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Die Politikformulierungsfähigkeit der Ministerialverwaltung: Strukturdefizit oder Folge der Funktionslogik des parlamentarischen Regierungssystems?

Title: Die Politikformulierungsfähigkeit der Ministerialverwaltung: Strukturdefizit oder Folge der Funktionslogik des parlamentarischen Regierungssystems?

Seminar Paper , 2003 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sascha Walther (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Entgegen dieser klassischen Dichotomie von Politik und Verwaltung bestimmen heute Schlagworte wie „politische Verwaltung“ oder „verwaltete Politik“ die Diskussion. Während der Verwaltung traditionell der Nimbus des neutralen Staatsdieners anhaftet, zitiert man diesen Neutralitätsanspruch heute nicht nur als „,Lebenslüge des Obrigkeitsstaates’“ und hebt insbesondere den politischen Charakter der Bürokratie hervor.3 Dieser Wandel des ministeriellen Bewusstseins muss folglich nicht nur unter demokratietheoretischen Gesichtspunkten kritisch hinterdacht werden, sondern impliziert auch, dass die ohnehin schwer zu trennenden Bereiche Politik und Verwaltung funktional ineinander greifen und die Verwaltung in Bereiche einzudringen vermag, die sich nach der klassischen Trennung die politische Führung vorbehalten hatte (z.B. Politikformulierung). Vor allem wird hier, angesichts der Befürworter und Gegner der ausschließlichen Verwaltungsführung durch die Politik, die Frage aufgeworfen, ob die funktionale Verschränkung von Politik und Verwaltung ein Strukturdefizit oder eine akzeptable Folge des parlamentarischen Regierungssystems der Bundesrepublik sei. Um diese Frage zu klären, wartet insbesondere die Politikformulierungstätigkeit in der Ministerialverwaltung als interessanter Untersuchungsgegenstand auf. Während klassische Vorstellungen dem Parlament den Primat der Programmaufstellung unterstellen, und dem Verwaltungsapparat ausschließlich die Programmausführung zuweisen, belegen empirische Daten, dass der unpolitische Vollzug von Programmen als prädominante Aufgabe der Verwaltung längst der Fiktion anheim fällt. Am Beispiel der Politikformulierungsfähigkeit der Ministerialverwaltung lässt sich somit vor allem auch veranschaulichen, wie und unter welchen Bedingungen die Verwaltung zusammen mit der politischen Führung keine strikt hierarchische, sondern eine kooperative Beziehung zu pflegen weiß. Diesen Ansatz will die vorliegende Hausarbeit aufgreifen und weitergehend untersuchen, inwiefern die Politikformulierungsfähigkeit der Ministerialbürokratie auf Bundesebene ein Defizit oder eine logische Folge des parlamentarischen Regierungssystems ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Die Ministerialverwaltung zwischen Politikdurchführung und Politikformulierung

2 Normative Perspektive: Ansätze zur ministeriellen Politikformulierung als Strukturdefizit

2.1 Max Weber: Bürokratische Herrschaft

2.2 Rolf-Richard Grauhan: Das Modell der legislatorischen Programmsteuerung

3 Ansätze zur ministeriellen Politikformulierung als Folge der Funktionslogik parlamentarischer Regierungssysteme

3.1 Empirische Identifikation: Die Programmentwicklungstätigkeit der Ministerialverwaltung

3.2 Ursachen für die vermehrte Programmentwicklungstätigkeit der Ministerialverwaltung

3.2.1 Erfordernisse des parlamentarischen Regierungssystems

3.2.2 Politische Einstellungen der Ministerialbeamten

4 Fazit: Die Ministerialverwaltung zwischen organisatorischer Kontinuität und Aufgabenwandel

5 Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Politikformulierungsfähigkeit der Ministerialverwaltung auf Bundesebene. Ziel ist es zu klären, ob diese Tätigkeit als Strukturdefizit zu werten ist oder als logische Konsequenz aus der Funktionslogik des parlamentarischen Regierungssystems resultiert.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der klassischen Dichotomie von Politik und Verwaltung
  • Analyse der Bürokratietheorie nach Max Weber und des Modells legislatorischer Programmsteuerung
  • Empirische Untersuchung der Programmentwicklungstätigkeit der Ministerialbürokratie
  • Erörterung der Auswirkungen parlamentarischer Regierungssysteme auf die Verwaltungsaufgaben
  • Untersuchung der politischen Einstellungen und des Selbstverständnisses von Ministerialbeamten

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Erfordernisse des parlamentarischen Regierungssystems

Das parlamentarische Regierungssystem wird dem Idealtypus der Gewaltentrennung zwischen Legislative und Exekutive, den die Mütter und Väter des Grundgesetzes im parlamentarischen Rat vor Augen hatten, nicht gerecht. Anstatt dessen bezeichnet man das Beziehungsgefüge zwischen Parlament und Regierung als „neuen Dualismus“, der die klassische politische Grenzlinie zwischen Parlament und Regierung auflöst und diese zwischen der Aktionseinheit aus Parlamentsmehrheit (Regierungsfraktionen) und aus ihr hervorgegangener Regierung auf der einen Seite und der parlamentarischen Opposition (Oppositionsfraktionen) auf der anderen Seite neu konstruiert.

Dies hatte weitreichende Auswirkungen auf die Verwaltung, deren Entscheidungs- und Handlungskorridor erheblich erweitert werden konnte. So spricht Carl Böhret davon, dass es „nicht mehr die streng gesetzesausführende Administration [gäbe], sondern eine vielfältige Aufgaben bearbeitende, Entscheidungen mitbestimmende, Kompetenzen ausdehnende und ,politisch orientierte’ Verwaltung, die sogar einen unmittelbaren Auftrag aus der Gesellschaft für sich beansprucht.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Die Ministerialverwaltung zwischen Politikdurchführung und Politikformulierung: Einführung in das Spannungsfeld zwischen klassischer Gewaltentrennung und der modernen Realität der Politikformulierung durch die Bürokratie.

2 Normative Perspektive: Ansätze zur ministeriellen Politikformulierung als Strukturdefizit: Darstellung theoretischer Modelle von Max Weber und Rolf-Richard Grauhan, die eine strikte Trennung von Politik und Verwaltung fordern.

3 Ansätze zur ministeriellen Politikformulierung als Folge der Funktionslogik parlamentarischer Regierungssysteme: Untersuchung der empirischen Realität der Programmentwicklung in der Verwaltung und der systembedingten Ursachen dafür.

4 Fazit: Die Ministerialverwaltung zwischen organisatorischer Kontinuität und Aufgabenwandel: Abschließende Bewertung der janusköpfigen Rolle der Ministerialbürokratie zwischen administrativer Kontinuität und politischer Gestaltungsmacht.

5 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.

Schlüsselwörter

Politikformulierung, Ministerialverwaltung, parlamentarisches Regierungssystem, Bürokratie, Politikdurchführung, Strukturdefizit, Programmsteuerung, Gewaltenteilung, Ministerialbürokratie, politisches Selbstverständnis, Regierungsfraktionen, Politikwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, warum die Ministerialverwaltung in der Bundesrepublik zunehmend Funktionen der Politikformulierung übernimmt und ob dies mit dem parlamentarischen System vereinbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Rolle der Bürokratie, das Modell der legislatorischen Programmsteuerung, das parlamentarische Regierungssystem sowie das politische Selbstverständnis der Beamten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Es soll geklärt werden, ob die Politikformulierungsfähigkeit der Verwaltung ein zu korrigierendes Strukturdefizit darstellt oder eine logische Folge der politischen Systemstruktur ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse klassischer bürokratischer Modelle sowie auf die Auswertung empirischer Daten zur Gesetzgebungstätigkeit und beamtischer Einstellungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine normative Perspektive auf Basis klassischer Theorien sowie eine empirische Analyse der Ursachen für die verstärkte Programmentwicklung durch Ministerialbeamte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Politikformulierung, Ministerialverwaltung, parlamentarisches Regierungssystem, Bürokratie und Gewaltenteilung.

Wie bewerten die untersuchten Theorien die Rolle der Verwaltung?

Modelle wie die von Max Weber betrachten die Verwaltung idealerweise als rein ausführendes, instrumentelles Organ ohne eigene politische Gestaltungswünsche.

Welche Rolle spielt das "Entparlamentarisierungs-Syndrom"?

Das Phänomen beschreibt die Sorge, dass durch die Verlagerung von Gesetzgebungsaufgaben in die Verwaltung die ursprüngliche Gestaltungskraft und Kontrolle des Parlaments abnimmt.

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Details

Title
Die Politikformulierungsfähigkeit der Ministerialverwaltung: Strukturdefizit oder Folge der Funktionslogik des parlamentarischen Regierungssystems?
College
University of Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Course
Politik und Verwaltung im Bundesstaat
Grade
1,3
Author
Sascha Walther (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V18280
ISBN (eBook)
9783638226639
ISBN (Book)
9783656072768
Language
German
Tags
Politikformulierungsfähigkeit Ministerialverwaltung Strukturdefizit Folge Funktionslogik Regierungssystems Politik Verwaltung Bundesstaat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sascha Walther (Author), 2003, Die Politikformulierungsfähigkeit der Ministerialverwaltung: Strukturdefizit oder Folge der Funktionslogik des parlamentarischen Regierungssystems?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18280
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