Voraussetzungen und Motive für die Gründung von spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handelsgesellschaften


Hausarbeit, 2004

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Historische Fragestellung und thematische Eingrenzung
1.2 Vorgehensweise, Quellenlage und Forschungsstand

2. Definition des Fernhandels
2.1 Das Warensortiment der Fernhandels

3. Die Funktionsweise hansischer Handelsgesellschaften auf Basis der Widerlegung
3.1 Die erste Widerlegung und die Aufnahme in eine kaufmännische Gilde
3.2 Die Handelsgesellschaft als wirtschaftliches Übereinkommen auf Basis der Widerlegung
3.2.1 Die Entwicklung komplexer Handelsgesellschaften
3.2.2 Der Handel mit Sendegut
3.3 Das rechtliche Verhältnis zwischen den Gesellschaftern

4. Die Lüneburger Kagelbrüderschaft als Beispiel für eine weitreichende Handelsgesellschaft
4.1 Gesellschaftlicher Einfluss und politische Ziele der Kagelbrüder
4.2.1 Die Statuten von 1468

5. Schlussbetrachtungen

Literaturliste:

1. Einleitung

1.1 Historische Fragestellung und thematische Eingrenzung

Spätmittelalterliche und neuzeitliche Handelsgesellschaften (wedderlegginge), sind oftmals Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen - insbesondere dann, wenn sie im Zusammenhang mit der Hanse stehen. Zumeist konzentrieren sich die Abhandlungen auf die wirtschaftliche Entwicklung oder den politischen Einfluss dieser Vereinigungen. Die vorliegende Arbeit hingegen setzt sich mit den Motiven auseinander, die zur Gründung von Handelsgesellschaften geführt ha- ben. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich die Handelsgesellschaften in ihrer weiteren Entwicklung von diesen Gründungsideen entfernt haben.

Der zu beobachtende Zeitraum beschränkt sich auf das ausgehende 14. Jahrhundert, in dem sich ein Wandel der kommerziellen Strukturen vollzog, bis hinein ins frühe 17. Jahrhundert, dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges, der - durch das Wegbrechen vieler Märkte - auch ökonomische Umwälzungen mit sich zog. Der geographische Schwerpunkt wird im deutschsprachigen Raum liegen, unter besonderer Berücksichtigung des norddeutschen Raumes.

Während sich an Italiens Mittelmeerküste bereits seit dem 10. Jahrhundert erste Gesellschaften (commenda, societas maris) ausbreiteten und seit dem 13. Jahr- hundert im italienischen Binnenland, v.a. in Piacenza, Siena, Lucca und Florenz, Handelskompanien entstanden,1 wurden auf deutschem Boden erst im 14. und 15. Jahrhundert vergleichbare Gesellschaften gegründet. Da die Handelsgesellschaften in den verschiedenen Gebieten Deutschlands in ihrer Ausprägung variierten, sollen an dieser Stelle, anhand einiger ausgewählter Beispiele, die Motive für den Zusammenschluss der Kaufmannschaften dargelegt werden.

1.2 Vorgehensweise, Quellenlage und Forschungsstand

Um dem Leser eine leichtere Orientierung zu ermöglichen, wird der folgende Hauptteil in zwei Kapitel unterteilt. Das erste setzt sich mit den wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen (dem Fernhandel und der Widerlegung) unter denen sich die Handelsgesellschaften entwickeln konnten auseinander; das zweite widmet sich den weiteren Betätigungsfeldern der Handelsgesellschaften.

Die Grundlage der Handelsgesellschaften lag im Fernhandel. Als Basis für die weitere Arbeit muss daher zunächst der Begriff des Fernhandels, unter Berücksichtigung der in ihm tätigen Personenkreis und der gehandelten Waren betrachtet werden. Das anschließende Kapitel befasst sich folglich mit der kleinsten wirtschaftlichen Gesellschaft: der hansischen Widerlegung. An ihr lassen sich die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Funktionsweisen, wie auch die rechtliche Basis des gesellschaftlichen Handels, vor allem im Norddeutschland des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit, darstellen.2

Eine aktuelle Veröffentlichung, die in diesem Zusammenhang Erwähnung finden muss, stellt die 2000 erschienene Arbeit „Wie verdiente der Kaufmann sein Geld? Hansische Handelsgesellschaften im Spätmittelalter“3 von Albrecht Cordes dar. Cordes, der bereits mehrere Werke und Quellenanalysen4 zum hansischen Gesellschaftshandel veröffentlicht hat, kritisiert in seiner Arbeit die bisherige rechtshistorische Forschung, bezüglich der hansischen Handelsgesellschaften. Entgegen der bisherigen Annahme, es hätte im Spätmittelalter mehrere Gesellschaftstypen gegeben stellte er heraus, dass stattdessen nur eine einzige - nämlich auf Basis der Widerlegung - nachzuweisen sei.5

Im Folgenden werden die Verknüpfungen zwischen Handelsgesellschaften, bzw. Gilden6 und ihrer Umwelt untersucht werden. Die Kaufmannschaft Lüneburgs die sogenannten Kagelbrüder7 - bietet sich für eine solche Untersuchung an, da sie einen sehr offenen Umgang mit Außenstehenden pflegten und starken Einfluss auf das religiöse und gesellschaftliche Leben der Stadt nahmen. Darüber hinaus lassen sich an ihrem Beispiel, auf exemplarische Weise, die Gründe für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg einer Kaufmannschaft, vom Mittelalter an bis in die frühe Neuzeit, herausstellen.

Als Grundlage dient zu diesem Zweck Till Luscherts „Von den mittelalterlichen Gilden zum Verein Lüneburger Kaufleute“, das sich - in dem für die vorliegende Arbeit relevanten Teil - maßgeblich auf das Statut der Kagelbrüder aus dem Jahr 1468 stützt.8 Von den gewonnenen Erkenntnissen ausgehend, werden im Weite- ren Vergleiche zu anderen kaufmännischen Organisationen jener Zeit gezogen werden, um eine Aussage treffen zu können, wie groß der gesellschaftliche Aus- tausch - zwischen Handel und städtischer Gesellschaft - an anderer Stelle war. Zuletzt wird die Frage behandelt werden, inwiefern der Aufstieg der spätmittelal- terlichen/frühneuzeitlichen Kaufmannschaften - in wirtschaftlicher, gesellschaftli- cher und politischer Hinsicht - ein Produkt ihres Zusammenschlusses war und ob sich aus diesem Hintergrund, Gründungsmotive für die Handelsgesellschaften herleiten lassen.

2. Definition des Fernhandels

Der genossenschaftliche Zusammenschluss des - dem Fernhandel zugewandten - Kaufmannes (mercator, negotiator) unterschied sich zumeist erheblich von den organisatorischen Formen des Kleinhandel treibenden Krämers (institor). Die städtische Grundversorgung mit Nahrungsmitteln fand zum größten Teil aus der näheren Umgebung statt. Insbesondere die Versorgung mit leicht verderbli terminologie. In: SCHWINEKÖRPER, BERENT (Hrsg.): Gilden und Zünfte. Kaufmännische und gewerbliche Genossenschaften im frühen und hohen Mittelalter. Sigmaringen 1985, S. 54.] Dem Begriff der „Handelsgesellschaft“ wird im dritten Kapitel weiter nachgegangen werden, es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass im Bereich der Gilden und Handelsgesell- schaften Mischformen existierten, die eine klare begriffliche Trennung erheblich erschweren. chen Lebensmitteln, wie etwa Obst, Gemüse, Eier oder Milch wurde vornehmlich von im Umland ansässigen Kleinhändlern und Bauern übernommen, die ihre Pro- dukte auf eigens dazu eingerichteten Märkten anboten.9 Noch heute lassen sich anhand von Bezeichnungen wie etwa „Fischmarkt“ oder „Buttermarkt“ Hinweise auf den historischen Ursprung vieler ehemaliger Handelsplätze finden. Im Gegensatz zu dem regional begrenzten Handel, konzentrierte sich der Fern- handel auf den Export und Import von Erzeugnissen, welche nicht von den Produ- zenten selbst verkauft werden konnten, sondern über weite geographische Dis- tanzen vom Ort der Erzeugung oder Gewinnung zum Verbraucher transportiert werden mussten. Der spätmittelalterliche/frühneuzeitliche Kaufmann sorgte für die Vermittlung von Gütern, an deren Produktion er jedoch nicht beteiligt war.10 Während der städtische Kleinhandel mit der örtlichen wirtschaftlichen Struktur eng verflochten war, lagen die Wurzeln des Fernhandels außerhalb des Stadtgefüges. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die Gilden der Krämer, ein deutlich strafferes Reglement in allen beruflichen Angelegenheiten aufwiesen, als die der Kaufmänner, welche nur zum Verkauf seiner Waren das Einflussgebiet der städti- schen Ordnung betrat.11 12

2.1 Das Warensortiment der Fernhandels

Die im Fernhandel gehandelten Güter variierten sehr stark in den Regionen Deutschlands. Die Ausfuhr konzentrierte sich zumeist auf wenige Güter, die in der jeweiligen Region im Überschuss zum eigenen Verbrauch produziert wurden. Die Erlöse aus den Verkäufen wurden wiederum in Retourwaren investiert oder per Wechsel in die heimischen Kontore transferiert.13 Gab es für die ausgeführten Güter keinen zentralen Absatzmarkt, „musste der Fernhändler an den Zentren14 der europäischen Wirtschaft präsent sein und über eine räumlich weit gefächerte Organisation verfügen“.15

Ein typisches Beispiel für die Entwicklung des Fernhandels aus einer deutschen Stadt stellt die Entstehung der „Großen Ravensburger Handelsgenossenschaft“ dar. Im mittelalterlichen Ravensburg waren zwei Voraussetzungen bedeutend für den Aufstieg zu einer bedeutenden Handelsmetropole: Eine günstige Verkehrslage16 und die Überproduktion von Leinen und Barchent17. Da die Weber außer Stande waren, ihre Überschüsse selbst über die eigene Region hinweg zu vertreiben, mussten sie den Vertrieb Dritten anvertrauen.18

An diesem Beispiel zeigt sich, wie das Portfolio eines Fernhändlers von dem An- gebot der zu exportierenden Gütern bestimmt wurde. Beispielsweise wurden - wie bereits erwähnt - im Bodenseeraum vornehmlich Leinen und Barchent exportiert, von Lüneburg aus wurde Salz vertrieben, während aus Nürnberg vor allem Me- tallwaren und Waffen ausgeführt wurden. Die Retourwaren wiederum waren von der Nachfrage in der jeweiligen Stadt bestimmt. Die einheimische Bevölkerung wurde von außen mit Lebensmitteln, wie Fleisch, Getreide, Fisch oder Salz, mit Bekleidung, oder mit Luxuswaren, wie Gewürzen, Pelze, Wein oder Südfrüchten, versorgt. Einen Einblick in die Bedeutung und den Umfang der Versorgung einer neuzeitlichen Stadt durch den Fernhandel gibt die Fleischversorgung der Stadt Augsburg. Dort verkauften international tätige Handelsgesellschaften im Jahre 1578 mindestens 6110 Ochsen an Augsburger Metzger. Das Vieh stammte vor al- lem aus Wien, sowie dem Gebiet zwischen Böhmer und Bayrischem Wald.19 Be- trachtet man den Umfang des Transportes und die zurückgelegten Entfernungen, so lässt sich ein Bild von der organisatorischen Leistungsfähigkeit der beteiligten Fernhändler gewinnen.

Die angeführten Beispiele belegen, dass die wirtschaftliche Stärke einer Stadt - und somit zumeist auch indirekt die ihrer Kaufleute - durch die Verkehrslage, den Handelswert ihrer Exportwaren und ihre Größe bestimmt wurde. Der Handel in den einzelnen Städten wurde von diesen Faktoren bezüglich der exportierten und importierten Waren, wie auch im Handelsvolumen bestimmt. Die Ausfuhr beschränkte sich zumeist auf wenige Güter, da die Städte zumeist von wirtschaftlichen Monostrukturen geprägt waren. Der Import, insbesondere des hansischen Fernhandels, beschränkte sich darauf, bestehende Bedürfnisse zu be- friedigen und die eigene Position durch Monopole zu festigen und versäumte es neue Absatzmärkte zu erschließen.20

Die Spezialisierung der städtischen Ökonomie barg Gefahren für die Händler, wie auch für die Produzenten. Das einseitig geprägte wirtschaftliche Gefüge der Städte reagierte sehr empfindlich auf wirtschaftliche Veränderungen oder den Verlust von Absatzmärkten.21

[...]


1 vgl. HOUTTE VON, : Handel: II. Betriebsformen und Handelsgesellschaften. In: ANGERMANN, NOR- BERT: Lexikon des Mittelalters, CD-Rom Ausgabe. München, Zürich 1996.

2 Die dargestellten Erkenntnisse sind grundsätzlich auch auf süddeutsche Handelsg esellschaften übertragbar. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Gesellschaften im Süden komplexere Personenverflechtungen aufwiesen als ihre hansischen Gegenstücke. [vgl. CORDES, ALB- RECHT: Wie verdiente der Kaufmann sein Geld? Hansische Handelsgesellschaften im Spätmit- telalter. Lübeck 2000, S. 15.]

3 siehe ebenda.

4 Unter anderem auch die in dieser Arbeit verwendeten Quellenanalysen; [siehe: CORDES, ALB- RECHT : Spätmittelalterlicher Gesellschaftshandel im Hanseraum. Köln, Weimar, Wien 1998.]

5Das bisherige Bild der historischen und rechtshistorischen Forschung von den hansischen

Handelsgesellschaftenüberzeugt nicht. Erkennbar von der Dreiteilung der Personengesell- schaft im geltenden Recht beeinflusst, wollte man bisher auch im hansischen Spätmittelalter drei oder vier Gesellschaftstypen erkennen.“ [siehe CORDES, ALBRECHT (2000), S. 6.]

6 In der Literatur werden die Begriffe der „Gilde“ und der „Handelsgesellschaft“ häufig gleichg e- stellt. An dieser Stelle soll die - dieser Arbeit zugrunde liegende - Definition des Begriffs der „Gilde“ nach Helmuth Stradal dargestellt werden: Eine Gilde ist eine Genossenschaft, ein Verband, eine Vereinigung von Kaufleuten die sich zur Erfüllung der von seinen Mitgliedern angestrebten, religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen , gesellschaftlichen und politischen Zwe- cke zusammengeschlossen hat. [vgl. IRSIGLER, FRANZ: Zur Problematik der Gilde- und Zunft

7 Die Bezeichnung Kagelbrüder geht auf die Tracht der Kaufleute zurück, zu der ein langer U m- hang mit einer spitz zulaufenden Kapuze, „Kagel“ oder „Kogel“ (von dem lat. cuculla) genannt, gehörte.

8 siehe: LUSCHERT, TILL: Von den mittelalterlichen Gilden zum Verein Lüneburger Kaufleute. Die Geschichte einer kaufmännischen Vereinigung im Spiegel der wirtschaftlichen Entwicklung Lüneburgs. Lüneburg 2003.

9 vgl. HILDEBRANDT, REINHARD: Der Fernhandel als städtischer Wirtschaftsfaktor. In: KIRCHGÄSSNER, BERNHARD; BECHT, HANS-PETER (Hrsg.): Stadt und Handel. Sigmaringen 1995, S. 53.

10 vgl. REIßMANN, MARTIN: Die hamburgische Kaufmannschaft des 17. Jahrhunderts in sozialg e- schichtlicher Sicht. In: VEREIN FÜR HAMBURGISCHE GESCHICHTE (Hrsg.): Beiträge zur Geschich- te Hamburgs, Band 4. Hamburg 1975, S. 1.

11 vgl. GATZ, KONRAD: Kauffahrer, Krämer und Handelsherren. Die deutsche Kaufmannschaft im Mittelalter, 3. Auflage. Hannover 1949, S. 139.

12 Jacques le Goff stellt in seiner Abhandlung „Kaufleute und Bankiers im Mittelalter“ die These auf, dass die großen, einflussreichen Kaufleute keinerlei Behinderung durch das Zunftwesen erfuhren, „sondern es vielmehr als Herrschaftsmittel gegen die Welt der Handwerker benutz- ten“. [vgl. GOFF LE, JACQUES: Kaufleute und Bankiers im Mittelalter, aus dem Frz. von WEI- NERT, FRIEDEL. Frankfurt/Main 1989.] - Es ist fraglich, ob in diesem Zusammenhang tatsäch- lich von einem „Herrschaftsmittel“ gesprochen werden kann. Dass sich die relative rechtliche Freizügigkeit des Fernhandels als fördernd erwies, während die starke Reglementierung das Handwerk hemmte, erscheint nachvollziehbar.

13 Vom Mittelalter bis in die Neuzeit war eine stetige Zunahme des kaufmännischen Engagements im Finanzhandel zu beobachten. Nach italienischem Vorbild wurde auch in Deutschland der Handel immer stärker mit dem Bankgewerbe verknüpft. Dabei kamen die Entwicklungen des Finanzwesens wie sinkende Zinssätze, verbesserte Buchführung (Einführung der arabischen Zahlen und der Gewinn- und Verlustrechnung) und Vereinfachung des Geldwechsels vor al- lem dem Fernhandel zugute. So waren zwischen 1621 und 1624 beispielsweise 15 der 20 ein- flussreichsten Händlerfamilien Frankfurts am Main ins Geld-, Wechsel- und Kreditgeschäft in- volviert. [vgl. DIEFENBACHER, MICHAEL: Handel im Wandel. In: KIRCHGÄSSNER, BERNHARD; BECHT, HANS-PETER (Hrsg.): Stadt und Handel. Sigmaringen 1995, S. 80.]

14 Gemeint sind hiermit vor allem die großen Messen, welche sich aus den regionalen Jahrmär k- ten entwickelt hatten und nun eine wachsende Zahl von weit gereisten Kaufleuten anzogen. Zu den bedeutendsten deutschen Messen stiegen Frankfurt am Main und Leipzig auf, deren Frühjahrs- und Herbstmessen sich gegenseitig ergänzten. Daneben besaßen Großstädte wie Köln, Nürnberg oder Lübeck auch ohne Messen, allein aufgrund ihres Wirtschaftspotentials, eine ebenso große Anziehungskraft [vgl. MATHIS, FRANZ: Die deutsche Wirtschaft im 16. Jahr- hundert. München 1992, S. 43 f.]. Als bedeutende europäische Messen galten Lyon, Genf und Brügge.

15 vgl. HILDEBRANDT, REINHARD (1995), S. 57.

16 In Ravensburg kreuzten sich bedeutende Fernstraßen zum einen von Süd -Ost über die, bis Ulm schiffbare, Donau und die Schweiz nach Frankreich und Burgund und zum anderen von Nürn- berg und Augsburg, über die Alpen nach Norditalien führend.

17 Linksseitig aufgerauhtes, flanellartiges Köpergewebe aus Baumwollkettgarn und weich gedre h- tem Schussgarn.

18 vgl. WIDMANN, WERNER A.: Die Bodenseehanse. Aus der Geschichte der Grossen Ravensburger Handelsgesellschaft. München 1988, S. 18.

19 vgl. HILDEBRANDT, REINHARD (1995), S. 52.

20 Die einzige Ausnahme stellt hierbei der Weinhandel nach England dar [vgl. ebenda, S. 285.].

21 Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die ein Zusammenbruch einer Monostruktur zur Folge haben konnte, lassen sich an der flandrischen Tuchindustrie darstellen: Aus der Region hatte sich ein lukrativer Export von Tuchen entwickelt. Da das produzierende Gewerbe, seine W a- ren nicht selber absetzen konnte und auf Rohstofflieferungen vor allem aus England angewie- sen war, musste es sich den Fernhändlern ausliefern. Die Fernhändler, welche besser organi- siert waren als die Weber, nutzten diese Abhängigkeit aus, um die Preise in großem Umfang zu drücken. Dadurch wurden seit dem 14. Jahrhundert viele Weber zur Auswanderung nach England oder Holland gezwungen, da sie von dem Erlös, den ihre Waren einbrachten, nicht mehr existieren konnten. Sie bauten dort eine Konkurrenz zur flandrischen Tuchindustrie auf, während England zur gleichen Zeit seine Wollausfuhr nach Flandern reduzierte. Die Folge war die nachhaltige Schädigung der ökonomischen Situation in der gesamten Region. [vgl. ZIEGLER, UWE: Die Hanse. Aufstieg, Blütezeit und Niedergang der ersten europäischen Wirt- schaftsgemeinschaft. Eine Kulturgeschichte von Handel und Wandel zwischen 13. und 17. Jahrhundert. Bern, München, Wien 1994, S. 285.]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Voraussetzungen und Motive für die Gründung von spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handelsgesellschaften
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Geselligkeit und Interessenvertretung (PS 29.303)
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V182586
ISBN (eBook)
9783656061854
ISBN (Buch)
9783656061571
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Neuzeit, Handelsgesellschaften, Motive, Gründung, Spätmittelalter, Interessenvertretung, Gilde, Hanse, Handelsgesellschaft, Kagelbrüder, Gesellschafter, Sozialgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, kommerzielle Strukturen, Dreißigjähriger Krieg, Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation, commenda, societas maris, Handelskompanie, Kaufmannschaft, Bankenwesen, Fernhandel, Widerlegung, Lüneburg, Krämer, Gilden, Kontor, Ravensburg, Ökonomie, Kapitalführer, Kapitalgeber, Bilanzwesen, Prokura, Handelswege, Satzung, Kirche
Arbeit zitieren
M. A. Aaron Faßbender (Autor), 2004, Voraussetzungen und Motive für die Gründung von spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handelsgesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182586

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