Wirken Naturkatastrophen wachstumssteigernd?


Masterarbeit, 2011

58 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Motivation
1.2. Vorgehen

2. Naturkatastrophen
2.1. Definition
2.2. Der Kausalzusammenhang von Naturkatastrophen
2.3. Ursachen für die Zunahme von Naturkatastrophen

3. Wachstum
3.1. Wirtschaftswachstum
3.2. Die Grenzen des BIP
3.3. Die Determinanten des Wachstums

4. Die Neoklassik als Modellrahmen
4.1. Die Pfadabweichung
4.2. Das SOLOW-Modell
4.2.1. Annahmen der Solow'schen Modellwelt
4.2.2. Die Cobb-Douglas-Produktionsfunktion
4.2.3. Der steady state

5. Die makroökonomische Bedeutung von Naturkatastrophen
5.1. Grundsätzliches
5.2. Auswirkungen auf den Kapitalstock
5.3. Auswirkungen auf den Faktor Arbeit
5.3.1. Migration
5.3.2. Die Auswirkungen auf das Humankapital
5.4. Die Auswirkungen von Katastrophen des Typ 3
5.5. Weitere effektbestimmende Einflussfaktoren
5.6. Systemzerfall und Armutsfalle
5.7. Die Rückkehr zum gleichgewichtigen Wachstumspfad

6. Die Wirkung der Alternativen

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Folgen von Naturkatastrophen

Abbildung 2: Der Mensch als Ursache für die Zunahme von Naturkatastrophen

Abbildung 3: Die Ausweitung des volkswirtschaftlichen Produktionspotentials

Abbildung 4: Die Determinanten des Wachstums

Abbildung 5: Die Abweichung vom gleichgewichtigen Wachstumspfad

Abbildung 6: Der steady state im Solow-Swan-Modell

Abbildung 7: Das Solow-Modell mit technischen Fortschritt

Abbildung 8: Die Folgen eines zerstörten Kapitalstocks

Abbildung 9: Die Wachstumsraten im Kontext einer veränderten Sparrate

Abbildung 10: Die Folgen zerstörter Arbeitskraft

Abbildung 11: Technologischer Fortschritt und Katastrophen

Abbildung 12: Die Wachstumsraten im Kontext veränderlicher Sparrate und beschleunigtem Technologiewachstum

Abbildung 14: Die Anpassungsreaktionen infolge von Naturkatastrophen

Abbildung 15: Die Armutsfalle im erweiterten Solow-Modell

Abbildung 16: Die kurz- und langfristigen Folgen von Naturkatastrophen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Motivation

Am 11. März 2011 hält die Welt infolge des Erdbebens im entfernten Japan die Luft an. Erschreckende Bilder gehen um die Welt. Fast stündlich werden neue Opferzahlen gemeldet, die die zuvor mitgeteilten Zahlen um ein Vielfaches übersteigen. Das mediale Interesse erreicht seinen Höhepunkt als der durch das Erdbeben ausgelöste Tsunami die Küste Japans erreicht und eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Die Dramatik gipfelt mit der Kernschmelze in einem zerstörten Atomkraftwerk. Diese Verkettung unglückseliger Ereignisse wirft letztlich die Frage auf, ob sich Japan jemals von den Folgen dieser Katastrophe erholen wird. Das damalige KOBE-Erdbeben und die Stellung Japans in der Liste der führenden Industrienationen unmittelbar vor dem 11. März lassen vermuten, dass Naturkatastrophen zumindest keinen nachteiligen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben. Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, diese Vermutung mit Hilfe eines Modells in Wissen zu transformieren. Die Analyse wird dabei weniger an das Beispiel einer Volkswirtschaft im Speziellen angelehnt, sondern vielmehr allgemein erfolgen. Unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren, soll es diese Vorgehensweise erlauben, Aussagen darüber zu treffen, wann von einer wachstumssteigernden Wirkung zu sprechen und wann nicht. Die Reflexion der gewonnen Erkenntnisse soll es letztlich gestatten, diese in den richtigen Bezug zu stellen.

1.2. Vorgehen

Ziel dieses Abschnittes soll es sein, die Gliederung der Arbeit kurz zu umreißen und so die Aufnahme des roten Fadens ermöglichen. Dabei werden bezogen auf das Thema Fragen aufgeworfen, die im jeweiligen Kapitel beantwortet werden.

Das anschließende Kapitel beschäftigt sich zunächst mit Naturkatastrophen und beschreibt genauer, wann es sich bei natürlichen Ereignissen um Katastrophen handelt. Dabei werden direkte und indirekte Folgen von Naturkatastrophen näher beschrieben und letztlich erörtert, warum es zu einer Zunahme von Naturkatastrophen kommt bzw. historisch gekommen ist.

Im Fokus des dritten Kapitels steht das wirtschaftliche Wachstum. Es werden sowohl das Wirtschaftswachstum als auch dessen Determinanten eingängig beschrieben. Des

Weiteren wird das Konzept des Bruttoinlandsproduktes, eine Kennzahl für gesellschaftlichen Wohlstand, hinterfragt und auf seine Geeignetheit überprüft.

Den Kern der Arbeit bilden Kapitel 4 und 5. Anhand der Illustration eines verallgemeinerten Wachstumspfades im Kontext einer Naturkatastrophe soll das verwendete Modell zunächst motiviert werden, um es später in umfassender Art und Weise zu beschreiben. Dabei werden sowohl die notwendigen Annahmen als auch die Modelldynamik näher erläutert. Das Kapitel 5 beschäftigt sich sodann mit den tatsächlichen Auswirkungen von Naturkatastrophen und leitet den Problemlösungsprozess ein. Hierbei erfolgt eine Annäherung an die Untersuchung des in Kapitel 2 definierten Katastrophentyps. Während der Beantwortung der Kernfrage werden die Annahmen regelmäßig hinterfragt und Alternativen der Betrachtung exkursierend aufgezeigt. Im Modell nicht abbildbare Einflussfaktoren, die die Wachstumswirkung zusätzlich beeinflussen, werden dabei ebenso, wie Sonderfälle, berücksichtigt. Eine Rückwendung zu dem die Thematik einleitenden Wachstumspfad soll dabei die Erkenntnisse zusammenfassen und letztlich die Frage klären, ob Naturkatastrophen wachstumssteigernd wirken.

Das sechste Kapitel befasst sich mit dem ,Infrage stellen‘. Die Erkenntnisse werden hier aufgegriffen und diskutiert. Den Abschluss bildet dabei das Fazit.

2. Naturkatastrophen

2.1. Definition

Als Katastrophe wird im Allgemeinen ein schweres Unglück verstanden und ergibt sich aus dem lateinischen catastopha, welches zu Deutsch Umkehr bzw. Wendung bedeutet.[1] Es handelt sich bei Naturkatastrophen somit um „ein Naturereignis mit katastrophalen Auswirkungen für den Menschen“[2], also um eine Wendung hin zum Schlimmen.

Diese Definition verdeutlicht folglich zwei Komponenten, die Naturkatastrophen beschreiben – ein Naturereignis und dessen nachteilige Folgen. Naturereignisse per se sollten, dem Begriff nach, den anthropogenen Einfluss ausgrenzen. Hinsichtlich der durch den Menschen verursachten Klimaveränderung und der daraus resultierenden Folgeereignisse, wie z.B. Dürre oder Überschwemmung, lässt sich der Begriff der Naturkatastrophe jedoch nicht eindeutig von Katastrophen abgrenzen, die durch den Menschen verursacht werden. Das CENTRE FOR RESEARCH ON THE EPIDEMIOLOGY OF DISASTERS (CRED) klassifiziert naturbedingte Katastrophen daher in Ereignisse geologischen, meteorologischen, hydrologischen, klimatologischen und biologischen Ursprungs mit katastrophalen Folgen.[3] Da es im Zuge der Problemlösung weniger um die Beschreibung der Wachstumswirkung einzelner, unterschiedlicher Naturereignisse gehen soll, sondern vielmehr um die Untersuchung der Auswirkungen von Naturkatastrophen als Schock, wird von einer tiefergehenden Beschreibung der unterschiedlichen Ereignistypen abgesehen.

Ist man sich in der Literatur weitestgehend darüber einig, dass es nur eine ungenügende Trennschärfe hinsichtlich der Primärauslöser von Naturkatastrophen gibt, so streitet man sich über das Ausmaß der Folgen, die mit Naturereignissen einhergehen. Folgt man den Ausführungen PLAPP’s, die die Diskussion über die Folgen von Naturereignissen aufnimmt, zeigt sich, dass eine Betrachtung der absoluten Größen nicht zielführend ist, um die Auswirkungen in geeigneter Weise untersuchen zu können. So haben Sachschäden i.H.v. 1 Mio. USD für Entwicklungsländer eine andere Bedeutung als dies bei hochentwickelten Ländern der Fall ist. Ähnlich verhält es sich bei der Definition absoluter Opferzahlen. Ein möglicher Ausweg bietet dabei die Verwendung qualitativer

Bezugsgrößen, die den entstandenen Schaden in Relation zum Output oder zur Bevölkerung der jeweiligen Volkswirtschaft stellen.[4] Die Münchener Rückversicherungsgesellschaft definiert Naturkatastrophen demnach folgendermaßen:

„Als "groß" werden Naturkatastrophen bezeichnet, wenn sie die Selbsthilfefähigkeit der betroffenen Regionen deutlich übersteigen und überregionale oder internationale Hilfe erforderlich machen. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn die Zahl der Todesopfer in die Tausende, die Zahl der Obdachlosen in die Hunderttausende geht oder substantielle volkswirtschaftliche Schäden – je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen des betroffenen Landes – verursacht werden.“[5]

Die Notwendigkeit zur Verwendung externer Ressourcen verdeutlicht somit das Versagen der lokalen Strukturen und die Tatsache, dass infolge von Naturkatastrophen bestimmte Funktionen nicht mehr erfüllt werden können.[6] Anbei sei erwähnt, dass der Begriff der Selbsthilfefähigkeit nicht ausnahmslos auf ganze Volkswirtschaften bezieht, sondern auch auf einzelne Regionen eines Landes. Somit wird sichergestellt, dass auch lokal begrenzte Naturereignisse, wie z.B. Tornado-Stürme oder auch Überschwemmungen, unter dem Katastrophenbegriff zu verorten sind.

Neben diesen beschreibenden Eigenschaften zeichnen Naturkatastrophen jedoch noch weitere Eigenheiten aus. Bezüglich des Eintritts derartiger Ereignisse herrscht Ungewissheit, was dazu führt, dass sich eine Volkswirtschaft nicht mit abschließender Sicherheit auf Katastrophen vorbereiten kann. Genauso wie der Eintritt eines Schadensereignisses vorhersagbar ist, sind Dauer bzw. Ende einer Naturkatastrophe ungewiss, was wiederum dazu führt, dass sich das Ausmaß, welches durch

Katastrophen verursacht wird, nicht prognostizieren lässt. Zusammenfassend beschreiben folgende Eigenschaften Naturkatastrophen:[7]

- Über den Eintritt von Naturkatastrophen herrscht Ungewissheit.
- Ende und Dauer sind nicht exakt vorhersehbar.
- Nur die Art und nicht das genaue Ausmaß sind vorhersehbar.
- Naturkatastrophen gehen mit hohen Sach- und Personenschäden einher und führen somit zu einer Störung der Funktionsfähigkeit der betroffenen Region.

Aufgrund von Vergangenheitsdaten ist es jedoch möglich, für bestimmte Ereignistypen, wie z.B. Hurrikane, verlässliche Prognosen zu erstellen. Es handelt sich hierbei um quasi-planmäßige Ereignisse, die die Ungewissheit bzgl. des Schadenseintritts reduzieren. Zu unterscheiden ist außerdem zwischen kurz- und langfristigen Naturereignissen. So treten Erdbeben in der Regel plötzlich auf, wohingegen Dürren andauernde Naturphänomene sind.

Es zeigt sich, dass eine Untersuchung aller Ereignistypen in Bezug auf deren Wirkung und unter Berücksichtigung der daraus resultierenden Unterschiede den gesetzten Rahmen sprengen würde. Für die vorliegende Arbeit sind demnach Naturkatastrophen, die der folgenden Definition genügen, von Bedeutung:

Naturkatastrophen sind plötzlich und einmalig auftretende Naturereignisse, die einen verheerenden negativen Einfluss auf die betroffene Gesellschaft haben, sodass deren Funktionsfähigkeit gestört ist.

Demzufolge werden auch häufig wiederkehrende Ereignisse nicht berücksichtigt, was es uns erlaubt, Naturkatastrophen als exogenen Schock zu betrachten und somit die daraus resultierenden makroökonomischen Auswirkungen gezielt zu untersuchen. Welchen Einfluss Dauer, Ausmaß oder auch Magnitude im Einzelnen haben, wird im späteren Verlauf noch eingehend erläutert. Anbei sei erwähnt, dass sich die betrachteten Volkswirtschaften in einem langfristigen Gleichgewicht befinden. Welche Bedeutung diese Annahme für die Analyse der Katastrophenfolge hat, wird an späterer Stelle deutlich.

2.2. Der Kausalzusammenhang von Naturkatastrophen

Wie im vorangegangenen Abschnitt schon herausgestellt wurde, haben Naturkatastrophen zunächst negative Folgen für die betroffene Volkswirtschaft. Diese Auswirkungen lassen sich jedoch in mehrere Ebenen unterteilen. Die erste Ebene beschreibt dabei die Primärursache, wie zum Beispiel ein Erdbeben. Die direkte physikalische Folge dessen beschreibt die zweite Ebene. Als Beispiel dafür soll die durch das Erdbeben vor der japanischen Küste ausgelöste Tsunami-Welle dienen. Obwohl MÜLLER in seinen Ausführungen explizit auf die Trennung der ersten beiden Ebenen hinweist, kann im Kontext dieser Untersuchung von dieser Unterteilung abgesehen werden, da lediglich die Auswirkungen infolge eines Schocks relevant sind. Die dritte Ebene beschreibt den Verlust an Arbeit und Kapital als Folge der durch den Primärauslöser verursachten Ereignisse. Diese Ebene wirkt sich unmittelbar auf das verfügbare Einkommen einer Volkswirtschaft aus. Die darauffolgende vierte Ebene beschreibt die mittelbaren Auswirkungen, die mit dem Verlust an Produktionskapazitäten oder Todesopfern einhergehen. Beispielgebend dafür ist der Anstieg von Investitionen infolge der Wiederaufbaumaßnahmen. Das letzte Glied der Wirkungskette befasst sich mit der Auseinandersetzung mit Naturkatastrophen und somit mit der Bildung von Erfahrungswerten. Aufgrund von Vergangenheitsdaten ist es, wie eingangs erwähnt, möglich das Risiko bzgl. des Eintritts besser einschätzen und durch Vorsorgemaßnahmen reduzieren zu können. Die folgende Abbildung zeigt die Wirkungskette von Naturkatastrophen:[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Folgen von Naturkatastrophen [9]

Die hier dargestellte erste Ebene umfasst somit die im Text beschriebenen Ebenen Eins und Zwei. Diese und die folgende Ebene Drei verdeutlichen die Fristigkeit der Auswirkungen, die mit Naturkatastrophen einhergehen. So ist die Zerstörung von Kapazitäten, als direkter Effekt der Katastrophe, eher kurzfristig wohingegen der darauffolgende Wiederaufbau als eher mittel- bis langfristig anzusehen ist. Die genaue Dauer der Aufbaumaßnahmen lässt sich in der Anzahl der benötigten Perioden nicht beziffern, ist für die Betrachtung anhand des verwendeten Modells auch nicht von Bedeutung. Die Kenntnis der Existenz unterschiedlicher Fristigkeiten bzgl. der Katastrophenfolgen reicht somit aus. Eine umfassendere Aufzählung direkter und indirekter Effekte bietet dabei die UN WIRTSCHAFTSKOMMISSION FÜR LATEINAMERIKA UND DIE KARIBIK (ECLAC) in ihrem Handbuch für die Abschätzung der sozio-ökonomischen und ökologischen Auswirkungen von Naturkatastrophen.[10]

2.3. Ursachen für die Zunahme von Naturkatastrophen

Im Zeitverlauf haben die Naturkatastrophen sowohl in der Höhe ihrer Schäden als auch in ihrer Anzahl zugenommen.[11] Dieser Anstieg ist teilweise dem subjektiven Empfinden des Einzelnen zuzuschreiben, was dadurch begründet ist, dass die Berichterstattung auf der Suche nach höheren Einschaltquoten im Laufe der letzten Jahre erheblich zugenommen hat.[12] Die eigentliche Ursache für die Zunahme von Naturereignissen mit Katastrophenfolgen ist jedoch beim Menschen als Akteur im Ökosystem zu suchen, was die folgende Abbildung zu verdeutlichen versucht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Der Mensch als Ursache für die Zunahme von Naturkatastrophen [13]

Die Quintessenz der Abbildung lautet letztlich, dass sich der Mensch durch sein Handeln selbst schadet. Der häufig diskutierte, vom Menschen verursachte Klimawandel führt somit indirekt zur Zunahme der Naturkatastrophen. So verdunstet beispielsweise, aufgrund der globalen Erderwärmung, zunehmend mehr Wasser, was folglich zu heftigeren Niederschlägen und nachfolgend zu Überschwemmungen führt.[14]

Erschöpfende Ausführungen zum Thema Klimaveränderung und dem damit verbundenen Einfluss auf Naturkatastrophen liefert dabei BERZ.[15] Neben diesem mittelbaren Einfluss auf das Ökosystem greift der Mensch auch direkt in das oben gezeigte Ursachensystem ein. Ein Grund dafür ist laut BERZ, der sich diesbezüglich in einer Schriftensammlung äußert, in den sozioökonomischen Trends zu suchen. Im Zuge der Industrialisierung nimmt die Bevölkerung in den Entwicklungsländern stetig zu.

Gemessen am Anteil der niedrig entwickelten Nationen an der Gesamtheit aller Nationen, führt dies zwangsläufig zu einem Anstieg der globalen Bevölkerung. Dieser Anstieg hat nun zur Folge, dass z.T. stark exponierte Gebiete besiedelt werden. So führt die Besiedlung der Küstenlinie im Falle einer Katastrophe unabwendbar zu vermehrten Schäden. Neben der Erschließung einst dünn besiedelter Landstriche, kommt es zu einer Zunahme von Ballungszentren und somit zu einer vermehrten Ansammlung von Werten. Der gestiegene Lebensstandard hat jedoch auch zur Folge, dass die Schadenshöhen immer größer werden. Die Überflügelung volkswirtschaftlicher Schäden durch versicherte Schäden ist dabei der gestiegenen Versicherungsdichte zuzuschreiben. Das Beispiel Japan zeigt außerdem, dass moderne Gesellschaften und deren Technologie anfällig gegen Naturkatastrophen sind und zwar in bedeutenderem Maße, als dies bei niedriger entwickelten Volkswirtschaften der Fall ist. So hat die durch das Erdbeben und den darauffolgenden Tsunami ausgelöste Kernschmelze wohl weitaus schlimmere ökologische und ökonomische Folgen, als dies bei einer Alternative zur Kernenergie der Fall gewesen wäre. Nachfolgend sind die direkten und indirekten anthropogenen Ursachen für die Zunahme von Naturkatastrophen zusammenfassend aufgezeigt:[16]

- Bevölkerungswachstum
- Besiedlung stark exponierte Gebiete
- Konzentration der Bevölkerung
- räumliche Wertansammlung
- Anfälligkeit der Technologie
- zunehmende Versicherungsdichte
- zunehmende Erderwärmung

Die Auflistung der Ursachen zeigt, dass es sowohl hinsichtlich der Katastrophenanfälligkeit als auch bzgl. der Schadenhöhe Unterschiede zwischen industrialisierten Nationen und Entwicklungsländern gibt. SMOLKA kommt zum gleichen Ergebnis und hält fest, dass es im Rahmen zunehmender Industrialisierung, historisch betrachtet, zu einer Verschiebung von Personenschäden hin zu Sachschäden gekommen ist.[17] Der Entwicklungsstand, als Einflussfaktor, ist für die Analyse der

Katastrophenauswirkung ergo ein zu berücksichtigendes Faktum, auf das im späteren Verlauf noch eingegangen wird.

3. Wachstum

3.1. Wirtschaftswachstum

Wirtschaftswachstum definiert sich als „[…] stetige Zunahme des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials. Dabei charakterisiert das Produktionspotential jene Gütermenge, die bei normaler Auslastung der Volkswirtschaft, das heißt unabhängig von nachfragebedingten Schwankungen, mit dem vorhandenen Bestand an Produktionsfaktoren im Rahmen des gegebenen technischen Wissens erzeugt werden kann.“[18] Da das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, in einem Land produzierten Güter umfasst, lässt sich Wachstum anhand der Veränderung des Outputs einer Volkswirtschaft errechnen. Eine Bewertung der produzierten Güter setzt jedoch Wertgrößen voraus, die sich aus dem Produkt der Menge an produzierten Gütern mit den Marktpreisen ergibt. Eine Veränderung dieser Preise, wie zum Beispiel der Inflation, führt jedoch zu einer Veränderung des Inlandsproduktes, selbst wenn die real verfügbare Menge unverändert bleibt. Um diesen

Preiseffekt zu eliminieren, muss das reale, also das inflationsbereinigte[19], Wachstum werden. Ein weiteres, nicht zu vernachlässigendes, Unterscheidungsmerkmal beinhaltet den Bezug, mit dem das BIP berechnet wird. Zu unterscheiden sind hierbei extensives und intensives Wachstum. Während sich extensives Wachstum mit der absoluten Veränderung des BIP beschäftigt, berücksichtigt Letzteres die Einwohnerzahl und somit das Bevölkerungswachstum.

[...]


[1] Vgl. URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/Katastrophe [26.04.2011].

[2] Vgl. URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/Naturkatastrophe [26.04.2011].

[3] Vgl. URL: http://www.emdat.be/classification [26.04.2011].

[4] Vgl. Plapp, 2004, S. 71 ff.

[5] Vgl. Lawrence, 1999, S. 1.

[6] Plate, et al., 2001, S. 1.

[7] Vgl. Müller, 2007, S. 9 ff..

[8] Vgl. Müller, 2007, S. 67 f..

[9] Eigene Darstellung.

[10] Siehe hierzu: ECONOMIC COMMISSION FOR LATIN AMERICA AND THE CARIBBEAN, 2003.

[11] Vgl. MunichRe, 2011, S. 47.

[12] Vgl. Glöckner, 2007, S. 5.

[13] Eigene Darstellung in Anlehnung an Schäfer, 1998, S. 5.

[14] Vgl. URL: http://www.volker-quaschning.de/datserv/katastrophen/index.php [09.05.2011].

[15] Siehe hierzu: Berz, 1990.

[16] Vgl. Berz, 2009, S. 132 f..

[17] Vgl. Smolka, 1988, S. 331.

[18] Engelkamp und Sell, 2011, S. 265.

[19] Diese Preisbereinigung ist in der Literatur unter dem Begriff der Deflation zu finden. Siehe hierzu: Leifer und Tennagels, 2008.

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Wirken Naturkatastrophen wachstumssteigernd?
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Wirtschafts- und Organisationswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
58
Katalognummer
V182394
ISBN (eBook)
9783656062189
ISBN (Buch)
9783656061786
Dateigröße
894 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirken, naturkatastrophen
Arbeit zitieren
Eric Seliger (Autor), 2011, Wirken Naturkatastrophen wachstumssteigernd?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182394

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wirken Naturkatastrophen wachstumssteigernd?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden