Die Effizienz von Kapitalmärkten – Grundsätzliche Überlegungen


Seminararbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Effizienz von Kapitalmärkten
2.1 Der Kapitalmarkt
2.2 Technische Analyse und Fundamentalanalyse
2.3 Die Voraussetzungen effizienter Kapitalmärkte
2.3.1 Allokationseffizienz
2.3.2 Bewertungseffizienz
2.3.3 Informationseffizienz
2.3.4 Operationale Effizienz
2.4 Effizienzmarkthypothese (EMH)
2.4.1 Schwache Form der Informationseffizienz
2.4.2 Halbstrenge Form der Informationseffizienz
2.4.3 Strenge Form der Informationseffizienz
2.5 Beurteilung der Informationseffizienz
2.5.1 Empirische Tests zur schwachen Informationseffizienz
2.5.1.1 Die Filterregel
2.5.1.2 Der Korrelationstest
2.5.1.3 Der „Runs“-Test
2.5.2 Empirische Tests zur halbstrengen Informationseffizienz
2.5.3 Empirische Tests zu strengen Informationseffizienz

3 Schlusswort

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis Seite

Abbildung 1: Zur Unterscheidung von Geld- und Kapitalmärkte

Abbildung 2: Zusammenhang zwischen den Kapitalmarkteffizienzbegriffen

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen den Graden der Informationseffizienz

1. Einleitung

Seit Ende der 50er Jahre wurden immer wieder Diskussionen über die Bewertung einer Aktie geführt. Währenddie Vertreter der BehavioralFinanceden Kapitalmarkt als „ineffizient“ einstufen, mit der Begründung, dass der Wert einer Aktie durch psychologische Einflüsse gebildet wird, sind die Vertreter der empirischen Kapitalmarktforschung, allen voran Eugene Fama, anderer Meinung. Nach ihrer Auffassung fließen Informationen relativ schnell und ohne weitere Zeitverzögerung in den Aktienkurs ein.

Aktuell mehren sich vor allem auch in der Wissenschaft Stimmen, welche die seit

Jahrzehnten dominierenden Modelle des effizienten Kapitalmarktes aufgrund ihres unzureichenden Erklärungs- und Prognosegehalts zunehmend als unbefriedigend erachten. Dementsprechend ist es von großer Bedeutung herauszufinden, ob und wie der Kapitalmarkt effizient arbeitet.

Ziel dieser Seminararbeit ist es dabei, neben der Darstellung der wesentlichen theoretischen Grundlagen, einen verständlichen Überblick über dieses vielschichtige Themengebiet zu vermitteln. Dies soll durch die Veranschaulichung der einzelnen Effizienzarten sowie speziell den der Informationseffizienz erreicht werden.

Diese Seminararbeit klärt in einem kurzen Abriss den Kapitalmarkt im engeren Sinne (Vgl. Kapitel 2.1). Anschließend werden die Unterschiede der Technischen Analyse und der Fundamentalanalyse definiert (Vgl. Kapitel 2.2).

Im Zuge der Informationseffizienz wird in Kapitel 2.3 und 2.4.1die Random-Walk-Theorie erläutert. Kapitel 2.4 widmet sich im Anschluss an einer kurzen Einführung der Effizienzmarkthypothese, den einzelnen Formen der Informationseffizienz (schwache, halbstrenge und strenge Form). Es wird neben der bereits genannten Random-Walk-Theorie, auch das Martingal-Modell vorgestellt. Schließlich werden zu den einzelnen Formen der Informationseffizienz auch dieempirischen Tests vorgestellt, welche als Diskussionsansatz zwischen den eingangs erwähnten „Finanzparteien“ dient.

Abschließend bildet ein Ausblick in Kapitel 3 den Schluss dieser Seminararbeit.

2. Die Effizienz von Kapitalmärkten

2.1 Der Kapitalmarkt

Finanzmärkte lassen sich in Geld- und Kapitalmärkte segmentieren. Diese Teilmärkte lassen sich durch die Fristigkeit der Transaktionen (Laufzeit)unterscheiden. Fremdkapitalkontrakte (Wertpapiere, Noten) werden mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr am Geldmarkt gehandelt. An diesem Teilmarkt handeln überwiegend Banken und Unternehmen. Dabei verspricht der Schuldner (Staat, Bank, Unternehmen) dem Gläubiger (Bank, Unternehmen) Rückzahlung und Zins eines erworbenen Schuldscheins. Der Kapitalmarkt definiert sich als börsenähnlicher organisierter Handel, an dem Anleihen mit einer Laufzeit von über einem Jahr gehandelt werden.[1]

Abbildung 1: Zur Unterscheidung von Geld- und Kapitalmärkte[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kapitalmärkte werden in vollkommene und unvollkommene Märkte unterschieden. Ein Kapitalmarkt gilt beispielsweise als vollkommen, wenn bei einer Transaktion keine Zeitverzögerungeintreten, alle Informationen für Interessenten kostenlos zur Verfügbarkeit gestellt werden und keine weiteren Gebühren und Steuern in Rechnung gestellt werden. Diese Annahmen bezeichnete Fama 1970 als hinreichende Bedingung eines informationseffizienten Kapitalmarktes.[3] Sollte einer dieser genannten Bedingungen fehlen, so wird der Kapitalmarkt als unvollkommen bezeichnet.

Die wichtigste Aufgabe des Kapitalmarktes liegt darin, Kapitalangebot und -nachfrage zusammenzuführen. Der Kapitalgeber kann entscheiden, welcher Nachfrage er nachgehen will und kann so über die Verwirklichung von Geschäftsmodellen, die Entstehung von Arbeitsplätzen und letztendlich über das Wachstum der Wirtschaft entscheiden.[4]

Das Kapitalangebot besteht überwiegend aus Sparbeiträge einzelner Haushalte. Viele dieser Anleger zögern, ihre Ersparnisse über längeren Zeitraum anzulegen und sind nicht in der Lage, den Kapitalbedarf der kapitalsuchenden Unternehmen zu decken. Der Kapitalmarkt muss daher gewisse Voraussetzungen (Effizienzarten) erfüllen, um die Ersparnisse der privaten Haushalte den Unternehmen zuführen zu können.[5] Bevor diese Effizienzarten in Kapital 2.3 näher definiert werden, bedarf es zuerst der Unterscheidung zwischen der Technischen Analyse und der Fundamentalanalyse.

2.2 Technische Analyse und Fundamentalanalyse

Die Technische Analyse versucht aus den vergangenen Kursverläufen (Charts) zukünftige Trends zu erkennen. Ein Trend bildet sich durch das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage. Überwiegt die Nachfrage das Angebot, so werden die Kurse steigen und umgekehrt. Mit Hilfe von Mustern oder Regelmäßigkeiten versuchen die Technischen Analysten auf fallende beziehungsweise steigende Kurse zu spekulieren.[6]

Die Fundamentalanalyse untersucht vor allem die betrieblichen, branchenbezogenen und volkswirtschaftlichen Daten eines Unternehmens. Die Aktien werden hinsichtlich ihres Inneren Wertes bewertet. In erster Linie ist der Innere Wert einer Aktie der Versuch, einen passenden Preis für ein Unternehmen am Markt zu ermitteln. Dieser wird durch den Ertragswert einer Aktie gebildet und verhält sich proportional zur Ertragsentwicklung. Für diese Berechnung stehen den Fundamentalanalysten Daten wie Jahresabschlüsse und Ertragserwartungen zur Verfügung.[7] Die Beziehung zwischen dem Inneren Wert und der Bewertungseffizienz wird in Kapitel 2.2.2 erklärt.

Die psychologischen Einflüsse, die in die Technische Analyse einfließen, finden in der Fundamentalanalyse keine Verwendung. Grund dafür ist der unterschiedliche Ansatz beider Analysearten. Während die Technische Analyse die Auswirkungen von Marktbewegungen untersucht, konzentriert sich die Fundamentalanalyse auf die Ursachen.[8]

2.3 Die Vorrausetzungen effizienter Kapitalmärkte

2.3.1 Allokationseffizienz

Die Allokationseffizienz gilt als die wichtigste Vorrausetzung des Kapitalmarktes. Diese Effizienzart führt derjenigen Investition das zur Verfügung stehende Kapital zu, welche in der Regel den größten Bedarf aufweist und somit auch die höchste Rentabilität verspricht (= Verteilungsfunktion). Die Ersparnisse der Haushalte werden somit den kapitalsuchenden Unternehmen zugeführt, die das Kapital am dringendsten benötigen. Der Grad der Allokationseffizienz lässt sich als Quotient aus dem realisierten Gewinn der Markteilnehmer und dem maximal möglichen Gewinn bestimmen.[9]

Die Allokationseffizienz betrifft in erster Linie den Primärmarkt(Emissionsmarkt), welcher neue Finanztitel (Aktien, Anleihen und Pfandbriefe) am Kapitalmarkt platziert.Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen(Emittenten), die erstmals Anteile an der Börse verkaufen, werden IPOs (Initial Public Offering) genannt.Diese Emittenten müssen den Investoren einen Anreiz in Form einer attraktiven Verzinsung bieten, da ihnen sonst kein Kapital zufließen wird.

Durch den Mehrwert, der aus neuemittierten Aktien entsteht, scheint der Primärmarkt auf den ersten Blick eine größere Bedeutung zu haben als der Sekundärmarkt, auf welchem die bereits emittierten Aktien gehandelt werden. Allerdings bleibt derVermögensverteilungseffekt undberücksichtigt, welcher den Investoren erlaubt, ihre Vermögensstrukturen, Fristen und Risiken bei Bedarf zu ändern. Diese Möglichkeiten, veranlassen die Investoren dazu, in neue Wertpapiere zu investieren, was sich wiederum positiv auf die Allokation am Primärmarkt auswirkt.[10]

Die Allokationseffizienz setzt die in den folgenden Abschnitten erläuterten drei Effizienzarten voraus.

2.3.2 Bewertungseffizienz

Kapitalmärkte werden als Bewertungseffizient bezeichnet, wenn der Kurs einer Aktie dem Fundamentalwert (Innere Wert) des Wertpapiers entspricht. Der Marktpreis eines Wertpapiers wird durch die zukünftigen Zahlungen und durch den Kapitalisierungszins gebildet. Die Bewertung der zukünftigen Zahlung wird durch den Erwartungswert des Investors gebildet, während der Kapitalisierungszins alle risikoadäquaten Renditen des Investors wiederspiegelt. Die Marktpreise müssen sich dabei nicht nur schnell und ohne Reibungsverluste an veränderte Informationslagen anpassen können, sondern diese auch noch richtig verarbeiten können.

Die Technische Analyse bzw. die nichtfundamentalen Faktoren gelten im Allgemeinen daher als Widerspruch der Kapitalmarkteffizienz.[11]

[...]


[1] Spremann / Gantenbein (2005): S. 37

[2] Vgl. Spremann /Gantenbein (2005): S. 38 und 40 (Schaubilder wurden modifiziert)

[3] Fama (1970): o.S.

[4] Häuser (1976): S. 1059 und Lindemann (2004): S. 4 (Vgl. Vollmer: S.42)

[5] Häuser (1976): S. 1060 (Vgl. Vollmer: S. 42)

[6] Schwager (2005): S. 30

[7] Frei/Schlienkamp (1998;1999): S. 241 ; S. 109f

[8] Murphy (2004): S. 24f

[9] Kübler (1977): S. 89 sowie Kübler/Assmann (2006): S. 469 (Vgl. Vollmer S. 42)

[10] Steiner/Bruns (1998): S. 2

[11] Vollmer (2008): S. 102

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Effizienz von Kapitalmärkten – Grundsätzliche Überlegungen
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V182880
ISBN (eBook)
9783656067740
ISBN (Buch)
9783656067825
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Effizienzmarkthypothese, Allokationseffizienz, Bewertungseffizienz, Informationseffizienz, Operationale Effizienz, Kapitalmarkt, Effizienz, Filterregel, Korrelationstest, Technische Analyse, Fundamentalanalyse, Die Effizienz von Kapitalmärkten
Arbeit zitieren
Tim Maier (Autor), 2010, Die Effizienz von Kapitalmärkten – Grundsätzliche Überlegungen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182880

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