Wohl kaum etwas beflügelt seit Jahrtausenden die menschliche Vorstellungskraft so sehr wie der Begriff der „Freiheit“. Sicherlich war es nicht zuletzt ein Verlangen nach Freiheit - hier allerdings eher im physischen Sinne -, das auch Otto Lilienthal zum Bestreiten seines Jungfernfluges bewog. Wie er, wurden bereits vor ihm Menschen in sämtlichen Wissenschaftsgebieten von einem bestimmten Begriff der „Freiheit“ inspiriert.
So auch zwei der wohl bedeutendsten Staatstheoretiker des Abendlandes: Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau. Beide versuchten in ihren Werken, Hobbes in „Leviathan“ und Rousseau in seinem „Gesellschaftsvertrag“, einen Staat mit einem legitimierten Herrschaftssystem zu entwerfen, in dem der Frieden und die Freiheit der Bürger gesichert und gewährleistet werden. Sowohl bei Hobbes als auch bei Rousseau erfolgt der Akt der Staatsgründung aus einer selbständigen Handlung des Volkes heraus.
In der nun hier vorliegenden Arbeit werde ich, in Bezug auf diese beiden Werke, die Bedeutung des Begriffs der „Freiheit“ betrachten. Hierzu werde ich zwischen der Freiheit der Menschen im Naturzustand und der Freiheit der Menschen nach der Staatsgründung unterscheiden. In Anlehnung an den argumentativen Aufbau von Hobbes‘ „Leviathan“ und Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“ soll diese Arbeit, wie bei den Arbeiten der beiden Autoren auch, mit der Betrachtung des Menschen bzw. dessen Freiheit im Naturzustand beginnen, um darauffolgend auf die Freiheit der Bürger nach der Staatsgründung einzugehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über die Freiheit im Naturzustand
2.1. Die Freiheit im Naturzustand bei Hobbes
2.2. Die Freiheit im Naturzustand bei Rousseau
3. Über die Freiheit nach der Staatsgründung
3.1. Die Freiheit nach der Staatsgründung bei Hobbes
3.2. Die Freiheit nach der Staatsgründung bei Rousseau
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verständnis des Freiheitsbegriffs bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau, indem sie deren jeweilige Theorien zum Naturzustand sowie zur Freiheit des Bürgers nach der Staatsgründung vergleicht und kritisch gegenüberstellt.
- Vergleich der Freiheitsvorstellungen im Naturzustand
- Analyse der Staatsmodelle nach Hobbes und Rousseau
- Untersuchung der bürgerlichen Freiheit und Partizipationsmöglichkeiten
- Diskussion über das Recht des Widerstandes und die Unterwerfung
Auszug aus dem Buch
2.1. DIE FREIHEIT IM NATURZUSTAND BEI HOBBES
Hobbes entwirft mit seinem Bild des Naturzustandes eine Welt des Schreckens und der Furcht. In dieser muss sich der Mensch ständig vor Übergriffen seiner Mitmenschen in Acht nehmen und ist somit gezwungen, um nicht möglicherweise Opfer eines solchen Übergriffs zu werden, permanent selbst zu Präventivschlägen auszuholen. Er befindet sich somit also in einem Zustand des permanenten Krieges mit jedem (vgl. Hobbes 2007: 113-115).
Nun mag man Hobbes jedoch zugutehalten, dass er jedem Menschen „[...] die Freiheit, nach welcher ein jeder zur Erhaltung seiner selbst seine Kräfte beliebig gebrauchen und folglich alles, was dazu etwas beizutragen scheint, tun kann.“ (Hobbes 2007: 118) zugesteht. Allerdings wird einem bei genauerer Betrachtung dieser Freiheit bewusst, dass diese im Grunde genommen nicht allzu viel wert ist. Dadurch, dass sie jedem Menschen zugestanden wird, und sich somit jeder selbst das Recht einräumt, seinen Nachbarn anzugreifen, um sich dadurch möglicherweise selbst zu schützen, beschränken die einzelnen Freiheiten der Menschen sich gegenseitig.
Nach Hobbes‘ Bild vom Naturzustand sind alle Menschen darin hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, was geistige oder körperliche Stärke anbelangt, gleich. Das Recht auf alles ist somit letzten Endes nicht nur eine Bedingung für das Überleben des Einzelnen, sondern erschwert dieses auch beträchtlich (vgl. Adam 1999: 31). So können aufgrund dieser Gegebenheiten die Menschen im Naturzustand auch kein tatsächliches Eigentum im herkömmlichen Sinn erwerben. Da hier das Recht des Stärkeren herrscht, müssen sie befürchten, dass ihnen ein einmal erworbenes Gut jederzeit wieder entwendet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Freiheit bei Hobbes und Rousseau ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Ausgestaltung der Freiheit im Naturzustand sowie nach der Staatsgründung.
2. Über die Freiheit im Naturzustand: Dieses Kapitel vergleicht Hobbes' Bild eines permanenten Kriegszustandes mit Rousseaus Konzeption eines ursprünglich friedlicheren Zustandes, der erst durch die Einführung des Eigentums zerstört wird.
3. Über die Freiheit nach der Staatsgründung: Hier wird analysiert, wie beide Autoren die Freiheit der Bürger innerhalb eines geordneten Staates definieren, wobei insbesondere die Souveränität bei Hobbes und der Gemeinwille bei Rousseau im Fokus stehen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Umsetzungen der individuellen Freiheit im Vergleich beider Staatsmodelle.
Schlüsselwörter
Politische Theorie, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Freiheit, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Staatsgründung, Leviathan, Gemeinwille, Souveränität, Widerstandsrecht, Eigentum, Untertan, Bürger, Politische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Freiheitsbegriff der beiden Staatstheoretiker Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau und setzt diesen in den Kontext ihrer jeweiligen Staatsmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die Definition von Freiheit im vorstaatlichen Naturzustand sowie die Einschränkung oder Transformation dieser Freiheit nach der Gründung eines Staates.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Klärung der Fragen, welche Freiheit dem Menschen im Naturzustand zusteht, wodurch diese beschränkt wird und welcher Status der Freiheit für den Bürger nach der Staatsgründung verbleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende staatsphilosophische Analyse, die auf den Hauptwerken "Leviathan" von Hobbes und "Gesellschaftsvertrag" von Rousseau basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Naturzustände sowie die Untersuchung der bürgerlichen Freiheitsrechte in den jeweiligen Staatsentwürfen der beiden Autoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Schlüsselwörter sind unter anderem Freiheit, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Souveränität, Widerstandsrecht und der Gegensatz zwischen Untertan und Bürger.
Inwiefern unterscheidet sich die Rolle des Eigentums bei beiden Autoren?
Während bei Hobbes das Eigentum im Naturzustand kaum existiert, da das Recht auf alles herrscht, sieht Rousseau die Einführung des Eigentums als den entscheidenden Bruch an, der den Naturzustand beendet und Ungleichheit erzeugt.
Wie bewertet der Autor das Widerstandsrecht bei Hobbes im Vergleich zu Rousseau?
Der Autor stellt fest, dass Hobbes den Bürgern unter bestimmten Bedingungen ein Widerstandsrecht einräumt, während bei Rousseau die totale Unterwerfung unter den Gemeinwillen eine solche Möglichkeit ausschließt.
- Arbeit zitieren
- Simon Hörrle (Autor:in), 2009, Die Ausgestaltung der Freiheit bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182458