Nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges 1939 und somit dem Sieg der Nationalisten über die Liberalisten, begann in Spanien die bis 1975 andauernde Franco- Ära, eine „Phase der Regression“ , die Spaniens Geschichte nachhaltig prägte. Die Errungenschaften der zweiten Republik, die in Spanien von 1931- 1936 herrschte, wurden nahezu komplett durch neue Reformen und Gesetzeseinführungen des Franco- Regimes zunichte gemacht. Zu den Innovationen der zweiten Republik zählten das Vorantreiben und die zögernde aber fortschreitende Adaption des Liberalismus, Kommunismus, der Freimaurerei und des Sozialismus. Die zweite Republik zeigte sich vor allem fortschrittlich in Bezug auf den Zugewinn an Rechten für die Frau. Es wurde eine Zahl von Reformen eingeführt, die bedeutend für die weiblichen Staatsbürger dieser Zeit gewesen sind: Die Wahlstimme der Frau wurde anerkannt, die Zivilehe sowie die Scheidung legalisiert. Außerdem hatten Mann und Frau arbeitsrechtlich annähernd die gleichen Grundlagen und es wurde eine Gesetzgebung eingeführt, die arbeitende Mütter schützte. Symbolisch für die neue Bewegung in Richtung Gleichberechtigung war die Tatsache, dass 1932 elf Frauen in das Spanische Parlament gewählt wurden. Dies konnte als ein großer Erfolg der zuvor stattgefunden politischen Reformen gewertet werden.
Unter der Herrschaft Francos, die bis zu seinem Tod im November 1975 andauerte, wurde sich jedoch bewusst jeglicher Modernisierung entzogen und sich zurück auf traditionelle Werte und Strukturen besonnen. Franco beschrieb es mit der „, Rückkehr zu den ureigensten Elementen des spanischen Wesens’“ . Es wurde schnell klar, dass die Frau nach franquistischen Grundprinzipien als das unterlegene Geschlecht eingeordnet wurde ; dies beschränkte sich nicht nur auf eine internalisierte, nicht gesetzlich festgelegte Ideologie, sondern gipfelte in der Einführung von Gesetzen, die den weiblichen und den männlichen Staatsbürgern unterschiedliche Rechte einräumten. Es gab augenscheinlich abweichende Beurteilungskriterien für Mann und Frau und unangemessenes Verhalten konnte in einer möglichen Bestrafung durch die unter Franco eingeführten geschlechterspezifischen Gesetzlichkeiten münden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesamtüberblick der Situation der Frau von 1939- 1975
2.1. Grundzüge des Systems Francos
2.2. Beruf und Bildung
2.3. Institution Familie
2.4. Die Kirche und die „Sección Femenina“
3. Veränderungen nach 1975
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziopolitische Stellung und das gesellschaftlich konstruierte Bild der Frau während der Franco-Ära in Spanien (1939–1975). Ziel ist es, die systematische Unterdrückung der weiblichen Bevölkerung, die durch gesetzliche Restriktionen, kirchliche Dogmen und ein patriarchales Familienverständnis zementiert wurde, historisch einzuordnen und die zaghaften Ansätze der Emanzipation sowie die Entwicklungen nach 1975 zu beleuchten.
- Gesetzliche Benachteiligung und rechtliche Abhängigkeit der Frau vom Ehemann.
- Die Einschränkung von Bildungsmöglichkeiten und der Ausschluss vom regulären Arbeitsmarkt.
- Die Rolle der katholischen Kirche und der „Sección Femenina“ bei der Propagierung des Frauenideals.
- Soziale und rechtliche Veränderungen für Frauen nach dem Ende des Franco-Regimes.
Auszug aus dem Buch
2. Gesamtüberblick der Situation der Frau ab 1939
Mit dem Übergang zum neuen Regime unter Francisco Franco ab 1939 setzte eine Reihe spürbarer Veränderungen ein, die sich auf sämtliche Lebensbereiche der Spanier erstreckten. Für die Frau bedeutete die Zeit der Franco- Ära einen massiven Rückfall zurück zu den ursprünglichsten Werten und Verhaltensmustern, die kaum Spielraum für eine individuelle Entwicklung ließen. Ihr Bewegungsspielraum war hauptsächlich auf ihr eigenes Zuhause beschränkt, ihre Berufstätigkeit wurde auf weniger qualifizierte Arbeitsplätze reduziert, insofern es ihr überhaupt gestattet war zu arbeiten, und sie sollte dem Ehemann gegenüber ehrfürchtig und demütig sein . Der Frau wurde es strengstens empfohlen, sich von nun an nach dem neuen „ideal feminino“ zu richten, das das Leitbild für die spanische Frau darstellte.
Die in Deutschland zu der Zeit verbreitete Redewendung „Kinder, Küche, Kirche“ wurde von den Franco- Anhängern adaptiert und an das Spanische angepasst, in dem es dann hieß: „casa, cocina, calceta“.7 Dieser Leitspruch beinhaltete die drei Aspekte im Leben einer Frau, denen die ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen sollte: Neben dem Großziehen und Hüten der Kinder gehörten das Kochen und der regelmäßige Kirchgang zu den bedeutendsten Tätigkeiten der der Frau. In Federico García Lorcas Drama „Yerma“ wird dieser Tatbestand gut von der Hauptfigur Yerma thematisiert:
Pero yo no soy tú. Los hombres tienen otra vida: los ganados, los árboles, las conversaciones, y las mujeres no tenemos más que ésta de la cría y el cuidado de la cría.8.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den historischen Bruch zwischen der fortschrittlichen Zweiten Republik und dem darauffolgenden regressiven Franco-Regime, das die Frau gezielt in eine rechtlose, häusliche Rolle drängte.
2. Gesamtüberblick der Situation der Frau von 1939- 1975: Dieses Kapitel analysiert das Leben der Frau unter der Diktatur, geprägt von Unterdrückung, patriarchalen Werten und dem Ideal „casa, cocina, calceta“.
2.1. Grundzüge des Systems Francos: Hier werden die ideologischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen des Franco-Regimes beleuchtet, die auf Angst und Unterdrückung basierten und Frauen systematisch diskriminierten.
2.2. Beruf und Bildung: Dieser Abschnitt thematisiert die massiven Einschränkungen für Frauen in der Ausbildung sowie auf dem Arbeitsmarkt, wo sie lediglich als günstige Arbeitskräfte oder Notlösung betrachtet wurden.
2.3. Institution Familie: Die Familie diente dem Regime als fundamentale Zelle der Gesellschaft, wobei die Frau als Ehefrau und Mutter zur Unterordnung und zum Gehorsam gegenüber dem Mann verpflichtet war.
2.4. Die Kirche und die „Sección Femenina“: Diese Institutionen fungierten als ideologische Sprachrohre des Regimes, welche das Frauenbild durch moralische Kontrolle und öffentliche Kampagnen aktiv mitgestalteten.
3. Veränderungen nach 1975: Dieses Kapitel beschreibt den gesellschaftlichen Wandel nach Francos Tod, der mit der Verfassung von 1978 und neuen politischen Initiativen langsam zur Gleichstellung der Frau führte.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Auswirkungen der jahrzehntelangen Unterdrückung zusammen und würdigt die Bedeutung internationaler Abkommen wie CEDAW für den demokratischen Aufbruch Spaniens.
Schlüsselwörter
Franco-Ära, Frauenbild, Spanien, Patriarchat, Unterdrückung, Gleichberechtigung, Sección Femenina, Zweite Republik, Familienpolitik, Diskriminierung, Emanzipation, Arbeitsmarkt, Bildung, Zivilehe, CEDAW
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziokulturelle Stellung der Frau in Spanien während der Diktatur unter Francisco Franco und untersucht, wie staatliche und kirchliche Strukturen das Frauenbild beeinflussten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen und sozialen Benachteiligung, der Rolle der Familie, dem Ausschluss aus Bildung und Beruf sowie dem Einfluss von Kirche und Falange-Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, den Rückfall der Frauenrechte nach 1939 und die langsame, schwierige Entwicklung hin zur Gleichstellung nach dem Ende der Diktatur 1975 zu dokumentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Gesetzesentwürfen und soziologischen Analysen zur Situation der Frau im Franquismus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der franquistischen Grundgesetze, die Arbeitsmarkt- und Bildungssituation, die institutionelle Bedeutung der Familie sowie die Rolle von Kirche und „Sección Femenina“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Franco-Ära, Frauenbild, Patriarchat, Diskriminierung, Emanzipation, Familienpolitik und Gleichstellung.
Welche Bedeutung hatte das Gesetz „Fuero de Trabajo“ für Frauen?
Es festigte die patriarchalen Strukturen, indem es die Familie als „natürliche Urzelle“ schützte und Frauen nach der Hochzeit effektiv vom Arbeitsmarkt ausschloss.
Warum blieb die Emanzipation der Frau auch nach 1975 schwierig?
Die tief verwurzelten konservativen Strukturen und das internalisierte Rollenbild in der spanischen Gesellschaft wirkten auch nach dem Tod Francos lange nach und erschwerten die vollständige soziale Gleichstellung.
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- Maya Marquardt (Author), 2009, Wie konzipierte sich das Frauenbild zu Zeiten der Franco-Ära?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182818