Die portugiesischen und spanischen Verbalperiphrasen im Vergleich


Hausarbeit, 2008
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition der Verbalperiphrasen

3 Gruppierung der Verbalperiphrasen

4 Aspektuelle Verbalperiphrasen der Phase im Vergleich
4.1 Die imminentielle Phase
4.2 Die inzeptive Phase
4.3 Die kontinuative Phase und die partialisierende Schau
4.3.1 Die Winkelschau
4.3.2 Die komitative Schau und die progressive Phase
4.3.3 Die prospektive Schau
4.3.4 Die retrospektive Schau
4.3.5 Die kontinuative Schau
4.4 Die regressive, konklusive und egressive Phase

5 Zusammenfassung und Schlussbemerkung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem synchronen Vergleich der portugiesischen und spanischen Sprache hinsichtlich ihres Inventars an verbalen Periphrasen. Dabei ist hervorzuheben, dass ausschließlich das europäische Portugiesisch mit dem europäischen Spanisch konfrontiert wird, da ein innerromanischer Sprachvergleich angestrebt wird. Als ein Ausdruck vor allem der gesprochenen Sprache sind Verbalperiphrasen durch einen steten Zuwachs gekennzeichnet, so dass der gesamte Bestand an Periphrasen kaum zu überblicken ist. Selbst wenn man diese nach einzelnen Kategorien betrachtet, ist zu beacheten, dass „in den romanischen Sprachen [...] jederzeit entsprechende Periphrasen dafür neu gebildet“ (Dietrich 1973, 91 ) werden können. Da die Arbeit zeigen wird, dass unterschiedliche periphrastische Funktionen im Portugiesischen und Spanischen analog realisiert werden, hat sie zum Ziel, aspektuelle Verbalperiphrasen als ein übereinzelsprachliches Phänomen (vgl. Dietrich 1973, 10) darzulegen.

Im Verlauf der Arbeit soll zunächst definiert werden, was unter einer Verbalperiphrase zu verstehen ist und welche Funktionen Verbalperiphrasen haben können. Daran anschließend folgt ein Vergleich im Hinblick auf die aspektuellen Verbalperiphrasen der beiden Sprachen, bei dem jedoch nicht das gesamte sprachliche Material betrachtet werden kann, da die für romanische Sprachen typischen periphrastischen Verbalhandlungen eine vitale Vielfalt ausmacht2. Die Auswahl der im Vergleich angeführten Verbalperiphrasen ist also exemplarisch für deren inhaltliche Funktion zu sehen.

2 Definition der Verbalperiphrasen

Der Begriff Periphrase lässt sich etymologisch vom griechischen perí-phrasis, das so viel wie ‚das Herum-Reden’, ‚Umschreiben’ heißt, herleiten (Bußmann 2002, 505). Dies allein sagt aber noch nichts über die Besonderheiten von verbalen Periphrasen aus.

Unter einer (grammatischen) Verbalperiphrase versteht man einen mehrgliedrigen verbalen Ausdruck, der eine einheitliche grammatische Funktion hat (vgl. Wesch 2001, 76). Er setzt sich meist aus zwei Verbalformen zusammen, von denen eine finit und die andere infinit ist. Das heißt, eine verbale Periphrase ist die Verbindung eines Auxiliars mit einem Vollverb, das in der Form eines Infinitivs, eines Gerundiums oder eines Partizip Perfekt erscheint, zu einer syntaktischen Einheit (vgl. Wesch 2001, 76). Während die lexikalische Bedeutung des Hauptverbs dabei bestehen bleibt, verliert das Hilfsverb seine ursprüngliche lexikalische Bedeutung und wird zu einem „grammatischen Hilfselement“ (Coseriu 1976, 120). Als Beispiel sei hier das spanische voy a hacer genannt. Die lexikalische Bedeutung von voy ‚ich gehe’ ist in dieser Periphrase nicht mehr vorhanden, es bleibt lediglich die „Bedeutungskomponente“ einer „nach vorne gerichteten Bewegung“ (Wesch 2001, 77) erhalten, die Coseriu als „grammatische Kraft“ (1976, 121) des Hilfsverbs bestimmt. Eine nach vorne gerichtete Bewegung, wie ir sie ausdrückt, entspricht einem „zeitlich nach vorne blickenden Tempus“3, dem Futur. Demnach impliziert die Verbalperiphrase voy a hacer eine „kurz bevorstehende Handlung“.

Als Auxiliar im Spanischen und Portugiesischen dienen meist die folgenden Verben, die außerhalb einer periphrastischen Funktion größtenteils auch als Hauptverben verwendet werden (vgl. Coseriu 1976, 122):

a) HABERE und TENERE, wobei haber im Spanischen nur als Hilfsverb auftritt.
b) Bewegungsverben wie IRE und VENIRE
c) STARE (Zustandsverb)
d) VERBEN, die eine ingressive, inzeptive, kontinuative, konklusive oder egressive Bedeutung haben.

Aus dieser Auflistung geht hervor, dass die periphrastischen Verbalformen in den (ibero)romanischen Sprachen nicht nur zur Bildung neuer Tempora dienen, sondern auch, um eine Vielzahl von unterschiedlichen „Gesichtspunkten“4, nämlich den Aspekt, einer Verbalhandlung auszudrücken. Auf die Tempora und die Aspekte der Verbalperiphrasen soll später bei einem direkten Sprachvergleich genauer eingegangen werden.

Von dieser Definition ausgehend, „entsprechen die periphrastischen Formen morphologisch meist folgender Formel:“ (Barme Skript)

Hilfsverb + (evtl. Präp.) + nicht konjugierte Form d. semantischen Hauptverbs

(Infinitiv, Gerundium, Partizip Perfekt)

Es lässt sich zusammenfassend feststellen, dass sich die Bedeutung einer Verbalperiphrase aus zwei Gliedern zusammensetzt und von der lexikalischen Bedeutung des Hilfsverbs als grammatische Kraft, sowie der grammatischen Bedeutung der Form des Hauptverbs abhängt.

3 Gruppierung der Verbalperiphrasen

Um einen Überblick über die Verbalperiphrasen des Portugiesischen und Spanischen und einen Vergleich zu ermöglichen, ist es angebracht, diese hinsichtlich ihrer Funktionen zu gruppieren. Dabei sollen die temporalen, diathetischen und modalen Periphrasen eingangs nur kurz erläutert werden, da das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf den aspektuellen Verbalperiphrasen des Portugiesischen und Spanischen liegt.

An erster Stelle sind die Periphrasen, die mit den Verben HABERE/ TENERE und IRE gebildet werden, zu nennen, da es sich überwiegend um so genannte „temporale Verbalperiphrasen“ (Dietrich 1996, 224) handelt, die in portugiesischen und spanischen Grammatikbüchern zu finden sind. Zu den periphrastischen Tempora des Portugiesischen und Spanischen, die mit HABERE bzw. TENERE gebildet werden, gehören unter anderem Indikativ Plusquamperfekt, Plusquamperfekt II, Konjunktiv Perfekt und das analytische Perfekt (vgl. Barme Skript). Sie drücken eine „retrospektive Perspektive“ (Dietrich 1996, 224) aus, da sie im Bezug zur Vergangenheit stehen.

Die retrospektive Perspektive lässt sich wie folgt herleiten: Eine Verbalhandlung kann auf zwei Ebenen stattfinden, auf einer aktuellen und einer inaktuellen Ebene, in deren Zentren das Präsens, bzw. das Imperfekt stehen. Dabei drückt die Perspektive die Stellung des Sprechers im Verhältnis zur Handlung aus. Sie kann „parallel“ (vor dem Sprecher ablaufend), „retrospektiv“ (zurückschauend) oder „prospektiv“ (vorwärtsschauend) (Coseriu 1976, 93) sein. Die Perspektive entspricht aber nicht etwa den Tempora, sondern sie bestimmt drei „mögliche Zeiträume“ (Coseriu 1976, 94) sowohl auf der aktuellen, als auch auf der inaktuellen Ebene.

Auffallend bei den temporalen Verbalperiphrasen ist, dass sie im Portugiesischen aus dem Verb ter und im Spanischen aus dem Verb haber als Hilfsverben mit dem Partizip Perfekt des Hauptverbs gebildet werden. Zum Beispiel im Plusquamperfekt:

Pg.: tinha cantado vs. Sp.: había cantado (= ‚ich hatte gesungen’)

Mit IRE wird die prospektive Perspektive ausgedrückt, die sich auf die Zukunft bezieht. Das einfache Futur, das mit IRE + Infinitiv gebildet wird, ist in beiden Sprachen zu finden:

Pg.: vou cantar vs. Sp.: voy a cantar (= ‚ich werde singen’).

Das Spanische verlangt in dieser Konstruktion im Gegensatz zum Portugiesischen die Präposition a zwischen dem Hilfsverb ir und dem Hauptverb cantar. In ihrer Bedeutung ist die Periphrase jedoch in beiden Sprachen konvergent, da sie eine kurz bevorstehende Handlung kennzeichnet.

Neben der temporalen Funktion von Verbalperiphrasen ist auch die „diathetische“ (Dietrich 1996, 223) Funktion zu nennen. Zu den diathetischen Verbalperiphrasen gehört das Passiv, das in den romanischen Sprachen „durchgehend periphrastisch ausgedrückt“5 wird. So auch im Portugiesischen und Spanischen. Hier wird die Periphrase aus dem Verb ESSE (‚sein’) und dem Partizip Perfekt gebildet:

Pg.: Os exercícios s ã o corrigidos por ele.

Sp.: Los ejercicios son corregidos por él.

(= ‚Die Übungen werden von ihm korrigiert’)

Periphrasen mit modalen Funktionen drücken die „Befindlichkeit des Subjekts in Bezug auf die Ausführung der Handlung aus.“ So kommen ihnen Bedeutungen der Notwendigkeit, Möglichkeit, Wirklichkeit und Intention zu. Die Konstruktion der modalen Periphrase besteht meist aus verba adiecta und Infinitiv: z.B. Pg.: ter que vs. Sp.: tener que (‚müssen’)

[...]


1 Die ausführlichen bibliographischen Angaben erfolgen im Literaturverzeichnis.

2 Die im Vergleich angeführten Beispiele und Übersetzungen sind dabei im Wesentlichen aus Coseriu 1976, Dietrich 1996, Fernandez 1999, Schemann 1983, sowie Langenscheidts Wörterbuch (Spanisch und Portugiesisch) 2004 entnommen.

3 Dieses und das nächste Zitat sind Wesch 2001, 76f entnommen.

4 Vgl. Barme Skript zum Proseminar innerromanischer Sprachvergleich, WS 2008/2009.

5 Die Zitate der Absätze zu diathetischen und modalen Periphrasen bzw. verba adiecta sind Dietrich 1996, 223-229 entnommen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die portugiesischen und spanischen Verbalperiphrasen im Vergleich
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar Innerromanischer Sprachvergleich
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V182152
ISBN (eBook)
9783656059530
ISBN (Buch)
9783656059363
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romanistik, Sprachwissenschaft, Spanisch, Portugiesisch, Verbalperiphrasen, Grammatik, Sprachvergleich, Linguistik, Romanische Sprachen
Arbeit zitieren
Melanie Strobach (Autor), 2008, Die portugiesischen und spanischen Verbalperiphrasen im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182152

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