Der demographische Wandel als ein globales Problem?


Hausarbeit, 2011

24 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der demographische Wandel in der Bundesrepublik Deutschland
2.1. Statistische Daten
2.2. Diskussion der Daten in Medien, Politik und Literatur

3. Der demographische Wandel weltweit
3.1. Statistische Daten
3.2. Diskussion der Daten in Medien und Literatur

4. Kritische Auseinandersetzung mit den gezeigten Diskursen

5. Fazit

6. Literaturliste

1. Einleitung

Der demographische Wandel – ein Begriff, der oft in Politik, Medien, Diskussionsrunden und Literatur verwendet wird. Bei genauerer Betrachtung wird schnell deutlich, dass „Der demographische Wandel“ nicht nur eine Tatsache, sondern tatsächlich unterschiedliche gesellschaftliche Phänomene beschreibt. Die unterschiedlichen Bedeutungen und die unterschiedlichen Diskussionen der Ursachen und Auswirkungen des demographischen Wandels werden in der vorliegend Arbeit dargestellt und kurz diskutiert. Insbesondere die Darstellungen der unterschiedlichen Diskussionen zur Entwicklung der Weltbevölkerung beziehen sich aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit primär auf deutschsprachige Literatur.

Die allgemeine Bedeutung des Begriffs „demographischer Wandel“ bezieht sich häufig auf das, was am Nächsten liegt. In diesem Fall ist es die Bunderepublik Deutschland. In diesem Zusammenhang trägt der Begriff „demographischer Wandel“ die Bedeutung, dass langfristig eine Abnahme der bundesdeutschen Bevölkerung zu erwarten ist und der Anteil der älteren Bürger stark zunimmt.

Fällt der Blick jedoch über die Grenzen der BRD hinaus und verlässt den europäischen Kontinent, so hat „demographischer Wandel“ plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Hier bedeutet „demographischer Wandel“, dass die Bevölkerung, insbesondere in Ländern der Dritten Welt, stark zunimmt. Der weltweite „demographische Wandel“ wird in der Politik weniger national als vielmehr international diskutiert. Auf eine Auseinandersetzung mit internationalen Organisationen, wie beispielsweise Europäische Union (EU), Vereinte Nationen (UN) oder G 8, die aktiv Entwicklungspolitik betreiben, muss aufgrund des Umfangs dieser Arbeit verzichtet werden.

2. Der demographische Wandel in der Bundesrepublik Deutschland

2.1 Statistische Daten

Eines der vielen Teilgebiete der Bevölkerungssoziologie untersucht demographische Entwicklungen. Um entsprechende Untersuchungen, Beobachtungen und Diskussionen führen zu können, ist es laut François Höpflinger unumgänglich, auch andere Gebiete bei diesen Untersuchungen einzubeziehen, unter anderen auch das Gebiet der Statistik.[1]

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht regelmäßig Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung. Die derzeit aktuellen Zahlen geben eine Vorausberechnung der Bevölkerung in Deutschland im zehn Jahres Rhythmus bis in das Jahr 2060. Dabei legt sich das Statistische Bundesamt nicht auf eine einzige Zahl fest, sondern arbeitet mit vier verschiedenen Varianten; relativ junge Bevölkerung, mittlere Bevölkerung Untergrenze, mittlere Bevölkerung Obergrenze und relativ alte Bevölkerung.

Ziel laut des Statistischen Bundesamtes ist es dabei nicht, die künftige Entwicklung genau zu bestimmen, vielmehr soll die Berechnung der Bevölkerung aufzeigen, wie sich Bevölkerung und deren Struktur sich entwickeln und verändern können[2].

Von der Variante ‚mittlere Bevölkerung‘ ausgehend, berechnet das Statistische Bundesamt für Deutschland bis zum Jahr 2050 eine Bevölkerungszahl zwischen 69 Mio. und 73 Mio. Menschen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [3]

Im Vergleich zum Jahr 2008 bedeutet dies, dass sich die Bevölkerung um 15,4% beziehungsweise 10,2% verringern wird. Dass diese Zahlen nicht zu 100% gesichert sind, räumt auch der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, in einem Interview ein „Natürlich sind wir keine Hellseher. Wir haben aber Daten über die heutige Bevölkerung und über den Verlauf der bisherigen demografischen Entwicklung. Davon ausgehend treffen wir bestimmte Annahmen zu Geburtenverhalten, Lebenserwartung und Wanderung. So kommen wir zu mehreren Varianten, die eine Spanne aufzeigen, innerhalb deren sich die Bevölkerung entwickeln wird, sofern die Annahmen eintreffen.“[4]

Die Varianten können verständlicherweise zukünftige Vorkommnisse wie Naturkatastrophen, medizinische und wissenschaftliche Entwicklungen oder auch neue Krankheiten, die die Entwicklung der Bevölkerung beeinflussen, nicht berücksichtigen.

Aufbauend auf diesen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes würde sich im Jahr 2050 die Bevölkerungsstruktur der Bundesrepublik Deutschland im Hinblick auf die Altersstruktur folgendermaßen darstellen:

Altersgruppen[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Daten des Statistischen Bundesamtes sind neutral. Die Diskussionen, die mit diesen Daten geführt werden, sind dies in den meisten Fällen nicht.

2.2. Diskussion der Daten in Medien, Politik und Literatur

Dass diese Bevölkerungsentwicklung ein Grund dafür ist, dass sich die Bundesrepublik Deutschland abschafft, dieser Meinung scheint nicht nur Thilo Sarrazin zu sein[6]. Insbesondere in den Medien findet eine Diskussion statt, die das Bestehen des sozialen Systems, insbesondere der zukünftigen Finanzierung von Renten, Pflegefällen und Krankenversicherungen, in Frage stellt. Als Beispiel sei an dieser Stelle der Artikel „Generation Kinderlos“, erschienen in Der Spiegel 37/2005[7] aufgeführt, in dem argumentiert wird, dass der Generationenvertrag in Gefahr gerate und der hohe Lebensstandard in Deutschland nicht gehalten werden könne. Im Einzelnen laufen als Folge dieses demografischen Wandels zahlreiche Diskussionen über den zu erwartenden Mangel an Fachkräften[8], damit einhergehend über die sinkende Wirtschaftskraft Deutschlands und über eine allgemeine Verschlechterung der Lage für Deutschlands Bevölkerung.

Auch in der Politik wird das Thema des demographischen Wandels von Parteien und Politikern aufgegriffen. So sucht beispielsweise die FDP nach Lösungen, um die aufgrund des demographischen Wandels zu erwartenden Mehrbelastungen für Pflegeversicherungen und Krankenkassen zu decken[9], die SPD diskutiert den demographischen Wandel und dessen Auswirkungen in Bezug auf Umbau und Entwicklung von Städten[10], die CDU sucht nach Möglichkeiten, wie dem demographischen Wandel entgegen gewirkt werden kann[11]. Und auch Die Grünen diskutieren Stadt- und Regionalplanung, wirtschaftlichen Wandel, nachhaltige Arbeits- und Lebensmodelle, Infrastruktur und die Herausforderungen an das Pflege- und Gesundheitssystem[12].

Mit ähnlich unterschiedlichen Schwerpunkten wird der demographische Wandel in der Fachliteratur diskutiert. Franz-Xaver Kaufmann prognostiziert als Folge des demographischen Wandels „... Preisverfall von Grundstücken und Immobilien sowie sinkende Kreditwürdigkeit schrumpfender Gebietskörperschaften und der lokalen Wirtschaft ...“[13], Jörg Tremmel sieht die hohen Kosten des Sozialstaats als Gefahr: „Um den immer teurer werdenden Sozialstaat zu finanzieren, stellt die herrschende Generation ungedeckte Wechsel auf die Zukunft aus. Die Zeche zahlen eines Tages jene, die heute jung sind.“[14]

Doch nicht überall wird der demographische Wandel nur als Bedrohung und unabwendbare Verschlechterung der allgemeinen Lebenssituation angesehen. So erscheint auf Spiegel Online ein Bericht: „Deutschland altert – na und?“[15] und beschreibt Chancen, die dieser Wandel bietet, beispielsweise für überfüllte Klassenzimmer und Hörsäle. Auch die Zeit Online argumentiert, dass der „Demografische Wandel laut Wirtschaftsweisen beherrschbar“[16] sei. Auch die Prognose, dass immer weniger Kinder geboren werden würden, ist nicht korrekt, zwar herrscht in Deutschland eine niedrige Geburtenrate, diese ist jedoch stabil[17]

[...]


[1] Vgl. Höpflinger, François (1997): Bevölkerungssoziologie. Weinheim, München, Juventa Verlag. S. 11f.

[2] vgl. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/Bevoelkerungsvorausberechnung,templateId=renderPrint.psml Zugriff am 28.05.2011.

[3] http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/Tabellen/Content50/Bevoelkerungsvorausberechnung,templateId=renderPrint.psml Zugriff am 28.05.2011.

[4] Textvorlage für die Aufnahme einer Audio-Datei anlässlich der Pressekonferenz am 18.11.2009 „Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis 2060“. Statistisches Bundesamt Wiesbaden, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2009/Bevoelkerung/Interview__Text__Bevoelkerung2009,property=file.pdf Zugriff am 29.05.2011.

[5] http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/Tabellen/Content50/Bevoelkerungsvorausberechnung,templateId=renderPrint.psml Zugriff am 28.05.2011.

[6] Vgl. Sarrazin, Thilo (2010): Deutschland schafft sich ab. München, Deutsche Verlagsanstalt.

[7] Vgl. Bonstein, Julia; Jung, Alexander; Theile, Merlind: Generation Kinderlos. In: Der Spiegel 37/2005. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41768190.html Zugriff am 24.05.2011.

[8] Vgl. Endres, Alexandra (2011): Fachkräftemangel: Die missverständliche Zahl der 6,5 Millionen. In: Die Zeit online, 18.05.2011, , http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-05/fachkraefte-prognosen, Zugriff am 26.05.2011 sowie Preuß, Roland: Fachkräftemangel Mütter, Alte und Arbeitslose: Ran an die Arbeit!, in: Sueddeutsche.de, 11.05.2011, http://www.sueddeutsche.de/karriere/fachkraeftemangel-muetter-alte-und-arbeitslose-ran-an-die-arbeit-1.1095644, Zugriff am 26.05.2011.

[9] Vgl. Lanfermann, Heinz (2011): FDP-Bundestagsfraktion will Pflegebeiträge stabil halten Pressemitteilung der FDP 01.04.2011, http://www.fdp.de/Gesetzlichen-Verpflichtungen-nachkommen/1230c/index.html?id=15245&suche=Pflegepolitik&from=themecontent2, Zugriff am 25.05.2011.

[10] Vgl. Pressemitteilung der SPD: PM 466/10. http://www.spd.de/aktuelles/Pressemitteilungen/1078/100827_gabriel_sommerreise.html, Zugriff am 26.05.2011.

[11] Vgl. Von der Leyen, Ursula (2005): Demografischer Wandel – Zukunft der Sozial Systeme. http://www.cdu.de/doc/pdf/05_06_10_Leyen_Demographischer_Wandel_PM.pdf, Zugriff am 26.05.2011.

[12] Vgl. Die Grünen http://www.gruene-bayern.de/start/aktuelles/news/browse/10/article/zeitreise-2030-in-bamberg/213.html , Zugriff am 25.05.2011.

[13] Kaufmann, Franz-Xaver (2005): Schrumpfende Gesellschaft. Frankfurt am Main, Suhrkamp. S. 91.

[14] Tremmel, Jörg (1996): Der Generationsbetrug. Plädoyer für das Recht der Jugend auf Zukunft. Frankfurt am Main, Eichborn. S.26.

[15] Vgl. Straubhaar, Thomas (2006): Deutschland altert – na und?. In: Spiegel Online, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,443804,00.html, Zugriff am 25.05.2011.

[16] Die Zeit online: http://video.zeit.de/video/948549496001 Zugriff am 26.05.2011.

[17] Vgl. Mohr, Mirjam (2006): Die Mär von den aussterbenden Deutschen. In: Spiegel online, 23.08.2006; http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,433073,00.html Zugriff am 14.06.2011.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der demographische Wandel als ein globales Problem?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V182323
ISBN (eBook)
9783656064664
ISBN (Buch)
9783656064930
Dateigröße
805 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demographischer Wandel
Arbeit zitieren
Annette Jansen (Autor), 2011, Der demographische Wandel als ein globales Problem?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182323

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