Die Geschichte der Tonträger und Tondokumente


Hausarbeit, 2000

25 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Musikindustrie und Tonträger
1) Allgemeines
2) Eine Chronologie

III. Tonträger und Tondokumente
1) Allgemeines
2) Von der Walze bis zur Mini Disc

IV. Die Berührungspunkte der Seminarthemen untereinander

V. Bezugnahme auf Marshall McLuhan: „The medium is the message“

VI. Anhang:
Kurzbiographien von Tonträgerfirmen
1) die Allerersten
2) die Großen der 30er und 40er Jahre

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In der vorliegenden Seminararbeit befasse ich mich mit der Geschichte der Tonträger und Tondokumente als Teilgebiet des Themas „Musikindustrie“. Beide Themengebiete wurden schon im Rahmen des Proseminars „Musik und neue Medien“ in Form von Referaten vorgestellt. Über die „Tonträger und Tondokumente“ habe ich selbst referiert, weshalb dieses Thema auch den Hauptteil dieser Arbeit darstellt.

Der Großteil der zugrundeliegenden Informationen stammt aus den Abschnitten „Musikindustrie“ (verfasst von Peter Wicke) und „Tonträger und Tondokumente“ (verfasst von Martin Elste) aus der „allgemeinen Enzyklopädie der Musik: Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ (herausgegeben von Friedrich Blume).

Bei der Niederschrift des Abschnitts II habe ich bewusst auf die Nennung von Firmennamen weitestgehend verzichtet, da dies meiner Meinung nach den Lesefluss erheblich stören würde.

Des weiteren zeige ich die Berührungspunkte der verschiedenen Seminarthemen untereinander auf und untersuche abschließend Marshall McLuhan’s Aussage „The medium is the message“ auf ihre Gültigkeit im Musikbereich.

II. Musikindustrie und Tonträger

1) Allgemeines

Definition des Begriffs „Musikindustrie“:

„Der Begriff tauchte erstmals im wirtschaftsjournalistischen Umfeld auf und bezeichnete den Gesamtzusammenhang von Musikherstellung- und verwertung und industrieller Massenproduktion. Damit ist also z. B. nicht der kreative Vorgang des Komponierens gemeint, sondern die Verbreitung der Tonträger, auf denen sich dieses komponierte Musikstück nach der Aufnahme befindet. Allerdings gehört zur `Musikindustrie´ nicht nur die Tonträgerindustrie, sondern ebenso der Rundfunk und das Fernsehen sowie der Handelssektor und die Begleitmedien wie Werbung und Zeitschriften.“[1]

Einordnung der Musikindustrie in das Wirtschaftssystem

„Die Musikindustrie hat sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem hochgradig integrierten und global organisierten Industriezweig entwickelt, der von nur wenigen, meist der Elektronik- oder Medienbranche angehörenden Unternehmen, dominiert ist.“[2]

Aufgrund der wenigen Anbieter wird die Musikindustrie ökonomisch als Oligopol beschrieben. Trotz dieser Tatsache ist es schwierig, hier den Überblick zu behalten, da dieser Industriezweig einem ständigen Strukturwandel unterliegt. Immer wieder werden Segmente oder auch komplette Firmen von Mitkonkurrenten aufgekauft oder verschmelzen mit ihnen. Deshalb kann man die dadurch ständig gewachsene Zahl an Labels nur sehr schwer den jeweiligen Muttergesellschaften zuordnen.

In dieser oligopolistischen Marktstruktur gibt es neben den großen Firmenkonglomeraten, den sogenannten „Majors“ wieWarneroderBMG, aber auch kleine unabhängige Unternehmen, die „Independents“. Diese ehemals von den „Majors“ (wirtschaftlich) nicht abhängigen Labels haben ihre Unabhängigkeit bis heute allerdings größtenteils verloren, und es gibt nur noch wenige tatsächliche „Independent Labels“. Meist steht eines der „Major Labels“ hinter ihnen und nimmt durch Vertriebs- und Beteiligungsabkommen Einfluss auf sie. Sie sind heute als Talentsucher- und entwickler geschätzt.

Innerhalb der einzelnen Labels haben sich folgende Teilbereiche herausgebildet:

A&R (Artist- und Repertoirebetreuung)

Marketing & Promotion (Produktmanagement und Absatzförderung)

Vertrags- und Rechnungswesen

Herstellung und Vertrieb

Zahlen und Fakten zur heutigen Musikindustrie

Im Jahre 1995 waren es die folgenden sechs Firmenkonglomerate, die den weit größten Teil des weltweiten Tonträgergesamtumsatzes ausmachten:

Warner Music(Tochter des US-MedienkonzernsTime-Warner)

PolyGram(Tochter des niederländischen Elektro- und ElektronikkonzernsPhilips)

Sony Music Entertainment(Tochter des japan. UnterhaltungselektronikkonzernsSony)

EMI/Virgin(Tochter des britischen Elektronik- und RüstungskonzernsThorn)

Bertelsmann Music Group(Tochter des deutschen VerlagshausesBertelsmann AG)

Music Corporation of America(Tochter des US-NahrungsmittelkonzernsSeagram)

Es wurden in dem Jahr etwa 4,5 Mrd. Tonträger verkauft. 95% des entsprechenden Gesamtumsatzes von ca. 40 Mrd. US-Dollar teilten sich die o. g. sechs Firmen wie folgt*:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Deutschland ist nach den USA und Japan der drittgrößte Tonträgermarkt der Welt.

Hier wurden im selben Jahr ca. 250 Millionen Tonträger im Gesamtwert von 4,68 Mrd. DM verkauft. Die Rangfolge der großen Sechs sah hierzulande wie folgt aus*:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*Die Zahlen beruhen auf Erhebungen der „International Federation of the Phonographic Industry (IFPI)“

2) Eine Chronologie

Die Entstehung der Musikindustrie hängt unmittelbar zusammen mit der Entwicklung der Tonträger (Definitionen „Tonträger“ und „Tondokumente“ im nächsten Abschnitt).

Das Ereignis, ohne das sich die Musikindustrie nie in dem Maße hätte entwickeln können, ist zweifelsfrei die Erfindung desPhonographenim Jahre 1877 durch den AmerikanerThomas Alva Edison, der Walzen als Tonträger benutzte. Zu dem schriftlichen, primären Dokument der Partitur und den sekundären, verbalen Dokumenten (Aufführungsberichte, Traktate, Briefe und andere literarische Quellen) trat ein weiteres, rein akustisches hinzu: die Schallaufzeichnung.“[3]Eine Sensation.

1885/86 wurdeEdison’sVerfahren vonChichester BellundCharles S. Tainternoch verbessert; sie benutzten andere Walzen und nannten ihr GerätGraphophone.

1887 stellteEmile Berlinerseine Erfindung vor: dasGramophone, das plattenförmige Tonträger benutzte, welche wesentlich besser zu vervielfältigen waren als die o. g. Walzen.

Genau genommen gab es schon vor diesen Erfindungen eine „Musikindustrie“. Hierbei ging es jedoch ausschließlich um den Druck und Handel von Notenbüchern. Diese wurden nur von wenigen, im Notenlesen bewanderten, Menschen erstanden; und somit hatte dies noch nicht allzu viel gemein mit dem heutigen Begriff „Musikindustrie“, bei dem sich solche Schlagworte wie „Massenproduktion“ und „Profit“ geradezu aufdrängen. Die Musikindustrie im heutigen Sinne nimmt ihren Anfang eigentlich erst mit der Entwicklung der Hartgummi-Schallplatten (Verwendung von 1889-1897) und später der Schellackplatten (ab 1897).

„Doch bevor die Entwicklung der Musikindustrie [in den USA, S. G.] richtig in Gang kam, blockierten sich die frühen Initiatoren in langwierigen Patentstreitigkeiten gegenseitig.“[4]

In Europa hingegen wurde bereits 1898 die erste Tochter einer amerikanischen Gramophone-Firma in London eröffnet. Danach gründeten weitere US-Unternehmen europäische Filialen. Aber auch eigenständige europäische, darunter auch deutsche, Unternehmen entstanden.

Schon 1909 war die großartige Entwicklung des Musikmarktes vorauszusehen, was viele Musikverleger und Komponisten in den USA veranlasste, die Musikreproduktion ebenso unter den Copyright-Schutz stellen zu wollen wie es bereits mit dem Notendruck geschehen war. Dieser Regelungen nahmen sich auch die Europäer an, und noch im selben Jahr wurde dieAnstalt für mechanisch-musikalische Rechte (AMMRE)in Berlin gegründet, die zu den Vorläufern der heutigenGEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte)zählt.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl der im Musikbereich tätigen Firmen allein in Deutschland auf über 100.

Eine ähnlich rasante Entwicklung zeigte sich später auch in den USA. In den Jahren 1914 bis 1921 wurde deutlich, welch einem immensen Wachstum diese Industrie damals unterlag. In diesen sieben Jahren stieg die Zahl der im Musikbereich operierenden Firmen um mehr als das Zehnfache.

Die Veröffentlichungen der damaligen Zeit orientierten sich noch stark an den technischen Bedingungen der Abspielgeräte, weshalb nur solche Musik veröffentlicht wurde, die sich mit dem dazugehörigen Gerät in klanglicher Hinsicht gut verstand. Es wurde vorwiegend populäre Musik aufgenommen, da der Großteil der Abspielgeräte an öffentlichen Plätzen stand. Der restliche Teil wurde an die wohlhabenderen Bürger geliefert, die musikalisch vorwiegend mit Opernarien versorgt wurden, was auch wieder technische Gründe hatte, denn es war einfach noch nicht möglich, komplexere Klangbilder wiedererkennbar zu reproduzieren.

Durch denErsten Weltkriegunterlag die Musikindustrie vielen strukturellen Änderungen, da immer wieder Plattenfirmen von den verschiedenen Kriegsmächten als Feindvermögen beschlagnahmt wurden. Abgesehen von ein paar Unternehmen, die sich von dieser Beschlagnahmungswelle nicht mehr erholten, „ [...] hatte der Erste Weltkrieg das Musikgeschäft in Europa zwar kurzzeitig zum Erliegen gebracht, nicht aber wirklich beeinträchtigen können.“[5]Selbst im währungsschwachen Deutschland florierte die Musikindustrie schon Anfang der 20er Jahre wieder kräftig.

[...]


[1]vgl.: Wicke, Peter: Musikindustrie. In: Allgemeine Enzyklopädie der Musik: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 6, Kassel / Stuttgart 1997, Sp. 1343

[2] ebd., Sp. 1344

[3]Elste, Martin: Tonträger und Tondokumente. In: Allgemeine Enzyklopädie der Musik. Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 9, Sp. 647

[4]Wicke, Peter: Musikindustrie. In: Allgemeine Enzyklopädie der Musik. Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 6, Kassel / Stuttgart 1997, Sp. 1348

[5]ebd., Sp. 1350

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Tonträger und Tondokumente
Hochschule
Universität Paderborn  (Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Musik und neue Medien
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
25
Katalognummer
V18243
ISBN (eBook)
9783638226325
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Tonträger, Tondokumente, Musik, Medien
Arbeit zitieren
Sebastian Gosmann (Autor), 2000, Die Geschichte der Tonträger und Tondokumente, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18243

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