Die Ausgestaltung der Freiheit bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau


Hausarbeit, 2009
13 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Über die Freiheit im Naturzustand
2.1. Die Freiheit im Naturzustand bei Hobbes
2.2. Die Freiheit im Naturzustand bei Rousseau

3. Über die Freiheit nach der Staatsgründung
3.1. Die Freiheit nach der Staatsgründung bei Hobbes
3.2. Die Freiheit nach der Staatsgründung bei Rousseau

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wohl kaum etwas beflügelt seit Jahrtausenden die menschliche Vorstellungskraft so sehr wie der Begriff der „Freiheit“. Sicherlich war es nicht zuletzt ein Verlangen nach Freiheit - hier allerdings eher im physischen Sinne -, das auch Otto Lilienthal zum Bestreiten seines Jungfernfluges bewog. Wie er, wurden bereits vor ihm Menschen in sämtlichen Wissenschaftsgebieten von einem bestimmten Begriff der „Freiheit“ inspiriert.

So auch zwei der wohl bedeutendsten Staatstheoretiker des Abendlandes: Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau. Beide versuchten in ihren Werken, Hobbes in „Leviathan“ und Rousseau in seinem „Gesellschaftsvertrag“, einen Staat mit einem legitimierten Herrschaftssystem zu entwerfen, in dem der Frieden und die Freiheit der Bürger gesichert und gewährleistet werden. Sowohl bei Hobbes als auch bei Rousseau erfolgt der Akt der Staatsgründung aus einer selbständigen Handlung des Volkes heraus.

In der nun hier vorliegenden Arbeit werde ich, in Bezug auf diese beiden Werke, die Bedeutung des Begriffs der „Freiheit“ betrachten. Hierzu werde ich zwischen der Freiheit der Menschen im Naturzustand und der Freiheit der Menschen nach der Staatsgründung unterscheiden. In Anlehnung an den argumentativen Aufbau von Hobbes‘ „Leviathan“ und Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“ soll diese Arbeit, wie bei den Arbeiten der beiden Autoren auch, mit der Betrachtung des Menschen bzw. dessen Freiheit im Naturzustand beginnen, um darauffolgend auf die Freiheit der Bürger nach der Staatsgründung einzugehen.

Der Versuch dieser Arbeit wird sein, folgende zwei Frage zu klären: „Welche Freiheit steht dem Menschen im Naturzustand beziehungsweise vor der Staatsgründung zu und wodurch wird diese beschränkt?“ und „Welche Freiheit besteht nach der Staatsgründung für die Bürger?“

Auf eine zeitliche Einordnung sowie auf eine Betrachtung des geschichtlichen Kontextes beider Autoren werde ich weitestgehend verzichten, da es zur eigentlichen Klärung diese beiden Fragen nichts Wesentliches beiträgt.

In Teil 2. werde ich zuerst auf die Bedeutung der Freiheit im Naturzustand bei Hobbes und Rousseau eingehen. Darauffolgend soll in Teil 3. die bürgerliche Freiheit bei beiden Autoren genauer erörtert werden. Vor allem in Teil 2. muss auch noch zusätzlich Rousseaus „Diskurs über die Ungleichheit“ mit berücksichtigt werden, da er hier im Gegensatz zum „Gesellschaftsvertrag“, noch etwas präziser auf seine Vorstellung des Naturzustandes und den Gedanken der bürgerlichen Freiheit eingeht. Schließlich werde ich in Teil 4. versuchen aufgrund der in Teil 2. und 3. erlangten Erkenntnisse die oben genannten Fragen zu beantworten.

2. Über die Freiheit im Naturzustand

2.1. Die Freiheit im Naturzustand bei Hobbes

Hobbes entwirft mit seinem Bild des Naturzustandes eine Welt des Schreckens und der Furcht. In dieser muss sich der Mensch ständig vor Übergriffen seiner Mitmenschen in Acht nehmen und ist somit gezwungen, um nicht möglicherweise Opfer eines solchen Übergriffs zu werden, permanent selbst zu Präventivschlägen auszuholen. Er befindet sich somit also in einem Zustand des permanenten Krieges mit jedem (vgl. Hobbes 2007: 113-115).

Nun mag man Hobbes jedoch zugutehalten, dass er jedem Menschen „[…] die Freiheit, nach welcher ein jeder zur Erhaltung seiner selbst seine Kräfte beliebig gebrauchen und folglich alles, was dazu etwas beizutragen scheint, tun kann.“ (Hobbes 2007: 118) zugesteht. Allerdings wird einem bei genauerer Betrachtung dieser Freiheit bewusst, dass diese im Grunde genommen nicht allzu viel wert ist. Dadurch, dass sie jedem Menschen zugestanden wird, und sich somit jeder selbst das Recht einräumt, seinen Nachbarn anzugreifen, um sich dadurch möglicherweise selbst zu schützen, beschränken die einzelnen Freiheiten der Menschen sich gegenseitig.

Nach Hobbes‘ Bild vom Naturzustand sind alle Menschen darin hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, was geistige oder körperliche Stärke anbelangt, gleich. Das Recht auf alles ist somit letzten Endes nicht nur eine Bedingung für das Überleben des Einzelnen, sondern erschwert dieses auch beträchtlich (vgl. Adam 1999: 31). So können aufgrund dieser Gegebenheiten die Menschen im Naturzustand auch kein tatsächliches Eigentum im herkömmlichen Sinn erwerben. Da hier das Recht des Stärkeren herrscht, müssen sie befürchten, dass ihnen ein einmal erworbenes Gut jederzeit wieder entwendet werden kann. Da es jedem frei steht, wie er seine Besitztümer verteidigt oder neue hinzugewinnt, ob er hierfür Bündnisse mit anderen eingeht oder dies unterlässt, kann man in diesem Zusammenhang nicht von Recht oder Unrecht sprechen. Was bei Hobbes letzten Endes im Naturzustand zählt, ist die Befähigung etwas zu tun bzw. nicht tun zu können (vgl. Mayer-Tasch 1976: 11).

Um nun den Vergleich mit Rousseau wagen zu können, muss im Vorfeld klargestellt werden, dass beide Autoren von einem prinzipiell anderen Menschenbild ausgehen. So nimmt sich Hobbes die gegenwärtige, bereits verstaatlichte Menschheit als Vorbild und schließt von ihr zurück auf den Naturzustand. Während er diesen Rückschluss vom gegenwärtigen Menschen auf den des Naturzustands vollführt findet dazu gleichzeitig eine Entwicklung des Menschen zu einem politisierten Wesen statt (vgl. Münkler 1993: 111). Diese Repolitisierung ist für Hobbes der einzige Weg, den fortwährenden Status des Krieges in Naturzustand zu beenden. Hobbes „[…] Urzustand ist logischer Mythos, nicht aber historische Vision." (Mayer-Tasch 1976: 12), der vor allem zur Begründung eines notwendigen Herrschaftssystems dient.

2.2. Die Freiheit im Naturzustand bei Rousseau

Rousseau hingegen spricht sich ganz explizit gegen dieses Menschenbild von Hobbes aus, wie er es bereits am Anfang vom „Gesellschaftsvertrag“ verdeutlicht (vgl. Rousseau 2006: 7). Er schlägt hier exakt die andere Richtung als Hobbes ein und versucht seinen Menschen des Naturzustands von Grund auf zu entwerfen, ohne dabei von bereits vorhandenen Begrifflichkeiten und Gegebenheiten auszugehen. Die Entwicklung des Menschen ist bei ihm darwinistisch geprägt, könnte man sagen, und beruht auf natürlicher Selektion und Entwicklung (vgl. Rousseau 2008: 35-39).

Was den Menschen vom Tier unterscheidet ist laut Rousseau seine Handlungsfähigkeit. Während das Tier sich den externen natürlichen Gegebenheiten unterwerfen muss und nach diesen handelt, steht dem Menschen hingegen seine Entscheidung frei (vgl. Rousseau 2008: 45). Diese Handlungsfreiheit und Möglichkeit zur Reflexion ist es auch, die den Menschen dazu bewegt seine Mitmenschen besser nicht anzugreifen, da er dabei möglicherweise selbst zu Schaden kommen könnte. Der Mensch im Naturzustand geht sich hier also lieber meist aus dem Weg anstatt sich permanent zu bekriegen wie bei Hobbes (vgl. Mayer-Tasch 1976: 13-15). Rousseaus Bild des Naturzustandes ist somit zwar nicht etwa ein durchweg harmonisches aber doch zumindest ein größtenteils friedliches (vgl. Mayer-Tasch 1976: 15).

Dieser Zustand wurde allerdings schlagartig durch die Einführung des Eigentums zerstört (vgl. Adam 1999: 213). Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Mensch sich nach zunehmend mehr Macht und Besitz zu sehnen. Durch diese Triebfedern sieht Rousseau den ursprünglichen Naturzustand bedroht und letztendlich zum Scheitern verurteilt (vgl. Rousseau 2006: 16). Ab diesem Zeitpunkt überschneiden sich die Vorstellungen des Naturzustands bei Hobbes und Rousseau. Nun ist auch hier ein Mensch entstanden, der hauptsächlich von seinem Bestreben nach mehr Macht und Besitztum geleitet wird.

Im Gegensatz zu Hobbes ist bei Rousseau der Urmensch also nicht grundsätzlich böse und gewalttätig, ,,Erst die Gesellschaft bringt den in ihm schlummernden Keim des Bösen zur Entfaltung und ermöglicht so den Amoklauf der Selbstsucht." (Mayer-Tasch 1976: 21). Während bei Rousseau der Mensch im Urzustand voneinander ungestört lebt und seine Freiheiten in vollen Zügen genießen kann, sieht er sich bei Hobbes ständig bedroht. Die Freiheit bei Hobbes ist jedoch höchstens eine im Sinn des Wortes, denn das dortige „Recht auf alles“ hat im Grunde genommen nicht viel Nutzen, da die Freiheit des Menschen, tun und lassen zu können, was er möchte, ständig durch andere beschnitten wird.

Und doch, beruht sowohl bei Hobbes als auch bei Rousseau, die Rechtfertigung ihrer Staatskonzepte auf Furcht der Menschen untereinander und dem Willen zur Selbsterhaltung (vgl. Mayer-Tasch 1976: 23). Deshalb sah sich auch Rousseau gezwungen, das Eigentum einzuführen, um somit eine Herauslösung aus dem Naturzustand zu rechtfertigen. Hierzu sei noch erwähnt, dass nach dem Verständnis Rousseaus der Naturzustand bereits ab dem Vorhandensein des Eigentums nicht mehr existiert, da die Aufteilung des Bodens an die Menschen und somit eine Vergabe von Eigentum, den natürlichen Zustand zerstört (vgl. Rousseau 2008: 49-50). Da dieser Sachverhalt allerdings meiner Auffassung nach nichts Weiteres zur Beantwortung der Anfangs genannten Fragen beiträgt, werde ich im Folgenden darauf verzichten, näher auf diese Unterscheidung Rousseaus einzugehen, und rechne den Menschen in seinem vorstaatlichen Wesen zur Vereinfachung weiterhin dem Naturzustand zu.

3. Über die Freiheit nach der Staatsgründung

3.1. Die Freiheit nach der Staatsgründung bei Hobbes

Trotz des oben beschriebenen ähnlichen Rechtfertigungskonzepts der Furcht und dem gemeinsamen Ziel des Friedens unterscheiden sich die daraus resultierenden Staatsmodelle beider Theoretiker doch gravierend.

Im Entwurf eines Staates bei Hobbes schließen die Menschen untereinander einen Vertrag ab und übertragen die ihnen gegebenen natürlichen Rechte auf einen einzigen gemeinsamen Souverän, von Hobbes „Leviathan“ genannt. Dieser, wurde er erst einmal von den Menschen autorisiert, handelt nach diesem Akt der Rechteübertragung völlig unabhängig und frei von den Bürgern. Es steht ihm sozusagen frei zu handeln wie es ihm am besten dünkt. Einzige Bedingung hierbei: Die Sicherheit der Bürger muss dabei durch ihn gewährleistet sein. Hobbes versucht diese absolute Souveränität mit Hilfe von Naturgesetzen zu begründen. Oberste Maxime hierbei lautet, den Frieden, also die Erlösung aus dem Naturzustand, zu suchen und diesen Zustand, ist er erst einmal erreicht, in jedem Fall zu bewahren. Diese macht es natürlich notwendig, sich selbst nur so viel Freiheit einzugestehen, wie man selbst seinen Mitmenschen zusprechen würde (vgl. Hobbes 2007: 119). Sozusagen getreu dem Sprichwort: „Was du nicht willst, das man dir tut, dass füg‘ auch keinem andern zu.“

Hobbes versucht diese Beschneidung der Freiheit zwar dadurch schmackhaft zu machen, indem er behauptet „Man begibt sich seines Rechtes auf etwas, wenn man seiner Freiheit entsagt, andere zu hindern, daß nicht ein jeder von ihnen sein Recht auf ebendasselbe ausübe.“ (Hobbes 2007: 120), jedoch ändert dies nichts an der Tatsache, dass der Mensch vollständig zum Untertanen wird. Seine letzte unabhängige Handlung besteht in der Übertragung seiner Rechte auf das Souverän.

Betrachtet man die dem Souverän übertragenen Rechte genauer, so wird man allerdings feststellen, dass „[…] in diesem Rechtsverzicht nur jene Segmente des natürlichen Rechts auf alles, der als Recht bestimmten natürlichen Freiheit, aufgegeben [werden], die das friedliche Zusammenleben der Menschen gefährden“ (Adam 1999: 15).

Der Bürger in Hobbes absolutistischem Staatsbild genießt also sehr wohl noch einige Freiheiten, jedoch erstrecken sich diese vorwiegend auf gesetzlich ungeregelte Bereiche. Die Gesetze selbst dienen zur Wahrung und zum Schutz des Friedens und der Sicherheit der Bürger, diese selbst haben keine Möglichkeit auf die Gesetze Einfluss zu nehmen. In allen anderen gesetzlich ungeregelten Bereichen jedoch steht es ihnen zu, nach besten Wissen und Gewissen frei zu handeln (vgl. Hobbes 2007: 189-190). Dies ermöglicht Hobbes durch seine Einteilung des Rechts in die beiden Bereiche Recht und Gesetz. Unter ersterem versteht Hobbes die Freiheit, also die Möglichkeit etwas zu tun, mit letzerem hingegen eine Verpflichtung oder den Zwang zu einer Handlung.

Desweiteren räumt Hobbes den Bürgern seines Staatskonzeptes auch ein Recht des Widerstandes gegen das Souverän ein (vgl. Hobbes 2007: 194). Diese Möglichkeit verhindert, dass die Untertanen der Willkür des Herrschers völlig wehrlos ausgeliefert sind. Dieses Widerstandsrecht tritt dann in Kraft, sobald für ein Individuum die Gefahr besteht, durch das Souverän verletzt oder getötet zu werden (vgl. Mayer-Tasch 1976: 67). Besteht diese Gefahr für den Großteil oder die Gesamtheit der Bürger, so verliert der Souverän seine Legitimation, nämlich die Wahrung und Sicherung des Friedens, und kann gestürzt werden.

3.2. Die Freiheit nach der Staatsgründung bei Rousseau

Hobbes versucht demnach, mit seinem Staatsmodell die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, während Rousseau, wie wir noch sehen werden, versucht, sein Staatsmodell mit dem Erreichen einer neuen bürgerlichen Freiheit zu begründen.

Im Gegensatz zu Hobbes besteht bei Rousseau keine Möglichkeit des Widerstands der Bürger. Dies folgt schon allein aus der Zusammensetzung seines Souveräns. Durch die im Gesellschaftsvertrag geschlossene Vereinbarung eines jedem mit jedem, opfert ein jeder seine Individualität zugunsten eines neu geschaffenen Gemeinwesens, dass aus der Summe seiner Mitglieder besteht und durch diese erst seine wahre Existenz erlangt (vgl. Rousseau 2006: 18).

Das menschliche Individuum als solches existiert von diesem Zeitpunkt an nicht mehr, er ist nunmehr nichts weiter als ein Teil des Ganzen. Ein Austritt und eine Rückkehr zum Naturzustand ist nach Rousseau nicht möglich, da dieser durch die Evolution, wie zuvor bereits beschrieben, unweigerlich zerstört wurde. Das durch die Veräußerung eines jeden entstandene Gemeinwesen ist unabänderlich. Eine Möglichkeit zum späteren Beitritt besteht für Rousseau aus Gründen der Legitimation des Gesellschaftsvertrags nicht. Wer zum Zeitpunkt der Entstehung nicht dem Gesellschaftsvertrag zugestimmt hat, sieht sich somit gezwungen auszuwandern oder wird im Falle seines Bleibens dazu gezwungen, sich dem Allgemeinwillen zu unterwerfen (vgl. Rousseau 2006: 21).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Ausgestaltung der Freiheit bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Grundseminar - Politische Theorie
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V182458
ISBN (eBook)
9783656064558
ISBN (Buch)
9783656064831
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freiheit, Politische Theorie, Hobbes, Rousseau
Arbeit zitieren
Simon Hörrle (Autor), 2009, Die Ausgestaltung der Freiheit bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182458

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