Wir leben in einer Welt voller Ungleichheit. Die Divergenzen zwischen verschiedenen Staaten und Gesellschaften sind gewaltig, ja vielleicht sogar größer denn je.
Während einige Länder beispielsweise mit gigantischen Bruttosozialprodukten und Bruttoinlandsprodukten trumpfen, können andere wiederum, deren Bevölkerung in Hunger und Armut lebt, nur davon träumen, überhaupt jemals solch ein Niveau zu erreichen. Während einige Länder, wie etwa in Europa, nun auf eine mittlerweile recht lange Zeit des Friedens und der Stabilität zurückblicken können, herrscht in anderen Ländern wiederum tagtäglich Krieg und es besteht jederzeit die Gefahr eines Umsturzes. Während bei einigen Ländern der Aufbau und die Implementierung von Verfassungen Früchte tragen, sind dieselben Verfassungen und Maßnahmen wiederum andernorts zum Scheitern verurteilt oder bewirken sogar das Gegenteil von dem was erwünscht war.
Indessen bieten die neoklassischen Wirtschaftstheorien auf die oben genannten Fragen bisher keine oder nur unzureichende Antworten. Die neue Institutionenökonomik hingegen stellt einen anderen Blickwinkel auf diese Probleme zur Verfügung, der eventuell vielversprechend sein könnte.
In dieser Arbeit möchte ich die Besonderheiten des Ansatzes der neuen Institutionenökonomik herausarbeiten und werde insbesondere untersuchen, welche Wirkung Institutionen nach institutionenökonomischer Sicht auf Wachstum und Entwicklung haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klärung des Begriffs „Institutionen“
2.1. Institution: Ergebnis oder Regel eines Spiels?
2.2. Regeleigenschaften
2.3. Überwachungsformen und Institutionentypen
2.4. Zum Zusammenhang zwischen internen und externen Institutionen
3. Die Neue Institutionenökonomik und ihre Eigenschaften
3.1. Besonderheiten der Institutionenökonomik
3.2. Vollständige vs. Beschränkte Rationalität
3.3. Transaktionskosten
4. Die Wirkung von Institutionen auf Wachstum und Entwicklung
4.1. Die Wirkung von externen Institutionen
4.2. Die Wirkung von internen Institutionen
4.3. Interaktion von Internen und externen Institutionen und Wachstum
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wirkungsweise der Neuen Institutionenökonomik und analysiert, wie Institutionen das Wirtschaftswachstum sowie die gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen. Ziel ist es, durch die Differenzierung zwischen internen und externen Institutionen ein tieferes Verständnis für die Rahmenbedingungen menschlichen Handelns zu gewinnen.
- Grundlagen und Definition des Begriffs "Institutionen"
- Eigenschaften und Besonderheiten der Neuen Institutionenökonomik
- Bedeutung der Transaktionskosten und beschränkten Rationalität
- Analyse der Wirkungsweise von internen und externen Institutionen auf Wachstum
- Interaktion zwischen verschiedenen Institutionstypen und deren Folgen
Auszug aus dem Buch
3.3. TRANSAKTIONSKOSTEN
Anders als das Prinzip der beschränkten Rationalität stellen die Transaktionskosten keine Modifikation von älteren Konzepten aus der klassischen Ökonomik dar. Vielmehr wurde hier ein vollkommen neues Konzept ins Spiel gebracht, dass von der klassischen Ökonomie vorher bislang völlig unbeachtet blieb.
Erstmals wurde dieser Begriff 1937 von Ronald Coase in seinem Aufsatz „The Nature of the Firm“ geprägt. Die klassischen ökonomischen Ansätze gingen bislang davon aus, dass Transaktionskosten nicht existent, oder besser gesagt gleich null seien. Coase hingegen wies darauf hin, dass für die Koordination des Marktes nicht alleine der Preis-Nachfrage-Mechanismus ausschlaggebend ist, denn genau dies würden Transaktionskosten mit einem Betrag von null implizieren (vgl. Coase 1937: 387 f.).
Vielmehr entstehen, so Coase, schon alleine für die Nutzung des Marktes, etwa für die Zeit die man zu Anbahnung für Verträge aufwenden muss, die Informationen, die eingeholt werden müssen, oder die Strecken die zur Vertragsunterzeichnung zurückgelegt werden müssen, Kosten (vgl. Coase 1937: 390 ff.). Wären diese Transaktionskosten in der realen Welt allerdings tatsächlich gleich null, so würde für die Existenz von Firmen überhaupt keine Notwendigkeit bestehen (vgl. Voigt 2009: 24). Schließlich könnte dann jeder ohne Zusatzkosten und Zeitaufwand die Einzelteile eines Autos direkt auf dem Markt kaufen und sie daheim in der Garage zusammenbauen, anstatt das Fahrzeug direkt vom Händler zu beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die weltweite Ungleichheit und stellt die Neue Institutionenökonomik als alternativen Erklärungsansatz vor, um die Wirkung von Institutionen auf Wachstumsprozesse zu untersuchen.
2. Klärung des Begriffs „Institutionen“: Dieses Kapitel definiert Institutionen als Regelkomponenten, die Unsicherheit reduzieren, und unterscheidet dabei verschiedene Typen und Überwachungsformen, von internalisierten Werten bis hin zur staatlichen Sanktionierung.
3. Die Neue Institutionenökonomik und ihre Eigenschaften: Hier werden das methodologische Vorgehen und die Abgrenzung zur klassischen Ökonomik dargestellt, insbesondere durch die Einführung von beschränkter Rationalität und Transaktionskosten.
4. Die Wirkung von Institutionen auf Wachstum und Entwicklung: Das Hauptkapitel analysiert den Einfluss von internen und externen Institutionen auf das Wirtschaftswachstum und diskutiert methodische Schwierigkeiten bei der Quantifizierung.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Neue Institutionenökonomik ein mächtiges Analyseinstrument darstellt, weist jedoch darauf hin, dass viele Fragen zur Übertragbarkeit von Institutionen und deren kausaler Wirkung noch offen sind.
Schlüsselwörter
Institutionenökonomik, Neue Institutionenökonomik, Transaktionskosten, Institutionen, Wirtschaftswachstum, Institutioneller Wandel, Beschränkte Rationalität, Interne Institutionen, Externe Institutionen, Unsicherheit, Eigentumsrechte, Rechtssicherheit, Kollektives Handeln, Governance, Politische Institutionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Institutionen für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungsprozesse aus der Perspektive der Neuen Institutionenökonomik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition von Institutionen, die Konzepte der beschränkten Rationalität und der Transaktionskosten sowie die Analyse ihrer Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wirkungsweise von internen und externen Institutionen zu durchleuchten und zu analysieren, wie sie Unsicherheiten reduzieren und ökonomische Leistungen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Auswertung verschiedener empirischer Studien sowie Indikatoren zur institutionellen Qualität.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Institutionenökonomik, die Analyse der Transaktionskosten sowie die Untersuchung der Wirkungsweise von internen und externen Institutionen anhand von Fallbeispielen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Institutionen, Neue Institutionenökonomik, Transaktionskosten, beschränkte Rationalität und Wirtschaftswachstum.
Wie unterscheidet der Autor interne von externen Institutionen?
Interne Institutionen basieren auf gesellschaftlichen Normen und spontaner Überwachung, während externe Institutionen durch den Staat sanktioniert werden, was eine klare Trennung zwischen staatlicher Gewalt und gesellschaftlichen Werten impliziert.
Welche Rolle spielt die „beschränkte Rationalität“?
Sie ersetzt das unrealistische Modell des homo oeconomicus und erklärt, warum Akteure in einer unsicheren Welt auf Routinen und institutionelle Regeln zurückgreifen, anstatt jede Entscheidung vollkommen rational zu optimieren.
- Quote paper
- Simon Hörrle (Author), 2010, Institutionen, institutioneller Wandel und Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182461