Sprachliche Besonderheiten der Sendung "Bauer sucht Frau" mit Fokus auf die Verwendung von Metaphern und Phraseologismen und ihrer Wirkung


Essay, 2011

6 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzept der Doku-Soap Bauer sucht Frau

3. Sprachliche Merkmale der Doku-Soap Bauer sucht Frau

4. Metaphern und Phraseologismen in der Doku-Soap Bauer sucht Frau
4.1 Verwendung der Metapher in Bauer sucht Frau
4.2 Verwendung von Phraseologismen in Bauer sucht Frau
4.3 Wirkungen der Metaphern und der Phraseologismen auf den Zuschauer

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis
6.1 Literatur
6.2 Internetquellen

1. Einleitung

Laut des Statistischen Bundesamtes Deutschland lag die Zahl der Haushalte Alleinstehender im Jahr 2009 bei insgesamt 17.509.000[1]. Doch obwohl diese Zahl in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, scheint das Interesse an Themen wie der Partnersuche und der Partnerwahl ungebrochen. Somit lässt es sich womöglich leichter erklären, warum ein TV-Format wie Bauer sucht Frau (RTL) auch bei den deutschen Fernsehzuschauern verstärkt Anklang findet. Die Quotenzahlen sprechen für sich: Die Finalsendung der neunten Staffel am 9. November 2009 verfolgten 7,82 Millionen Zuschauer[2], was einem Marktanteil von 24,6 Prozent[3] entsprach. Das Interesse der Fernsehzuschauer an Einblicken in das Privat- und vor allem das Liebesleben anderer Menschen scheint also stetig zu wachsen und wird mit Formaten wie Bauer sucht Frau befriedigt.

Die vorliegende Arbeit befasst sich jedoch nicht mit der visuellen Darstellung der Suche der Bauern nach der vermeintlich geeignetsten Partnerin, sondern legt ihr Augenmerk auf die sprachlichen Besonderheiten der Sendung mit Fokus auf die Verwendung von Metaphern und Phraseologismen sowie deren Wirkung auf den Zuschauer.

2. Konzept der Doku-Soap Bauer sucht Frau

Basierend auf der britischen Doku-Soap[4] Farmer Wants a Wife [5] , mit deren Hilfe alleinstehende Landwirte eine geeignete Lebensgefährtin suchen, wird seit dem Jahr 2005 auch im deutschen Fernsehen eine Doku-Soap ausgestrahlt, welche inhaltlich an dem britischen Vorbild angelehnt ist – gleich wie in über zwölf anderen Ländern.[6] Das deutsche Format wird 2010 bereits in der sechsten Staffel übertragen[7] und läuft nach einem länderübergreifend immer gleichen Schema ab: Mehr oder weniger sympathisch wirkende Landwirte (mittlerweile auch Landwirtinnen) werden einige Wochen vor Beginn der Ausstrahlung in einer Extrasendung vorgestellt und die Zuschauer dazu aufgerufen, sich bei Interesse an einem Kennenlernen des betreffenden Kandidaten schriftlich an die Fernsehredaktion von RTL zu wenden. In den anschließenden einzelnen Folgen lernen die Bauern ihre aus den gesandten Briefen selbst ausgewählten „Bäuerinnen“ kennen und laden sie zu einer Woche auf dem heimatlichen Hof ein, in welcher sie ihre landwirtschaftlichen Qualitäten unter Beweis stellen sollen, sodass dann am Ende der sogenannten Hofwoche die Bauern ihre Wahl treffen können. Das Ziel ist letztendlich, die Frau bzw. den Mann fürs Leben zu finden, mit welcher/welchem nicht nur das landwirtschaftliche Leben gemeistert werden kann.

3. Sprachliche Merkmale der Doku-Soap Bauer sucht Frau

Beschäftigt man sich linguistisch mit einer der vielen Folgen der oben genannten Doku-Soap, so fällt auf, dass eine Differenzierung zwischen Moderatorenstimme und den Originaltönen der jeweiligen Bauern stattfindet. Während sich die die Moderatorenstimme in der Standardsprache ausdrückt, also in der „[s]eit den 70er Jahren in Deutschland übliche[n] Bezeichnung für die historisch legitimierte, überregionale, mündliche und schriftliche Sprachform der sozialen Mittel- und Oberschicht“[8], scheint es, als ob besonderer Wert darauf gelegt werde, dass sich die vorgestellten Bauern in den für ihre Region typischen Dialektformen artikulieren. Unter Dialekt versteht man die „[s]prachliche Varietät mit begrenzter räumlicher Geltung im Gegensatz zur überdachenden Standardsprache.“[9]. Somit wird ihre Ausdrucksweise unweigerlich in einen Kontrast zur Moderatorenstimme gesetzt, was zu einer größere Identifizierung der Zuschauer mit den Bauern führen soll.

Betrachtet man den Sprachgebrauch innerhalb der Serie, lassen sich verschiedenste Stilmittel ausfindig machen. Auf die am häufigsten verwendeten wird in diesem Abschnitt kurz eingegangen. Die Spezifika der stilistischen Mittel werden im Folgenden durch Fettdruck hervorgehoben. Die Parataxe, also die „[s]yntaktische Verknüpfung von Sätzen durch Nebenordnung […]“[10], ist gerade bei den einzelnen Interviews der Kandidaten auszumachen. Beispielhaft hierfür sei folgende Äußerung genannt: „Das ist nicht nur ein schöner Name , das ist auch eine schöne Frau.“[11] Ebenso wie die Parataxe werden von den Kandidaten oftmals Ellipsen, also „Aussparung[en] von sprachlichen Elementen, die auf Grund von syntaktischen Regeln oder lexikalischen Eigenschaften […] notwendig und rekonstruierbar sind“[12], gebraucht. Exemplarisch kann dies an folgender Aussage gezeigt werden: Kandidatin: „Ich hab das Gefühl, ich hab zu viel Mehl in den Teig gemacht“. Antwort: „Nein, [ ausgelassen: das war ] zu wenig [ ausgelassen: Mehl ]!“[13]. Auffällig ist jedoch, dass die Moderatorenstimme von diesen stilistischen Mitteln keinen Gebrauch macht.

Im Gegensatz dazu wird bei der Kommentierung des Geschehens durch den Moderator auffallend häufig die Alliteration, also die „Wiederholung bzw. [der] Gleichklang der Anlaute von betonten Silben […]“[14] verwendet, wie die Personenbezeichnung „der r aubeiniger R inderwirt Bruno“[15] zeigt. Sehr auffällig ist auch die häufige Verwendung von Possessivpronomen, die „[…] generell Beziehungen der Zugehörigkeit anzeigen […]“[16], wie das Beispiel: „Überglücklich, dass seine Moni endlich da ist, kutschiert der Schäfer seine Außerwählte zu sich auf den Hof“[17] beweist. Vermittelt werden soll dadurch bereits der Eindruck einer Zusammengehörigkeit zwischen dem Bauern und seiner eventuell zukünftigen Partnerin. Doch die beiden am häufigsten verwendeten stilistischen Mittel sind zweifelsohne zum einen die attributiv gebrauchten Adjektive und zum anderen die Metaphern, auf welche im folgenden Kapitel aufgrund ihrer häufigen Verwendung genauer eingegangen wird. Wiederum ist zu erkennen, dass von den attributiv verwendeten Adjektiven fast nur in der Moderation Gebrauch gemacht wird und sie in fast allen Passagen der Moderatorenstimme aufzufinden sind. Gleichgültig, ob der „ beleibte Maik“[18], der „ attraktive Milchbauer“[19] oder der bereits erwähnte „ raubeinige Rinderwirt Bruno“[20] – es scheint, also ob es für jeden Bauern einer genaueren Beschreibung bedürfe.

4. Metaphern und Phraseologismen in der Doku-Soap Bauer sucht Frau

4.1 Verwendung der Metapher in Bauer sucht Frau

Als Metapher bezeichnet man „[…] sprachliche Bilder, die auf einer Ähnlichkeitsbeziehung zwischen zwei Gegenständen bzw. Begriffen beruhen, d. h. aufgrund gleicher oder ähnlicher Bedeutungsmerkmale […] eine Bezeichnungsübertragung statt[findet] […]“[21]. Im Gegensatz zu einem Vergleich wird bei einer Metapher auf die Vergleichspartikel wie verzichtet. Als veranschaulichendes Beispiel kann die Redewendung Du bist ein Esel! angeführt werden. Gemeint ist damit, dass die angesprochene Person vom Sprecher als nicht sonderlich intelligent eingeschätzt wird, da die mutmaßliche Dummheit als das sogenannte tertium comparationis fungiert, das jedoch nicht explizit genannt wird, wodurch der Ausdruck zu einem metaphorischen wird. Das tertium comparationis kann wie folgt definiert werden: „In Vergleichen heißt tertium comparationis das, was an den verglichenen Gegenständen gleich ist und den Vergleich ermöglicht. Es ist »die dritte am Vergleich beteiligt Größe«.“[22].

Eine klassische Metapher findet sich in der Serie Bauer sucht Frau in der Aussage des 21-jährigen Bauern Lukas, der bezüglich seiner bisher erfolglosen Partnersuche folgende Aussage traf: „[…] und ich die Briefe nochmal angucken sollte und vielleicht finde ich da doch noch den richtigen Deckel.“[23]. Das tertium comparationis ist in diesem Fall die Zusammengehörigkeit, die sowohl in der Relation zwischen Topf und Deckel, als auch in der Beziehung zwischen Mann und Frau erwünscht ist.

4.2 Verwendung von Phraseologismen in Bauer sucht Frau

Auffallend ist jedoch, dass viele Metaphern, die in der Serie Bauer sucht Frau verwendet werden, Elemente formelhafter Wendungen sind, wie folgendes Beispiel zeigt: „Überglücklich, dass seine Moni endlich da ist, kutschiert der Schäfer seine Außerwählte zu sich auf den Hof. Dort sitzt Lännes Mutter schon auf heißen Kohlen[24]. Es lassen sich „[…] [zwar] evidente Parallelen zwischen Metapher und Phraseologismus feststellen [,] […] [doch] [d]as Spezifische bei den Metaphern ist […] die Tatsache, dass sie bei weitem nicht immer usuelle feste Gebilde in der QS [=Quellsprache[25], Anm. d. Verf.] darstellen“[26]. Dieses Unterscheidungskriterium lässt das oben genannte Beispiel als einen Phraseologismus erscheinen, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Semantik dieser Wendung auf ein Gefühl der Unruhe begrenzt ist. Im Gegensatz dazu ist es denkbar, einem Deckel – um das oben genannte Beispiel einer Metapher wiederaufzugreifen – situativ weitere semantische Merkmale zuzuschreiben, z.B. etwas unter dem Deckel halten in der Bedeutung, dass etwas geheim gehalten wird.

4.3 Wirkungen der Metaphern und der Phraseologismen auf den Zuschauer

Um die Wirkung der in diesem Kapitel besprochenen stilistischen Mittel zu analysieren, bietet es sich an, ein weiteres Beispiel genauer zu untersuchen. Die Aussage des Bauern Willy: „Das erste Küsschen am ersten Abend, da hab ich mich natürlich gefreut und hatte gleich so ein Schmetterlingsgefühl.“[27] liefert einen Beleg für eine Metapher, die ein positives Gefühl zum Ausdruck bringen soll. Dies gelingt durch einen impliziten Bezug auf verschiedenste Aspekte der Wirklichkeit: Zum einen wird das Gefühl des Beflügeltseins eines verliebten Menschen in der Metapher Schmetterling angedeutet, zum anderen schwingt der Aspekt der Natürlichkeit und der Naturverbundenheit mit, der sich gedanklich mit dem Leben in einem ländlichen Milieu verbinden lässt. Dies wird auch dem Zuschauer suggeriert. Für ihn ergibt sich somit ein stimmiges Bild: Aufgrund des leicht verständlichen und formelhaften Vokabulars der Kandidaten und der mit leicht naiven Zügen versehenen Darstellung menschlicher Gefühle wird davon ausgegangen, dass sich die meisten Zuschauer mit den handelnden Personen identifizieren können. Gepaart wird dieser sprachliche Aspekt mit einer stereotypen visuellen Darstellung des Landlebens. Dieser Befund ließe sich anhand zahlloser weiterer Beispiele untermauern, was aufgrund des Umfangs dieser Arbeit jedoch nicht möglich ist.

[...]


[1] https://www.genesis.destatis.de/genesis/online/logon?language=de&sequenz=tabelle Ergebnis&selectionname=12211-0604, aufgerufen am 18.10.2010.

[2] http://www.cinefacts.de/tv-news/19262-rtl-bauer-sucht-frau-ist-nicht-zu-stoppen.html, aufgerufen am 18.10.2010

[3] http://www.cinefacts.de/tv-news/19262-rtl-bauer-sucht-frau-ist-nicht-zu-stoppen.html, aufgerufen am 18.10.2010

[4] Der Begriff Doku-Soap kann wie folgt definiert werden: „Doku-Soap: Diese neue Form wurde Mitte der 90er Jahre in Großbritannien von der BBC entwickelt und bedeutet dokumentarische Mehrteiler, die sich von der Struktur und dem Spannungsaufbau an der Seifenoper orientierten.“ Entnommen aus: http://www.mediaculture-online.de/Doku-Soap.441.0.html, aufgerufen am 19.10.2010.

[5] http://www.guardian.co.uk/media/2001/may/09/itv.pressandpublishing, aufgerufen am 19.10.2010.

[6] Vgl. http://bauer-sucht-frau.net, aufgerufen am 22.10.2010.

[7] http://bauer-sucht-frau.net/, aufgerufen am 22.10.2010.

[8] Bußmann, Hadumod (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktual. und erw. Aufl.. Stuttgart 2001. S. 648.

[9] Bußmann, Hadumod (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktual. und erw. Aufl.. Stuttgart 2001. S. 162.

[10] Bußmann, Hadumod (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktual. und erw. Aufl.. Stuttgart 2001. S. 497.

[11] http://rtl-now.rtl.de/bauersuchtfrau.php?film_id=32337&player=1&season=6&na=1, aufgerufen am 7.11.2010, 2:48min.

[12] Bußmann, Hadumod (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktual. und erw. Aufl.. Stuttgart 2001. S. 187.

[13] http://www.youtube.com/watch?v=o QINd Ojgs3Y, aufgerufen am 7.10.2010, 0:39 min.

[14] Bußmann, Hadumod (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktual. und erw. Aufl.. Stuttgart 2001. S. 68.

[15] http://www.suedkurier.de/news/seite3/Dicke-Luft-im-Kuhstall;art1798,2947320, aufgerufen am 28.10.2010.

[16] Bußmann, Hadumod (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktual. und erw. Aufl.. Stuttgart 2001. S. 526.

[17] http://rtl-now.rtl.de/bauersuchtfrau.php?film_id=32337&player=1&season=6&na=1, aufgerufen am 30.10.2010, 19:45 min.

[18] http://www.suedkurier.de/news/seite3/Dicke-Luft-im-Kuhstall;art1798,2947320, aufgerufen am 28.10.2010.

[19] http://www.suedkurier.de/news/seite3/Dicke-Luft-im-Kuhstall;art1798,2947320, aufgerufen am 28.10.2010.

[20] http://www.suedkurier.de/news/seite3/Dicke-Luft-im-Kuhstall;art1798,2947320, aufgerufen am 28.10.2010.

[21] Bußmann, Hadumod (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktual. und erw. Aufl.. Stuttgart 2001. S. 432.

[22] Baumgarten, Hans: Compendium Rhetoricum. Die wichtigsten Stilmittel. Eine Auswahl. 2. Aufl.. Göttingen 2007. S. 31.

[23] http://rtl-now.rtl.de/bauersuchtfrau.php?film_id=32337&player=1&season=6&na=1, aufgerufen am 30.10.2010, 26:12 min.

[24] http://rtl-now.rtl.de/bauersuchtfrau.php?film_id=32337&player=1&season=6&na=1, aufgerufen am 30.10.2010, 19:45 min.

[25] Anm.: Quellsprache ist als Ursprungssprache zu verstehen.

[26] Quak-Stoilova, Julia Georgieva: Bild und Translat. Amsterdam 1984. S. 87.

[27] http://rtl-now.rtl.de/bauersuchtfrau.php?film_id=32337&player=1&season=6&na=1, aufgerufen am 31.10.2010, 40:01 min.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Sprachliche Besonderheiten der Sendung "Bauer sucht Frau" mit Fokus auf die Verwendung von Metaphern und Phraseologismen und ihrer Wirkung
Autor
Jahr
2011
Seiten
6
Katalognummer
V182257
ISBN (eBook)
9783668749139
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachliche, besonderheiten, sendung, bauer, frau, fokus, verwendung, metaphern, phraseologismen, wirkung
Arbeit zitieren
Friederike Büsing (Autor), 2011, Sprachliche Besonderheiten der Sendung "Bauer sucht Frau" mit Fokus auf die Verwendung von Metaphern und Phraseologismen und ihrer Wirkung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182257

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