Arbeitsbewertung nach dem Verfahren ABAKABA

Ein Konzept zur Verbesserung der Lohngerechtigkeit im deutschen Dienstleistungssektor der Pflege?


Hausarbeit, 2011

22 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Interaktionsarbeit in der Pflege
2.1 Voraussetzungen
2.2 Bedingungen und Komponenten
2.2.1 Emotionsarbeit
2.2.2 Gefühlsarbeit
2.2.3 Subjektivierendes Arbeitshandeln
2.3 Bedeutung für die Pflege

3 Verfahren der Arbeitsbewertung
3.1 Summarische und analytische Arbeitsauswertung
3.2 Arbeitsbewertung im deutschen Dienstleistungssektor

4 Analytische Bewertung von Arbeitstätigkeiten nach Katz und Baitsch
4.1 Merkmale und Blickwinkel
4.2 Bewertungsskalen und Gewichtungskonzept
4.3 Vorgehensweise des Einsatzes
4.4 Unterschiede zu anderen Verfahren
4.5 Erfüllung rechtlicher Vorgaben

5 Anwendung von ABAKABA in der Pflege
5.1 Vorstellung des Forschungsprojektes
5.2 Ergebnisse der Analyse

6 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In den letzten Jahren und Jahrzehnten führten und führen verschiedene Entwicklungstrends dazu, dass die Herausforderungen an die Profession der Pflegenden kontinuierlich zunahmen und weiterhin zunehmen werden. Derzeit ist eine komplementäre Entwicklung zu beobachten, die unter anderem auf den demographischen Wandel, veränderte Familienstrukturen und eine sich reduzierende Anzahl an Berufseinsteigern zurückzuführen ist. Diese Tendenz zeigt sich dadurch, dass die Nachfrage an Dienstleistungsangeboten der stationären und ambulanten Pflege steigt, während das Angebot sinkt (Gerisch et al. 2009: 9f.; Frei-ling et al. 2010: 5). Zudem verursachen die sich wandelnden Qualitätsanforderungen und Veränderungen der Arbeitsorganisation eine Beschleunigung von Arbeitsprozessen. Daraus resultiert, dass die Sicherstellung von Qualität durch qualifiziertes Personal in einem Spannungsverhältnis zu ökonomischen Aspekten steht (Gerisch et al. 2009: 10). Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik stellt eine arbeitsorganisatorische Herausforderung dar. Bei der Entwicklung diesbezüglicher Lösungsansätze ist zu beachten, dass eine Betrachtungsweise, wie sie bei Tätigkeiten der sächlichen Dienstleistungen und der Fertigung angewandt wird, für personenbezogene Dienstleistungen unzureichend ist. Dies ist dadurch begründet, dass der Arbeitsbereich der Pflege, den Glaser (2006: 53) der Interaktionsarbeit zuordnet, besondere Aspekte aufweist. Auf wichtige Besonderheiten wird im nachfolgenden Kapitel, welches das Konzept der Interaktionsarbeit im Kontext der Pflege vorstellt, näher eingegangen.

Derzeit werden psychosoziale Leistungen, die Pflegekräfte im hohen Ausmaß leisten, bei der Diskussion um Rationalisierung und Rationierung von Dienstleistungen des Gesundheitssektors nicht beachtet. Auch auf die Vergütung wirkt sich das Erbringen psychosozialer Leistungen kaum aus (Giesenbauer/Glaser 2006: 80). Aufgrund der genannten Problematiken beschäftigt sich die vorliegende Ausarbeitung mit der Frage, ob die analytische Arbeitsbe-wertung nach Katz und Baitsch (ABAKABA), deren Anwendung auf eine „Verbesserung der „Lohngerechtigkeit““ abzielt, diesem Anspruch auch im Bereich der Pflege gerecht werden kann. Hierbei liegt der Fokus auf den Berufsgruppen der Alten- und Krankenpflege im deutschen Dienstleistungssektor. Daher wird im dritten Kapitel unter anderem die Ist-Situation der Arbeitsbewertung von Pflegeberufen betrachtet. Anschließend wird das Konzept ABAKABA im vierten Kapitel vorgestellt, wobei auch Unterschiede zu anderen Funktionsbewertungsverfahren und die Erfüllung rechtlicher Normen dargelegt werden. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem Einsatz von ABAKABA im Tätigkeitsbereich der Pflege. Im abschließenden Fazit wird die Frage beantwortet, ob das Verfahren nach Katz und Baitsch eine gerechte Arbeitsbewertung von Pflegepersonal ermöglicht.

2 Interaktionsarbeit in der Pflege

Das breit gefächerte Konzept der Interaktionsarbeit umfasst interaktive Durchführungen kognitiver, emotionsbedingter und kommunikativer Tätigkeiten, die individuelle Handlungs-strategien einschließen (Böhle et al. 2006: 30). Nachfolgend wird das Konzept im Kontext der Pflege vorgestellt. Vorerst werden hierzu die Voraussetzungen des Konzeptes genannt. Die anschließende Beschreibung der Bedingungen und Komponenten fokussiert sich auf deren Kernelemente.

2.1 Voraussetzungen

Das interaktive Arbeiten von Pflegekräften wird durch verschiedene Voraussetzungen beeinflusst. Zu diesen zählen, neben individuellen Aspekten, strukturelle und arbeitsorganisatorische Rahmenbedingungen. Als individuelle Faktoren, lassen sich Kompetenzen, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale, die von Pflegenden und Gepflegten in den Interaktionsprozess eingebracht werden, benennen. Der Beeinflussung des Arbeitsbereiches der Pflege, durch strukturelle Voraussetzungen, liegen unterschiedliche Gesichtspunkte zugrunde. Bedeutsam sind, neben rechtlichen und gesellschaftlichen, insbesondere ökonomische Rahmenbedingungen, da deren Auswirkungen die Interaktionsarbeit häufig beeinträchtigen. Aus Arbeitsteilung und -organisation resultiert, dass sich Arbeitsaufgaben hinsichtlich ihrer Belastungen, Anforderungen und Ressourcen unterscheiden, daher sind Arbeitsbedingungen, als weitere Rahmenbedingungen der Interaktionsarbeit anzusehen (Böhle et al. 2006: 35). Eine arbeitsorganisatorische Vorgehensweise, die ganzheitliche Pflege ermöglicht, wird als besonders vorteilhaft angesehen. In ihrem Rahmen lassen sich soziale Beziehungen stabilisieren und offene, kontextbezogene Planungen besser umsetzen. Diese Möglichkeiten stellen einen bedeutsamen Schritt, der die Interaktionsarbeit fördert, dar (Glaser: 2006: 52 f.).

2.2 Bedingungen und Komponenten

Zu den Bedingungen der Interaktionsarbeit zählen Interaktionscharakteristika, eine interaktionsorientierte Führung, Interaktionsspielraum, Qualifikationsanforderungen und Gefühlsregeln. Unter Interaktionscharakteristika versteht man die Häufigkeit und die Dauer als wesentliche Parameter der Interaktionsarbeit. Durch den gegebenen Interaktionsspielraum und auch von Seiten der Führung wird die Interaktionsarbeit beeinflusst. Personenbedingte Kompetenzen der Pflegekräfte und deren Qualifikationsanforderungen wirken sich auf die Durchführung von Interaktion in der Arbeit aus. Zudem bedingen berufliche bzw. gesellschaftliche, organisatorische und individuelle Gefühlsregeln, die sich der Dienstleister selbst auferlegt oder vorgegeben bzw. vermittelt bekommt, die Umsetzung der Interaktionsarbeit (Böhle et al. 2006: 35).

Neben den genannten Bedingungen wirken sich die drei Kernelemente, Emotionsarbeit, Gefühlsarbeit und subjektivierendes Arbeitshandeln, auf die Interaktion in der Arbeit aus. Diese Bausteine des Konzepts werden in den nächsten Gliederungspunkten beschrieben. Einen Gesamtüberblick über wichtige Aspekte des Konzepts der Integrationsarbeit stellt die nachfolgende Abbildung schematisch dar.

Abbildung 1: Schematische Darstellung des Konzepts der Interaktionsarbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Böhle et al. 2006: 37

2.2.1 Emotionsarbeit

Mit Emotionsarbeit wird nach Hochschild eine Arbeit bezeichnet, die darin besteht Gefühle zu zeigen und zu unterdrücken, um die äußere Haltung zu wahren und dadurch beim Gegenüber die gewünschte Wirkung zu erzielen. Diese Form der Arbeit wird von Pflegekräften geleistet, wenn sie tatsächliche Empfindungen unterdrücken, um aus Rücksicht angebrachte Emotionen darzustellen (Giesenbauer/Glaser 2006: 62). Insbesondere emotions-bezogene Normen zeigen in der Pflege ihre Wirksamkeit. Sie können sich zum einen auf den Ausdruck und zum anderen auf das Empfinden von Gefühlen beziehen. Daher verwenden Giesenbauer/Glaser (2006: 63) diesbezüglich die Bezeichnungen Ausdrucksregeln und Empfindungsregeln. Das emotionale Verhalten von Pflegekräften wird durch gesellschaftliche, berufliche und organisatorische Regeln beeinflusst. Aufgrund dieser Normen wird von Pflegekräften unter anderem erwartet, dass sie sich freundlich und gewaltfrei verhalten. Daher wird eine Altenpflegerin beispielsweise auf körperliche Attacken eines Bewohners ruhig und freundlich reagieren, obwohl eine solche Reaktion nicht mit ihrer emotionalen Lage übereinstimmt. Für diese Abweichung des Ist-Zustand vom Soll-Zustand verwendet Hochschild den Begriff emotionale Dissonanz. Dieser kann auf unterschiedliche Art und Weise reguliert werden, um emotionale Harmonie herzustellen. Durch das Oberflächenhandeln wird versucht andere Personen über die tatsächlichen Gefühle hinwegzutäuschen, indem der Verhaltensausdruck verändert wird. Daher entspricht diese Form den Ausdrucksregeln. Beim Tiefenhandeln hingegen, das den Empfindungsregeln entspricht, bezieht sich die Täuschung bezüglich tatsächlicher Empfindungen auf die eigene Person. Pflegekräfte wenden diese Gefühlsregulierung an, indem sie unter anderem versuchen, sich vorzustellen, der Pflegebedürftige sei ein Elternteil oder, indem sie vordergründig die Krankheit des Gegenübers sehen (Giesenbauer/Glaser 2006: 64 f.).

2.2.2 Gefühlsarbeit

Strauss et al. (1980: 629) definieren Gefühlsarbeit als „diejenige Arbeit, die „speziell unter Berücksichtigung der Antworten der bearbeiteten Person […] gleistet wird und die im Dienst des Hauptarbeitsverlaufs erfolgt“. In diesem Sinne wird Gefühlsarbeit „als funktional für das Erreichen der Kernaufgaben verstanden, sie gehört zum inhärenten Bestandteil gelungener personenbezogener Arbeit.“ (Giesenbauer/Glaser 2006: 73 f.). Strauss und seine Mitarbeiter identifizierten sieben unterschiedliche Typen von Gefühlsarbeit. Auf-bauend auf diese führten Büssing und Mitarbeiter eine quantitative Fragebogenuntersuchung mit Pflegekräften durch, um den Einsatz unterschiedlicher Gefühlsarbeits-Typen in der Pflege zu ermitteln. Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchung zeigen, dass Gefühlsarbeit bei der Pflegearbeit von zentraler Bedeutung ist. Da Fassungs- und Vertrauensarbeit, sowie Identitätsarbeit und biographische Arbeit hierbei als integrale Typen identifiziert wurden, werden diese nachfolgend erklärt (Giesenbauer/Glaser 2006: 73 ff.). Vertrauensarbeit zielt darauf ab, durch Vermittlung von Kompetenz und sich kümmern im Sinne von „concern“, Vertrauen zwischen Pflegekraft und Bewohner aufzubauen. Durch Fassungsarbeit soll beim Gegenüber die Fassung und Kontrolle des Selbst gefördert werden. Identitätsarbeit und biographische Arbeit erfolgen durch intensive Gespräche und ermöglichen, neben dem Vertrauensaufbau, dass der Klient belastende Probleme ansprechen kann und dass die Pflegekraft ihn besser einschätzen kann (Giesenbauer/Glaser 2006: 70 f.). Dies verdeutlicht, dass Gefühlsarbeit ein wesentlicher Bestandteil der Pflege ist. Ihre Bedeutung zeigt sich auch darin, dass ein Gelingen der Interaktion zwischen Pflegepersonal und Gepflegtem die Arbeit erleichtert und vielfältige positive Konsequenzen mit sich bringen kann (Giesenbauer/Glaser 2006: 79).

2.2.3 Subjektivierendes Arbeitshandeln

Ein weiteres Kernelement der Interaktionsarbeit ist das subjektivierende Arbeitshandeln. Dieses Konzept „richtet sich auf Arbeitsweisen, die insbesondere zur Bewältigung von nicht vollständig berechen- und beherrschbaren sowie nichtstandardisierbaren Arbeitsanforderungen unverzichtbar wie auch effizient sind.“(Weishaupt 2006: 85). Ebenso wie das objektive bzw. zweckrationale Handeln ist das subjektive Handeln an Zielen und Ergebnissen orientiert. Zu deren Erreichung bedient sich Letzteres jedoch einer anderen Arbeitsweise, die auf subjektive Gefühle, Empfindungen und Erleben basiert(Weishaupt 2006: 85 f.). Die subjektivierende Arbeitsweise lässt sich in vier Dimensionen darstellen, die sich in der Praxis wechselseitig bedingen. „Subjektives und exploratives Vorgehen“, eine der Dimensionen, ist insbesondere in der Altenpflege von zentraler Bedeutung, da dieser Arbeitsbereich aufgrund seiner begrenzten Planbarkeit in hohem Maße Unabwägbarkeiten und eine eingeschränkte Standardisierbarkeit aufweist. Um dennoch effizient eine hohe Qualität der Pflege zu erfüllen, gehen AltenpflegerInnen kontextbezogen und situativ vor. Dabei erfolgen die einzelnen Schritte im Rahmen einer offenen Planung, die unter Einbeziehung der Reaktionen des Heimbewohners entwickelt wird (Weishaupt 2006: 88 f.). Die Wahrnehmung der Reaktionen kommt durch den Einsatz aller Sinne und mit Hilfe subjektiven Empfindens zustande. Diese „Komplexe und empfindliche sinnliche Wahrnehmung“ wird dadurch bedingt, dass Informationen nicht immer eindeutig und messbar sind, sondern häufig auf nonverbale Kommunikation beruhen (Weishaupt 2006: 91). Das „Anschauliche Denken und Erfahrungswissen“ und „persönliche und emotionale Beziehung“sind weitere Dimensionen des subjektivierenden Arbeitshandelns. Sie sind auf Grenzen des Denkens und des Fachwissens sowie der Distanzierung und Versachlichung zurückzuführen. In die pflegerischen Interaktion sind diese in Form von situativem Wissen, das sich aus Wahrnehmung und Erlebnisbezogenheit ergibt, und Empathie, integriert (Weishaupt 2006: 93 ff.).

2.3 Bedeutung für die Pflege

Die Bedeutung des vorgestellten Konzeptes zeigt sich dadurch, dass die Interaktion zwischen im pflegerischen Bereich agierenden Personen einen unmittelbaren Einfluss auf die Qualität der Dienstleistung und des Arbeitslebens hat (Böhle et al. 2006: 29). Auf die Bedeutung der Gefühlsarbeit für die Pflege wurde bereits hingewiesen. Der Einfluss der Interaktionsarbeit auf die Pflege wird auch dadurch deutlich, dass die Emotionsarbeit als psychische Belastung angesehen werden kann, die zu negativen Auswirkungen, wie dem Burnout-Syndrom, führt. Hierfür sprechen Befunde von Studien, die bei Pflegekräfte Korrelationen von emotionaler Dissonanz und Burnout nachwiesen(Giesenbauer/Glaser 2006: 64 ff.). Zudem teilen Pflegewissenschaftler die Auffassung, dass Emotionsarbeit bisher unzureichend wahrgenommen wurde und ein Bewusstsein für deren Bedeutung eine Grundlage zur Verbesserung der Arbeitskonstellation der Pflege darstellt (Giesenbauer/Glaser 2006: 66 f.). Ebenso erhielten die Gefühlsarbeit und das subjektivierende Arbeitshandeln in der Forschung bisher wenig Beachtung. Dies stellt eine defizitäre Betrachtung des Arbeitsfeldes der Pflege dar (Böhle et al. 2006: 34). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Interaktionsarbeit, als Kernaufgabe von Gesundheitsdienstleistungen, aufgrund ihrer zentralen Bedeutung mehr Beachtung entgegengebracht werden sollte.

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Details

Titel
Arbeitsbewertung nach dem Verfahren ABAKABA
Untertitel
Ein Konzept zur Verbesserung der Lohngerechtigkeit im deutschen Dienstleistungssektor der Pflege?
Hochschule
Hochschule Fulda
Note
1.3
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V182755
ISBN (eBook)
9783656066705
ISBN (Buch)
9783656066279
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflegemanagement, Personalmanagement, Personalführung, Arbeitsbewertung, Lohngerechtigkeit, Interaktionsarbeit, ABAKABA, Funktionsbewertungsverfahren, Konzept, Pflegepersonal
Arbeit zitieren
Sophia Schulz (Autor), 2011, Arbeitsbewertung nach dem Verfahren ABAKABA , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182755

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