Die Gartenstadt. Altes Konzept in neuem Gewand?


Hausarbeit, 2011

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Methodik
1.3 Aufbau

2. Entwicklung der Gartenstadt
2.1 Rahmenbedingungen, Howards Modell und die ersten Gartenstädte
2.1.1 Historischer Kontext
2.1.2 Leitziele und Struktur
2.1.3 Umsetzung des Modells
2.2 Die Gartenstadtbewegung in Deutschland
2.2.1 Historische Situation und die Deutsche Gartenstadtgesellschaft
2.2.2 Beispiel einer Gartenstadt im Ruhrgebiet, Essen-Margarethenhöhe
2.3 Zwischenfazit

3. Die Gartenstadt heute – Aktuelle Entwicklung am Beispiel Seseke Aue, Kamen
3.1 Rahmenbedingungen Emscher-Region
3.1.1 Siedlungsentwicklung
3.1.2 Bevölkerung
3.1.3 IBA Emscher Park
3.2 Gartenstadt Seseke Aue, Kamen

4. Vergleich der Planungsansätze
4.1 Bewertungskriterien
4.2 Gegenüberstellungen der Planungsansätze
4.3 Auswertung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die drei Magnete nach Howard

Abbildung 2: Stadterweiterungen nach Howard

Abbildung 3: Städtebauliche Struktur der Gartenstadt nach Howard

Abbildung 4: Plan für Letchworth von Parker und Unwin, 1902-

Abbildung 5: Essen-Margarethenhöhe

Abbildung 6: Luftbild Essen-Margarethenhöhe

Abbildung 7: Farbkonzept Seseke Aue

Abbildung 8: Lageplan Seseke Aue

Abbildung 9: Städtebauliche Aspekte

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Stadtentwicklungsmodell der Gartenstadt von Ebenezer Howard in Vergangenheit und Gegenwart.

Nach einer historischen Einführung in das Thema wird die heutige Situation anhand eines Beispieles dargestellt und in einem abschließenden Vergleich untersucht, was aktuelle Planungen von Howards Modell unterscheiden und was von den ursprünglich angedachten Strukturen übrig geblieben ist.

1.2 Methodik

Als Basis zum Erreichen der Zielsetzung, dem Vergleich von Howards Gartenstadt mit neuen Entwicklungen, stand eine gründlich Analyse der Geschichte der Gartenstadt sowie den aktuellen Planungsansätzen. Hierzu bildete die Bearbeitung wissenschaftlicher Literatur zu der jeweiligen Thematik die theoretische Grundlage der Arbeit.

Für den „Forschungsteil“ dieser Arbeit, dem Vergleich der Planungsansätze in Kapitel 4, wurden Bewertungskriterien definiert anhand welcher die drei Planungsansätze systematisch miteinander verglichen wurden. Diese ergaben sich aus der vorhergehenden Analyse der verschiedenen Konzepte und sollen einen anschaulichen Vergleich ermöglichen.

1.3 Aufbau

Nach dieser kurzen Einführung in diese Arbeit folgt in Kapitel 2 eine historische Aufarbeitung der Thematik. In Kapitel 2.1 werden die Rahmenbedingungen Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben, welche ausschlaggebend für Howards Idee waren. Anschließend werden die Leitziele sowie die Struktur, welche Howard für sein Modell angedacht hatte näher dargestellt sowie kurz auf die Umsetzung des Konzepts in England eingegangen. In Kapitel 2.2 steht die historische Entwicklung der Gartenstadtbewegung in Deutschland im Zentrum der Betrachtung. Diese Entwicklung wird dann am Beispiel der Margarethenhöhe in Essen noch beispielhaft vertieft. In Kapitel 2.3 folgt ein kurzes Zwischenfazit über die Geschichte der Gartenstadt.

Kapitel 3 analysiert ein aktuelles Beispiel einer umgesetzten sogenannten Gartenstadt. In Kapitel 3.1 werden dazu zunächst dessen Rahmenbedingungen erörtert bevor in Kapitel 3.2 dann das konkrete Projekt Seseke Aue in Kamen dargestellt wird.

In Kapitel 4 folgt dann der Vergleich der Planungsansätze der historischen Gartenstadt Margarethenhöhe mit der neuen Gartenstadt Seseke Aue. Beide werden außerdem mit dem ursprünglichen Modell von Howard verglichen. Dazu werden in Kapitel 4.1 zunächst Bewertungskriterien definiert bevor die Gegenüberstellung der Planungsansätze in Kapitel 4.2 folgt. In Kapitel 4.3 schließt sich eine Auswertung des Vergleichs an.

Abschließend wird in Kapitel 5 ein Fazit gezogen.

2. Entwicklung der Gartenstadt

2.1 Rahmenbedingungen, Howards Modell und die ersten Gartenstädte

2.1.1 Historischer Kontext

Die industrielle Revolution prägte das Gesicht der Städte im 19. Jahrhundert. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt erhöhte landwirtschaftliche Produktivität und ermöglichte enorme medizinische Erfolge. Dies bedingte eine gewaltige Bevölkerungsexplosion. Mit der Schaffung von ausreichendem Wohnraum waren die Städte überfordert. Es kam zu teils katastrophalen Wohnbedingungen (vgl. Redlin 2001: 1f.).

Die meisten Arbeiterfamilien lebten in kleinen Mietwohnungen, in überfüllten und unhygienischen Zuständen. Der hohe Bodenpreis in den Städten und damit zusammenhängend steigende Mietpreise verschlimmerten die Wohnungsnot. Der Ruf nach Reformen in der Bevölkerung wurde lauter (vgl. Seidel 2003).

In den 1890er Jahren treten darauf erstmals Autoren auf, welche Vorschläge für eine zukünftige Stadtentwicklung machen – für Nutzungsstruktur, für Grundsätze zur Steuerung des Stadtwachstums sowie zu Grundbesitzverhältnissen in der Stadt (vgl. Albers 2008: 23).

Das bekannteste Werk ist das 1898 erschienene „To-Morrow. A Peaceful Path to Real Reform“ von Ebenezer Howard. In der zweiten Auflage wurde es 1902 unter dem Titel „Garden Cities of To-Morrow“ veröffentlicht. In diesem konzipierte er das Stadtentwicklungsmodell der Gartenstadt als Antwort auf die schlechten Lebensumstände der Menschen in den industrialisierten Städten Europas.

Abbildung 1: Die drei Magnete nach Howard

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Howard 1902: 8

Sein Modell sah die Neugründung von gesunden, grünen Städten auf dem Land vor. Dabei sollte die Gartenstadt die Vorteile von Stadt (Arbeit, Kultur, Bildung) mit den Vorzügen des ländlichen Raumes (frische Luft, Freiräume, Natur) verbinden. Ein Umbau von bestehenden Städten wäre laut Howard zu aufwändig (vgl. Seidel 2003).

2.1.2 Leitziele und Struktur

Die neuen Gartenstädte sollten eine Entlastung für die überfüllten Großstädte darstellen und die Landflucht aufhalten. Die Grundprinzipien waren dabei Einheitlichkeit, Überschaubarkeit, Symmetrie sowie eine räumliche und zahlenmäßige Größenbeschränkung der Gartenstädte. So sollten sie eine Einwohnerzahl von 32.000 und ein Fläche von 2.400 ha nicht überschreiten.

Ein weiteres wichtiges Ziel war die Selbständigkeit durch eine eigene Verwaltung und einem die Gartenstadt versorgenden Zentrum um unabhängig von einer Großstadt zu bleiben. Das Modell sah außerdem eine funktionale Trennung von Wohnen, Arbeiten und Erholen vor. Außerdem sollte einer sozialen Segregation vorgebeugt werden um keine Reichen- beziehungsweise Armenviertel entstehen zu lassen.

Die folgende Abbildung zeigt die Lage der Gartenstädte um eine Zentralstadt mit den Straßen- und Eisenbahnverbindungen zwischen den Städten (vgl. Seidel 2003).

Abbildung 2: Stadterweiterungen nach Howard

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Howard 1902: 120

Das Modell von Howard sieht einen kreisförmigen Grundriss mit einer Gesamtfläche von 2.400 ha vor, wovon nur 400 ha auf die eigentliche bebaute Stadt entfallen.

Im Zentrum der Gartenstadt befindet sich ein kleiner Park mit den Verwaltungsgebäuden. Radial aus dem Kernstadt heraus verlaufen sechs Boulevards, die neben der Erschließungsfunktion auch eine raumordnerische Funktion beinhalten, und die Gartenstadt in sechs gleich große Bezirke einteilt. Umschließend folgt ein weiterer Park („Central Park“), welcher von einem überdachten Glasgebäude („Crystal Palace“) kreisförmig begrenzt wird. Dieser Palast dient als Wintergarten und ganzjähriger Marktplatz. Daran anschließend befinden sich vier Häusergürtel, zwischen dem Zweiten und Dritten durchtrennt von der „Grand Avenue“. Dieser Wohnbereich ist in 5.500 Grundstücksflächen aufgeteilt auf welchen eine Einfamilienhausbebauung vorgesehen ist. Am Rand der Gartenstadt befindet sich der Industriegürtel mit Fabriken. Die überregionale Erschließung erfolgt über eine Rundeisenbahn („Inter-Municipal Railway“).

Die restlichen unbebauten 2.000 ha sind für landwirtschaftliche Zwecke, für Gärtnereien und als Pachtgrundstücke für die Einwohner vorgesehen. Diese Fläche soll im optimalen Fall ausreichen, um die Bevölkerung der Gartenstadt zu versorgen (vgl. Seidel 2003).

All diese baulich-strukturellen Eigenschaften sollen an die natürlichen Gegebenheiten angepasst werden.

Diese vorgestellte städtebauliche Struktur war jedoch nur das Idealmodell Howards und wurde in seiner Reinform nie komplett umgesetzt.

Abbildung 3: Städtebauliche Struktur der Gartenstadt nach Howard

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Howard 1902: 16

Neben der Städtebaulichen Struktur beinhaltete die Gartenstadt auch ein besonderes Finanzierungsmodell.

So lautete das oberste Prinzip der Gartenstadt: Verzicht von Privateigentum an Grund und Boden. Die Gartenstadt sollte der Gemeinschaft gehören. Die Idee dahinter war ein Vorbeugen von Bodenspekulationen. Diese hatten in den Großstädten zu hohen Mieten geführt. Dafür mussten zuallererst Treuhänder gefunden werden, welche ihr Privatkapital für den Erwerb des Bodens investieren. Die zukünftigen Einwohner bezahlen dann für ihre Grundstücke eine Pacht an den Treuhänder, der somit sein Geld zurückbekommt. Da die Gartenstädte im ländlichen Raum errichtet werden sollten, konnte der Boden als günstige Agrarfläche erworben werden. Mit dem Aufbau von Industrie und Gewerbe wird das ehemals billige Ackerland zu teurem Stadtboden. Der daraus resultierende Gewinn kommt der ganzen Gemeinschaft zugute und kann unter anderem für den Ausbau der Infrastruktur genutzt werden (vgl. Seidel 2003).

2.1.3 Umsetzung des Modells

Die ersten wirklichen Gartenstädte sind Letchworth und Welwyn Garden City. Letchworth wurde 1903 etwa 50 km von London entfernt errichtet. Sie umfasste von der Fläche zwar nur 1.500 ha, jedoch wurde der Grundriss sehr ähnlich zu Howards Modell geplant und umgesetzt. Die Selbstversorgungsfunktion gestaltete sich aufgrund des unfruchtbaren Bodens rund um die Stadt jedoch als nicht einhaltbar. Heute hat Letchworth etwa 33.000 Einwohner. Welwyn Garden City, die zweite englische Gartenstadt, wurde 1919 gegründet. Anfangs musste, nicht dem Howardschen Modell folgend, der Staat finanzielle Unterstützung leisten. Die Stadt trug sich erst nach 20 Jahren selber(vgl. Seidel 2003).

Die Abbildung zeigt die Planung von Parker und Unwin für Letchworth aus den Jahren 1902 bis 1904. Es wird deutlich, dass Howards Modell städtebaulich in weiten Teilen verfolgt wurde, mit einem zentralen Platz mit Versorgungseinrichtungen und Radialstraßen. Auch finden sich immer wieder Grünzüge in der Stadt. Ein entscheidender Unterschied zum ursprünglichen Modell sind die industriellen Gebiete, welche relativ zentral entlang der Bahnlinie durch Letchworth gelegen sind.

Abbildung 4: Plan für Letchworth von Parker und Unwin, 1902-1904

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: University of Maryland 2011

Die meisten weiteren Siedlungen, die sich als „Garden Cities" bezeichneten, waren nur grüne Vororte oder Stadterweiterungen. Mehr reine Gartenstädte wurden aus einer Reihe von Gründen nicht geplant.

So vernachlässigte Howard bei der Standortwahl Faktoren wie Bodenqualität, Klima oder Fabrikations- und Absatzmöglichkeiten der Industrie. Außerdem war es schwieriger als erwartet Treuhänder zu finden, die ihr Eigenkapital in neue Städte steckten mit der Aussicht, ihr Geld erst in rund 20 Jahren zurückzubekommen. An dieser kapitalintensiven ersten Aufbauphase scheiterten die meisten Gartenstädte. Auch strebten die Menschen weiter nach dem höheren Lebensstil in den Großstädten und konnten nicht von einem Leben im ländlicheren Raum überzeugt werden. Durch die starren räumlichen und quantitativen Beschränkungen war ein flexibles Reagieren auf Bevölkerungsentwicklungstendenzen nicht möglich. Schlussendlich erwies sich auch der Umzug der Industrie auf das Land, aufgrund der schlechteren infrastrukturellen Erschließung, als äußerst schwierig (vgl. Seidel 2003).

Der Gartenstadtgedanke wurde vor allem in England und Frankreich populär aber auch in Deutschland wurde er aufgegriffen. Im nächsten Kapitel wird die Entwicklung in Deutschland skizziert und mit Essen-Margarethenhöhe ein konkretes Umsetzungsbeispiel näher betrachtet.

2.2 Die Gartenstadtbewegung in Deutschland

2.2.1 Historische Situation und die Deutsche Gartenstadtgesellschaft

Die Dominanz des mehrgeschossigen Mietshauses in deutschen Großstädten im Zusammenspiel mit der zunehmenden Landflucht führte ab den 1880er Jahren zu einer allgegenwärtigen Wohnungsnot. Private Baugesellschaften dominierten Ende des 19. Jahrhunderts die Stadterweiterungen. Neben Bauordnungen welche lediglich Fluchtlinien und Baublöcke vorschrieben, existierten baupolizeiliche Verordnungen, die sich aber auf laxe hygienische und feuerschutzrechtliche Vorschriften beschränkten. Enteignungsmöglichkeiten bestanden nur im Zusammenhang mit Platz- und Straßenräumen. So wurde Baublöcke zu interessanten Spekulationsobjekten in deutschen Großstädten. Es bildete sich der Haustyp der Mietskaserne heraus. Diese hatte eine zur Straßenseite ansprechend gestaltete Fassade, in den Baublock hinein folgten dann jedoch Seiten- und Quergebäude in bis zu acht Hinterhöfen und sehr engen Wohnverhältnissen (vgl. Mann 2006).

Von Seiten des Bundes und der Länder wurden nur wenige Wohnungsfragen betreffende Gesetze verabschiedet. Die Kommunen unterstützten sozialen Wohnungsbau lediglich mit der Vergabe von städtischen Hypotheken, der Übernahme von Bürgschaften für anderweitig aufgenommene Darlehen und der Abgabe von billigem Bauland für gemeinnützige Baugesellschaften (Baugenossenschaften). Der soziale Wohnungsbau vor dem Ersten Weltkrieg scheiterte häufig am Gleichgewicht zwischen privater Kapitalmaximierung und öffentlicher Verantwortlichkeit. Ähnliche Schwierigkeiten traten auch bei den Gartenstadtplanungen auf (vgl. Mann 2006).

Reformer sahen im Konzept der Gartenstadt nun einen Ausweg aus der verfahrenen Wohnungsmisere und den sozialen Missständen. Unter den zahlreichen Bewegungen, welche die fortschreitende Urbanisierung und die damit einhergehenden Entwicklungen kritisierten, wurde 1902 die Deutsche Gartenstadtgesellschaft (DGG) gegründet. Diese wollte eine städtebauliche und soziale Erneuerung in Gang setzen.

Die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft setze ihren Schwerpunkt vor allem auf die Bekanntmachung der Idee. Sie pries die Vorzüge der Gartenstadt an: Verbundenheit zwischen Stadt und Land, Hygiene, Ästhetik sowie durch ein neues Ideal der Bodenreform verhinderte Spekulationen. Die Reformer bauten dabei auch auf ihre eigenen Erfahrungen, wie zum Beispiel Theodor Fritsch, welcher bereits 1896 in seinem Buch „Die Stadt der Zukunft“ einen ähnlichen Vorschlag zur Neugründung einer Stadt vorgestellt hatte. Fritsch legte besonderen Wert auf die „innere Ordnung“ und „Vernunft“ des „organischen Wesens“ einer künftigen Stadt mit Hilfe einer Kategorisierung der Straßen, der Durchgrünung des Stadtbereichs und der Anbindung an moderne Verkehrsmittel. Die Finanzierung sollte dabei über Baugenossenschaften geschehen (vgl. Mann 2006).

Bereits 1904 verabschiedete sich die DGG von der Utopie der Gesellschaftserneuerung und wollte sich lediglich für eine konsequente Bodenreform einsetzen. Man wurde pragmatischer. Der Soziologe und Ökonom Hans Kampffmeyer, Gründungsmitglied der DGG, war eine treibende Kraft bei der Neuorientierung. Ihm gelang es, die DGG bis 1907 auf eine bürgerlich-reformerische Linie zu bringen. Die Ziele waren nun Innenkolonisation (Zug der Industrie in den ländlichen Raum) und die Umsetzung von Wohnsiedlungen, Gartenvorstädten, Industriesiedlungen und die Erweiterung von Städten im Sinne der Gartenstadt. Die Betonung der privaten Eigeninitiative trat an die Stelle der genossenschaftlich-kommunalen. Die neue, pragmatischere und weniger das künstlerisch-soziale betonende Politik schlug sich auch in der Zusammensetzung des DGG-Vorstands nieder: Stadtplaner, Architekten, Künstler sowie hohe Verwaltungsbeamte waren die prägenden Personen. Diese Professionalisierung brachte der DGG den entscheidenden Popularitätsschub. Unterschiedliche Auffassungen über die anzustrebende Architektur der Gartenstädte lähmte die Bewegung jedoch schon früh. So stand auf der einen Seite ein funktional-moderner Stil und auf der anderen eine heimatbezogene, romantisch-malerische Ausrichtung. Die eine Seite bevorzugte die deutsche Kleinstadt als Modell, die andere sah Stadt- und Landkultur als unvereinbar an und plädierte für Vorstädte in Form von geschlossenen Siedlungen, die über Verkehrsachsen mit dem urbanen Zentrum verbunden werden sollten.

Es war keine Rede mehr von der Verschmelzung von Stadt und Land, wie sie Howard nachdrücklich gefordert hatte, um damit die Probleme der Großstadt zu überwinden. Die Gartenstadt war nun nichts anderes als die Bodenreform in einem begrenzten Bezirk, wobei sich die Kriterien der Bodenbeschaffung eher an den Forderungen der Industrie als an den Bedürfnissen der Bewohner orientieren müssten, so der Vorstand der Gartenstadt-Gesellschaft. Seitdem haftete fast allen Gartenstädten der Ruch industrieangepasster Planung an, wobei die Gartenstadt selbst sich kaum mehr von der industriellen Arbeitsersiedlung zu unterscheiden schien (vgl. Mann 2006).

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Gartenstadt. Altes Konzept in neuem Gewand?
Hochschule
Hochschule für Technik Stuttgart
Note
1,0
Autoren
Jahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V182639
ISBN (eBook)
9783656069775
ISBN (Buch)
9783656069850
Dateigröße
1006 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtplanung, Stadtentwicklung, Raumplanung, Raumentwicklung, Gartenstadt, Margarethenhöhe, Essen, Seseke Aue, Emscher Park, IBA, Stadtentwicklungsmodell, Howard, Gartenstadtbewegung, Gartenstadtgesellschaft, Ruhrgebiet, Vergleich, Modell
Arbeit zitieren
Volker Heil (Autor:in)Felix Märker (Autor:in), 2011, Die Gartenstadt. Altes Konzept in neuem Gewand?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182639

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