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Sprache und Existenz

Eine Untersuchung zu philosophischen Grundfragen bei Ludwig Wittgenstein und Martin Heidegger

Titel: Sprache und Existenz

Magisterarbeit , 2006 , 98 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Peter Faulstich (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Martin Heidegger (1889-1976) und Ludwig Wittgenstein (1889-1951) gelten als bedeutende Denker der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Sie sind Ideengeber für verschiedene philosophische Strömungen gewesen und beeinflussen zum Teil auch heute noch die gegenwärtige Philosophie. Die Zeit der Grabenkämpfe zwischen analytischer Philosophie und Phänomenologie, bzw. der Positivismusstreit, scheint vorbei, gleichwohl lassen sich Relikte ehemaliger Kampfplätze nach wie vor finden. Wittgenstein und Heidegger standen auch paradigmatisch für eine gewisse Kommunikationsverweigerung zwischen deren jeweiligen Anhängerschaften. Viele Facetten der gegenwärtigen Philosophie lassen sich besser verstehen, wenn auf die von beiden Philosophen ausgehenden Denkanstöße Bezug genommen wird. Nicht nur Martin Heidegger nimmt eine Sonderstellung zwischen Phänomenologie, Existentialismus und Hermeneutik ein, auch Ludwig Wittgensteins Gedanken stehen exponiert da; oft als Positivist verkannt, lässt er sich nicht einfach in eine Schublade einer Denkrichtung einordnen, obwohl er mit seiner Spätphilosophie als einer der geistigen Väter der analytischen Philosophie der „ordinary language“ gilt. Beide bemühten sich zu bestimmten Phasen ihres Denkens, die Bedingungen der Möglichkeit des Erkennens in situative Zusammenhänge der Lebenspraxis zu stellen. Trotz der Differenzen der beiden Philosophen gibt es erstaunliche strukturelle Parallelen, nicht nur detaillierter Art, wie z.B. die oft bemühte Gemeinsamkeit über das Schweigen.
Beide geben der Praxis den Vorzug gegenüber der Theorie, genauer gesagt verweisen sie auf die vortheoretische Alltagspraxis als Grundlegung der theoretischen Betrachtung. Beide können als Anti-Cartesianer verstanden werden und destruieren als solche die traditionelle Vorhandenheitssemantik, bzw. die Vorhandenheitsontologie. Beide hinterfragen mit ihren Ansätzen sinnkritisch die Fragen der Philosophie, indem sie die traditionellen Fragestellungen von einem Ausgangspunkt her einsichtig machen, der weder beim Subjekt noch beim Objekt beginnt, sondern bei den Phänomenen, die aus der Mitte des Lebens erwachsen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Methode beider Denker und deren Grundverständnis von Philosophie

1.1 Heidegger und die phänomenologische Methode

1.1.1 Hermeneutik und Destruktion

1.1.2 Phänomenologie

1.2 Wittgenstein und die Sprachkritik

1.2.1 Philosophie als Therapie

1.2.2 „Phänomenologie ist Grammatik“

1.3 Heidegger und Wittgenstein im methodischen Dialog

2. Fundamente des Erkennens: In-der-Welt-sein vs. In-Sprachspielen-sein

2.1 Heideggers „In-der-Welt-sein“

2.1.1 „In-Sein“ als Ausgangspunkt

2.1.2 Die Frage nach der Existenz der Außenwelt

2.2 Wittgensteins In-Sprachspielen-sein

2.2.1 Einer Regel folgen

2.2.2 „Gewißheit“ als Lebensform

2.3 Heidegger und Wittgenstein im erkenntnistheoretischen Dialog

3. Destruktion einer verdinglichten Bewusstseinsphilosophie

3.1 Heideggers Kritik der Vorhandenheitsontologie

3.1.1 „Dasein, Mitsein, Selbstsein“

3.1.2 Das Problem des Fremdpsychischen

3.2 Wittgensteins Kritik der Vorhandenheitssemantik

3.2.1 Innen- und Außenmetaphorik

3.2.2 „Einstellung zur Seele“

3.3 Heidegger und Wittgenstein im bewusstseinsphilosophischen Dialog

4. Existentiale Grammatik

4.1 Formen der Grundsituation

4.1.1 Grammatischer Aufweis des „Mitseins“ Heideggers

4.1.2 Existentialer Aufweis des Einstellungsansatzes Wittgensteins

4.2 Gleichursprünglichkeit existentialer und grammatischer Formen

4.3 Sinnkritische Wende der Philosophie

5. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Magisterarbeit verfolgt das Ziel, strukturelle Parallelen zwischen dem frühen Heidegger (aus dem Umfeld von "Sein und Zeit") und dem späten Wittgenstein (ab 1929) aufzuzeigen, um beide Denker in einen konstruktiven Dialog über fundamentale philosophische Fragen zu bringen. Die Forschungsfrage untersucht, wie die Destruktion traditioneller, erkenntnistheoretisch verdinglichter Positionen – insbesondere des Subjekt-Objekt-Schemas und der privaten Innenwelt – bei beiden Denkern zu einer Neubewertung der Lebenswelt als Ausgangspunkt philosophischen Fragens führt.

  • Phänomenologische Methode und Destruktion der Metaphysik
  • Sprachkritik als therapeutisches Instrument der Philosophie
  • Existentialien vs. Lebensform als Bedingung für Erkenntnis
  • Überwindung des Leib-Seele-Dualismus und des Fremdpsychischen

Auszug aus dem Buch

1.2.1 Philosophie als Therapie

Die Bezeichnung „Therapie“ für die philosophische Tätigkeit ist nicht im Sinne einer medizinischen Psychotherapie gemeint. Vielmehr gilt es den Philosophen von unnötig quälenden Fragen zu erlösen. „Der Philosoph behandelt eine Frage; wie eine Krankheit.“ (PU 255). Dabei holt er sich „Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenze der Sprache“ einfängt (PU 119). Ein Beispiel dazu ist die Auffassung, dass Sprache stets nach einem starren Modell oder Muster funktioniert. Dabei kann es zu Fehlschlüssen kommen, wenn z.B. von „physischen“ und „psychischen“ Dingen gesprochen wird. So in dem Fall, dass ein „Auto haben“ nach demselben sprachlichen Muster „Wort-Gegenstand“ konzipiert wird, als „Schmerzen haben“. Diese unhinterfragten Voraussetzungen der kontextuellen Funktionsweisen der Sprache finden bei philosophischen Fragestellungen oftmals keine Beachtung. Die perspektivische Bahn, die man durch die Sprache nimmt, wird unbemerkt hingenommen. Ist man schon bei der Fragestellung auf das falsche Gleis geraten, dann bereitet auch die Antwort Probleme. Wenn Wittgenstein in den „Philosophischen Untersuchungen“ sagt, es gebe „nicht eine Methode der Philosophie, wohl aber gibt es Methoden, gleichsam verschiedene Therapien“ (PU 133), dann kennzeichnet das die vielfältigen „Methoden“, nach denen die Sprache funktioniert. Da es viele Funktionsweisen gibt, müssen entsprechend auch viele Methoden zur Anwendung kommen, wenn man philosophische Fragestellungen auf ihren sprachlichen Sinn untersuchen und eventuell auflösen will. Nur eine Methode zu verfolgen, würde nach Wittgenstein bedeuten, eine starre einfältige Auffassung über die Bedeutungsweise der Sprache zu haben, wie z.B. das Wort-Gegenstand Bezeichnungsmodell, das in der Korrespondenztheorie der Wahrheit zur Geltung kommt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Methode beider Denker und deren Grundverständnis von Philosophie: Dieses Kapitel vergleicht Heideggers phänomenologische Destruktion mit Wittgensteins Sprachkritik und legt deren gemeinsames Ziel einer therapeutischen Philosophie dar.

2. Fundamente des Erkennens: In-der-Welt-sein vs. In-Sprachspielen-sein: Hier wird untersucht, wie beide Philosophen das cartesianische Subjekt-Objekt-Schema unterlaufen, indem sie das In-der-Welt-sein bzw. das In-Sprachspielen-sein als primären, nicht hintergehbaren Hintergrund betrachten.

3. Destruktion einer verdinglichten Bewusstseinsphilosophie: Dieses Kapitel widmet sich der Kritik an der traditionellen Innen-Außen-Metaphorik und zeigt auf, wie beide Denker das Problem des Fremdpsychischen durch eine Neukonzeption von Bewusstsein und sozialer Praxis auflösen.

4. Existentiale Grammatik: Der abschließende Hauptteil entwirft eine Synthese, in der existentiale Analytik und grammatische Untersuchung als zwei Seiten derselben Medaille begriffen werden, um die Formen der Grundsituation des Daseins zu beschreiben.

Schlüsselwörter

Martin Heidegger, Ludwig Wittgenstein, Phänomenologie, Sprachkritik, In-der-Welt-sein, Sprachspiel, Lebensform, Destruktion, Bewusstseinsphilosophie, Existentialien, Fremdpsychisches, Sinnkritik, Therapie, Grammatik, Intersubjektivität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Magisterarbeit?

Die Arbeit vergleicht die philosophischen Ansätze von Martin Heidegger und Ludwig Wittgenstein, insbesondere im Hinblick auf deren Kritik an der traditionellen Erkenntnistheorie und ihre Ansätze zur Auflösung verdinglichter philosophischer Probleme.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das In-der-Welt-sein bei Heidegger, Wittgensteins Konzept der Sprachspiele und Lebensformen, die Kritik am Subjekt-Objekt-Dualismus sowie die therapeutische Dimension der Philosophie.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Heidegger und Wittgenstein trotz unterschiedlicher fachlicher Herkunft (Phänomenologie vs. Analytische Philosophie) strukturell kompatible Lösungen für Probleme wie das Fremdpsychische oder die Existenz der Außenwelt anbieten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine komparative Methode sowie phänomenologische und sprachanalytische Ansätze, um die Texte der beiden Denker in einen rekonstruktiven Dialog zu bringen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der philosophischen Methode, die Analyse der Fundamente des Erkennens, die Destruktion verdinglichter Bewusstseinskonzepte und den Entwurf einer „Existentialen Grammatik“.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Lebenswelt, Sprachspiel, Existentialien, Destruktion, Sinnlosigkeitsverdacht und Anti-Cartesianismus geprägt.

Wie gehen Heidegger und Wittgenstein mit dem Problem des Fremdpsychischen um?

Beide Philosophen lehnen Versuche ab, das Fremdpsychische über Analogieschlüsse von einer privaten Innenwelt auf eine Außenwelt zu begründen. Stattdessen verweisen sie auf die intersubjektive, soziale Einbettung unseres Umgangs mit anderen, die bereits vor jeder theoretischen Fragestellung existiert.

Warum wird das Cartesianische Subjekt-Objekt-Schema kritisiert?

Das Schema wird kritisiert, weil es den Menschen fälschlicherweise als weltloses, isoliertes Subjekt betrachtet und somit zu Scheinproblemen führt, statt die vortheoretische, lebensweltliche Praxis in den Blick zu nehmen.

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Details

Titel
Sprache und Existenz
Untertitel
Eine Untersuchung zu philosophischen Grundfragen bei Ludwig Wittgenstein und Martin Heidegger
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Philosophie)
Note
1,0
Autor
Peter Faulstich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
98
Katalognummer
V182294
ISBN (eBook)
9783656057017
ISBN (Buch)
9783656056744
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprache existenz eine untersuchung grundfragen ludwig wittgenstein martin heidegger
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Peter Faulstich (Autor:in), 2006, Sprache und Existenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182294
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  98  Seiten
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