Trotz der Aktualität des Themas hat das Phänomen des Terrors weiter reichende historische Wurzeln. Bereits zum Anfang des 20. Jahrhunderts war Terrorismus als Instrument zur Durchsetzung politischer oder wirtschaftlicher Ziele weit verbreitet. Dies lässt sich unter anderem am Beispiel des Konfliktes zwischen Israelis und Palästinensern festmachen. Dieser bereits in der Bibel erwähnte Antagonismus war schon seit langer Zeit geprägt von gegenseitigen Gewaltakten zur Erlangung der Vorherrschaft über die Region des heutigen Israels. Als prominentes Beispiel kann ferner der Anschlag auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger im Jahre 1914 gesehen werden. Dieser Akt des Terrors gilt als Auslöser des ersten Weltkrieges und steht als Musterbeispiel für die Instrumentalisierung des Terrors zur Durchsetzung von Minderheitsinteressen in den Anfängen des 20. Jahrhunderts.
Zu dieser Zeit führten auch in Irland nationalistische Interessen zur Gründung der Irish Republican Army, die mit Gewaltakten die Abspaltung Irlands von der britischen Krone vorantreiben wollte.
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der IRA und liefert anhand der Mechanismen-Analyse soziologische Erklärungen für dieses Terrorphänomen.
Zunächst wird zum besseren Verständnis des Konfliktes ein geschichtlicher Abriss über die Entstehung der IRA gegeben, bevor die in der Analyse verwendeten Methoden kurz erläutert werden. Anschließend werden die zugrunde liegenden Quellen vorgestellt und begründet, warum sie in dieser Untersuchung Anwendung finden. Der darauf folgende Hauptteil der Arbeit befasst sich mit der Durchführung der Mechanismen-Analyse auf der Grundlage der hier vorgestellten Methoden und Quellen. Im abschließenden Fazit wird die Entwicklung der IRA resümiert und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
1.0 Vorbemerkungen
1.1 Historischer Abriss zur Entstehung der IRA
2.0 Vorstellung der Modelle
2.1 Gesteigerte Antagonismen nach Georg Simmel
2.2 Konflikteskalation nach Ansgar Thiel
2.3 Strukturelle Kopplung nach Niklas Luhmann
3.0 Vorstellung der Primärquellen
3.1 Artikel Frankfurter Rundschau
3.2 SPIEGEL SPECIAL IRA – Irish Republican Army
3.3 Die Irisch-Republikanische Armee (IRA)
4.0 Mechanismen-Analyse angewendet auf die Irish-Republican Army
5.0 Endzustand
6.0 Strukturdynamik
7.0 Fazit
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Transformation der Irish Republican Army (IRA) von einer terroristischen Untergrundorganisation zu einer politisch etablierten Partei. Ziel ist es, durch die Anwendung soziologischer Mechanismen-Analysen zu erklären, welche Faktoren diesen Wandel im Kontext des Nordirland-Konflikts zwischen 1968 und 1998 ermöglicht haben.
- Analyse der sozio-ökonomischen Ausgangslage und Diskriminierung der katholischen Minderheit.
- Anwendung der Theorie der gesteigerten Antagonismen nach Georg Simmel.
- Untersuchung der Konflikteskalation anhand des Modells von Ansgar Thiel.
- Erklärung der Systeminteraktionen mittels des Konzepts der strukturellen Kopplung von Niklas Luhmann.
- Evaluierung der Bedeutung politischer Faktoren für die Beilegung gewaltsamer Konflikte.
Auszug aus dem Buch
2.1 Gesteigerte Antagonismen nach Georg Simmel
Die Theorie der gesteigerten Antagonismen eignet sich für den Nordirland-Konflikt, da sich die Konzeption Simmels auf die Situation im Nordirland der sechziger Jahre beziehen lassen. Wie bereits angedeutet, bestand zu dieser Zeit zwischen Katholiken und Protestanten zwar ein gespanntes, aber dennoch stabiles Verhältnis. Die fortwährende gesellschaftliche Unterdrückung der katholischen Minderheit führte jedoch zum Kampf zwischen den beiden Gruppierungen. Diese Konstellation spiegelt sich auch in der Theorie der gesteigerten Antagonismen wieder.
Simmel beschreibt in seiner Theorie das Verhältnis von Divergenz und Harmonie innerhalb einer Gesellschaft. Dies ist zugleich der Ausgangspunkt eines jeden Konfliktes, in dem unterschiedliche Gruppierungen ihre jeweiligen Interessen zu behaupten versuchen. Simmel formuliert in seinem Ansatz räumlich oder sozial begrenzte Strukturen, innerhalb derer ein Verhältnis von Gemeinsamkeiten und Gegensätzen besteht. So kommt es innerhalb dieser engen sozialen Räume zwangsläufig zum Ausbruch offener Feindseligkeiten. „So wenig der Antagonismus für sich allein eine Vergesellschaftung ausmacht, so wenig pflegt er – von Grenzfällen abgesehen - in Vergesellschaftungen als soziologisches Element zu fehlen und seine Rolle kann sich ins Unendliche, d.h. bis zu Verdrängung aller Einheitsmomente steigern“ (Simmel 1958: 193). Simmel geht also davon aus, dass es innerhalb einer Gesellschaft Gegensätze gibt, die zunächst zum Zusammenhalt beitragen können. Es kann ebenso vorkommen, dass die Gegensätzlichkeiten zum einzig verbindenden Element zwischen zwei Gruppierungen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des Terrorismus ein und erläutert den historischen Hintergrund des Nordirland-Konflikts sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2.0 Vorstellung der Modelle: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Arbeit, bestehend aus den Modellen von Simmel, Thiel und Luhmann, dargelegt und für die Analyse begründet.
3.0 Vorstellung der Primärquellen: Dieses Kapitel stellt die verwendeten Datenquellen vor, darunter Zeitungsartikel, Dossiers und Dissertationen, die als Basis für die Mechanismen-Analyse dienen.
4.0 Mechanismen-Analyse angewendet auf die Irish-Republican Army: Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der IRA in Phasen und identifiziert verschiedene Faktoren, die die Strukturdynamik beeinflusst haben.
5.0 Endzustand: Dieses Kapitel beschreibt das Ende des Konflikts am 1. September 1998 und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Friedensabkommen.
6.0 Strukturdynamik: Eine zusammenfassende Betrachtung der Transformation der IRA von einer terroristischen Vereinigung hin zu einer politisch anerkannten Partei.
7.0 Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Analyse anhand einer grafischen Darstellung der Mechanismen und Faktoren.
Schlüsselwörter
IRA, Nordirland-Konflikt, Terrorismus, Mechanismen-Analyse, Georg Simmel, Ansgar Thiel, Niklas Luhmann, Strukturdynamik, Sinn Fein, Katholiken, Protestanten, Karfreitags-Abkommen, Gewaltspirale, Transformation, Friedensprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Erklärung der Entwicklung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) im Nordirland-Konflikt zwischen 1968 und 1998.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Diskriminierung der katholischen Minderheit, die Eskalation gewaltsamer Konflikte und der Wandel einer paramilitärischen Untergrundorganisation hin zur politischen Partizipation.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Erkenntnisinteresse gilt der Frage, wie die IRA es schaffte, sich von einer fast in Vergessenheit geratenen terroristischen Vereinigung zu einer politisch relevanten Partei zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der Mechanismen-Analyse angewandt, wobei Theorien von Georg Simmel, Ansgar Thiel und Niklas Luhmann zur Erklärung der gesellschaftlichen Strukturdynamik herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Konflikt in verschiedene Phasen und analysiert elf spezifische Faktoren, die zur Eskalation und späteren Deeskalation sowie zum politischen Wandel der IRA führten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Nordirland-Konflikt, IRA, Mechanismen-Analyse, Strukturdynamik, Sinn Fein und die theoretischen Konzepte von Simmel, Thiel und Luhmann.
Welche Rolle spielte der Hungerstreik von 1981 für die IRA?
Der Hungerstreik von 1981 fungierte als Katalysator für die Politisierung der IRA-Bewegung und verhalf ihr zu neuer Popularität und öffentlicher Sympathie, was den Übergang zum politischen Arm "Sinn Fein" begünstigte.
Warum wird das Karfreitags-Abkommen als Endzustand betrachtet?
Das Abkommen markiert den formalen Abschluss der militärischen Auseinandersetzung und die Anerkennung der IRA-Bewegung als politische Kraft, womit die Wandlung zur Partei offiziell vollzogen wurde.
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- Joachim Wulkop (Author), 2009, Mechanismen-Analyse des Terrorphänomens der Irish Republican Army, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182416