuterungen und Kommentare zurückhaltend ist.“2 Für den Leser heißt das, dass Zweideutigkeiten nicht erklärt und kulturelle Unterschiede zwischen der damaligen und unserer Welt nicht aufgelöst werden. So ermöglicht diese Übersetzung einen unverstellten und möglichst authentischen Zugang zu den biblischen Texten.3

1.2 Literarkritik

1.2.1 Äußere Abgrenzung/Kohärenz

Das Markusevangelium erzählt die christliche Botschaft als Geschichte in kleinen Abschnitten. Im Gegensatz zu Lukas, der seinen Lesern zum Beginn des Evangelium einleitende Worte zu Sinn und Zweck seiner Abfassung schildert, lässt Markus seine Intention und den Zweck seiner Schriften offen. Das Sprachniveau ist als nicht allzu hoch zu bewerten, da sich Markus im Urtext an ein schlichtes Griechisch hält, das von der damaligen Umgangsprache nicht weit entfernt lag. Zudem findet sich im Text eine gewisse Nähe zur Mündlichkeit. Es ist davon auszugehen, dass sich sein Evangelium als eine Art Lehrbuch an Gemeindemitglieder richtet und hauptsächlich für Leser bestimmt ist, die die Nachfolge Jesu bereits angetreten haben und somit schon mit einigen wichtigen Elementen der christlichen Botschaft vertraut sind.4

Das Evangelium des Markus kann in vier Teilstücke gegliedert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.2: Gliederung des Markusevangelium

In Mk 1,16-6,6a berichtet der Autor vom Auftreten Jesu in Galiläa und in der näheren Umgebung des Sees Genezareth. In den darauffolgenden Abschnitten erzählt Markus von Heilungen und Exorzismen, die am See stattfinden (3,7-12). Zu diesem Teilabschnitt gehört auch die Auswahl der zwölf Apostel (3,13-19) und eine Reihe von Konfliktsituationen, die sich vor allem auch auf die Dämonenaustreibungen beziehen. Unmittelbar danach gerät Jesus mit gegnerischen Schriftgelehrten aneinander und verlässt seine Familie, die ihn nicht als den Messias erkennt. (3,20- 35).

Das vierte Kapitel schließlich ist zu großen Teilen als Redeszene gestaltet, in der Jesus der versammelten Menge Gleichnisse und Bilderzählungen erzählt. Wenn man die obige Einteilung zu Grunde legt, gehört das vorliegende Gleichnis also zum ersten Hauptteil und zeigt Jesus bei einer Ansprache an seine Anhänger und Zuhörer am See Genezareth. Die Gleichnisrede markiert die erste große Rede im Markusevangelium und steht zum Beginn des ersten Hauptteils, als Jesus sein Wirken auf den näheren Umkreis ausweitet. Das eigentliche Gleichnis 4,1-9 wird von einer Deutung in 4,10-20 angerundet. Auf die Perikope hin folgen dann in 4,35-5,43 zahlreiche Wundererzählungen, in denen der Glaube der Betroffenen eine bedeutende Rolle spielt.5

Im zu untersuchenden Textstück dominiert eine immer wiederkehrende oder ähnlich gestaltete Satzkonstruktion. Damit soll es Zuhörern bzw. Lesers erleichtert werden dem Redner Jesus zu folgen. (Vgl. V. 7 u.8: ÄAnderes fiel unter Dornen […] und brachte keine Frucht. Wieder anderes fiel auf guten Boden und brachte Frucht.). Die Tatsache, dass die meisten Sätze lediglich mit der Konjunktion und verbunden sind und dass Kausalzusammenhänge immer mit dem Wort weil eingeleitet werden, spricht ebenfalls für ein einfaches Sprachniveau und bestätigt die Vermutung, dass der Gehalt des Gleichnisses wichtiger ist, als dessen sprachliche Ausgestaltung. (Vgl. V.6 u. 7: ÄUnd als die Sonne aufging, wurde es versengt; und weil es keine Wurzeln hatte verdorrte es. Anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen schossen auf und erstickten es […].) Eine Besonderheit stellt die oben erwähnte Verständniserklärung des Gleichnisses in Mk 3,10-20 dar. In dieser deutet Jesus seinen Jüngern auf deren Nachfrage hin das Gleichnis und erläutert die wichtigsten Inhalte.

1.2.2 Innerer Aufbau

In Anlehnung an Blomberg lässt sich der Stoff des Bibeltextes wie folgt skizzieren6:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Inhaltlicher Aufbau des Gleichnisses

Das zu untersuchende Gleichnis beschreibt inhaltlich den Vorgang einer Aussaat, bei der die Samen auf vier unterschiedlich geartete Bodentypen fallen. Die positive bzw. negative Entwicklung des Saatguts hängt von der Qualität und Beschaffenheit des jeweiligen Boden ab. So wird das Schicksal der Samen schon mit dem Auftreffen auf einen besser oder schlechter geeigneten Erdboden besiegelt. Der Sämann überragt als handelnder und ausführender Charakter das Schaubild. Die von ihm ausgesäte Saat hat zwei Möglichkeiten: Entweder sie gedeiht und bringt Frucht, oder sie vergeht. Die Saat bringt keine Ernte ein, wenn sie auf den Weg, auf den Felsen oder unter Dornen fällt, da die dort gegebenen Lebensbedingungen nicht genügen, um eine erfolgreiche Entwicklung zu garantieren.

Bei der vorliegenden Perikope lässt sich folgender Aufbau feststellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Eckey (2008), S.167ff.

2 <http://www.die-bibel.de/online-bibeln/zuercher-bibel/ueber-die-zuercher-bibel/> [eingesehen am: 30.01.10]

3 Vgl. Ebd.

4 Vgl. Eckey (2008), S.18ff.

5 Vgl. Eckey (2008), S.164f.

6 Vgl. Blomberg (1998), S.199.

7 Mell (1998), S. 45.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Das Gleichnis vom Sämann - Eine Exegese zu Mk 4,1-9
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
2,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
31
Katalognummer
V182131
ISBN (eBook)
9783656055143
ISBN (Buch)
9783656055259
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gleichnis, sämann, eine, exegese
Arbeit zitieren
Katrin O. (Autor), 2009, Das Gleichnis vom Sämann - Eine Exegese zu Mk 4,1-9 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182131

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