Parmigianino: Das Selbstporträt im konvexen Spiegel von Parmigianino


Seminararbeit, 2001

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand und Quellenlage

3. Problemstellung und Ziel der Arbeit
3.1. Biographie Parmigianino’s und Entstehungsgeschichte seines Selbstporträts im konvexen Spiegel von 1524
3.2. Genaue Beschreibung des Bildes
3.3. Analyse:
3.3.1. Die Hand
3.3.2. Narzißtische Darstellungsweise
3.3.3. Idealisierte Darstellung
3.3.4. Manieristische Elemente
3.3.5. Spiegel- und Kugelsymbolik
3.4. Vergleichende Beispiele
3.4.1. Vorgänger
3.4.2. Nachfolger

4. Zusammenfassung

5. Anhang

1. Einleitung:

Das Thema meiner Arbeit ist die Analyse des Selbstporträts im konvexen Spiegel von Parmigianino.

Dieses läßt sich auf das Jahr 1524 datieren. Das Bildnis ist auf eine hölzerne Halbkugel mit einem Durchmesser von 24,4 cm mit Ölfarben gemalt. Heute befindet es sich im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Auf der Kugeloberfläche des Bildträgers hat sich Parmigianino unter Zuhilfenahme eines konvexen Spiegels so realistisch porträtiert, daß der Betrachter im ersten Augenblick den Eindruck erhält, es handele sich wirklich um einen realen Spiegel. Parmigianino hat sich in der Bildmitte plaziert. Vom Verzerrungseffekt ist fast nur seine räumliche Umgebung betroffen. Nur seine Hand wird hierdurch vergrößert.

Das Porträt ist auf Grund seiner Halbkugelform in der Porträtkunst einmalig. Eine weitere Ausnahme stellt die Tatsache dar, dass Parmigianino den für das Porträtieren nötigen Spiegel nicht negiert und außerdem einen konvexen Spiegel verwendet. Zum Schluß erscheinen die fokussierte Hand und die illusionistische, narzißtische Darstellungsweise auffällig.

2. Forschungsstand und Quellenlage:

Die Sekundärliteratur seit 1921 beschäftigt sich mit Parmigianino’s Selbstporträt sehr intensiv. Da es aber keine zeitgenössischen Quellen gibt, stützen sich viele Interpretationen überwiegend auf Annahmen, die man aus dem geschichtlichen Zusammenhang schließen kann. Dabei treten zwischen den Kunsthistorikern keine konträren Meinungen zum Bildnis auf.

Die früheste Erwähnung des Bildnisses findet sich in Vasari’s „Le Vite di più eccellenti Artisti“ von 1550, 26 Jahre nach seiner Entstehung. Somit interpretiert es Vasari mit dem Wissen seiner Zeit und rückprojiziert beispielsweise den Aufstieg des autonomen Künstlers in der Hochrenaissance auf die Zeit Parmigianino’s.

3. Problemstellung und Ziel der Arbeit

3.1. Biographie Parmigianino’s und Entstehungsgeschichte seines Selbstporträts im konvexen Spiegel von 1524

Girolamo Francesco Maria Mazzola, genannt Parmigianino wurde am 11.1.1503 in Parma geboren. Parmigiano war nach Correggio der bedeutendste Maler des 16. Jahrhunderts der Region Emilia – Romana.[1] Sein Einfluß reichte jedoch weit über Italien hinaus.[2]

Parmigianino wuchs in einer Malerfamilie auf. Ab 1524 wurde Parmigianino’s frühere flüssige und rasche Malweise kristallin, die Komposition sorgfältig abgewogen. In diese Zeit fällt auch sein Selbstporträt vor dem konvexen Spiegel, das 1524 bei Parma entstand und Parmigianino als 20 Jährigen zeigt.

In Rom lebte Parmigianino von 1524 bis 1527. Das Selbstporträt hat ihm dort als Bewerbungsstück die Türen des Hofes Papst Clemens VII durch seine Kuriosität und Qualität geöffnet.[3]

Ab 1526-27 erkennt man die Selbständigkeit des Künstlers. Sein Selbstporträt von 1527/28, das heute in den Uffizien in Florenz zu sehen ist, zeigt dieses deutlich[4]. (Abb.2)

Aus Rom muß er wegen dem Sacco di Roma fliehen. Er geht zurück nach Parma, muß aber auch hier untertauchen, da er Schulden gemacht hat, um alchemistische Experimente zu finanzieren. Erfüllt von dem florentinischen Neoplatonismus und einer auf Magie gegründeten Naturphilosophie wird er immer wunderlicher und depressiver.

Am 28.8.1540 starb er im Alter von 37 Jahren.[5]

Sein Selbstporträt schenkte Papst Clemens VII zunächst dem einflußreichen Enfant terrible, dem Dichter Pietro Aretino, der es wie ein Reliquiar aufbewahrte. Dessen Freund, der Datario Clemens VII, Lorenzo Giberti hatte Parmigianino dem Papst vorgestellt. So war dieser wohl der Vermittler des Geschenks. Hier sah es auch Vasari. Weiter ging es an den Kristallschneider Valerio Belli, dann an Andrea Palladio. 1560 wurde es von dem venezianischen Bildhauer Alessandro Vittoria gekauft. 1608 bekam es Kaiser Rudolph II testamentarisch von A. Vittoria für seine Sammlung für bizarre Kunst in Prag vermacht. Von dort aus kam es zu seinem heutigen Aufbewahrungsort, dem Kunsthistorischen Museum in Wien.[6]

Vasari erwähnt das Bildnis in seinem Bildungsroman über Künstler „Le Vite“. Das Bildnis hatte nach damaligen Kriterien ein hohes künstlerisches Niveau. Vasari lobt es stärker, als es sonst seine Art ist.[7] Parmigianino hatte nach Vasaris Meinung seinen eigenen Stil in dem Selbstporträt gezeigt. ( obwohl z.B. in Kindlers Malereilexikon ihm erst ab 1527 ein eigener Stil zugesprochen wird). Dieses alles wurde auch sofort von Zeitgenossen erkannt, da das Selbstbildnis (Bewerbungsbild) sofort Anerkennung erhielt.

3.2. Genaue Beschreibung des Bildes (Abb.1)

Das Selbstporträt von Parmigianino ist auf einer Halbkugel aus Pappelholz mit einem Durchmesser von 24,4 cm gemalt. Nach Vasari entspricht dies genau der Größe des Barbierspiegels in dem Parmigianino sich gemalt habe.[8] Es ist durch seine Dreidimensionalität eine fast perfekte Nachahmung eines Spiegels und das erste Bild in dieser Form.[9] Durch diese wirkt es medaillonartig.[10]

Das Bild zeigt den etwa 20 jährigen Maler.

Parmigianino ist der Erste, der die narzißtische Implikation des Spiegels ausnutzt. Er stellt sich auf eine intensive, persönliche Art dar[11], seine eigene Schönheit bewundernd.[12]

Auch negiert er das Hilfsmittel des Spiegel nicht wie andere seiner Zeitgenossen. Dieses wurde nie so offen zugegeben auch nie als Mittel der formalen Struktur benutzt.[13]

Seine Züge sind engelhaft-schön, weichlich, maskenhaft, idealisiert, regelmäßig, jünger, androgyn und Raffael - ähnlich gemalt.[14] Seine etwa zu großen blauen Augen, die intelligente Nase und der breite ausdrucksvolle Mund verstärken diesen engelhaften Eindruck noch.[15]

Er wirkt rätselhaft, fast abstrakt durch die Aufgelöstheit der Flächen. Bei Hocke wird seine Mimik mit Hamlet verglichen. Seine Augen blicken einsam aus Ehrgeiz, Intelligenz und Selbstbewußtsein.[16]

Es ist eine der wichtigsten Einzel – Performances der Renaissance. Er hat hellbraune Haare. Gekleidet ist Parmigianino in einen Pelz aus Edelmader, seine weiße Hand trägt einen Goldring. Im Vergleich hierzu ist sein Selbstportät von ca.1524, 29 x 23 cm, London zu betrachten (Abb. 3). Hier stellt er sich wieder selbstbewußt, frech und mit Attributen der Wohlhabenden dar.[17]

Seine rötliche Gesichtsfarbe belebt das ansonsten in kühlem Graubraun abgestimmte Bild. Das Licht fällt grünlich blau vom Fenster auf der linken Bildseite ein.[18]

[...]


[1] Kindlers Malereilexikon, Digitale Bibliothek, Directmedia Publishing, Berlin 1999

[2] Freedberg, S.J.: Parmigianino, Harvard University Press, Cambridge, 1950

[3] Kindlers Malereilexikon, Digitale Bibliothek, Directmedia Publishing, Berlin 1999

[4] Freedberg, S.J.: Parmigianino, Harward University Press, Cambridge, 1950

[5] Hocke, Gustav René: Die Welt als Labyrinth, Rohwolt Verlag, Hamburg, 1957

[6] Giampaolo, Mario di: Parmigianino, Cantini, Florenz, 1991

[7] Freedberg,S.J.: Parmigianino, Harward University Press, Cambridge, 1950

[8] Nova, Alessandro: Imagination und Wirklichkeit, zum Verhältnis von mentalen und realen Bildern in der Kunst der frühen Neuzeit, Hrg. Klaus Krüger, A. Nova, Philipp von Zabern Verlag, Mainz am Rhein, 2000

[9] Freedberg, S.J.:Parmigianino, Harward University Press, Cambridge, 1950

[10] Hocke, Gustav René: Die Welt als Labyrinth, Manier und Manie in der europäischen Kunst, Rohwolt Verlag, Hamburg 1957

[11] Nova, Alessandro: Imagination und Wirklichkeit, zum Verhältnis von mentalen und realen Bildern in der Kunst der frühen Neuzeit, Hrg. Klaus Krüger, A. Nova, Philipp von Zabern Verlag, Mainz am Rhein, 2000

[12] Gould, Cecil: Parmigianino, Abbeville Press Publisher, London, Paris, New York, 1994

[13] Freedberg, S.J.: Parmigianino, Harward University Press, Cambridge, 1950

[14] Rogers, Mary: Concepts of beauty in Renaissance Art, Hrg. Francis Ames – Lewis und Mary Rogers, Ashgate Publishing Limiteds, England, 1998

[15] Fröhlich-Pun, L. : Parmigianino und der Manierismus, Kunstverlag Anton Scholl, Wien, 1921

[16] Hocke, Gustav René: Die Welt als Labyrinth, Manier und Manie in der europäischen Kunst, Rohwolt Verlag, Hamburg 1957

[17] Gianpaolo, Mario di: Parmigianino, Cantini, Florenz, 1991

[18] Fröhlich-Pun, L.: Parmigianino und der Manierismus, Kunstverlag Anton Scholl, Wien, 1921

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Parmigianino: Das Selbstporträt im konvexen Spiegel von Parmigianino
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Künstlerselbstdarstellungen am Beispiel der italienischen Renaissance
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
25
Katalognummer
V18241
ISBN (eBook)
9783638226301
Dateigröße
1375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Parmigianino, Selbstporträt, Spiegel, Parmigianino, Künstlerselbstdarstellungen, Beispiel, Renaissance
Arbeit zitieren
Annika Höppner (Autor), 2001, Parmigianino: Das Selbstporträt im konvexen Spiegel von Parmigianino, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18241

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