Die Geschichte des Feuilletons. Wie sich der Kulturteil im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ verändert hat


Hausarbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

ABBILDUNGEN:

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFSKLÄRUNG "FEUILLETON"
2.1. FEUILLETON ALS (KULTUR-)RESSORT
2.2. WEITERE BEDEUTUNGEN
2.3. GESCHICHTE DES FEUILLETONS IM 17. UND 18. JAHRHUNDERT
2.4. GESCHICHTE IM 19. JAHRHUNDERT
2.5. GESCHICHTE IM FRÜHEN 20. JAHRHUNDERT
2.6. KULTURTEIL UND FEUILLETON-BEGRIFF IN DER NS-ZEIT
2.7. "NEUSTART" IN DER NACHKRIEGSZEIT AB 1945

3. GRÜNDUNG DES ERSTEN WÖCHENTLICHEN NACHRICHTENMAGAZINS DER SPIEGEL IN DEUTSCHLAND
3.1. UNTERSUCHUNG: DIE ENTWICKLUNG DES SPIEGEL- KULTURTEILS
3.2. AB 1947 UND 1950ER JAHRE
3.3. DIE 1960ER UND 1970ER JAHRE
3.4. DIE 1980ER UND 1990ER JAHRE
3.5. DIE 2000ER JAHRE
3.6. GRAFIK: DIE ENTWICKLUNGEN IM KULTURTEIL
3.7. KULTUR AUF DER TITELSEITE DES SPIEGELS

4. ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

ANHANG

Abbildungen:

Abb. 1: Entwicklung des Kulturteils im Spiegel (S. 16)

Abb. 2: Prozentualer Anteil des Kulturteils an der Gesamtausgabe (S. 16)

Abb. 3: Kulturthemen auf der Titelseite des Spiegel-Magazins (S. 17)

1. Einleitung

Spiegel- Gründer Rudolf Augstein beschrieb in den 1990er Jahren rückblickend den hohen Stellenwert, den die Kulturberichterstattung im Spiegel vom Start weg gehabt habe:

Für uns, die gerade im zweiten Jahr dem Krieg entkommen waren, tat sich eine neue Welt auf. Wie ausgehungert lasen wir und sahen wir alles an, was uns durch die Hitlerei viele kostbare Jahre lang vorenthalten worden war.

(Augstein 1995)

Nun gibt es den Spiegel seit 1947, die Geschichte der Kulturberichterstattung in Deutschland geht allerdings sehr viel weiter zurück.

Diese geschichtliche Entwicklung steht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Die vorliegende Arbeit liefert - nach einer Klärung des Begriffes „Feuilleton“ - einen chronologischen Überblick über die Entwicklung des Feuilletons als Kulturressort in deutschen Zeitungen. Dieser beginnt im 17. Jahrhundert, da zu diesem Zeitpunkt in Deutschland die ersten Zeitungen erfasst wurden. Im Anschluss daran wird - vor allem quantitativ - die Entwicklung des Kulturteils im Nachrichtenmagazin Der Spiegel seit seiner Gründung 1947 bis heute untersucht. Außerdem wird die Entwicklung von Kulturthemen auf der Titelseite untersucht.

Dazu wurde das im Internet frei zugängliche Archiv des Print-Magazins anhand von Proben ausgewertet. Am Ende folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

2. Begriffsklärung "Feuilleton"

Der französische Begriff „Feuilleton“ ist abgeleitet von feuille/feuillet (= Blatt/Blättchen) und bezeichnete ursprünglich eine Beilage zur Zeitung, die einen Teil des Druckbogens umfasste. Anfang des 19. Jahrhunderts fand es zunächst seinen Platz auf dem unteren Drittel der zweiten Seite - durch einen Strich von den politischen Inhalten auch optisch klar abgetrennt (vgl. Noelle-Neumann et al. 2004, S.150).

2.1. Feuilleton als (Kultur-)Ressort

Die heute im deutschen Sprachraum wohl gebräuchlichste Verwendung des Begriffes „Feuilleton“ ist die als Kulturressort einer Zeitung, wenn gleich sich klare inhaltliche Grenzen mitunter nur schwer ziehen lassen. Hans Jessen und Ernst Meunier stellten bereits 1930 in einer Studie zum Feuilleton fest:

„ Die journalistische Willkür ist im Feuilleton so ausschlaggebend und seine Grenzen darum so flüssig und unbestimmt, dass wahrscheinlich niemals eine eindeutige Definition gefunden werden kann “

(Meunier/Jessen 1931: S. 9.)

Das Lexikon für Publizistik und Massenkommunikation definiert vergleichsweise trennscharf:

Feuilleton ist das Ressort in der Zeitung, das die kulturellen Nachrichten, Analysen und Kritiken des kulturellen Lebens sowie Rezensionen und literarische Unterhaltung wie Roman und Kurzgeschichte bringt. (Noelle-Neumann et al. 2004, S.150)

2.2. Weitere Bedeutungen

In dieser Arbeit steht das „Feuilleton“ als Kulturressort im Blickpunkt. Der Feuilleton-Begriff geht allerdings darüber hinaus: Bei den journalistischen Darstellungsformen bezeichnet „Feuilletonismus“ die geistreiche Plauderei, ist ein Leichtgewicht mit Hintersinn, dessen Grenzen zur Glosse (als sarkastischem, satirischem Kurzkommentar) fließend sind (vgl. Schneider/Raue 2009, S. 363 & 365).

In der Literatur taucht das Feuilleton als „Kleine Form“ auf, die das Alltägliche durch eine betont persönliche Schilderungsweise interessant macht. „Feuilletonismus“ ist eine subjektiv persönliche Text-Form in Darstellung, Sprache und Gesinnung, deren sprachliche Brillanz vom Sachlichen ablenkt (vgl. Noelle-Neumann et al. 2004, S.150). Laut Schneider/Raue (2009) wird der Begriff „feuilletonistisch“ daher oft abschätzig gebraucht - für Texte mit zuviel Eleganz und zu wenig Substanz (S. 363).

„Feuilletonistisch“ sei der Mensch laut Dovifat/Wilke (1976) immer dann, wenn er aus den Zufälligkeiten und Nebensächlichkeiten des Alltags in das Große und Allgemeine emporgeführt wird. Diese Haltung sei indes schon weitaus älter als die Zeitung, nämlich so alt wie die publizistische Stilbildung überhaupt, und tauche bereits in Reden der Antike auf (vgl. Dovifat/Wilke 1976, S. 74).

2.3. Geschichte des Feuilletons im 17. und 18. Jahrhundert

Seit dem 17. Jahrhundert erscheinen im Deutschland periodische Zeitungen, die ältesten bekannten sind die Wochenzeitungen Aviso (1609 in Wolfenbüttel) und Relation (Straßburg, 1605). Deutschland gilt damit als Geburtsland der Zeitung, im europäischen Raum kamen nach und nach weitere Publikationen hinzu. Besonders im deutschsprachigen Raum gab es eine rasche Entwicklung, so dass es dort gegen Ende des 17. Jahrhundert mehr Zeitungen gab als in den anderen europäischen Ländern zusammen. Bei diesen frühen Zeitungen dominierte weitgehend eine politisch-militärische Berichterstattung, thematische Vielfalt war schwach ausgeprägt (vgl. Noelle-Neumann et al 2004, S.463-465). Erste Ansätze eines Kulturteils sind in Deutschland trotzdem schon in den 1730er Jahren feststellbar. (z. B. Hamburgischer Unpartheyischer Correspondent: „Von merkwürdigen und gelehrten Sachen“ (vgl. Priotto 2005, S. 7). Wittig nennt noch den Schiffbecker Holsteynischen unabh ä ngigen Correspondenten mit einer eigenen Sparte für das „Neueste in Kunst, Natur und gelehrten Sachen“, die den erste. „Gelehrten Artikel“ abdruckte (vgl. Wittig 1997, S.30).

Viele Zeitungen nahmen bereits eine stoffliche Abgrenzung vor, was zu der Annahme führte, dass der sogenannte „Gelehrte Artikel“ in Deutschland zum Vorläufer des Feuilletons wurde (vgl. Dovifat/Wilke 1976, S.74).

2.4. Geschichte im 19. Jahrhundert

Eine breite Diversifizierung der Inhalte erfolgte erst im 19. Jahrhundert. In deren Folge bildete sich die Spartengliederung der Zeitung heraus (vgl. (Noelle- Neumann et al. 2004, S. 465).

Die Abgrenzung eines eigentlichen Feuilletons wird häufig auf den „Abbé“ Julien- Louis Geoffroy zurückgeführt, der sich um 1800 auf einem beigelegten Anzeigenzettel (Blättchen) in der politischen Zeitung „Journal des Débats“ den Platz nahm, um Theaterkritiken, Reisegeschichten oder kleine Plaudereien zu platzieren. De Geoffroy wird daher auch gelegentlich als „père du feuilleton“, also als „Vater des Feuilletons“ bezeichnet. Er betrieb eine bewusste „Deklassierung“ seines leichteren Stoffes gegenüber den „harten“ politischen Nachrichten und machte sein „Blättchen“ damit zu einer großen Sache im französischen literarischen Journalismus. Nach einer Formatänderung verschwand die Beilage, der Inhalt wurde im Blatt untergebracht - durch einen dicken schwarzen Strich vom Politischen getrennt (vgl. Dovifat/Wilke 1976, S. 73- 74). Geoffroy nutzte sein Feuilleton auch, um - sehr zum Gefallen seiner Leser - politische Seitenhiebe auszuteilen und eine (satirische oder ironische) politische Meinung zu äußern, was im Politischen Teil der Zeitung im Frankreich unter Napoleon schwerlich bis gar nicht möglich gewesen wäre (vgl Priotto 2005, S. 18).

Der Einfluss des französischen Journalismus in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts verhalf der auch in deutschen Blättern längst vorhandenen Stoffgruppe hierzulande zum Namen „Feuilleton“, obwohl bereits andere Blätter, beispielsweise in Bayern ebenfalls auf die Trennung per Strich zurückgriffen (vgl. Dovifat/Wilke 1976, S.73-74).

In einer deutschen Zeitung taucht der Begriff erstmals 1810 auf, im Nürnberger „Correspondenten von und für Deutschland“. Nach den Notizen des verantwortlichen Redakteurs sei das „ unten angeh ä ngte Feuilleton für die nichtpolitischen Nachrichten bestimmt, nemlich (sic!) für Literatur, Künste, Erfindungen, Gesundheits- und Gewerbkunde, Theater und Naturerscheinungen, L ä nder- und V ö lkerkunde, Mode etc. etc. Zur Abwechslung erscheinen darin auch humoristische Aufs ä tze, Anekdoten, Charaden etc. etc.. “ . (Wittig 1997, S.18) Um 1830 gibt der Münchener Mercur sein Beiblatt Aurora auf und gliedert es fortan, abgetrennt durch einen vierspaltigen Strich, durchlaufend als „Aurora, Wegweiser für Kunst, Wissenschaft und Literatur“ ins Blatt ein. Erst um 1848 sei der Begriff des Feuilletons in Deutschland weitgehend übernommen worden, wenn gleich die Deutschen mit dem „französischen Findelkind“ noch etwas fremdelten (vgl. Wittig 1999, S. 19).

Das Feuilleton entwickelte sich nach Dovifat/Wilke (1976, S. 74) zur Zeitungssparte, in der alle Gebiete des kulturellen Lebens, des künstlerisch- geistigen und des wissenschaftlichen, in Nachricht und Meinung mit denen der Unterhaltung und Belehrung verschmelzen

2.5. Geschichte im frühen 20. Jahrhundert

Im ersten Ersten Weltkriegs erlebte das Feuilleton-Wesen einen inhaltlichen Wandel und - der Papierverknappung geschuldet - gravierende Einschnitte der räumlichen Ausmaße (vgl. Priotto 2005, S. 27).

Dennoch ist das Feuilleton als Zeitungsressort insbesondere in der Zeit danach “ infolge der Turbulenz der Weltanschauungen und Kunstrichtungen immer st ä rker k ä mpferisch geworden und eben nicht mehr der Ort einer literarischen, von politischen Auseinandersetzungen zeitfernen Idylle “ . In den nachfolgenden Jahren entwickelte sich das Feuilleton mitsamt seinen einzelnen Beitr ä gen (...), zu einem relativ liberalen Bereich (Priotto 2005, S. 27-28).

2.6. Kulturteil und Feuilleton-Begriff in der NS-Zeit

Priotto beschreibt, wie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 auch für das vormals freiheitliche Feuilleton schwere Zeiten anbrachen: Die neuen Machthaber verordneten die Umwandlung des Feuilletons in einen kulturpolitischen Teil, in der Folge verschwand auch der Politik und Kultur trennende Strich mit der Zeit. Er war vor dem Hintergrund einer gewollten Vereinheitlichung von politischen und kulturellen Gedanken schlicht überflüssig geworden (vgl. Priotto 2005, S. 28).

In noch deutlichere Worte fasst dies Haacke (zit. nach Priotto 2005, S.28), der das Feuilleton im Dritten Reich zu einem “ Kampfinstrument der Propaganda “ herabgestuft sah (Priotto 2005, S. 28).

Die Nationalsozialisten ordneten im „dritten politischen Ressort“ künstlerische und unterhaltende Inhalte des Feuilletons ihrem Machtstreben unter. Kunstkritik wurde komplett verboten, für „Kunstberichterstattung“ strenge Auflagen verhängt (vgl. Dovifat/Wilke 1976, S. 74).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte des Feuilletons. Wie sich der Kulturteil im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ verändert hat
Hochschule
Fachhochschule Kiel  (Fakultät Medien)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V182453
ISBN (eBook)
9783668075580
ISBN (Buch)
9783668075597
Dateigröße
2621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kultur, Ressort, Feuilleton, Medien, Publizistik, Journalismus, "Der Spiegel"
Arbeit zitieren
Patrick Rösing (Autor), 2011, Die Geschichte des Feuilletons. Wie sich der Kulturteil im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ verändert hat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182453

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