Die Neue Institutionenökonomik sowie insbesondere die Transaktionskostentheorie haben in den letzten 40 Jahren in den Wirtschaftswissenschaften, aber auch anderen Wissenschaftsdisziplinen stark an Bedeutung gewonnen. Diese Arbeit hat zum Ziel, einen Überblick über die Transaktionskostentheorie zu geben, diese zu analysieren und kritisieren sowie anhand eines Beispiels in Bezug auf ihre Anwendbarkeit in einem realen Marktszenario zu prüfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die neue Institutionenökonomik – Überblick
3. Die Transaktionskostentheorie
3.1 Ursprung und Erweiterung der Transaktionskostentheorie
3.1.1 Ronald H. Coase
3.1.2 Oliver E. Williamson
3.1.3 Douglass C. North
3.2 Zentrale Elemente der Transaktionskostentheorie
3.2.1 Transaktionen
3.2.2 Transaktionskosten
3.2.3 Einflussfaktoren auf Transaktionskosten
3.2.3.1 Unsicherheit
3.2.3.2 Häufigkeit
3.2.3.3 Faktorspezifität
3.3 Kriterien zur Wahl der Koordinationsform
4. Theorieimmanente Kritik an der Transaktionskostentheorie
4.1 Definnitorische Ungenauigkeit zentraler Begriffe
4.2 Das Coase/Williamson-Paradigma
5. Analyse und Kritik der Anwendbarkeit der Transaktionskostentheorie in einem realen Marktkontext – Der Hummermarkt von Maine
5.1 Der Hummermarkt von Maine – Überblick
5.2 Der Hummermarkt von Maine – Einflussfaktoren auf Transaktionskosten
5.2.1 Unsicherheit – Informationsverteilung und Opportunismus
5.2.2 Häufigkeit
5.2.3 Faktorspezifität
5.3 Der Hummermarkt von Maine – transaktionstheoretische Annahmen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Transaktionskostentheorie theoretisch zu erläutern, kritisch zu hinterfragen und deren Anwendbarkeit anhand eines realen Marktbeispiels – der Hummerindustrie in Maine – zu prüfen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit die Theorie in der Lage ist, Strukturen und Entwicklungen in komplexen Marktszenarien präzise abzubilden.
- Grundlagen und zentrale Konzepte der Neuen Institutionenökonomik und Transaktionskostentheorie.
- Analyse der Einflussfaktoren wie Unsicherheit, Häufigkeit und Faktorspezifität auf Transaktionskosten.
- Kritische Auseinandersetzung mit der definitorischen Schärfe und dem Coase/Williamson-Paradigma.
- Empirische Fallstudie zum Hummermarkt von Maine hinsichtlich markt- und unternehmensinterner Koordinationsformen.
- Vergleich zwischen theoretischen Annahmen und realwirtschaftlichen Gegebenheiten.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Ronald H. Coase
Zentral in Coases Artikel „The Nature of the Firm“ ist die Frage nach den Gründen für die Existenz von Unternehmen […] in einem Wirtschaftssystem, das, wie die neoklassische Theorie postuliert, „die optimale Allokation der Ressourcen dadurch erreicht, daß der Preismechanismus des Marktes die Koordination zwischen individuell und dezentral handelnden Wirtschaftseinheiten bewirkt.“ (Brand 1990: 9) So war „Vor 1937 […] theoretisch völlig ungeklärt, warum in einer Marktwirtschaft ökonomische Aktivitäten dem Preismechanismus entzogen und hierarchisch innerhalb einer Unternehmung koordiniert werden sollten.“ (Jost 2001: 1)
In Abkehr von der neoklassischen Theorie, sieht Coase die Haupterfordernis von Unternehmen in der Reduktion von Transaktionskosten, die bei der Koordination wirtschaftlicher Aktivitäten innerhalb eines Marktes (z.B. die Suche nach Preisen, Verhandlungen und Vertragsunterzeichnungen) durch den Preismechanismus entstehen. So hält Coase mit Blick auf die Kosten fest: „The main reason why it is profitable to establish a firm would seem to be that there is a cost of using the price mechanism. The most obvious cost of 'organizing' production through the price mechanism is that discovering what the relevant prices are. […] The costs of negotiating and concluding a seperate contract for each exchange transaction which takes place on a market must also be taken into account.“ (Coase 1937: 336 zit. nach Brand 1990: 11)
So folgert Coase, dass – auch wenn Transaktionskosten nie gänzlich eliminiert werden können – es eine alternative Institution geben könnte, die diese Koordination unter bestimmten Umständen zu niedrigeren Kosten ausführt als der freie Markt: Das Unternehmen beziehungsweise die Unternehmensführung. Im Gegensatz zum Markt erfolgt die Koordination im Unternehmen nicht selbstregulierend, nach dem Prinzip der „invisible hand“ des schottischen Ökonomen Adam Smith über den Preismechanismus, sondern durch aktive Abwägung und Steuerung der Unternehmensführung – also in gewisser Weise durch eine „visible hand“. So gesteht Coase nicht nur dem Markt sondern darüber hinaus auch dem Unternehmen eine Koordinationsfunktion zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Forschungsprogramm der Neuen Institutionenökonomik ein und definiert das Ziel, die Transaktionskostentheorie auf den Hummermarkt von Maine anzuwenden.
2. Die neue Institutionenökonomik – Überblick: Dieses Kapitel verortet die Theorie als Teil der Neuen Institutionenökonomik und definiert grundlegende Begriffe sowie den Fokus auf ökonomische Effizienz durch Institutionen.
3. Die Transaktionskostentheorie: Hier werden die Ursprünge bei Coase, Williamson und North sowie zentrale Elemente wie Transaktionen, Kosten und deren Einflussfaktoren detailliert dargelegt.
4. Theorieimmanente Kritik an der Transaktionskostentheorie: Dieses Kapitel adressiert Schwächen in der definitorischen Präzision und hinterfragt die Annahme eines starren Dualismus zwischen Markt und Hierarchie.
5. Analyse und Kritik der Anwendbarkeit der Transaktionskostentheorie in einem realen Marktkontext – Der Hummermarkt von Maine: Eine Fallstudie zur Hummerindustrie, die theoretische Annahmen mit den komplexen, informell geprägten Strukturen der realen Marktwirtschaft konfrontiert.
Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen und empirischen Erkenntnisse zusammen und resümiert die begrenzte Vorhersagekraft der Theorie für reale, durch soziale Faktoren geprägte Märkte.
Schlüsselwörter
Transaktionskostentheorie, Neue Institutionenökonomik, Ronald H. Coase, Oliver E. Williamson, Faktorspezifität, Unsicherheit, Markthierarchie, Hummerindustrie, Maine, Opportunismus, Koordinationsformen, Institutionen, ökonomische Effizienz, Marktversagen, soziale Netzwerke.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transaktionskostentheorie, deren theoretischen Fundamenten sowie einer kritischen Analyse ihrer Anwendbarkeit auf reale Marktbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Neue Institutionenökonomik, die Definition und Messbarkeit von Transaktionskosten sowie die koordinierende Rolle von Unternehmen im Vergleich zum freien Markt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die theoretischen Annahmen der Transaktionskostentheorie ausreichen, um die Funktionsweise und Strukturen eines spezifischen realen Marktes, hier der Hummerindustrie in Maine, vollständig zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deduktiven Ansatz, indem sie theoretische Konzepte der Transaktionskostentheorie darlegt und diese anschließend mittels einer Fallstudie (Hummerindustrie in Maine) auf ihre praktische Relevanz und Übertragbarkeit hin überprüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Kernelemente der Theorie (Coase, Williamson, North), eine kritische Diskussion der Methodik und Begriffsdefinitionen sowie die detaillierte empirische Anwendung auf den Hummermarkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Transaktionskostentheorie, Faktorspezifität, Opportunismus, Markthierarchie, Institutionen und Hummermarkt.
Warum ist der Hummermarkt von Maine als Fallbeispiel gewählt worden?
Dieser Markt dient als Beispiel für ein komplexes soziales Geflecht, in dem formale und informelle Regeln interagieren, was einen spannenden Kontrast zu den oft statischen Modellen der Transaktionskostentheorie bietet.
Zu welcher Schlussfolgerung gelangt der Autor bezüglich der Theorie?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Theorie zwar nützlich ist, um Tendenzen aufzuzeigen, aber die Komplexität realer Märkte, in denen soziale Faktoren und persönliche Bindungen eine zentrale Rolle spielen, nicht vollständig in einem Modell erfassen kann.
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- Lino Hermes (Author), 2010, Die Transaktionskostentheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182776