1. Einleitung
Seit dem Ende des Barre Regimes im Jahre 1991 ist Somalia das herausstechenste Beispiel eines gescheiterten Staates. Somalia ist seit dem in einem sich ständig selbst verstärkenden Teufelskreis aus internen Machtkämpfen, Sezessionen, Kriegsökonomien und diversen Formen externer Einmischung gefangen. Eine umfassende Beschreibung dieses Konflikts ist natürlich im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Vielmehr soll der Frage nachgegangen werden, ob und wie Governance-Strukturen in Somalia funktionieren und ob die häufig als Allheilmittel gesehene Förderung von Good Governance durch externe Akteure den Anforderungen von Effektivität und Legitimität genügt.
Um sich der Fragestellung zu nähern, werde ich zuerst die Geschichte Somalias und des Somaliakonflikts schemenhaft darstellen, um einen Kontext für die weitere Analyse zu schaffen. Die Motivation sowohl interner- als auch externer Akteure lässt sich in vielen Fällen nur aus der historischen Entwicklung heraus verstehen. Dies gilt insbesondere für den Konflikt mit Äthiopien sowie für die Abspaltung Somalilands. Der historischen Darstellung schließt sich eine kurze Beschreibung maßgeblicher Akteure im heutigen Somalia an. Diese beiden Kapitel bilden die Grundlage für den eigentlichen Teil der Analyse der somalischen Governance-Landschaft und die letztendliche Beurteilung externer Governance-Förderung. Haupsächlich gründen sich diese Abschnitte auf die Arbeiten von Lewis, McGregor und Menkhaus.
Der analytische Teil dieser Arbeit beginnt mit einer Vorstellung der verwendeten Analysekategorie, dem analytisch-deskriptiven Governanceansatz. Ziel dieses Ansatzes ist es, Governance als ein real vorliegendes politisches Phänomen zu erkennen und zu beschreiben. Ausgehend von diesem theoretischen Konzept wird dann die Herausbildung von Governance-Strukturen unter den Bedingungen des Staatszerfalls in Somalia und Somaliland untersucht. Hierbei ist das Entstehen substaatlicher Formen von Governance und informeller Föderalismen von besonderer Relevanz. Ich werde in diesem Zusammenhang ebenfalls zeigen, dass diese substaatlichen Governancemechanismen häufig sowohl legitimer als auch effektiver sind, als Governancemechanismen auf Ebene der TFG. Primärquellen dieses Kapitels sind ebenfalls die Arbeiten von Menkhaus sowie Renders.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Geschichte Somalias
- Die Zeit vor der UNOSOM Mission (bis 1992)
- Der geschichtliche Verlauf ab 1992
- Wichtige Akteure in Somalia
- Interne Akteure
- Externe Akteure
- Theoretischer Analyserahmen - Die analytisch-deskriptive Governanceperspektive
- Governance ohne Regierung - Aufbau von Governancestrukturen in Somalia
- Externe Governanceförderung in Somalia
- Maßnahmen zur Förderung von Good Governance durch die EU
- Ist die Governanceförderung der EU in Somalia effektiv?
- Ist die Governanceförderung der EU in Somalia legitim?
- Fazit
- Quellenverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Governance in einem gescheiterten Staat funktioniert und inwiefern externe Governance-Förderung in Somalia effektiv und legitim ist. Sie analysiert die Herausbildung von Governance-Strukturen in Somalia unter den Bedingungen des Staatszerfalls und untersucht die Effektivität und Legitimität der externen Governance-Förderung durch die Europäische Union.
- Die Geschichte Somalias und des Somaliakonflikts
- Die Rolle interner und externer Akteure in Somalia
- Der analytisch-deskriptive Governanceansatz
- Die Herausbildung von Governance-Strukturen in Somalia
- Die Effektivität und Legitimität der externen Governance-Förderung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Fragestellung der Arbeit vor und erläutert den Forschungsansatz. Das zweite Kapitel bietet einen historischen Überblick über Somalia, mit besonderem Fokus auf die Zeit nach der ersten UNOSOM Mission (1992). Es werden die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen des Somaliakonflikts dargestellt, die den Staatszerfall und die aktuelle Situation in Somalia prägen. Das dritte Kapitel beschreibt die wichtigsten Akteure im heutigen Somalia, sowohl interne als auch externe. Es werden die Motivationen und Interessen der verschiedenen Akteure beleuchtet, die den Somaliakonflikt beeinflussen. Das vierte Kapitel stellt den analytisch-deskriptiven Governanceansatz vor, der als theoretischer Rahmen für die Analyse der somalischen Governance-Landschaft dient. Dieser Ansatz betrachtet Governance als ein real vorliegendes politisches Phänomen und ermöglicht die Analyse der Herausbildung von Governance-Strukturen unter den Bedingungen des Staatszerfalls. Das fünfte Kapitel untersucht die Herausbildung von Governance-Strukturen in Somalia und Somaliland unter den Bedingungen des Staatszerfalls. Es wird gezeigt, dass substaatliche Formen von Governance und informelle Föderalismen in Somalia eine wichtige Rolle spielen und häufig effektiver und legitimer sind als Governancemechanismen auf Ebene der TFG. Das sechste Kapitel beschreibt die diversen Fördermaßnahmen zur Verbesserung von Good Governance in Somalia durch die Europäische Union und die Vereinten Nationen. Es werden die wichtigsten Maßnahmen und Strategien der EU zur Governance-Förderung in Somalia vorgestellt. Das siebte Kapitel analysiert die Effektivität und Legitimität der externen Governance-Förderung in Somalia. Es werden die Stärken und Schwächen der EU-Strategie zur Governance-Förderung in Somalia diskutiert und es werden Empfehlungen für eine zukünftige föderale Governancestruktur in Somalia gegeben, die den Legitimitäts- und Effektivitätskriterien sowie der somalischen Gesellschaft besser gerecht werden könnte.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen den gescheiterten Staat, Somalia, Governance, Good Governance, externe Governance-Förderung, Effektivität, Legitimität, Staatszerfall, substaatliche Governance, informelle Föderalismen, Europäische Union, UN, Somaliakonflikt, Clanstruktur, Geschichte Somalias, Akteure in Somalia, analytisch-deskriptiver Governanceansatz.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Governance without Government“ im Kontext Somalias?
Es beschreibt den Zustand, in dem trotz des Fehlens einer funktionierenden Zentralregierung politische und soziale Ordnungsstrukturen auf lokaler oder substaatlicher Ebene existieren.
Ist die externe Governance-Förderung der EU in Somalia effektiv?
Die Arbeit analysiert kritisch, ob die Maßnahmen der EU die gewünschten Ziele erreichen oder ob sie an den realen Machtstrukturen und Bedürfnissen der somalischen Gesellschaft vorbeigehen.
Warum gelten lokale Governance-Strukturen oft als legitimer?
Substaatliche Mechanismen, die auf Clanstrukturen oder lokalen Vereinbarungen basieren, genießen oft höheres Vertrauen in der Bevölkerung als die international unterstützte Übergangsregierung (TFG).
Welche Rolle spielt die Geschichte Somalias für den aktuellen Konflikt?
Die Arbeit zeigt auf, dass Machtkämpfe seit dem Ende des Barre-Regimes 1991 und historische Spannungen mit Äthiopien entscheidend für das Verständnis der heutigen Akteure sind.
Was ist der „analytisch-deskriptive Governanceansatz“?
Dieser theoretische Rahmen dient dazu, Governance als tatsächlich vorhandenes Phänomen zu beschreiben, unabhängig davon, ob es von einem Staat oder anderen Akteuren ausgeht.
Was ist die Empfehlung der Arbeit für zukünftige Strukturen?
Es wird eine föderale Governancestruktur vorgeschlagen, die informelle Föderalismen und lokale Realitäten besser integriert, um Legitimität und Effektivität zu steigern.
- Arbeit zitieren
- Marcel Lossi (Autor:in), 2010, „Governance without Government“ Wie funktioniert Governance in einem gescheiterten Staat und inwiefern ist externe Governance-Förderung in Somalia effektiv und legitim?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182470