Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Der Tugendhafte (spoudaios, phronimos) in der Tugendethik - Vom Vorrang des Besonderen gegenüber dem Allgemeinen

Title: Der Tugendhafte (spoudaios, phronimos) in der Tugendethik - Vom Vorrang des Besonderen gegenüber dem Allgemeinen

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 26 Pages , Grade: 1

Autor:in: Edgar Hegner (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

[...] Ich möchte nun nicht prüfen, ob die neue Tugendethik ihren Ansprüchen gerecht wird. Auf ihre mangelnde Eigenständigkeit und mangelnde normative Kraft wurde gelegentlich hingewiesen. Zudem weist Otfried Höffe auch auf eine häufig vereinfachte Darstellung Aristoteles hin. Das von den Tugendethiker vertretene Begründungsverfahren, das scheinbar auf Prinzipien verzichtet, um einfach nur auf den Tugendhaften zu verweisen, zog jedoch mein Interesse auf sich. Ich möchte mich direkt an die Texte von Aristoteles wenden und klären, ob Aristoteles uns wirklich keine Handlungsprinzipien oder nützlichen Verallgemeinerungen für Entscheidungssituationen vermittelt und im zweiten Teil meiner Arbeit nach den Gründen für den Vorrang des Besonderen gegenüber dem Allgemeinen fragen.
Die aristotelische Ethik fragt nach dem guten Leben und dem guten Menschen bzw. dem Tugendhaften. Als Handelnder sehe ich mich jedoch häufig mit der Frage konfrontiert, ob diese oder jene Handlung richtig ist, und darauf scheinen die modernen ethischen Theorien eine direktere Antwort zu geben, da bei ihnen wie erwähnt Handlungen im Zentrum stehen. Wie beantwortet die aristotelische Ethik diese Frage? Eine Handlung ist gut, wenn sie tugendhaft ist, d.h. wenn sie dem entspricht, was ein tugendhafter Akteur tun würde. Um selbst tugendhaft zu werden, müssen wir so handeln, wie ein tugendhafter Akteur handeln würde. Was bedeutet nun aber „Handle so, wie ein Tugendhafter handeln würde!“? Dies ist eine zentrale Frage meiner Arbeit. Damit die Nikomachische Ethik als Orientierungshilfe dienen kann, muss man verstehen, was der Begriff des Tugendhaften beinhaltet und welche spezielle Handlungsweise diesen Tugendhaften auszeichnet. Ich möchte im weiteren Verlauf meiner Arbeit auf diese Fragen eingehen. Die Fragen, ob für das gute Leben die Ausbildung der Tugenden wirklich von Nöten ist und ob, die Tugend tatsächlich als eine Mitte bezeichnet werden kann, klammere ich im Rahmen dieser Arbeit aus. Ich werde sie bejahend voraussetzen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der Tugendhafte

1.1 Zwischen platonischem Absolutismus und sophistischem Relativismus

1.2 „spoudaios“ und „phronimos“

1.2.1 Abgrenzung gegenüber dem Weisen

1.2.2 Das bedeutungsvolle Erfahrungswissen

1.2.3 Der Tugendhafte - ein Experte in der Kasuistik

1.2.4 Bedeutung der Lust

1.2.5 Abgrenzung der Tugend gegenüber Geschicklichkeit

1.3 Fazit aus der Charakterisierung des Tugendhaften

2. Was bleibt uns übrig? - Die eigene Urteilskraft

2.1 Die Verse Hesiods

2.2 Die Unmöglichkeit den Tugendhaften zu erkennen

2.3 Notwendigkeit des eigenen Urteilsvermögens

2.4 Das Prinzip der Mitte

2.5 Ein Ratschlag

2.6 Die „Belohnung“ unserer Bemühungen

3. Gründe für den Vorrang des Besonderen gegenüber dem Allgemeinen

3.1 Erkenntnistheoretische Schwierigkeit

3.2 Der Zweck ethischer Untersuchungen

3.3 Instabilität im Bereich der Handlungen

3.4 Die Partikularität ethischer Untersuchungen

3.5 Fehlende Flexibilität

3.6 Bedeutung der Gesinnung

3.6 Die Unbestimmtheit des personalisierten Gesetzes

4. Nachwort

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die aristotelische Aufforderung, sich am Handeln eines tugendhaften Akteurs zu orientieren, und hinterfragt, warum Aristoteles dabei dem Besonderen und Individuellen den Vorrang gegenüber allgemeinen moralischen Prinzipien einräumt.

  • Analyse des Begriffs des "Tugendhaften" (spoudaios) als moralischer Orientierungspunkt.
  • Untersuchung der Grenzen einer rein prinzipienbasierten Ethik.
  • Diskussion der Bedeutung von Erfahrungswissen und persönlicher Urteilskraft.
  • Herausarbeitung der Gründe für die Partikularität ethischer Entscheidungen bei Aristoteles.

Auszug aus dem Buch

1.2.3 Der Tugendhafte - ein Experte in der Kasuistik

Dass die Tugend stets das Mittlere ist, kann nach Aristoteles vom common sense noch eingesehen werden, doch die Schwierigkeit liegt darin, das Mittlere zu finden, d.h. dieses Prinzip anzuwenden. Und bei der Anwendung kommt dem spoudaios nun zugute, dass er nicht weltfremd und nur weise ist, sondern ein reiches Erfahrungswissen besitzt. R. Schottlaender zeigt, dass der spoudaios die Mitte durch eine Art von „Wahrnehmung“ findet, die ihre Existenz aus dem „Geschehenen“ erhält. Für Aristoteles gibt es zwei letztinstanzlich gültige geistige Wahrnehmungen; eine theoretische, die logische Wahrheiten erkennt und eine praktische, in der sich der spoudaios auszeichnet. Die praktische Wahrnehmung zielt im Gegensatz zur theoretischen auf konkrete Einzelfälle ab, die im Syllogismus in der zweiten Prämisse stehen. Das „aus der Erfahrung stammende Auge“ des spoudaios sublimiert die einzelnen Handlungen unter die allgemeinen auch vom common sense akzeptierten Wertprinzipien wie Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit, die in der ersten Prämisse stehen.

Diese durch Erfahrung gewonnene Sehkraft in den Dingen der Moral, welche speziell den spoudaios auszeichnet, bewährt sich in der überlegten Entscheidung, die aus zwei Akten besteht. In einem ersten Schritt sublimiert der theoretisch erfassende Akt ein Einzelfall unter die allgemein wahren Wertprinzipien (praktische Wahrnehmung). Ist diese Unterordnung erfolgreich, so entsteht ein praktisches Erstreben, das in einem zweiten Akt zweckmässig in die Tat umgesetzt werden muss.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Tugendhafte: Dieses Kapitel charakterisiert den tugendhaften Menschen als jemanden, der durch praktische Klugheit und Erfahrung moralische Entscheidungen trifft, statt sich auf abstrakte transzendente Regeln zu stützen.

2. Was bleibt uns übrig? - Die eigene Urteilskraft: Hier wird dargelegt, dass das Fehlen eindeutiger, kommunizierbarer Kriterien uns dazu zwingt, das eigene Urteilsvermögen zu schulen und durch stetige Übung die moralische Mitte zu suchen.

3. Gründe für den Vorrang des Besonderen gegenüber dem Allgemeinen: Dieses Kapitel erläutert, warum Aristoteles das Besondere bevorzugt, da ethische Fragen oft komplex, instabil und nicht durch allgemeine, starre Regeln vollständig erfassbar sind.

4. Nachwort: Das Nachwort reflektiert die Offenheit der aristotelischen Ethik und zieht Parallelen zu aktuellen Debatten in der modernen Ethik sowie der Ökonomie, insbesondere hinsichtlich der Flexibilität in der Entscheidungsfindung.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Tugendethik, spoudaios, phronimos, praktische Klugheit, Partikularität, Moral, Handlungsprinzipien, Erfahrungswissen, Urteilskraft, Mitte, Kasuistik, Ethik, Charakter, Moralpsychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die aristotelische Ethik mit Fokus auf die Handlungsanweisung, so zu handeln, wie ein Tugendhafter es tun würde, und untersucht die Hintergründe der Abkehr von starren Prinzipien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle des Tugendhaften, die Notwendigkeit von Erfahrungswissen, die Unzulänglichkeit allgemeiner moralischer Prinzipien und der Vorrang des Besonderen in der praktischen Ethik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu klären, warum Aristoteles den Vorrang des Besonderen gegenüber dem Allgemeinen betont und warum eine prinzipienlose Orientierung am tugendhaften Akteur für ihn zentral ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine textanalytische Herangehensweise, indem er direkt die Texte von Aristoteles (insbesondere die Nikomachische Ethik) interpretiert und durch moderne Sekundärliteratur zur Tugendethik ergänzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung des Tugendhaften, die Notwendigkeit der eigenen Urteilskraft trotz fehlender Kriterien und die Begründung des Vorrangs des Besonderen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Tugendethik, spoudaios, praktische Klugheit, Partikularität und die aristotelische Lehre der Mitte.

Warum ist der Tugendhafte bei Aristoteles schwer zu identifizieren?

Da der Tugendhafte nach Aristoteles keine allgemein gültigen, kommunizierbaren Regeln aufstellt, sondern seine Entscheidung aus einer komplexen, persönlichen Erfahrungswelt trifft, bleibt er für den noch nicht Tugendhaften schwer greifbar.

Wie verhält sich die "Geschicklichkeit" zur "Klugheit"?

Während Geschicklichkeit reines Nützlichkeitsdenken ohne Rücksicht auf den moralischen Wert des Ziels ist, verbindet die Klugheit das Nützlichkeitsdenken mit der moralischen Tugend, um den richtigen Weg zum "guten Leben" zu finden.

Excerpt out of 26 pages  - scroll top

Details

Title
Der Tugendhafte (spoudaios, phronimos) in der Tugendethik - Vom Vorrang des Besonderen gegenüber dem Allgemeinen
College
University of Fribourg  (Antike Philosophie)
Course
Aristoteles - Tugendethik
Grade
1
Author
Edgar Hegner (Author)
Publication Year
2003
Pages
26
Catalog Number
V18285
ISBN (eBook)
9783638226660
ISBN (Book)
9783640462834
Language
German
Tags
Tugendhafte Tugendethik Vorrang Besonderen Allgemeinen Aristoteles Tugendethik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Edgar Hegner (Author), 2003, Der Tugendhafte (spoudaios, phronimos) in der Tugendethik - Vom Vorrang des Besonderen gegenüber dem Allgemeinen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18285
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  26  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint