Körper - Kunst - Therapie


Skript, 2011
28 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Einleitung

1. Körper, Geist und Psyche im sozialen und therapeutischen Kontext
1.1 Gesellschaftliche Phänomene: Wellness versus Mainstream?
1.2 Körper und Psyche in der Therapie - Ganzheitliche Ansätze und Methoden

2. Körper, Kunst und Therapie
2.1 Körper-und Selbstbewusstsein in der Gegenwartskunst
2.2 Körpererleben und Kunsttherapie
2.3 Selbstversuch: Mein Körper-Stimmungs-Tagebuch

3. Erkenntnis

Literatur

Abbildungsnachweis

Vorwort

Die vorliegende Arbeit wurde bereits im Jahr 2009 erstellt und bewertet und erst jetzt für die Veröffentlichung aktualisiert.

Einige Abbildungen wurden aus urheberrechtlichen Gründen entfernt, statt dessen finden sich in den neu hinzugefügten Fußnoten Hinweise auf entsprechende Bildquellen. Alle weiteren Bilder liegen nun in verbesserter Qualität vor.

Die beschriebene kunsttherapeutische Methode „Körper-Stimmungs-Tagebuch“ wurde in dieser Form erstmals im Jahr 2009 von der Autorin entwickelt und erprobt. Studien oder Erfahrungen zur therapeutischen Wirksamkeit des beschriebenen Vorgehens in der Praxis liegen bislang nicht vor.

Mühlhausen, im November2011

Einleitung

Im Seminar „Klinische Kunsttherapie“ wurden verschiedene Krankheitsbilder und Methoden aus dem Bereich der Psychosomatik betrachtet und entsprechende kunsttherapeutische Mittel erprobt und reflektiert.

Unter anderem wurde dabei auch über Störungen der Körperwahrnehmung im Fall von Patienten mit Essstörungen gesprochen und über die psychosozialen Zusammenhänge diskutiert sowie eine mögliche künstlerische/ kunsttherapeutische Auseinandersetzung - zum Beispiel mit Hilfe von Collagen und Körperumrisszeichnungen - durchgeführt und besprochen.

Mich persönlich interessieren hier insbesondere die Zusammenhänge zwischen Körper und Kunst in der Therapie, deshalb möchte ich dieses Arbeitsbuch dazu nutzen, zunächst einen allgemeinen Überblick über Körpererleben, soziales Umfeld und Therapieformen zu geben, auf die Bedeutung des Körpers in der modernen Kunst einzugehen und schließlich die entsprechenden Möglichkeiten der Kunsttherapie zu erörtern.

Außerdem werde ich einen kleinen Selbstversuch einbeziehen und mein Vorgehen hinsichtlich der Anwendbarkeit im therapeutischen Kontext überdenken.

(Hinweis: Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit verwende ich weitestgehend die männliche Form, also z.B. Patient statt Patientin, meine damit aber natürlich beide Geschlechter.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Körper, Geist und Psyche im sozialen und therapeutischen Kontext

1.1 Gesellschaftliche Phänomene: Wellness versus Mainstream?

Wenn wir die Augen weit öffnen und uns einmal um unsere eigene Achse drehen, dann nehmen wir einen Bruchteil der Welt wahr, die uns umgibt.

Es ist eine Welt globaler Verschmelzungen; ein unfassbarer Sumpf gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Widersprüchlichkeiten, Wandlungen und Krisen, der sich rasend schnell um uns herum bewegt.

Eine Welt in der sich technische Errungenschaften wie beispielsweise der Computer oder das Handy schneller entwickeln und etablieren als ein Mensch vom Kind zum Erwachsenen werden kann (vgl. Schlicker 2009, Scharmer 2002) - wo demnach keine Zeit und kein Raum bleiben für die speziellen Bedürfnisse, Ideen und Wünsche des Einzelnen.

Oder? Oder ist es vielmehr so, dass wir uns eine eigene kleine Parallelwelt erschaffen, in der alles einen Platz hat. Eine eigene Wirklichkeit, die für alle nachvollziehbar und nacherlebbar ist - in der Kochsendungen, Einrichtungsshows und TV-Castings boomen und in der jeder für sich (mit Hilfe von Maharadja-Badeöl, Inselblüten-Weichspüler und Diamantglanz-Tabs) die äußere mit der inneren Welt in Einklang bringen und die Harmonie im Körper wieder herstellen kann, um in dem ihn umkreisenden Megaversum zu bestehen. Da lädt die Volkshochschule neben Crash-Kursen zur Bedienung von Fahrkartenautomaten vor allem auch Hausfrauen und Mütter zu Pilates, Qi-Gong, Yoga und Bauchtanz-Gruppen ein und das örtliche Kaufhaus veranstaltet Beautytage für Singles über 30.

Wellness ist das Modewort der Saison (und zwar ununterbrochen), man findet es im Reiseprospekt des deutschen Jugendherbergsverbandes ebenso schnell wie beim alltäglichen Einkauf im Billigdiscounter. Die Botschaft dahinter könnte lauten: Fühl’ dich wohl, nutze den Tag, achte auf dich. Lerne, „den Moment zu akzeptieren wie er ist“ (Ayan 2006, p.40). An sich ein guter Rat, „denn das kann Stress, Depressionen und Schmerzen lindern' (ebd.). Unter Verwendung der entsprechenden Literatur oder mit den passenden Freizeitgruppen und Kursen kann tatsächlich jeder lernen, Stress abzubauen und sich in seiner Haut wohl zu fühlen. Wichtig ist dabei, für sich selbst die richtigen Mittel und Wege herauszufinden. Und genau darin liegt die Schwierigkeit: Die zahlreichen Angebote, die uns durch unser soziales und mediales Umfeld vermittelt werden, können schnell auch eine Überforderung bedeuten. Informationen und Möglichkeiten allein genügen nicht, man muss auch wissen, wie man gut damit umgeht. „Auch Menschen ohne psychische Probleme haben es heute nicht leicht, gesund zu leben“(Eggers und Liebers 2005, p.68), was insbesondere am Thema der sogenannten gesunden Ernährung deutlich wird: Während Ernährungsaufklärer der letzten fünfzig Jahre davon ausgingen, „dass Menschen nur vernünftige Informationen benötigen, um sich auch vernünftig zu verhalten“, hat sich diese Annahme inzwischen als reichlich naiv entpuppt (ebd.).

Realitätsferne, durch die Medien oftmals noch zusätzlich verzerrte Idealbilder von jungen, schlanken und hochsportlichen Menschen stiften zusätzlich Verwirrung. Sie setzen sich vor allem in den Köpfen alleingelassener Teenager fest und können auf Dauer die Körper- und Selbstwahrnehmung verfälschen - ein typisches Symptom vor allem bei Menschen, die unter einer Essstörung leiden: „Bulimische und anorektische Patienten überschätzen ihre Körpermaße erheblich“ und müssen ihren eigenen Körper erst wieder neu für sich entdecken und kennenlernen (ebd.).

Unterschiedliche Therapieansätze befassen sich deshalb mit dieser Problematik und betrachten dabei vor allem auch die Zusammenhänge zwischen körperlichen Symptomen und der psychischen Verfassung des Menschen.

1.2 Körper und Psyche in der Therapie - Ganzheitliche Ansätze und Methoden

„Das Ich ist vor allem ein körperliches“, schrieb Freud im Jahr 1923 (zit. n. Kutter 2007, p.60) und wies damit auf einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Körper und Psyche hin. Heute beziehen verschiedene Psychotherapeutische Ansätze die körperliche Befindlichkeit des Patienten mit ein, umgekehrt werden körperliche Erkrankungen auch mit Hilfe psychotherapeutischer Methoden behandelt.

In einem Artikel über Essstörungen schreiben Christian Eggers und Verena Liebers (2005), dass diese sowohl körperliche als auch seelische Symptome nach sich ziehen und fassen dementsprechend verschiedene Psychotherapieformen zusammen, die nach ihrer Meinung beide Bereiche abdecken können: Die Gestalttherapie, die Systemische Therapie, die Verhaltenstherapie und auch die Psychoanalyse. Die Gestalttherapie als ganzheitlich orientierter Ansatz legt großen Wert auf eine achtsame Körperwahrnehmung, bei der Systemischen Therapie werden vor allem die Einflüsse unterschiedlicher Beziehungs­erfahrungen betrachtet und die Verhaltenstherapie sucht vorrangig nach praktischen Wegen aus de Krise, während die Psychoanalyse deren Ursprüngen auf den Grund zu geht (p.71, vgl. auch Kriz1994).

Aber nicht nur bei Essstörungen ist eine übergreifende Herangehensweise sinnvoll.

Louise Reddemann (2007) beschreibt in ihrem Buch „Imagination als heilsame Kraft“ zur Behandlung Traumatisierter auch verschiedene Achtsamkeits- und Körperübungen und stellt fest, dass „man auf Dauer Psychotherapie mit traumatisierten Menschen ohne Einbeziehung des Körpers nicht angemessen betreiben kann“ (p.108). An anderer Stelle sagt sie sogar, dass die „Konzentration auf eine andere körperliche Ausdrucksweise zu einer Veränderung von Gefühlen und Befindlichkeiten führen kann“ (ebd., p.92).

Erwähnenswert finde ich in diesem Zusammenhang auch die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan, die „speziell auf die Bedürfnisse von Borderline- Patienten zugeschnitten ist und dabei fernöstliche Meditationstechniken mit Verhaltenstherapie verbindet“(Boll 2008, p.38). Die Therapie beinhaltet dabei u.a. „Körper- und Gestalttherapie, soziales Kompetenztraining, Achtsamkeitsgruppen, Frühsport sowie vieles mehr“, ist also nicht auf eine rein psychotherapeutische Komponente beschränkt, sondern bezieht auf verschiedene Art und Weisen die Körperwahrnehmung der Patienten ebenso mit ein wie auch das Zurechtfinden in ihrem alltäglichen sozialen Umfeld. Außergewöhnlich ist auch das sogenannte Skills-Training, welches ebenfalls einen wichtigen Bestandteil der DBT darstellt. Als Skills (engl. für „Fertigkeiten“ oder auch „Rüstzeug) werden dabei starke Sinnesreize und andere Ablenkungsmethoden bezeichnet, die bei sehr hoher Anspannung, wie sie gerade Borderline-Patienten oft erleben, Linderung schaffen können - beispielsweise „Chillischoten kauen, kalt duschen, [...] den Boxsack bearbeiten“(ebd.) usf. Dabei werden „konkrete Handlungstipps wieder mit Ideen der eigenen inneren Achtsamkeit verknüpft“(ebd.), dass heißt, der Patient lernt, seine eigenen Skills zu finden und zum richtigen Zeitpunkt anzuwenden - und so auf eine ebenso effektive aber deutlich gesündere Art Luft abzulassen als durch Selbstverletzung oder anderes selbstschädigendes Verhalten.

Sich selbst zu spüren und anders wahrzunehmen, ein positiveres Verhältnis zum eigenen Körper aufzubauen, dass ist z.B. auch bei der Arbeit mit Schmerzpatienten ein wichtiges Thema, insbesondere im Bereich der Psychosomatik. Viele Menschen reagieren auf Stress und Überlastung oder psychische Konflikte mit körperlichen Symptomen. Und solche Somatisierungen tauchen vermehrt auch bei Kindern auf, bei denen ein spielerisches und synästhetisches Vorgehen besonders wichtig ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Körper - Kunst - Therapie
Hochschule
Fachhochschule für Kunsttherapie Nürtingen
Autor
Jahr
2011
Seiten
28
Katalognummer
V182762
ISBN (eBook)
9783656065210
ISBN (Buch)
9783656065425
Dateigröße
25341 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Körper, Kunst, Kunsttherapie, Psychosomatik, Essstörungen, Körperschemastörung, Wellness, Ganzheitliche Ansätze, Körperbild, Psychotherapie, Selbsterfahrung
Arbeit zitieren
Jenny Gösche, geb. Moder (Autor), 2011, Körper - Kunst - Therapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182762

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