Microlearning im Kontext digitaler Lernformen


Bachelorarbeit, 2011
62 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Digitale, mobile Lernwelten
2.1 Mobile Learning
2.1.1 Definitionen
2.1.2 Facetten der Mobilität
2.2 Technische Grundlagen
2.2.1 Drahtlose Kommunikationstechniken
2.2.2 Mobile Endgeräte
2.2.3 Problemfelder der Technik

3 Microlearning
3.1 Definition Microlearning
3.1.1 Digitales Storytelling und Narration
3.2 Angebotsstrukturen
3.2.1 Soziale Netzwerke
3.2.2 Weblog
3.2.3 SMS

4 Pädagogische Grundlagen
4.1 Lerntheorien
4.1.1 Behaviorismus
4.1.2 Kognitivismus
4.1.3 Konstruktivismus
4.1.4 Konnektivismus
4.2 Lernformen
4.2.1 Formales Lernen
4.2.2 Informelles Lernen
4.2.3 Selbstgesteuertes Lernen
4.3 Volitional gestütztes Lernen
4.3.1 Theorie der Handlungskontrolle
4.3.2 Das Rubikon-Modell der Handlungsphasen

5 Microlearning als flexible, dynamische Antwort
5.1 Lernarrangements
5.2 Mobiles Lernen in der Schule
5.3 Learning Content Management Systeme (LCMS)
5.4 Microlearning im Internet/Intranet
5.5 Web 2.0 und Microcontents

6 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Kontext des Mobile Learning

Abbildung 2: Unterschiedliche Smartphones

Abbildung 3: Versionen des Microlearning nach Theo Hug

Abbildung 4: Screenshot Twitter: Flash Cards

Abbildung 5: Übersicht der Lerntheorien

Abbildung 6: Dimensionen von Lernformen

Abbildung 7: Aussagenlogische Sequenz von Fragen und Antworten

Abbildung 8: Struktur von Drill & Practice Programmen

Abbildung 9: iPhone App Vokabeltraine

Abbildung 11: Screenshot MIT Open Course Ware

Abbildung 12: Sceenshot: MIT Open Course Ware führt iPhone App ein

Abbildung 13: Screenshot: 140 University bei Twitter

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Ubiquitäres und mobiles Lernen

Tabelle 2: Kategorisierung partizipativer Medien

1 Einleitung

In der Bildungsarbeit der letzten Jahre haben sich mit zunehmender Akzeptanz und Verbreitung der Computertechnologie Lerninstrumente wie Computer Based Training (CBT) und mit der weitflächigen Erreichbarkeit des Internets Web Based Training (WBT) etabliert. Durch e-Business und e-Commerce entwickelte sich auch der Begriff des E-Learning (E für Electronic). Die technologischen Fortschritte bei Hard- und Software führten zur Entwicklung von Mobile Business, Mobile Commerce und Mobile Learning.

Die Mobiltechnologie hat das Alltagsleben erheblich beeinflusst und verändert. Menschen sind durch mobile Telefonie zu jeder Zeit erreichbar. SMS- Kommunikation, eigentlich bedienungsunfreundlich und umständlich, hat sich als alltagstauglich durchgesetzt und sorgt mit einer sich immer noch erweiternden Angebotspallette bei Mobilfunkanbietern für große Umsätze. Mobiles Internet ist für die meisten Geräte standardmäßig zumindest möglich. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld ist Kommunikation flexibler geworden und ermög- licht z.B. mit den sogenannten Web 2.0 Anwendungen wie Facebook, Xing, Twit- ter und Co immer neue Möglichkeiten.

Diese Vielfalt eröffnet neue Zugangswege, die mit herkömmlichem Bildungsinstrumentarium nicht ohne weiteres zu erschließen sind. Grundsätzlich sollte ein zeitgemäßer Bildungsbegriff Basis für Überlegungen zur Anpassung und vielleicht auch der Schaffung eines neuen Instrumentariums sein.

Zeitgemäße Bildung wird immer mehr als Ware verstanden, mit dem Ziel, sich auf der Höhe der Zeit zu bewegen, ein learning on demand. Der Mensch wird als Hu- mankapital betrachtet, dessen Wert sich daran bemisst wie viel er aufgrund seiner Bildung erwirtschaftet. Bildung ist somit eine Ware, deren Erwerb sich durch mögliche Laufbahnen rentieren muss (vgl. Dörpinghaus u.a 2009, S. 96), wie Dör- pinghaus (2009) kritisch und die Realität doch treffend beschreibend, anmerkt. Dies bedeutet, dass ein Mensch gerade so viele Kenntnisse und Fähigkeiten benö- tigt, wie im Interesse des Erwerbs notwendig sind. Betrachtet man den Faktor Zeitaufwand von Bildung, dann gehen die Bestrebungen dahin, Zeitverluste zu verhindern, um schnell produktiv werden zu können.

Das Lernen „auf Vorrat“, mit dem Ergebnis, dass viel von dem Erlernten in der Praxis nicht benötigt wird, kann in dem Konzept „Mensch als Humankapital“ nicht sinnvoll integriert werden. Da aufgrund der immer stärkeren Vernetzung mit modernen Medien jede Information überall und zu jeder Zeit abrufbar ist, muss das Lernen „auf Vorrat“ zwangsläufig in den Hintergrund treten und die Frage danach, welches Basis- Knowhow verfügbar sein muss und was aktuell an Wissen abgerufen werden muss, tritt in den Vordergrund.

Mobiles Lernen wird als Lernen in und durch sich ständig verändernde Kontexte mithilfe von Mobilgeräten (vgl. Pachler, Bachmair und Cook 2010, S.7) charakterisiert. Neue Konzepte und das Angebot moderner Lehrmethoden mit modernen Lernmedien werden in Zukunft ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor für junge, technikorientierte Menschen sein, die bereits heute multitaskingfähig mit z.B. Internet, Telefon und Smartphone usw. umgehen.

Microlearning könnte die komplementäre Komponente sein, die die Ausschöpfung mobilen Lernens vor diesem Anforderungskanon ermöglicht. Microlearning, das Lernen mit kleinen und kleinsten Lerninhalten, kann als Sammelbegriff für ver- schiedene Lernaktivitäten und Modelle in unterschiedlichste lerntheoretische und didaktische Zusammenhänge eingebunden sein. Die Verbindung mit mobiler Technologie ermöglicht Microlearning ein ubiquitäres (allgegenwärtiges) Lernen und unterstützt so den kontinuierlichen Lernprozess im Alltag in kleinen Einhei- ten, sowohl hinsichtlich der zeitlichen Ressourcen als auch des Umfangs (vgl. Hug 2010, S. 221-222).

Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, ob nach dem jetzigen Stand der Forschung Mo- bile Learning mehr ist, als nur der flexibel gestaltete Konsum von elektronischem Lernmaterial und inwieweit Microlearning eine sinnvolle bzw. sogar notwendige Ergänzung darstellt. Weiter soll die Relevanz der pädagogischen Implikationen herausgearbeitet werden. Technische Details und Möglichkeiten sollen Eingang in die Ausarbeitung finden. Jedoch sollen diese Aspekte eher der Verdeutlichung und Vervollständigung des Themas dienen. Herausgestellt werden soll, dass es beim mobilen Lernen nicht alleine um die „Übertragung von Content“ mittels mobiler Devices (Übertragungsvorrichtungen) und dergleichen geht, sondern vielmehr um die Befähigung zur Aneignung und Entwicklung jenes Wissens, das für erfolgreiches Handeln in veränderlichen Lagen und Kontexten sowie sich wandelnden Lernräumen erforderlich ist (vgl. Hug 2010a, S. 200).

Forschungsleitend sollen folgende Fragestellungen berücksichtigt werden:

Inwiefern sind Mobile Learning und Microlearning kompatibel und komplementär und stellen mit ihrem Einsatz ein wichtiges Element für den lebenslang und selbstorganisiert Lernenden dar?

Inwiefern kann die Verbindung von Microlearning und Mobile Learning als Chance zur Erweiterung bestehender E-Learning-Strukturen gesehen werden, die es ermöglicht, formale Qualifizierungsangebote in Richtung Wissensmanagement und informelles Lernen zu öffnen?

Nach einer grundlegenden Betrachtung der Bereiche Mobile Learning und Microlearning werden die Lerntheorien im Kontext dargestellt. Relevante Lernformen und didaktische Konzepte bilden die Ausgangslage, um auf Besonderheiten mobiler Lernformen eingehen zu können. Abschließend werden konkrete Projekte dargestellt, die die theoretischen Überlegungen ergänzen und die Relevanz der Thematik für die Praxis verdeutlichen.

Die im Text verwendeten männlichen Formulierungen (z.B. Nutzer, Anwender) verstehen sich nicht als wertend geschlechtsspezifisch, sondern als neutrale For- mulierungen, die im Sinne einer vereinfachten Lesbarkeit verwendet werden.

2 Digitale, mobile Lernwelten

Mobile Technologien sind heute Teil der Alltagswelt. Es ist selbstverständlich geworden, zu jeder Zeit mit Jedem in Kontakt treten können und das sogar noch unabhängig vom Standort. Es ist alltäglich Zugang zu Informationen zu haben, Fotos zu machen, Musik zu hören und persönliche Gedanken aufzuzeichnen. Und das alles mit z.B. nur einem technischen Gerät. Zusätzlich besteht die Möglichkeit all dies mit anderen zu teilen. Die fortschreitende Miniaturisierung der Hardware lässt immer kleinere und rechenstärkere Generationen von mobilen Endgeräten zu. Immer mehr neue Entwicklungen in der mobilen Technologie erschließen ein im- mer größeres Potential von vielfältigen Multimedia Erfahrungen und Ressourcen, das von den Nutzern auch angenommen wird, wie das folgende Beispiel zeigt. Im Jahr 2002 wurden drei Millionen multimediale Nachrichten mit MMS (Multimedia Messaging Service) in Deutschland verschickt. Im Jahr 2003 hatte sich die Menge dieser Nachrichten auf 31 Millionen erhöht (vgl. Nösekabel 2010, S.2). Im Jahr 2006 besaßen ungefähr 40 Prozent der Weltbevölkerung ein Handy (vgl. Logara 2008, S. 13). Die aus diesen Entwicklungen resultierende Herausforderung ist es, diese Technologien zu verstehen und zu untersuchen. Ziel ist es herauszufinden, wie diese Ressourcen eingesetzt werden können, um Lernprozesse zu unterstützen, die als Erweiterung des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewälti- gung von Lebenssituationen dienen (vgl. Siebert 2001, S. 195). Deshalb soll in diesem Kapitel aufgezeigt werden, was Mobile Learning, in Begriffsabgrenzung zu E-Learning, ist und welche Technologien zur Unterstützung sinnvoll eingesetzt werden können.

2.1 Mobile Learning

Im Folgenden werden unterschiedliche Definitionen für Mobile Learning genannt und auf die besonderen Aspekte von Mobilität hingewiesen.

2.1.1 Definitionen

Um den Begriff Mobile Learning zu klären, ist es sinnvoll in Abgrenzung dazu den Begriff des E-Learning kurz zu betrachten und eine Positionierung der beiden Begriffe zu versuchen. Für den Begriff E-Learning (Electronic-Learning) gibt es verschiedene Definitionen. Allen gemein ist dabei die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. E-Learning ist die Erweiterung des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung von Lebenssituationen mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien. Es finden sich allerdings keine detaillierten Angaben zu den Aspekten der verwendeten Technologie, der Lehr- und Lernprozesse sowie des Wissens und Lerninhalts (vgl. Krause 2006, S. 22-27). Eine mögliche Konkretisierung findet sich in der folgenden Definition: „E- Learning findet statt, wenn Lernprozesse in Szenarien ablaufen, in denen gezielt multimediale und (tele) kommunikative Technologien integriert sind.“ (Seufert, Mayr 2002, S. 45).

Die folgende Abbildung soll die unterschiedlichen Überschneidungen von Lernformen aufzeigen und insbesondere die Relation von E-Learning und Mobile Learning sichtbar machen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kontext des Mobile Learning (Bartel 2007, S. 10)

Das Postulat „Mobiles Lernen ist mehr als `eLearning light´“ (Schwabe, Frohberg 2004, S. 171) zeigt, dass es Aussagen gibt, die Mobile Learning lediglich als Vari- ante des E-Learning beschreiben, in der bewährte Konzepte auf mobile Geräte übertragen werden. Am exponentiell zunehmenden Interesse an Mobile Learning, welches sich alleine schon durch die Zunahme der Einträge im Internet zeigt (vgl. Laouris, Eteokleous 2005, S. 1), ist auf jeden Fall zu erkennen, dass es sich nicht um eine kurzlebige Modeerscheinung handelt. Eine Google Suche im Januar 2005 mit der Kombination der Begriffe „Mobile Learning“ und „Definition“ erbrachte 1240 Einträge. Die gleiche Abfrage nur ein halbes Jahr später zeigte 22700 Einträ- ge (vgl. Laouris, Eteokleous 2005, S. 1). Es ist wichtig darzustellen, dass Mobile Learning nicht lediglich eine Neuverpackung bereits existierender Konzepte ist und für sich versucht, einen Nischenplatz im Bereich Bildung zu besetzen, sondern als eigenständiges Konzept tragfähig ist (vgl. Laouris, Eteokleous 2005, S. 1).

Die Ermittlung einer einheitlichen Definition für den Begriff des Mobile Learning zeigt sich als problematisch. Selbst das Verständnis darüber, was die beiden Be- griffskomponenten Lernen und Mobilität einzeln und zusammengesetzt beinhalten, geht deutlich auseinander (vgl. Parsons u.a. 2006, S.96). In vielen älteren Definiti- onen wird Mobile Learning als eine Erweiterung von E-Learning beschrieben, bei der Lernen durch digitale, „elektronische“ Werkzeuge und Medien unterstützt wird (vgl. Pinkwart u.a. 2003, S. 384). Eine weitere Definition beschreibt Mobile Lear- ning einfach als ein Lernen, welches mit Hilfe von mobilen Geräten stattfindet und so eine Kombination von Arbeit, Lernen und Freizeit sinnvoll verbindet (vgl. Tu- runen u.a. 2003, S. 209). Mobile Learning beschäftigt sich nach einer weiteren Definition mit jenen digitalen Technologien, welche zunehmend durch Miniaturi- sierung, Flexibilität und Ortsungebundenheit ausgezeichnet sind, bzw. als „ubiquitous computing“ (Rechnerallgegenwart) bezeichnet werden. Gerade in ih- rem Zusammenspiel wird es dem Lernenden ermöglicht unterwegs zu sein und überall sowie jederzeit Zugang zu Lernmöglichkeiten zu finden (vgl. Price 2007, S. 33). O´Malley definiert mobiles Lernen als „alle Arten von Lernen, die dann vorkommen, wenn die Lernenden nicht an einem fixen, vorgegebenen Ort gebunden sind, sowie jenes Lernen, dass geschieht, wenn die Lernenden jene Lernmöglichkeiten ergreifen, die durch mobile Technologie eröffnet werden“ (O´Malley 2003, S. 6). Mobiles Lernen wird in der neueren Literatur als Lernen in und durch sich ständig verändernde Kontexte mithilfe von Mobilgeräten (vgl. Pachler, Bachmair und Cook 2010, S.7) charakterisiert.

Betrachtet man die verschiedenen Definitionen, ist zu erkennen, dass unterschied- liche Bedürfnisse natürlich auch unterschiedliche Anforderungen bedingen. In unterschiedlichen Kontexten wurden Definitionen von Mobile Learning auf spezi- elle Erfahrungen, Nutzungen und Hintergründe angepasst, was natürlich die Band- breite des Verständnisses erheblich vergrößert und es schwierig macht einen Kon- sens zu finden (vgl. Winters 2006, S. 5). Vom technischen Standpunkt her ist es sehr einfach eine Übereinstimmung für eine einheitliche Definition zu erzielen. Aus z.B. pädagogischer, medientheoretischer oder didaktischer Sicht wird dies entsprechend schwieriger. Eins ist jedoch eindeutig erkennbar. Bei der Definition von Mobile Learning verschiebt sich der Akzent immer mehr von den Aspekten der Technik hin zu den Aspekten des Lernens und ganz speziell auf den Lernenden (vgl. Winters 2006, S. 6). Nösekabel nennt vier konstituierende Merkmale, die eine mögliche Herangehensweise bei der Betrachtung ermöglichen:

- Die einzelne Person steht als Nutzer im Fokus,
- Zugriffe auf Informationen erfolgen dezentral,
- die Endgeräte sind miteinander verbunden und
- die Nutzung erfolgt beiläufig (Nösekabel 2010, S. 1).

Abschließend lässt sich feststellen, dass der Begriff Mobile Learning tatsächlich nicht eindeutig definiert werden kann. Allgemein anerkannt und als kleinster gemeinsamer Nenner zu erkennen, ist die Aussage, dass Mobile Learning als das Lernen mit portablen ubiquitären Medien bzw. mobilen Medien überall und zu jeder Zeit verstanden wird.

2.1.2 Facetten der Mobilität

Mobile Learning wird eine Vielzahl von einzigartigen Attributen zuerkannt (vgl. Traxler 2009, S. 10). Um das Einzigartige an Mobile Learning zu erfassen ist es zunächst wichtig, sich einen Überblick über die Charakteristika zu verschaffen.

Ein zentraler Bestandteil des Begriffs Mobile Learning ist „Mobil“ und Moser (2008) beschreibt Lernen als „Mobil“ gleich in einem mehrfachen Sinn:

- Mobilität im physischen Raum, indem die Menschen überall und zu jedem Zeitpunkt Zugang zu Lernräumen haben.
- Mobilität der Technologie, indem einerseits überall tragbare Geräte zur Verfügung stehen, die es dem Nutzer erlauben, sich von überall her in die Netze und persönlichen Accounts einzu- loggen.
- Mobilität im sozialen Raum, welche es ermöglicht, in unter- schiedlichsten sozialen Communities mitzuwirken, die nicht mehr an bestimmte Orte gebunden sein müssen - und mit denen jederzeit Kontakt aufgenommen und kommuniziert werden kann.
- Mobilität im Lernprozess, wodurch formelle und informelle Lernprozesse verbunden werden, sowie Lernaufgaben an einem Ort beginnen und an einem anderen weitergeführt werden können. (Moser 2008, S. 143)

Winters nähert sich den Bemühungen der inhaltlichen Begriffsklärung von Mobile Learning mit der Nennung einiger Schlüsselcharakteristiken, die die oben genann- ten Aspekte zur Mobilität ergänzen. Mobile Learning ermöglicht dem Lernenden den Aufbau von Wissen in unterschiedlichen Kontexten und befähigt ihn sich Er- kenntnisse zu erarbeiten. Mobile Technologie verändert oft das Muster von Lern- /Arbeitsaktivitäten und im Kontext von Mobile Learning geht es um mehr als Zeit und Raum (vgl. Winters 2006, S. 6).

Die folgende Tabelle zeigt schematisch den Beitrag neuer Technologien für die Schaffung einer durchgängigen, ubiquitären elektronischen Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ubiquitäres und mobiles Lernen (Sharples u.a. 2005. o.S.)

Moser (2008) zieht den Schluss, dass durch die Gegenüberstellung in der Tabelle die Nähe des Mobile Learning zu den zeitgenössischen Lehr-Lerntheorien deutlich wird. “Das aktive und personalisierte Lernen entspricht den persönlichen Dienst- leistungen der neuen Medien, welche den Lernenden zur Verfügung stehen. Wird zudem Lernen als situierte und kollaborative Tätigkeit konzipiert, so stehen mobil vernetzte Technologien zu dessen Unterstützung fast überall zur Verfügung. Ubiquitär ist dabei nicht nur das Lernen, sondern digitale Interfaces sind in eine Vielzahl von Geräten … eingebaut, die neue Vernetzungsmöglichkeiten bieten.“ (Moser 2008, S. 143) Moser (2008) weist vor allem auf die Notwendigkeit der Konzeption einer Netzdidaktik in Bezug auf die Möglichkeiten des Mobile Learn- ing hin, in der zukünftige Entwicklungen sowohl im Bereich des Lernens wie auch der Technologien einzubeziehen sind (vgl. Moser 2008, S. 144).

2.2 Technische Grundlagen

Im Folgenden werden die Rahmenbedingungen mobiler Technologien, die Grund- voraussetzung für Mobile Learning sind, vorgestellt. Die breite Verfügbarkeit mo- biler Technologien eröffnen zahlreiche neue Möglichkeiten. Der Einsatz von In- formations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht eine Überbrückung örtlicher Distanz und bedeutet somit eine flexible Zusammenführung von zusam mengehörenden Vorgängen und Prozessen (vgl. Lehner, 2003, S. 5). Die folgenden Ausführungen müssen vor dem Hintergrund der sich ständig weiter entwickelnden Technologie als Momentaufnahme gewertet werden und sind deshalb auch so ausgewählt, dass sie eine Basis darstellen, um ein generelles Verständnis für den Themenkomplex zu erzeugen.

2.2.1 Drahtlose Kommunikationstechniken

Zu den wichtigsten Rahmenbedingungen von Mobile Learning gehört die orts- und zeitunabhänige Möglichkeit auf Informationen zuzugreifen. Dies geschieht haupt- sächlich über den Zugriff auf Mobilfunknetze. Bei den unterschiedlichen Netzzu- gangsmöglichkeiten wird zwischen unterschiedlichen Generationen von Mobil- funknetzen unterschieden. Die Netze der ersten Generation, durchweg auf analo- gen Technologien basierend, sind bereits eingestellt. Das der zweiten Generation zugerechnete GSM (Global System for Mobile Communications) ist ein seit 1990 weltweit etablierter Mobilfunkstandard, der neben der Sprachübermittelung die Übertragung von Textnachrichten (SMS Short Message Service), auch die Über- tragung von Informationsseiten (WAP Wireless Application Protocol), ähnlich dem WWW (WorldWideWeb), ermöglicht (vgl. Sauter 2008, S. 3). Mit der Ein- führung von GPRS (General Packet Radio Service) in 2001, ebenfalls der zweiten Generation zugerechnet, wurde ein weiterentwickelter Mobilfunkstandard fast flächendeckend eingeführt (vgl. Sauter 2008, S. 88). Besonders ist hier als zusätz- liche Anwendung der MMS (Multimedia Messaging Service) zu nennen. Wichtige Faktoren bei der Akzeptanz von unterschiedlichen Standards sind neben den Kos- ten die mögliche Größe der zu übertragenden Datenmengen und die geographische Abdeckung. Die Optimierung dieser Faktoren ermöglicht die Nutzung dateninten- siver Internetapplikationen in den Mobilfunknetzen.

Die dritte Generation der Mobilfunknetze wurde in 2004 mit der kommerziellen Einführung von UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) in Deutschland eingeführt (vgl. Alby 2008, S. 8). Erhebliche Vorteile bietet UMTS neben den bereits durch GSM eingeführten Diensten, durch die erheblich höhere Datenrate. Der Zugang zu multimedialen Internetdiensten wird problemlos mög- 12 lich und erweiterte Dienste wie z.B. Videotelefonie (Skype) sind verfügbar (vgl. Sauter 2008, S. 149). Mit der Einführung von HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) beim Empfang und HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) bei der Sendung von Daten hat sich das mögliche Volumen der Datenübertra- gungsrate erheblich erhöht. Die Qualität der Datenübertragung orientiert sich größ- tenteils an der Qualität der Endgeräte und um UMTS nutzen zu können, müssen die Endgeräte auch UMTS-fähig sein (vgl. Sauter 2008, S. 240). Die zunehmende Abdeckung mit Mobilnetzen und das wachsende attraktive Angebot für Nutzer, wie z.B. Flatrates und subventionierte mobile Endgeräte, hat die Nutzung dieses Zugangs „mehrheitsfähig“ gemacht.

Beim Wireless LAN (WLAN) (vgl. Sauter 2008, S. 271) handelt es sich um draht- lose, lokale Funknetze. Sie werden in Wohnungen eingesetzt. Der WLAN-Router stellt in Kombination mit einem DSL-Modem (Digital Subcriber Line) einen drahtlosen Internetzugang zur Verfügung. Kommerzielle Provider bieten in soge- nannten Hotspots (Flughäfen, Cafés etc.) ihren Kunden den drahtlosen Internetzu- gang sogar kostenfrei an.

Auch an deutschen Universitäten sind drahtlose Netzwerkinfrastrukturen verbreitet und wie auch im häuslichen Rahmen wird mit einer Software der Zugriff auf die Netzwerke gesichert, um nur autorisierten Zugriff zuzulassen.

Die kostenfreie Kurzstreckenfunktechnik Bluetooth gehört technisch gesehen nicht zu den bereits genannten Technologien. Bluetooth wurde entwickelt, um Kabel- verbindungen zwischen unterschiedlichen Geräten auf eng begrenztem Raum zu ersetzen. Viele neuere Endgeräte unterstützen diese Funktion. Gerade bei Mobilte- lefonen und Smartphones wird Bluetooth genutzt, um Daten z.B. mit einem Com- puter abzugleichen oder von einem Smartphone zum nächsten zu übertragen. So kann auch ein Mobiltelefon z.B. über UMTS als Modem für ein Notebook fungie- ren und einen Zugang zum Internet ermöglichen (vgl. Sauter 2008, S. 345-346).

2.2.2 Mobile Endgeräte

Unter mobilen Endgeräten, mit denen Mobile Learning orts- und zeitunabhängig realisiert werden kann, sollen Geräte verstanden werden, die einen mobilen Zugriff 13 auf Information erfüllen. Nicht alle Geräte eignen sich aufgrund ihrer Leistungs- merkmale uneingeschränkt für Mobile Learning, z.B. Laptops, Netbooks und Tab- let PCs müssen vor dem Einsatz hochgefahren werden und sind schwerer und un- handlicher. Das macht sie für den spontanen, kurzen Einsatz in mobilen Lernpha- sen ungeeignet (vgl. Nösekabel 2010, S. 85-88). Mobile Endgeräte im Sinne dieser Ausarbeitung sind alle tragbaren Geräte, die über einen Internetzugang oder ande- re kabellose Übertragungstechniken verfügen, wie z. B. Mobiltelefo- ne/Smartphones und Handhelds/PDAs (Personal Digital Assistant / Persönlicher Informationsmanager), deren zunehmende Multifunktionalität die Grundvoraus- setzung für Mobile Learning darstellt.

Mobile Endgeräte sind weit verbreitet und einem breiten Publikum zugängig. Die Beliebtheit der Geräte ist sicherlich damit zu erklären, dass sie aufgrund von Ge- wicht und Größe jederzeit mitgenommen werden können und natürlich der Benut- zer selbst entscheiden kann wann und wo er das Gerät einsetzen möchte. Selbst Handys (Mobiltelefone), die sicher am weitesten verbreitete Form von mo- bilen Endgeräten, haben sich als klassische Multifunktionsgeräte etabliert. Neben Telefonie, Uhr, Kamera, MP3-Player bieten viele Handys die Möglichkeit des Internetzugangs, wenn auch in eingeschränkter Form, bedingt durch die Größe von Display und Tastatur, aber auch durch beschränkte Softwaremöglichkeiten (vgl. Logara 2008, S. 73-74).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Unterschiedliche Smartphones. Von links: Smartphones mit Stiftbedienung, Querty-Tastatur, numerische Tastatur und Touchsreen.

Mit jeder neuen Mobilgerät-Generation die heute auf den Markt kommt, sind Funktionen aus benachbarten Segmenten mitimplementiert. Unter einem Smart- phone wird allgemein die Kombination eines Mobiltelefons mit einem PDA ver- standen (vgl. Meisenberger 2004, S. 42). Ein modernes Smartphone, Nachfolger des klassischen PDAs hat z.B. ein vollwertiges Betriebssystem, wie es auch in einem PC zu finden ist. Die Quertz-Tastatur (Schreibmaschinen- und Computer- tastatur-Layout) oder Touchscreen, das mobile Internet, GPS Funktionen, MP3- Player, Fernsehen, Video und Kamera gehören zu den meisten Geräten dazu und Erweiterungen sind meistens möglich. Die Verfügbarkeit von schnellen Internet- verbindungen über die Mobilfunknetze und teilweise auch über WLAN machen die aus dem Internet bekannten Anwendungen wie E-Mail, Chat und Web selbst für Geräte mit einem aus der heutigen Sicht niedrigen technischen Standard mög- lich (vgl. Logara 2008, S. 63-65).

2.2.3 Problemfelder der Technik

Die Möglichkeiten der Datenübertragungen entwickeln sich immer weiter. Die Größen der Datenübertragungsraten steigen und es wird weiterhin zu Weiterent- wicklungen bei den Standards der Netzzugangsmöglichkeiten kommen. Hotspot- und Bluetooth Technologie ermöglichen einen kostenfreien Zugang, jedoch sind in anderen Bereichen der Datenübertragung über Mobilfunknetze (GPRS, UMTS) die Übertragungskosten eine nicht unerhebliche Hürde für den Nutzer.

Die mobilen Endgeräte haben trotz ständiger Weiterentwicklung meist immer noch sehr begrenzte Kapazitäten beim Speicherplatz. Die geringen Bildschirmgrößen eignen sich nicht zum Lesen längerer Texte, auch bildliche Darstellungen sind stark limitiert (vgl. Nösekabel 2010, S. 85-88). Darüber hinaus lässt die Größe der Geräte nur eine eingeschränkt komfortable Bedienung bei der Eingabe von Texten zu. Kurze Akkulaufzeiten und geringe Prozessorleistung beschneiden darüber hinaus die Möglichkeiten der Geräte (vgl. Alby 2008, S. 66).

Probleme treten auch bei unterschiedlichsten Softwareanwendungen auf, die durch die verwendeten Programmiersprachen (z.B. Java, HTML) bedingt sind und das Übertragen von Daten zwischen Browsern und Plattformen erheblich erschwert. 15

Die nicht heterogene Ausstattung der Endgeräte führt dazu, dass die Geräte für jede Plattform gesondert implementiert und angepasst werden müssen (vgl. Ströhlein 2007, S. 3-14).

Mehr Sicherheit bei der Übertragung von Daten, geeignete nutzerfreundliche Software (vgl. Sauter 2008, S. 388) und Aufklärung der Benutzer können die Nutzung von Datendiensten sicherer gestalten und die Akzeptanz erhöhen.

Das Kapitel Digitale, mobile Lernwelten hat gezeigt, dass es aufgrund vielfältiger Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen schwer ist, einen Konsens zu einer einheitlichen Definition für den Begriff Mobile Learning zu finden. Trotzdem ist deutlich geworden, dass Mobile Learning als eigenständiges Konzept tragfähig ist. Zu den Möglichkeiten des Mobile Learning gehört, dass Lernumgebungen nicht mehr an spezifische Orte gebunden sind. Recherchen sind jederzeit möglich, Noti- zen können in mobilen Geräten eingegeben werden, Fotos und Dokumente können jederzeit ins Internet gebracht werden. Zwischen- und Übergangsräume wie Zug- fahrten oder Wartezeiten können für das Lernen genutzt werden. Es ergeben sich neue Möglichkeiten der Lernunterstützung, wenn Lernende und Lehrende durch technische Möglichkeiten in Verbindung treten. Die persönliche Umgebung des Lernenden wird zur Lernumgebung, die überall mitgeführt wird. Lernen kann durch Mobile Learning just-in-time erfolgen (vgl. Moser 2008, S. 144). Weiterhin ist es wichtig, neben den physischen Aspekten der Mobilität, auch Aspekte psychi- scher, kognitiver und sozialer Mobilität einzubeziehen (vgl. Hug 2010, S. 193).

Technologisch gesehen bestehen durch drahtlose Kommunikationstechniken (WLAN, GPRS, UMTS, Bluetooth), dem ubiquitären Zugang zu globalen Netzen (Internet, Intranets, Web 2.0) und mobilen Endgeräten (Handy, PDA, Smartphone) und deren zunehmende Multifunktionalität eine gute Grundlage für Mobile Learn- ing.

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Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Microlearning im Kontext digitaler Lernformen
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
62
Katalognummer
V182212
ISBN (eBook)
9783656057093
ISBN (Buch)
9783656056874
Dateigröße
3148 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungswissenschaft, Bachelorarbeit, Microlearning, Mobile Learning, Digitale Lernwelten, Mobile Lernwelten, Lerntheorien, Lernformen, Volitional gestütztes Lernen, Handlungskontrolle, Rubikon-Modell, Digitales Storytelling, Narration, Soziale Netzwerke, Learning Content Management Systeme, LCMS, Ubiquitäres Lernen, Drill & Practice, Open Cource Ware, Microcontents, Mobiles Lernen in der Schule, Partizipative Medien, Mobile Endgeräte, Drahtlose Kommunikationstechniken, Open Course Ware
Arbeit zitieren
Ute Lüger (Autor), 2011, Microlearning im Kontext digitaler Lernformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182212

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