Zur Theorie des gerechten Krieges nach Michael Walzer


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie des Gerechten Krieges nach Michael Walzer
2.1 Die Doktrin des Krieges
2.2 Das Problem der Interventionen
2.3 Variablen zur Untersuchung

3. Die Frage nach der Rechtfertigung des Kosovo-Konflikts
3.1 Das Streben nach Unabhängigkeit
3.2 Das Verbrechen der Serben
3.3 Moralische Kriegsführung
3.3.1 Die UCK
3.3.2 Die NATO

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 17. Februar 2008 wird die Provinz Kosovo unabhängig. Während dort die Region diese politische Entscheidung gefeiert hat, erheben sich die Serben zu einem Aufstand. Nach der Unabhängiskeitserklärung kommt es zu Strassenkämpfen. Die US-Botschaft wird von den Serben mit Steinen beworfen. Auch zwischen den einzelnen EU-Staaten wird die Diskussion um die Unabhängigkeit des Kosovo momentan noch fortgeführt. So bangt beispielsweise Russland um seine Stellung auf dem Balkan und verhölt sich entschieden gegen eine Unabhängigkeit des Kosovo.

Nach langer Zeit und ewigen Kämpfen gelang es der Provinz doch mit Hilfe der westlichen Staaten ihre Freiheit zu erlangen.

In der folgenden Arbeit soll aber untersucht werden, inwieweit der Einsatz der NATO im Kosovo gerechtfertigt ist. Dies soll anhand der Theorie des Gerechten Krieges nach Michael Walzer aufgeführt werden.

Im ersten Kapitel wird die Theorie daher ausführlich vorgestellt. Anhand von drei Variablen wird im folgenden Kapitel untersucht ob die Intervention der NATO gerechtfertigt war. Mit einer kurzen Begründung werden diese Variablen vorher dargestellt.

Zunächst wird die Unabhängigkeitsbewegung der Albaner im Kosovo dargestellt. Im folgenden soll untersucht werden, ob dies ein gerechter Grund für ein Eingreifen nach Walzer gewesen war. Anhand der Menschenrechtsverletzungen wird im nachfolgendem Kapitel das Verbrechen der Serben aufgeführt. Auch hier soll geklärt werden, ob der NATO-Krieg aufgrund der Verletzungen gerecht war.

Zum Schluss soll die Kriegsführung der NATO und der UCK gezeigt werden. Da es zu zu großen Diskussionen über die moralische Art der Kriegsführung der NATO kam, soll dieser Punkt zusätzlich beleuchtet werden und nach der Theorie Michael Walzers ausgewertet werden.

2. Die Theorie des Gerechten Krieges nach Michael Walzer

2.1 Die Doktrin des Krieges

„Inter arma silent leges: in time of war the law is silent.“1 Mit dieser Feststellung beginnt Michael Walzer sein Buch über die Theorie des gerechten Krieges. In den folgenden Kapiteln untersucht er die Problematik des gerechten Krieges anhand von ausgewählten Beispielen. Dabei stellt sich Walzer mehr die Frage nach der Moral im Krieg. Er ist überzeugt davon, dass sich jeder die Frage nach der Moral, auch in Zeiten des Krieges, stellen sollte. 2

Walzer trifft in seinen Argumenten eine klassische Unterscheidung zwischen dem jus ad bellum und dem jus in bello. Ersteres stellt die Frage nach dem Recht des Krieges, jus in bello stellt die Frage nach den Regeln bzw. den Mitteln des Kampfes.3 Den Kern des jus ad bellum stellen drei Prinzipien dar; der gerechte Grund, die rechtmäßige Autorität und die rechte Absicht. So wird ermittelt mit welchen Gründen und auf welcher Rechtsbasis ein Krieg begonnen wurde.4 Der gerechte Grund ist dabei die wichtigste Bedingung. Der Grund erzwingt die Rechtfertigung einer Kriegserklärung.5

Die rechtmäßige Autorität stellt das Organ dar, welches darüber entscheidet wann und wie ein Krieg geführt werden kann. In der heutigen Gesellschaft wäre dieses Organ der Sicherheitsrat.6 Die rechte Absicht beschreibt den guten und rechtmäßigen Grund eines Angriffs. Schutz einer tyrannisierten Menschengruppe und die Sicherung des Friedens gelten als solche Gründe. Sobald Eigeninteresse des angreifenden Staates eine Rolle spielt, kann die rechte Absicht nich mehr gut sein.7

Jus in bello beschreibt die Mittel der Gewaltanwendung. Um einen gerechten Krieg zu führen, soll die Gewalt möglichst dort angewendet werden wo der geringste Schaden entsteht. Ebenso gilt es zu sichern, dass willkürliche oder überflüssige Gewalt vermieden wird.8 Für Walzer sind beide Begriffe unabhängig voneinander zu betrachten, da ein ungerechter Krieg mit den gerechten Mitteln kämpfen kann bzw. ein gerechter Krieg ungerecht ausgeführt wird.9 Es stellt sich daher die Frage, was nun wirklich gerecht und ungerecht ist. Ist ein Krieg, der aus einem rechtmäßigen Grund begonnen wurde, aber mit ungerechten Mitteln kämpft gerecht? Wie ist es umgekehrt? Walzer geht es bei der Beantwortung der Fragen auch mehr um die moralischen Erkenntnisse. Es muss sichergestellt sein, dass der Krieg aus einem gerechten Grund geführt wird und nicht unvermeidbar ist. 10

Walzer bezieht sich in seiner Auslegung über den gerechten Krieg auf das legalistische Modell und die Agressionstheorie. Grundlage des Modells sind die Staaten, die Träger der Rechte sind. Nach Walzer gefährdet eine Agression die Souveränität eines Staates und verletzt die territoriale Integrität.11 Seiner Meinung nach ist das erfahrene Unrecht eines Staates der einzige Grund einen rechtmäßigen Krieg führen zu können. 12

„Nothing but agression can justify war.“ 13 Die Agression rechtfertigt zum Einen den Selbstverteidigungskrieg des Opfers.14 Zum Anderen kann der Krieg zur Bestrafung des Agressors und zur Wiederherstellung des Rechts legitimiert werden.15

2.2 Das Problem der Interventionen

Da im folgenden Kapitel die Rechtfertigung der Intervention der NATO im Kosovo diskutiert werden soll, erscheint es als hilfreich, vorab darzulegen, welche Stellung Walzer dabei bezieht.

„Why it is wrong to begin a war? We know the answer all too well. People get killed, and often in large numbers. War is hell.“16

Nach Walzer gibt es genau drei rechtmäßige Gründe, warum ein Staat intervenieren bzw. in einen anderen Staat eindringen sollte, um einen gerechten Krieg zu beginnen: Erstens, zur Unterstützung eines Staates welcher nach nationaler Befreiung strebt; Zweitens, im Falle einer Gegenintervention und Drittens, bei Massakern und Blutbädern, also bei Verletzung der Menschenrechte.17 Am Eindeutigsten erscheint dies wohl im letzten Fall. Hier muss der Staat gezwungen werden seine Grausamkeiten zu beenden. Gleichzeitig ist es ein dringendes Bestreben des intervenierenden Staates eine militärische Niederlage herbei zuführen. 18 Bei Vergewaltigungen, Terrorismus und ethnischen Säuberungen sieht Walzer eine regelrechte Pflicht zu intervenieren.19 Nur bei einem Massenmord ist es moralisch erlaubt, in einen anderen Staat ein zu marschieren. Bei einem Gegenschlag und bei der Unterstützung einer Sezessionsbewegung darf die intervenierende Macht die Hauptlast des Krieges nicht auf sich nehmen.20

Fühlt sich ein Staat, in einem bestimmten Fall, dazu verpflichtet zu intervenieren, müssen nach Walzer eine Menge Fragen aufgeworfen werden.

In welchem Maße ist ein Staat dazu bereit zu intervenieren? Wie lang? Wie viel Verluste seitens der Soldaten werden in Kauf genommen?21 Walzer stellt sich bei der Beantwortung der letzten Frage klar auf eine Seite. Ist sich ein Staat vorher darüber im Klaren, ob sich ein Einsatz lohnt, dann dürfen im Anschluss keine panikartigen Reaktionen, sobald mehrere Soldaten gefallen sind, folgen.22 Denn eine Intervention darf nicht als Recht, sondern muss als moralische Entscheidung empfunden werden.23

Walzer setzt sich bei der Frage der Intervention mit dem Argument John Stuart Mills auseinander. Gemeinschaften verfügen über ein Recht der Selbstbestimmung. Diese lehrt die sittlichen Werte und das Streben bzw. das Aufrechterhalten der Freiheit jedes Einzelnen. Mill spricht sich hier klar gegen Interventionen aus. Er ist der Meinung, dass eine Intervention nicht förderlich sein kann, wenn es um das Streben nach Freiheit geht.24 Walzer argumentiert dagegen, indem er feststellt, dass man einem Staat nicht immer eindeutig zuordnen kann, wann er über das Selbstbestimmungsrecht verfügt. 25

Mill sieht die drei Gründe für einen rechtmäßigen Krieg nach Walzer als negativ. Auch hier hält Walzer entgegen, dass eine Intervention, wenn sie auch stets nur als Ausnahme gelten soll, dennoch immer gerechtfertigt werden kann.26

2.3 Variablen zur Untersuchung

Im folgenden Kapitel soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit der NATO-Angriff auf Jugoslawien gerechtfertigt war. Dies soll anhand von drei Punkten untersucht und erläutert werden. Am Wichtigsten erscheint hier zunächst der Aspekt des Massakers bzw. Blutbades. Immer wieder betont Walzer in seinen Aufsätzen und Büchern wie wichtig eine Intervention in einem solchen Falle ist. Ein bloßes Zuschauen der Staaten wäre unzulässig. Walzer bezeichnet es als eine Pflicht, ein solches blutiges Treiben zu unterbinden. Ausschließlich bei diesem Punkt vertritt Walzer einen klaren und eindeutigen Standpunkt bei dem es aus moralischer Sicht keine weiteren Überlegungen eines Staates geben sollte, ob eine Intervention passiert oder nicht.

Der Zweite Aspekt ist ebenfalls einer der Gründe eines rechtmäßigen Krieges nach Walzer. Da es eine Unabhängigkeitsbewegung der Albaner gibt, kommt der Punkt einer Intervention im Falle einer Unterstützung eines nach Unabhängigkeit strebenden Staates auch in Frage. Während die Erklärung der Unabhängigkeit des Kosovo immer noch heftig diskutiert wird, soll dargestellt werden inwieweit die NATO dazu beigetragen hat.

Ein weiteres Untersuchungsmerkmal wird die Frage nach der moralischen Kriegsführung sein. Inwieweit ist die Theorie des jus in bello während des Krieges umgesetzt? Es soll untersucht werden, ob es eine willkürliche Gewaltanwendung gab oder ob man einen Teil des Schadens hätte vermeiden können. Ebenfalls wird ein Augenmerk auf die Kriegsführung der Albaner gelegt um zu diskutieren, ob diese moralisch vertretbar war.

Die erste und die zweite Variable untersuchen den Grund des Krieges. Die dritte Variable beleuchtet die Art der Kriegsführung.

3. Die Frage nach der Rechtfertigung des Kosovo-Konflikts

3.1 Das Streben nach Unabhängigkeit

Im ersten Abschnitt wird untersucht ob der NATO-Krieg gegen die Jugoslawen gerecht war, da er eine Unabhängigkeitsbewegung unterstützen wollte. Dies ist einer der drei Gründe für einen gerechten Krieg nach Walzer, wobei der intervenierende Staat nicht die Hauptlast des Krieges tragen darf. Die Intervention muss anhand von vier Punkten gemessen werden, die hier aufgeführt werden. Nur dann hält er eine Intervention als zulässig. Dabei halte ich mich an diese Argumentationsstruktur von Walzer.

Bei einer Unabhängigkeitsbewegung muss diese als innerstaatlicher Konflikt angesehen werden. Nur dann darf ein anderer Staat unterstützen. Die betroffenen Gemeinschaften haben den Kampf aber so selbstständig wie möglich auszutragen. Der intervenierende Staat darf nur ein militärisches Gleichgewicht schaffen, nicht aber eine Entscheidung herbeiführen.27

Zunächst setzt Walzer voraus, dass die Bürger, in dem nach Unabhängigkeit strebenden Land, selbstständige politische Gemeinschaften gebildet haben müssen.28

Im Kampf um die Unabhängigkeit des Kosovo stellt sich die Befreiungsarmee, UCK, in den Vordergrund. 1997 bestand diese aus Dorfmilizen und wurde aus traditionellen Clanstrukturen und aus etwa 2000 professionellen Soldaten gebildet.29 Diese setzte sich offiziell zur Aufgabe die Provinz zu befreien. Die UCK verstreute sich über mehrere Dörfer und Siedlungen und erklärte die Gebiete zu „ihren“ Bezirken und Hochburgen.30 In den ersten Monaten 1998 galt die UCK unter der albanischen Bevölkerung als eine Art Rache- und Rettermacht. Sie wurde durch die kosovo-albanische Bevölkerung stark unterstützt. Die Befreiungsarmee verfügte später über mehr Kämpfer als Gewehre, da sich immer mehr junge Männer anschlossen. Die Kampfmoral war ungebrochen.31 Hier zeigt sich auch, das im Laufe der Zeit ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung aktiv am Konflikt teilnimmt.

Desweiteren muss es den Beteiligten primär um die Verwirklichung ihrer politischen Ziele gehen und nicht ums Überleben.32 Der offizielle Sprecher der UCK, Jakup Krasniqi verkündet klar und deutlich die Zielsetzung der UCK. „ Ich denke nicht, dass wir über eine Ideologie verfügen, wir haben gar keine Zeit für solche Dinge, weil wir in unserem Hauptjob nachzugehen haben, der Befreiung des Kosovo.“33 Sie bekannten sich zum bewaffneten Kampf für die Unabhängigkeit des Kosovo.34

[...]


1 Walzer, Michael, Just and Unjust wars. A moral argument with historical illustrations, New York, 2000, S. 3.

2 Vgl. Krause, Skadi/ Malowitz, Karsten, Michael Walzer zur Einführung, Hamburg 1998, S. 36.

3 Vgl. Haus, Michael, Die politische Philosophie Michael Walzers. Kritik, Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Wiesbaden 2000, S. 130.

4 Vgl. Hilger, Ewelina, Präemption und humanitäre Intervention-gerechte Kriege?, in: Gärtner, Heinz, Internationale Sicherheit, Bd. 4, Frankfurt am Main 2005, S. 63.

5 Vgl. Ebd., S. 64.

6 Vgl. Ebd., S. 65.

7 Vgl. Ebd., S. 67.

8 Vgl. Ebd., S. 69.

9 Vgl. Krause, Skadi/ Malowitz, Karsten, S. 42f.

10 Vgl. Hilger, Ewelina, Präemption und humanitäre Intervention, S. 72.

11 Vgl. Haus, Michael, Die politische Philosophie Michael Walzers, S. 132.

12 Vgl. Walzer, Michael, Gibt es den gerechten Krieg?, S.104.

13 Walzer, Michael, Just and Unjust wars, S. 62.

14 Vgl. Walzer, Michael, Gibt es den gerechten Krieg?, S.104.

15 Vgl. Haus, Michael, Die politische Philosphie Michael Walzers, S. 132.

16 Walzer, Michael, Just and Unjust wars. A moral argument with historical illustrations, New York 2000, S. 22.

17 Vgl. Walzer, Michael, Gibt es den gerechten Krieg?, Stuttgart 1982, S. 165f.

18 Vgl. Krause, Skadi/ Malowitz, Karsten, S. 46.

19 Vgl. Walzer, Michael, Erklärte Kriege-Kriegserklärungen. Essays, Hamburg 2003, S. 83.

20 Vgl. Krause, Skadi/ Malowitz, Karsten, S. 46.

21 Vgl. Walzer, Michael, Erklärte Kriege, S. 88.

22 Vgl. Ebd., S. 89.

23 Vgl. Walzer, Michael, Gibt es den gerechten Krieg?, S. 164.

24 Vgl. Ebd., S. 137f.

25 Vgl. Ebd., S. 140.

26 Vgl. Ebd., S. 142.

27 Vgl. Skadi, Krause/ Malowitz, Karsten, S. 46.

28 Vgl. Ebd., S. 46.

29 Vgl. Küntzel, Matthias, S. 55.

30 Vgl. Rüb, Matthias, Kosovo. Ursachen und Folgen eines Krieges in Europa, München 1999, S. 78.

31 Vgl. Ebd., S. 84.

32 Vgl. Skadi, Krause/ Malowitz, Karsten, S. 46.

33 Küntzel, Matthias, S. 57.

34 Vgl. Rüb, Matthias, S. 75.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Zur Theorie des gerechten Krieges nach Michael Walzer
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,2
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V182508
ISBN (eBook)
9783656063988
ISBN (Buch)
9783656063773
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theorie, krieges, michael, walzer
Arbeit zitieren
Julia Arndt (Autor), 2009, Zur Theorie des gerechten Krieges nach Michael Walzer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182508

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zur Theorie des gerechten Krieges nach Michael Walzer



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden