Der Genius und die anderen


Projektarbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Eínietung u. Problemstellung

2. Genius und bjekt im kreativen haffensprozess
2.1 Der Geniebegriff
2.2 Das unternehmerische lbst

3. Gruppenprozesse kreativer T eamarbeit
3.1 Der Teambegriff
3.2 Der teamorientierte kreative haffensprozess

4. Management und Leitung kreativer Teamarbeit
4.1 Aufbau und Zusammenstellung
4.2 Gemeinsames Denken - Führung kreativer Teamarbeit

5. Resumee / Fazit

1. Einleitung / Problemstellung

„Es gibt kein Genie, ohne produktiv wirkende Kraft“, äußerte einst Johann Wolfgang von Goethe als Figur größter Bekanntheit. Ohne tiefer darauf eingehen zu wollen, verweist diese Äußerung bereits auf einen strukturellen oder gar notwendigen Zusammenhang zwischen Kreativität (Genie), künstlerischer Umsetzung und Management (Produktion,Organisation). Im Verlauf der Zeitgeschichte begegnet der Betrachter immer wieder Personen, welche auf musikalischer Ebene, in der Literatur oder auch als Innovatoren und Visionäre „kreative Produkte“ schaffen, welche über Jahrhunderte hinweg Bestand haben. Betrachtet man Beethoven, Mozart, Schiller oder Zuckerberg, so scheinen diese Persönlichkeiten in all ihrer Unterschiedlichkeit1 dennoch die Gemeinsamkeit in sich zu tragen, Erschaffer von Kunstwerken und Innovationen sein, welche anderen zunächst unmöglich schienen. Ergebnisse der Kunst- und Kulturgeschichte beweisen, dass es dabei stets ein einzelnes Subjekt, ein „Genius“ war, welcher das Ergebnis, meist in Distanz zur Außenwelt, produzierte.2 So stellt sich folgende Fragestellung: Ist es stets ein „alleiniger Schöpfer“, welcher das Kreative durch die ganz subjektive Auseinandersetzung generiert?

Die Beschreibung von Subjekt und Kollektiv während künstlerischer Schaffensprozesse spielt in ihren scheinbaren Widersprüchlichkeiten dabei eine zentrale Rolle in der vorliegenden Betrachtung. Nachdem im ersten Teil die Rolle und Arbeitsweise des Genius definiert werden, wird im zweiten Teil die Fragestellung untersucht, in welchem Verhältnis der Künstler zu (s)einem kreativen Team steht und inwiefern es möglich ist, eine dabei durch Managementprozesse unterstützte ,,Brüderschaft von GenieS‘ entstehen zu lassen, um noch effizienter produzieren zu können.3 Inwiefern also ist Teamgeist, Kooperation, gegenseitige Kontrolle und Erweiterung durch Dritte innerhalb des kreativen Managements ebenso relevant wie der individuelle Schaffensprozess?

Primäres Ziel der Modularbeit sei dabei die Untersuchung und die gleichzeitige Gegenüberstellung verschiedenster Charaktere und Organisationsformen innerhalb eines kreativen Schaffensprozesses. Der Kreativitätsprozess weist dabei differente Merkmale und Ursachen auf, welcher unter anderem anhand des Ansatzes von Bröckling und seinem Postulat des „Unternehmerischen Selbst‘ untersucht werden.4 Im Zuge der Ausarbeitung wird sich zeigen, inwiefern eine Analyse und effiziente Einordnung der genannten Begrifflichkeiten erfolgen und innerhalb moderner Managementprozesse tatsächlich untergebracht werden kann.

2. Genius und Subjekt im kreativen Schaffensprozess

Kreative Entwicklungsgänge finden sich bezüglich des Künstlers als „Genie“ zunächst innerhalb der Selbsterforschung bzw. Selbstverantwortung im Sinne eines Schaffenden.5 So erfasst die Genieforschung sowie die vorliegende Ausarbeitung im Sinne einer Grundkonzeption zunächst eine soziologische Genese, welche den alleinigen Künstler als Subjekt in Form eines Hochtalents beschreibt.6

2.1. Der Geniebegriff

Eine Betrachtung der Begrifflichkeiten des Genius, des kreativen Künstlers oder einer Kombination dieser beiden im Prinzip des „Künstlergenies“7, weisen in der Literatur bei aller Unterschiedlichkeit zunächst die Gemeinsamkeit zur Verbindung mit der Genieästhetik als Vorstellung des „Schöpferischen“ auf8. Der Pathos des Schöpfers als Urheber und Hervorbringer etwas Neuen durch natürlich gegebene oder angeborene Gaben finden frühe Untersuchungen im Künstlerbild gleichermaßen wie im Modell des himmlischen Genies als ,Heilsbringer‘.9 Bröckling wirft den Begriff der „creatio ex nihilo“ als „göttlichen Akt“10 auf und auch Townley erfasst die kreative Kunst vor allem als Bereich vollkommen authentischer „sdlf-expr&siort\ welche mittels sogenannter „auratic-work‘ durch den Künstler als Genie geschaffen werde.11

Grundlegend innerhalb dieser Genieauffassungen wird die notwendige Fruchtbarkeit einer Idee erwähnt, welche ausschließlich auf „unbebauten Feldern“ konsequent Ausbreitung finden können; auf welchen der „fruchtbare Gedanke“ erst seine Originalität entfaltet.12 Der schöpferische Mensch im Paradigma des Originellen bewegt sich - auch innerhalb der Geschichte - zwischen einem „ Geniekulf ‘ in Zeiten des Sturm und Dranges oder aber rationalistisch geprägten Konzeptionen.13 Die in diesem Gedanken neugewonnene Genieeigenschaft der Originalität des Geniusmythos‘ postuliert dabei das „subjektive Erlebnis“ eines Denkers innerhalb des kreativen Schaffensprozesses.14 Man nähert sich einem Subjektivierungsprozess des Genies, welcher in der Wahrheit seines originellen Werturteiles eine Geisteskraft gründlichen „Denkens“ hervorbringt und in hervorgebrachten Genieprodukten zu münden scheint. Die Genieverehrung eines Einzelnen setzt Normen, welche kulturelles Leben hervorbringen und weiterentwickeln.15 Eine solche Beschreibung des genialen Künstlers weist die Eigenschaft einer Heldenverehrung sowie einer Aufwertung durch Größenbestimmung und Idealschaffung auf, welche in gegensätzlicher Erscheinung mit vorhandenen Wissenschaftlichkeitsargumenten auftritt.16

In Form eines Paradigmenwechsels löst das Argument der Wissenschaft in der Genieuntersuchung die Begründung von Begabung insofern ab, als dass das angeborene Talent eines Meisters als „ingeniun1‘ durch Wissenschaftsprozesse nicht anzulernen sei:17 Bröckling widerspricht einem solchen, zunächst unerklärlichen, Wunder eines Momentes „schöpferischer Variation“18: so könne dies Variierte nicht einfach aus dem Nichts entstehen, sondern beginne in all seinen Möglichkeiten erst im „Moment der Differenz“19 und werde somit ins Verhältnis gesetzt zum vergangenen „Alten“ oder aber zum variierten „Neuen“. Diese Auffassung setzt das Genie in soziologische Relationen, welche von der Genieforschung also pathographisches und psychologisches Phänomen in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtungen rückt.20 So wird das Genie nicht als ,,Geheimnisvolles (,als) irrationale Größe(,)mystisch-intuitives Vermögen (oder) göttliche Gabe“ aufgefasst. Vielmehr wird mit Helvetius die Fähigkeit des Genies zur Erfindung als entmystifiziert menschliche Tätigkeit betrachtet.21 Die Erfassung des Genius bewegt sich somit zwischen pathographischer, psychographischer und soziologischer Abhandlungen und Zeitepochen.

Ergänzend zum intelligenten Individuum verschiedenster Begabungsleistungen werden Beschreibungen jeweiliger Krankheitsbilder akzentuiert, welche eine Klärung in geistigen Erkrankungen suchen. Sie erfassen den (genialen) Menschen als „anfälliges Wesen“.22 Das geniale Künstlertum weise Verhaltensauffälligkeiten und Andersartigkeit auf in Form sozialer Abweichungen, neurotischer Auffälligkeiten oder sexueller ,Besonderheiten‘. Krieger betont dies an Beispielen Michelangelos sowie Elsheimers, welche an Melancholie oder Depressionen litten und dabei gleichwohl unglaubliche Produktionen als Zeugnis der geistigen Stärke erzeugten.23 Nebst der genannten Erkrankungen tauchen in der Literatur Begriffe auf wie „Wahnsinn“, „Irrationalisierung“ oder „Wildheit“, welche unmittelbar mit einer Antibürgerlichkeit des Künstlers und desses Schaffensvorgängen verknüpft werden.24 Autoren der Antike (z.B. Aristoteles) prägen somit den Gedanken einer Beziehung zwischen der genannten auffälligen Begabung eines Genius und dessen melancholischen Temperaments im Gebiet des Geistes.25 Ursache und Triebkraft dieser Prozesse sei das Leid der Seele, welches erst eine auch visionäre Kraft des Künstlergenies produzieren könne. Die Geniereligion des Wahnsinns verortet das „Subjekt als Träger gesellschaftlicher Eigenschaften“ innerhalb weiterer relativ autonomer Individuen26, womit eine Verbindung von Genius und Subjekt abschließend demonstriert sei.

2.2. Das Unternehmerische Selbst

Um die Aktivität und Selbständigkeit des Subjektes als Genie beschreiben zu können, findet im Folgenden eine Ausarbeitung des durch Ulrich Bröckling aufgetanen Konzeptes eines „unternehmerischen Selbst“ statt.

Die Genealogie der Subjektivierung im Sinne eines Selbstarrangements findet sich bei Bröckling in den Begrifflichkeiten von Kräftefeldern, welche Energien des Genies gleichsam freisetzen können. In seinem Abschnitt der Anthropologie (2007) wird die Mannigfaltigkeit des Geniebegriffs dabei durchaus gefasst. Indem Bröckling einerseits das schöpferische Tätigsein eines Kreativen als „Wunderkind“ beschreibt, ohne dabei selbiges als funktionserfüllendes problemlösendes Handeln im Zuge „ökonomischer Notwendigkeiten“ zu missachten, werden die Konträrbegriffe „Genie“ und ökonomische „Selbstorganisation“ gleichermaßen berücksichtigt. Das hierbei postulierte Konzept der Eigenverantwortung beschreibt über die zunächst unberücksichtigte Seite der Ökonomie den kreativen Geist als „zerrissenen“, welcher keine weiteren Problematiken im Sinne trage, „als das individuelle Zeitmanagement und den persönlichen Energiehaushalt“27:

,, Das Subjekt nimmt die Kräfte auf, denen es ausgesetzt ist, und modifiziert ihre Ansatzpunkte, Richtungen und Intensitäten. Dabei biegt es diese Kräfte nicht zuletzt um und richtet sie auf die eigene Person,28 Im Modus der Eigenmodellierung werde der Versuch unternommen, ein „multiples Selbst nach allen Seiten hin gleichzeitig zu perfektionieren“ wenngleich dabei die Komplexität der Sache stets zunehme.29 Selbstbeobachtung, so Bröckling, sei dabei eine primäre Maxime, da diese den zerrissenen Geiste innerhalb eines „täglichen Geschäftsganges“ davor schütze, ,zermürbend-zwecklose Erkundungsgänge ‘ bei gleichzeitigem Verlust effizienter Eigenressourcen zu durchlaufen und somit die Qualität eines jeweiligen Ergebnisses zu reduzieren.30 Diese an die Selbstdisziplin des künstlerlischen Subjekts appelierende Formel im Sinne eines moralisch gefärbten Konditionierungsprogrammes unterstellt das starke Verhältnis zum eigenen Selbst. Indem die eigene Bewusstseinswahrnehmung ins Zentrum der Untersuchungen rückt, wird eine Perspektive eingenommen, welche im Kontext des Prinzips „Beobachtung und Balance“ fungiert.31 Während die Konzentration auf andere nicht vorgenommen wird, gewinnt ferner die Organisation der Zeiteinteilung eine zentrale Rolle, welche den Genius in seiner Kreativschöpfung mittels Konzentration auf das Enegiegleichgewicht führen soll. Becker-Stoll et al. (2010) unterstreichen den biologischen Kreativitätsprozess eines Subjektes, welcher aus den Parametern der „Wiederholung, Variation und Strukturierung“ resultiert.32

[...]


1 Auch bez. des zeitlichen „Auseinanderdriftens"

2 Marc Zuckerberg - Erfinder und Mitbegründer von Facebook.com - fand sich als Student zunächst alleine in einem Studentenzimmer wieder, als ihm die Idee der wohl derzeit erfolgreichsten Innovation im Bereich von Social Media entsprang. Nicht lange dauerte es, bis den Begründer eine Schaar von Mitarbeitern in Form eines großen „Teams" umringte, welche gerade durch gemeinsame Denk- und Schaffensprozesse besonders produktiv sein konnte.

3 Vgl. Zilsel (1990), S.84

4 Diesem kommt eine Bedeutung des Wissens und der anschließenden Einordnung verschiedenster Einflussfaktoren bezüglich kreativer Verhaltensstrukturen zu. (Vgl. Maier et al. (2008), S.37)

5 Bröckling (2004), S.228

6 Vgl. Lange-Eichbaum/Kurth (1986), S.11

7 Krieger (2007), S.35

8 Krieger (2007), S.115

9 Vgl. Zilsel (1990), S.83

10 Bröckling (2004), S.139

11 Townley (2010), S.8

12 Vgl. Zilsel (1990), S.90/91

13 Vgl. Krieger (2007), S.115

14 Zilsel (1990), S.91

15 Vgl. Lange-Eichbaum/Kurth (1986), S.21

16 Vgl. Krieger (2007), S.19 - Charakteristisch hierbei sei vor allem die Verbindung eines genialen schöpferischen Prozesses und der Frage nach der schöpferischen Persönlichkeit selbst.

17 Vgl. Krieger (2007), S.19

18 Bröckling (2004), S.139

19 Bröckling (2007), S.157

20 Vgl.Ritter (1986), S.5

21 Lange-Eichbaum/Kurth (1986), S.21/22 - Lange-Eichbaum und Kurth (1986) gehen so weit, die Benennung „genial" auch im modernen Zeitalter ausschließlich auf „alte Meister" der Namen Van Gogh, Goethe oder Beethoven zutreffen zu lassen.

22 Vgl. Lange-Eichbaum/Kurth (1986), S.19

23 Vgl. Zieger (2007), S.95

24 Zieger (2007), S.95

25 Vgl. Zieger (2007), S.96/98

26 Kleemann/VoQ (2010), S.415

27Bröckling (2004), S.228

28 Bröckling (2007), S.20

29 Bröckling (2004), S.233

30 Vgl. Bröckling (2004), S.229

31 Bröckling (2004), S.230

32Becker-Stoll (2010), S.5

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Genius und die anderen
Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar  (Fakultät Medien)
Veranstaltung
Medienmanagement: Organisation, Management und Arbeiten in der Medien- und Kreativwirtschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V182745
ISBN (eBook)
9783656064350
ISBN (Buch)
9783656064213
Dateigröße
1997 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Genie, Genius, Subjekt, Kreativität, Das unternehmerische Selbst, Gruppenprozess, Team, Teamarbeit, Der kreative Schaffensprozess, Management kreativer Teamarbeit, Schöpfer
Arbeit zitieren
Sandra Winzer (Autor), 2011, Der Genius und die anderen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182745

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